Tlemcen

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تلمسان
ⵜⵍⴻⵎⵙⴻⵏ
Tlemcen
Tlemcen (Algerien)
Red pog.svg
Koordinaten 34° 53′ N, 1° 19′ W34.883055555556-1.3194444444444Koordinaten: 34° 53′ N, 1° 19′ W
Basisdaten
Staat Algerien

Provinz

Tlemcen
Höhe 842 m
Einwohner 140.158 (2008)
Webseite citedetlemcen.free.fr (französisch)
Kultur
Schutzpatron Abu Madyan
Tlemcen
Tlemcen

Tlemcen (arabisch ‏تلمسان‎, Tilimsān; tamazight ⵜⵍⴻⵎⵙⴻⵏ Tlemsen; bei Leo Africanus auch Telensin) ist eine Stadt im westlichen Algerien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Ibn Chaldun bezeichnet sie als das Zentrum des mittleren Maghreb. Ihre Blütezeit hatte die Stadt, als sie unter den Abdalwadiden von 1236 bis 1554 Hauptstadt eines Reichs in Westalgerien war. Wirtschaftliche Bedeutung hat die Produktion von Teppichen, Lederwaren und Textilien. Die Stadt hat knapp über 140.000 Einwohner[1] und liegt auf etwa 800 m ü. NN und lehnt sich an den Gebirgszug Lalla Setti.[2]

Lage[Bearbeiten]

140 km südwestlich von Oran , am Fuße des Jebel Terni, liegt Tlemcen zwischen den Ortschaften El Eubbad (östlich) und Mansura (westlich) . Die Stadt liegt auf einer Kalkhochebene und wird vom südlichen Hang des Lalla Setti gesäumt. Weitere Hochebenen in der Region sind die Tafna und Safsaf.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Tlemcen - Zenata - Messali El Hadj liegt 22 km nordwestlich der Stadt.

Die Stadt besitzt eine Seilbahn, die 2009 eingeweiht wurde, die die westlichen Bezirken mit der Lalla Seti Hochebene verbindet.

Tlemcen liegt an der Ost-West-Autobahn. Sie verbindet Tlemcen mit Annaba.

Die Eisenbahn erlebte seit den frühen 1990er Jahren einen Aufschwung, ein Intercity-Zug verbindet Tlemcen mit Sabra. Nach der Wiederaufnahme des Eisenbahnpersonenverkehrs zwischen Oran und Tlemcen über Sidi Bel Abbes und der Wiedereröffnung der Verbindung zwischen Tlemcen mit Maghnia, konnte der Transport von Waren und Produkten der tlemcener Wirtschaft, nicht nur erleichtert, sondern auch gesteigert werden, insbesondere der Zugang zu Häfen wie Ghazaouet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der während der Abdalwadiden-Dynastie errichtete Mechouar in Tlemcen

Die Innenstadt von Tlemcen besteht aus traditionell und französisch-kolonial geprägten Quartieren. Es existieren Bauwerke, die Zeugnisse eines hohen kulturellen Standes islamischer Kultur repräsentieren. In den schachbrettartigen Straßenanlagen der Kolonialzeit hat man Platanenalleen angelegt. Südöstlich des alten Zentrums befinden sich die Festungsanlagen des Mechouar (Zitadelle). Unweit der Stadt in nordöstlicher Richtung sind Reste der ehemaligen römischen Ansiedlung Pomaria erhalten.

Im Stadtgebiet existieren mehrere Moscheen, von denen die Große Moschee, ihre heutige Gestalt stammt aus dem Jahr 1132, und die Moschee Sidi Bel Hassen zu den wichtigen alten Baudenkmalen der Stadt zählen. In Letzterer ist das Museum zur Geschichte untergebracht. Es zeigt Exponate archäologischer Grabungen, prähistorische Funde und geologischer Verhältnisse aus der Region. Eine Besonderheit des Museums bildet der prachtvoll gestaltete Mihrab mit einem Stalaktitgewölbe.

Nennenswert ist weiterhin die Moschee des Sidi Haloui, in deren Betsaal Onyxmarmorsäulen mit gestalteten Kapitellen den Innenraum verzieren. Die im weiteren Umfeld der Stadt vorhandenen Lagerstätten farbiger Sinterkalke haben auf diese Weise in der Architektur Tlemcens und seiner Region, so auch in Fès und in Paris als wertvolle farbige Dekorationsgesteine für herausgehobene Zwecke Eingang gefunden. Einzelne Vorkommen von ihnen wurden bereits in der römischen Epoche abgebaut.

Schutzpatron[Bearbeiten]

Schutzpatron der Stadt ist der Sufi-Heilige Abū Madyan, der 1126 als Schu'aib ibn Husain in Sevilla geboren wurde, in Mekka und Bagdad die Erfahrungen für seine Glaubenslehre erwarb und sich schließlich im Dorf El Ubbad (al-ʿUbbād al-Suflī) bei Tlemcen niederließ. Nach seinem Tod 1197/98 wurde sein Grabmal (qubba)[3] Ziel von jährlichen Pilgerfahrten. Ein anderer verehrter und einflussreicher Sufi-Mystiker aus dem 12. Jahrhundert ist Abdallah es-Schudhi, der ein angesehener Richter in Sevilla war, bis er nach langen Reisen in Tlemcen hängenblieb, wo er Süßigkeiten an Kinder verkaufte und als Heiliger erkannt wurde.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Wissenschaft
Kunst
Sport
Politik

Klimatabelle[Bearbeiten]

Tlemcen
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
36
 
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7
 
 
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13
 
 
6.8
 
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17
 
 
1.1
 
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2.4
 
33
20
 
 
13
 
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17
 
 
21
 
26
14
 
 
38
 
21
10
 
 
31
 
18
8
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tlemcen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17,3 17,5 19,5 22,2 25,4 29,7 31,8 32,8 28,9 25,7 21,1 18,2 Ø 24,2
Min. Temperatur (°C) 6,6 6,8 7,8 9,4 13,0 16,8 19,1 20,2 17,1 13,7 9,9 7,8 Ø 12,4
Niederschlag (mm) 35,9 44,6 47,1 31,5 23,6 6,8 1,1 2,4 13,4 21,2 38,3 31,4 Σ 297,3
Sonnenstunden (h/d) 6,4 6,7 7,8 8,7 9,3 10,1 10,7 9,9 8,8 7,5 6,7 6,1 Ø 8,2
Regentage (d) 5 6 4 5 4 1 0 0 2 3 5 5 Σ 40
Luftfeuchtigkeit (%) 73 73 70 68 67 63 59 58 65 67 70 72 Ø 67
T
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m
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17,3
6,6
17,5
6,8
19,5
7,8
22,2
9,4
25,4
13,0
29,7
16,8
31,8
19,1
32,8
20,2
28,9
17,1
25,7
13,7
21,1
9,9
18,2
7,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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35,9
44,6
47,1
31,5
23,6
6,8
1,1
2,4
13,4
21,2
38,3
31,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tlemcen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.geohive.com/cntry/algeria.aspx?levels=Tlemcen Geohive.com Bevölkerungsstatistik
  2. Birgit Agada, Adolf Schuster, Algerien S. 183
  3. Ubbad (mosque, madrasa and tomb of Abu Madyan or Sidi Bumadyan). Discover Islamic Art. Museum with no Frontiers
  4. Uwe Topper: Sufis und Heilige im Maghreb. Eugen Diederichs Verlag, München 1984, S. 44–50