Todeszug von Iași

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Festgenommene Juden in Iași
Todeszug von Iași

Der Todeszug von Iași, auch Iași-Pogrom genannt, bildete den Abschluss des größten Pogroms an der jüdischen Bevölkerung in Rumänien. Er fand in der Stadt Iași im Anschluss an den Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges am 29. Juni 1941 statt. [1] Der Pogrom wurde durch rumänische Regierungstruppen - teilweise unterstützt von deutschen Einheiten[2] – unter Aufsicht der rumänischen Behörden durchgeführt.[3] Im Laufe des Pogroms starben über 10.000 Menschen.[4]

Hintergrund[Bearbeiten]

Jüdische Bevölkerungsanteile in Rumänien um 1930

Im Oktober 1940 übernahm General Ion Antonescu in Rumänien die Staats- und Regierungsgeschäfte. Zur gleichen Zeit wurde Iași zur Hauptstadt der Eisernen Garde ernannt,[4] vergleichbar mit München als Hauptstadt der Bewegung für die Nationalsozialisten. Die Ernennung der Stadt zum Zentrum der antisemitischen Eisernen Garde war verbunden mit verschärften Repressionen gegenüber der einheimischen jüdischen Bevölkerung. Dazu gehörten nicht nur Übergriffe, sondern auch Beschlagnahmung jüdischen Besitzes und jüdischer Immobilien. Verbunden waren die Ausschreitungen mit offenem Antibolschewismus. Sie gipfelten bereits einen Monat später in der Zerstörung zweier Synagogen.[4] 1941 lebten 51.000 Juden in der Stadt.

Ablauf des Pogroms[Bearbeiten]

Tote Juden in den Straßen von Iași am 29. Juni 1941

Der rumänische Geheimdienst streute in der Stadt das Gerücht, dass die jüdische Bevölkerung den Luftstreitkräften der Sowjetunion Informationen zur Bombardierung der Stadt übermittelt hätte. Angestachelt durch die bewaffneten Einheiten der Rumänen und Deutschen begannen die ersten Übergriffe am Vorabend des 28. Juni. Während Tausende verhaftet wurden, wurde eine ähnliche Größenordnung auf offener Straße oder in ihren Häusern ermordet. Dabei kam es auch zu Plünderungen. Aus Angst vor dem wütenden Mob markierten Hausbewohner ihren Besitz mit: Hier leben Christen, keine Juden.

Am 29. Juni, als Schwarzer Sonntag bezeichnet, begannen Erschießungen durch rumänische Soldaten im Hinterhof des Hauptsitzes der Polizei. Die 4.330 Überlebenden[4] - nach anderen Angaben 7700[5] - wurden im Anschluss in geschlossene Güterwagen getrieben. Zwei Züge fuhren die Wagen acht Tage durch das rumänische Hinterland. Die meisten Gefangenen starben an Hunger oder Durst. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem verzeichnet 2.650 Tote während dieser Fahrt.

Einem Bericht des rumänischen Geheimdienstes vom Juli 1943[6] folgend kamen in Iași und in den beiden Deportationszügen 13.266 Menschen um. Die jüdische Gemeinde von Iași nennt über 15.000 Opfer.

Kriegsverbrecherprozesse[Bearbeiten]

Die rumänische Justiz klagte wegen des Pogroms in Iași nach dem Krieg 57 Personen an. Neben 21 Zivilisten und 22 Gendarmen mussten sich ebenso ehemalige höhere Militärs sowie der Bürgermeister von Iași und der Präfekt der Region verantworten. 156 Zeugen wurden vom Gericht geladen. Die meisten von ihnen waren Überlebende des Pogroms.

Ein Großteil der Angeklagten wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen den Frieden zu hohen Haftstrafen verbunden mit Lagerarbeit verurteilt, unter ihnen auch ehemalige Generäle. Die Strafarbeit sollte die Schadensersatzzahlungen abgelten. Nur wenige der angeklagten Personen wurden freigesprochen.

Gedenken[Bearbeiten]

Obelisk Iași Pogrom

Am 28. Juni 2011 wurde vor der Großen Synagoge in Iași ein Obelisk aus schwarzem Marmor und mehrere Gedenktafeln zum Jahrestag des Pogroms enthüllt. Er ersetzte einen alten Obelisken aus dem Jahr 1976. Die Große Synagoge ist die einzige von 110 Synagogen der Stadt, die den Krieg überstand.[7]

Der deutsch-italienische Schriftsteller Curzio Malaparte hielt sich im Juni 1941 als Kriegskorrespondent in Iași auf und beschrieb seine Erlebnisse im dokumentarischen Roman „Kaputt“ (Erstausgabe Napoli 1944).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sachbücher:

  • Jean Angel: Der Pogrom von Iasi am 29. Juni 1941. In W. Benz, B. Mihok (Hrsg.): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940–1944. Berlin 2009, ISBN 978-3-940938-34-3.
  • Jacques Zwieback: Der Todeszug von Iasi 1941: Ein Überlebender des größten Pogroms in Rumänien erinnert sich. Aus dem Rumänischen von Kathrin Lauer. Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn. Hartung-Gorre-Verlag, Konstanz 2002. ISBN 3-89649-804-5.

Literarische Verarbeitung:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iaşi pogrom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. * Jean Angel: Der Pogrom von Iași am 29. Juni 1941. In W. Benz, B. Mihok (Hrsg.): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940–1944. Berlin 2009, ISBN 978-3-940938-34-3
  2. Bert Hoppe, Hiltrud Glass (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945 Band 7. München 2011, ISBN 978-3-486-58911-5, S. 64.
  3. The Romanien Jewish Community: The Massacres at the Beginning of the War
  4. a b c d Yad Vashem: Iasi (German, Jassy)
  5. Bert Hoppe, Hiltrud Glass (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten I – Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien. München 2011, ISBN 978-3-486-58911-5, S. 64.
  6. Bert Hoppe, Hiltrud Glass (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden..., München 2011, ISBN 978-3-486-58911-5, Band 7, S. 64.
  7. Gedenkstättenportal zu Orten der Erinnerung in Europa: Erinnerung an die Opfer des Pogroms vom Juni 1941.