Todesfall Rudolf Rupp

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Der Todesfall Rudolf Rupp ereignete sich im Herbst 2001 im Stadtteil Heinrichsheim von Neuburg an der Donau (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen). Er gilt als einer der bizarrsten Fälle in der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte.[1]

Chronologie[Bearbeiten]

Der 52-jährige Bauer Rudolf Rupp, genannt Rudi, verschwand im Herbst 2001 spurlos nach einem Wirtshausbesuch, bei dem er sich betrunken hatte.

Im Jahr 2005 verurteilte das Landgericht Ingolstadt Rupps Ehefrau Hermine Rupp und den damaligen Ex-Freund einer der Töchter, Matthias Eisenhofer, wegen Totschlags zu je achteinhalb Jahren Haft.[1] Die Angeklagten hatten unter zweifelhaften Umständen gestanden, Rupp erschlagen, zerstückelt und danach an die auf dem Hof lebenden Schweine, Dobermänner, den Bullterrier und den Schäferhund verfüttert zu haben. Diese Geständnisse hatten die Angeklagten noch vor Prozessbeginn widerrufen.[2][3][4] Die beiden zum Zeitpunkt von Rupps Verschwinden 15 und 16 Jahre alten Töchter Andrea und Manuela wurden zu zweieinhalb bzw. dreieinhalb Jahren Jugendstrafe wegen Beihilfe durch Unterlassen verurteilt.[1]

Laut dem Urteil des Landgerichts Ingolstadt lauerte Matthias Eisenhofer, als Rudolf Rupp aus dem Wirtshaus nach Hause zurückgekehrt war, diesem im Treppenhaus auf und schlug ihm hinterrücks mit einem Vierkantholz ins Genick. Rupps Ehefrau und seine beiden Töchter sollen den jungen Mann dabei angefeuert und den Wehrlosen mit obszönen Schimpfwörtern bepöbelt haben. Auch Hermine Rupp soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ihrem Ehemann mit der Latte auf den Kopf geschlagen, die Töchter auf ihren am Boden liegenden Vater eingetreten haben. Im Keller sollen Matthias Eisenhofer und seine Verlobte dem noch lebenden Rupp mit einem Hammer die Schläfe eingeschlagen haben. Am nächsten Morgen zerlegten Hermine Rupp und Eisenhofer laut Anklage den toten Bauern mit einem Messer, einer Säge und einer Axt. Umfassend hatte überdies Matthias Eisenhofer in seinem zunächst abgelegten Geständnis geschildert, wie er Arme und Beine des Bauern abtrennte, den Leib aufschnitt, die Organe entnahm und das Blut mit einem Margarinebecher in einen Eimer abschöpfte; wie er die Leichenteile an die auf dem Hof lebenden Dobermänner, den Bullterrier und den Schäferhund verfütterte[4].

2009 wurde in der Donau bei Bergheim (Oberbayern) der Mercedes-Pkw Rupps mit der teilweise skelettierten, ansonsten aber unversehrten Leiche auf dem Fahrersitz gefunden[1][4]. Damit war erwiesen, dass weite Teile der vom Landgericht Ingolstadt in seinem Urteil getroffenen Feststellungen so definitiv nicht stimmen können. Dennoch lehnte die Justiz ein Wiederaufnahmeverfahren lange Zeit ab; erst 2011 (die Verurteilten waren mittlerweile nach Verbüßung von mehr als zwei Dritteln ihrer Freiheitsstrafen aus der Haft entlassen worden) kam es zu einem zweiten Verfahren, in dem das Landgericht Landshut die Beschuldigten schließlich freisprach. Das Gericht sprach den Angeklagten dabei zum Teil auch Ansprüche auf Entschädigungszahlungen zu. Es zeigte sich allerdings trotz der Freisprüche überzeugt, dass einer oder mehrere der Beschuldigten den als Tyrann geltenden Landwirt getötet haben, und schloss einen Unfall aus. Es lasse sich lediglich nicht beweisen, wer für den Tod verantwortlich sei.[1]

Der Fall löste ein großes Medienecho aus.[5]

Wie die detaillierten falschen Geständnisse vor dem ersten Prozess zustande gekommen waren, ist bis heute nicht geklärt.[1] Im März 2012 sprach der Spiegel-Verlag in seiner Internetausgabe Spiegel online sowie dem Fernsehmagazin Spiegel TV von einem Justizskandal und erhob schwere Anschuldigungen gegen die Justiz. Die Geständnisse der beschuldigten Angehörigen seien unter Druck zustande gekommen.

Ein Beitrag der Frontal 21-Sendung (ZDF) am 30. Juli 2013 zog Parallelen zum Justizskandal Horst Arnold und zur Causa Gustl Mollath, die ebenfalls vielen als Justizskandal gilt.[6]

Strafverfolgung des Schrotthändlers Ludwig Hecht[Bearbeiten]

Der in der Nähe von Neuburg an der Donau ansässige Schrotthändler Ludwig Hecht war von der Kriminalpolizei für die Beseitigung von Rudolf Rupps verschwundenem Mercedes verantwortlich gemacht worden. Infolge dessen saß Hecht 2004 fünf Monate lang in Untersuchungshaft; unschuldig wie man heute weiß. Die Verhörmethoden der Polizei bei Ludwig Hecht waren Jahre später Gegenstand eines Strafverfahrens gegen Hecht. Dieses sorgte für erheblichen Wirbel in der Öffentlichkeit, da der Eindruck bestand, dass mit Ludwig Hecht hier der Falsche angeklagt worden war.

Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens, wegen der vier verurteilten Personen im Fall Rudolf Rupp, hatte Ludwig Hecht 2010 als Zeuge vor dem Landgericht Landshut berichtet, wie sehr er seinerzeit (2004) von der Ingolstädter Kriminalpolizei bedrängt worden sei, seine Beteiligung an der Tat zu gestehen. In dem Wiederaufnahmeverfahren vor Gericht hatte er geschildert, dass der Vernehmungsbeamte ihm damals seine Dienstpistole mit den Worten "Wir können auch anders" an die Schläfe gehalten hätte als er sich geweigert hatte das Vernehmungsprotokoll zu unterschreiben. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn daraufhin 2012 wegen Falscher Verdächtigung an. Gegen den Polizeibeamten, der im Verdacht steht, seine Dienstwaffe wie geschildert missbraucht zu haben, wurde jedoch überhaupt nicht ermittelt. Ludwig Hecht wurde vom Amtsgericht Landshut sodann freigesprochen. In seinem Plädoyer hatte der Staatsanwalt den Angeklagten Ludwig Hecht in der Hauptverhandlung als so wörtlich "Abschaum" bezeichnet und allen Ernstes eine Haftstrafe von 20 Monaten ohne Bewährung gegen ihn gefordert.[2][3][7][8][9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Gericht spricht im Fall Rupp Familie frei. Spiegel Online. Abgerufen am 25. Februar 2011.
  2. a b Methoden der Polizei: Absonderlichkeiten aus der Verhörstube. Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 18. Dezember 2012.
  3. a b Justizskandal im Fall Rudi Rupp. Spiegel Online. Abgerufen am 20. März 2012.
  4. a b c Das Rätsel des Rudolf Rupp. Spiegel Online. Abgerufen am 25. Februar 2011.
  5. Bundesweite ausführliche Berichterstattung, unter anderem Focus, Sueddeutsche.de, Bayerischer Rundfunk, Rheinische Post, Welt Online, Donaukurier oder T-Online.
  6. Video Frontal 21: Mollath – In den Mühlen der Justiz (21:00 Uhr, ab Minute 4:20) in der ZDFmediathek, abgerufen am 11. Februar 2014 (offline)
  7. Immer Ärger mit dem Staatsanwalt; in: Süddeutsche Zeitung Online vom 22. Oktober 2012
  8. "Abschaum": Staatsanwaltschaft fordert 20 Monate ohne Bewährung; in: Augsburger Allgemeine vom 3. Dezember 2012
  9. Freispruch für den Schrotthändler; in: Augsburger Allgemeine vom 17. Dezember 2012