Togo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Togo (Begriffsklärung) aufgeführt.
République Togolaise
Republik Togo
Flagge Togos
Wappen Togos
Flagge Wappen
Wahlspruch: « Travail, liberté, patrie »
frz., „Arbeit, Freiheit, Vaterland“
Amtssprache Französisch
Nationalsprachen: Ewe und Kabiyé
Hauptstadt Lomé
Staatsform Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt Präsident
Faure Gnassingbé
Regierungschef Premierminister
Kwesi Ahoomey-Zunu
Fläche 56.785 km²
Einwohnerzahl 6.587.239

(Quelle: CIA Februar 2011)

Bevölkerungsdichte 97 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2007[1]
  • 2.497 Mio. US$ (150.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 387 US$ (165.)
Human Development Index 0,473 (166.)[2]
Währung CFA-Franc BCEAO (XOF)
Unabhängigkeit 27. April 1960
(von Frankreich)
Nationalhymne Salut à toi, pays de nos aïeux
Zeitzone UTC±0
Kfz-Kennzeichen RT
ISO 3166 TG, TGO, 768
Internet-TLD .tg
Telefonvorwahl +228
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Madeira Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Îles Éparses Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Antarktika Südgeorgien (Vereinigtes Königreich) Paraguay Uruguay Argentinien Bolivien Brasilien Frankreich (Französisch-Guayana) Suriname Guyana Kolumbien Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Barbados Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgisistan RusslandTogo on the globe (Africa centered).svg
Über dieses Bild
Togo-karte-politisch.png

Togo (deutsch [ˈtoːgo], französisch [tɔˈgo]) ist ein Staat in Westafrika, am Golf von Guinea gelegen, und grenzt an Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden. Hauptstadt und Regierungssitz ist Lomé.

Von 1884 bis 1916 war das Gebiet Togos eine deutsche Kolonie (siehe Deutsche Kolonie Togo), danach Mandatsgebiet des Völkerbunds bzw. Treuhandgebiet der Vereinten Nationen unter französischer Verwaltung. Geprägt wurde das Land fast 40 Jahre lang vom autokratisch regierenden Präsidenten Gnassingbé Eyadéma. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé unter Missachtung der Verfassung von der togoischen Armee zum neuen Präsidenten ernannt. Internationaler Druck und Unruhen im Lande führten nicht zur Rückkehr verfassungsgemäßer Zustände. Die folgenden Wahlen konnte Gnassingbé für sich entscheiden, wobei ihm die Opposition und auch die Europäische Union massiven Wahlbetrug vorwarfen. Nach wie vor befinden sich mehrere tausend Flüchtlinge im Ausland. Im Human Development Index steht Togo auf dem 162. Platz von 187.

Geographie[Bearbeiten]

Topographie Togos

Togo hat eine Landesfläche von 56.785 km² und ist für afrikanische Verhältnisse ein Kleinstaat: nur wenige Länder Afrikas haben eine noch kleinere Staatsfläche. Es hat eine langgestreckte, schmale Form mit einer Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung von etwa 550 km, in West-Ost-Richtung aber nur 50 bis 140 km. Davon sind 16 % bewaldet, 25 % Ackerland und 3,5 % Weideland.

Das Land liegt in Westafrika bei 8 Grad nördlicher Breite und 1° 10' östlicher Länge. Es ist in die fünf Regionen Maritime, Plateaux, Centre, Kara und Savanes aufgeteilt. Die Landesgrenze hat eine Länge von 1647 km. Davon entfallen 644 km auf die Grenze zu Benin, 126 km auf die Grenze zu Burkina Faso und 877 km auf die Grenze zu Ghana.

Von den palmengesäumten Lagunen und Sandstränden der 56 km langen Küste erstreckt sich das Ouatchi-Plateau bis ins höhere Tafelland. Das im Südwesten des Landesinneren bewaldete Togo-Gebirge verläuft nordostwärts bis nach Benin. In den niederen Lagen im Norden und Süden herrscht eine Savanne mit Antilopen und Elefanten vor.

Der höchste Berg in Togo ist der Mont Agou mit 986 m Höhe über dem Meeresspiegel. Der längste Fluss ist der Mono mit rund 400 km Länge. Er verläuft von Nord nach Süd und ist auf 50 km als Wasserstraße nutzbar.


Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Lomé

Das Klima ist ganzjährig tropisch-feucht mit durchschnittlichen Temperaturen von 30 °C im Norden und 27 °C an der Küste im Süden. Nachts findet nur eine geringe Abkühlung statt. Im Norden herrscht fast schon Savannenklima. Am heißesten wird es im Februar und März. Im Dezember und Januar weht der staubführende Harmattan aus dem Norden.

Im Norden gibt es eine Regenzeit von Mai bis Oktober des westafrikanischen Monsuns, der seine stärkste Intensität im August erreicht. Dieser ist mit Mittagstemperaturen von etwa 30 °C auch der kühlste Monat. Der Januar ist am trockensten, die Luftfeuchtigkeit ist dann etwa 22 Prozent. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen dann bei etwa 35 °C, wobei im März zur Mittagszeit ca. 39 °C erreicht werden.

Im Süden kommt es zu zwei Regenzeiten, von April bis Juni und von September bis November. Die regenreichsten Monate sind der Juni und der Oktober. Die Luftfeuchtigkeit beträgt im Juni etwa 80 Prozent. Der trockenste Monat ist der Dezember. Am wärmsten ist es im März mit Mittagstemperaturen um die 32 °C. Der kühlste Monat ist der August mit Temperaturen von etwa 27 °C.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsdaten (geschätzt 2008) [3]
Lebenserwartung 58,28 Jahre
Sterberate 9,48 je 1000 Einwohner
Geburtenrate 36,66 je 1000 Einwohner
Fruchtbarkeitsrate pro Frau 4,85
Kindersterblichkeit 57,66 je 1000 Geburten
Bevölkerungswachstum 2,718 %
Bevölkerung unter 15 Jahren 41,7 %
Bevölkerung über 65 Jahren 2,7 %

Die Bezeichnung der ca. 5.858.673[3] bis 6.239.000[4] Staatsangehörigen von Togo ist laut dem Ständigen Ausschuss für geographische Namen Togoer bzw. Togoerin.[5] Der Duden verzeichnet aber auch die gebräuchliche Form Togolese bzw. Togolesin.

Die größten Städte Togos sind (Stand 1. Januar 2005): Lomé 760.000 Einwohner, Sokodé 117.811 Einwohner, Kara 104.207 Einwohner, Kpalimé 95.974 Einwohner und Atakpamé 80.683 Einwohner.

Es gibt eine ausgeprägte Wanderungsbewegung vom Land in die Städte. Dort besteht allerdings eine immer höher werdende Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Menschen. Vor allem junge Männer wandern daher ins Ausland ab, mit dem Ziel, in Europa oder Nordamerika Arbeit zu finden.

Volksgruppen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Völker Togos
Anteil Volk
40,1 % Ewe
23,1 % Temba-Kabre
13,2 % Akebu
9,7 % Gurma
12,8 % afrikanische Minderheiten
0,99 % andere Ethnien

Togo ist ein Vielvölkerstaat, der aus beinahe ebenso vielen Ethnien wie Sprachgruppen heterogen zusammengesetzt ist. Die Bevölkerungszahl der unterschiedlichen Ethnien reicht von einigen hundert bis zu einigen Millionen Menschen. Das Zugehörigkeitsgefühl zur eigenen Ethnie hat seit der Unabhängigkeit zugenommen, aber auch immer wieder zu Spannungen geführt.[6]

Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind die Ewe (rund 40 %) im Süden und die Kabiye (16 %) in der Mitte und im Norden. Die Ewe dominierten bereits in der deutschen Kolonialzeit das Staatssystem, und viele Beamte, Fachkräfte und Geschäftsmänner waren Ewe. Ab 1967 endete diese Dominanz und es wurde auch der zweitgrößten Volksgruppe des Landes, den Kabiye, eine gehobenere Position verschafft, da während der Diktatur Gnassingbe Eyademas nun viele Militärangehörige und Sicherheitskräfte aus den Reihen der Kabiye rekrutiert wurden.[7]

Minderheiten sind die Tem, die „Togo-Restvölker“ wie die Akebu (13,2 %) sowie Gurma (9,7 %) und Yoruba (6,8 %). Etwa 0,99 % der Bevölkerung stammt aus Europa oder ist anderer ethnischer Herkunft. Zu der hier genannten Gruppe der togoischen Minderheiten gehören neben kleineren Volksgruppen Togos auch andere afrikanische Minderheiten, die im Wesentlichen aus den Nachbarländern Togos stammen.

Sprachen[Bearbeiten]

Sprache Sprecher[4]
Ewe 862.000
Kabiyé 700.000
Waci/Gbe 366.000
Tem 204.000
Gen/Mina 201.000
Moba 189.000

Nationalsprachen Togos sind Ewe und Kabiyé, alleinige Amtssprache ist allerdings Französisch, welches ein Erbe der französischen Kolonialherrschaft darstellt.

Neben Ewe, Kabiye und verschiedenen Kwa- und Gur-Sprachen wird auch die Amtssprache Französisch gesprochen. Dazu kommen noch die „Togo-Restsprachen“, wie etwa das Akebu und einige weitere. Deren Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Sprachfamilien ist nicht restlos geklärt.

Eine Liste der Sprachen Togos führt insgesamt 39 lebende Sprachen auf. Neben diesen Sprachen werden aufgrund von Handelskontakten zu den umliegenden Ländern sowie Migrationsbewegungen Sprachen, darunter Akan aus Ghana und Yoruba (Nigeria), aus den Nachbarstaaten oder anderen westafrikanischen Staaten von kleineren Minderheiten gesprochen. In Togo hat sich keine eigenständige Gehörlosensprache entwickelt, daher wird in Togo die französische Gebärdensprache verwendet. Etwa 100.000 Personen sprechen Deutsch als Fremdsprache.[8]

Religionen[Bearbeiten]

Neue- und Große Moschee in Sokodé

Es besteht Religionsfreiheit. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zu den traditionellen Naturreligionen – vor allem zur Religion der Ga und zur Religion der Yoruba. Daneben hat auch die Voodoo-Religion große Bedeutung. Innerhalb der Volksgruppengesellschaften üben Geheimbünde, vor allem die der Ewe, großen Einfluss aus.

Die rund 29 Prozent Christen gehören überwiegend der römisch-katholischen Kirche an.[3] Die am stärksten wachsende Religionsgemeinschaft ist der Islam sunnitischer Richtung, zu dem sich inzwischen über 20 % der Bevölkerung, unter anderem Fulbe und Hausa, bekennen. In den Küstenregionen gibt es auch einige kleine jüdische Gemeinden.[9]

Gesundheit[Bearbeiten]

Die Lebenserwartung lag nach Angaben[3] durchschnittlich bei 58 Jahren (Männer 56,2, Frauen 60,43), wobei die hohe Kindersterblichkeit von 5,8 Prozent wesentlicher Faktor dieses vergleichsweise niedrigen Wertes ist.

Die Bevölkerungsstruktur stellt die klassische Bevölkerungspyramide dar. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist unter 16 Jahre alt. Jährlich wächst die Bevölkerung um etwa 2,78 Prozent (für 2008 geschätzt).

Bildung[Bearbeiten]

Die Schulpflicht beträgt sechs Jahre,[10] der Besuch der Grundschule ist gebührenfrei.[11] Das Bildungswesen leidet unter Lehrermangel, geringerer Qualität im ländlichen Raum sowie hohen Wiederholungs- und Abbruchraten.[10]

Schulangebot und Schulbesuch weisen ein erhebliches Nord-Süd- sowie Stadt-Land-Gefälle auf, wobei vor allem in den Städten des Südens die Menschen höhere Bildung haben; das unzureichende Bildungsangebot wird vor allem durch zahlreiche Missionsschulen ergänzt. Vor allem im Norden sind Koranschulen im kommen. Die Analphabetenquote betrug 2003 noch 46,8 %.[12]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Togos

1958 gewann Sylvanus Olympio, ein Ewe aus dem Süden, die ersten allgemeinen Wahlen. Am 27. April 1960 wurde er mit der Unabhängigkeitserklärung von Frankreich der erste Präsident Togos. Bei einem Aufstand von Offizieren wurde er am 13. Januar 1963 ermordet. Es folgte eine instabile Mehrparteienregierung unter Präsident Grunitzky. Vom 13. Januar 1967 bis Anfang Februar 2005 beherrschte Präsident Gnassingbé Eyadéma das Land. Er gehörte zur Ethnie der Kabiyé aus dem Norden. Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen haben viele Menschen ins Exil gezwungen.

Nach dem Tod von Gnassingbé Eyadéma am 5. Februar 2005 ernannte die Armee des Landes seinen Sohn Faure Gnassingbé, bis dahin Minister für Telekommunikation, zum neuen Präsidenten. Die Afrikanische Union spricht von einem verfassungswidrigen Militärputsch. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS suspendierte am 19. Februar als Reaktion auf die verfassungswidrige Machtergreifung die Mitgliedschaft Togos. Neben weiteren Sanktionen verhängte die ECOWAS unter anderem auch ein Waffenembargo.

Am 25. Februar trat Faure Gnassingbé aufgrund des internationalen Druckes und des Widerstandes der Opposition zurück. Die ECOWAS hob daraufhin die Sanktionen auf. Interimistisch wurde der Parlamentspräsident Abass Bonfoh Staatspräsident. Der neue Staatschef sollte innerhalb von 2 Monaten gewählt werden, was am 24. April geschah.

Die Opposition (Spitzenkandidat war der 74-jährige Emmanuel Bob-Akitani) warnte jedoch bereits vor dem Wahltag vor organisiertem Betrug und bezeichnete die Wahlen – unter anderem mit Verweis auf Unregelmäßigkeiten bei der Ausstellung von Wahlscheinen – deswegen schon am 23. April als nichtig. Auch ausländische Wahlbeobachter berichteten von massiven Unregelmäßigkeiten. Wahlurnen wurden vernichtet, Wahlbeobachtern die Überwachung der Auszählung verwehrt und anderes mehr.

Am 26. April wurde Faure Gnassingbé mit angeblich 60,22 % der Stimmen zum Wahlsieger erklärt. Auch der Oppositionskandidat Emmanuel Bob-Akitani rief sich aber zum Wahlsieger aus und erkannte das Wahlergebnis nicht an. Vorwürfe wegen Wahlbetrugs erhob auch der Oppositionsführer Gilchrist Olympio, der nicht zur Wahl antreten durfte. Während der Wahlen wurden etliche Wahlkabinen mit Stimmzetteln gestohlen und Oppositionswähler verfolgt. In den der Wahl folgenden Tagen kam es zu Straßenkämpfen mit bis zu etwa 500 Toten und zahlreichen Verletzten, so die der Weltöffentlichkeit berichteten Zahlen. Unbestätigten Berichten zufolge fanden vor der Wahl auf dem Lande Massaker an Süd-Togolesen statt. Aus der nordtogoischen Heimat des Präsidenten sollen Soldaten und einfache Bauern mit Waffen dorthin beordert worden sein. Auch schon vorher im Süden ansässige Nord-Togoer wurden angeblich für diese Zwecke an ihren direkten Nachbarn eingespannt. Um die 35.000 Menschen aus Südtogo flohen in den folgenden Wochen vor allem in die Nachbarländer Benin und Ghana.

Im Verlauf der Unruhen wurde am 29. April 2005 auch das Goethe-Institut in Lomé nach einer Vorankündigung von (vermutlich regierungsnahen) Personen beschossen, gestürmt und teilweise in Brand gesteckt. Niemand wurde verletzt. Die Regierung von Togo wirft Deutschland vor, auf der Seite der Opposition zu stehen. Das deutsche Auswärtige Amt verurteilte den Anschlag. Der damalige Bundesaußenminister Fischer forderte ein Ende der antideutschen Hetze. Am 30. April 2005 folgten die ersten Deutschen dem Aufruf des Auswärtigen Amtes, Togo zu verlassen.

Am 10. Juni 2005 ernannte Präsident Faure Gnassingbé, der wegen seiner umstrittenen Wahl bis heute von der EU nicht anerkannt wird, den Anführer der gemäßigten Oppositionspartei Patriotic Pan-African Party Edem Kodjo zum Premierminister. Kodjo war bereits unter Gnassingbes Vater von 1994 bis 1996 Premierminister, davor von 1978 bis 1984 Generalsekretär der damaligen Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), heute Afrikanische Union. Vor der Wahl hatte Kodjo die Einrichtung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Modell Südafrikas vorgeschlagen. (Literatur zu diesen Gegensätzen und der Rolle der Bundesrepublik Deutschland sowie Frankreichs dabei siehe Geschichte Togos).

Politik[Bearbeiten]

Amtierender Präsident Togos: Faure Gnassingbé am 29. November 2006

Togo war seit 1967 eine Präsidialrepublik. Seitdem herrschte Präsident Gnassingbé Eyadéma diktatorisch bis er im Jahre 2005 starb. Im Jahr 1993 musste er allerdings nach internationalem Druck eine neue liberale Verfassung ausarbeiten, die zuerst von der Opposition bewilligt werden sollte. Diese wurde und wird jedoch oft missachtet und es wird bei Wahlen immer wieder der Vorwurf des Wahlbetruges laut.

Das Parlament (Assemblée Nationale du Togo) hat 81 Mitglieder und wird alle 5 Jahre neu gewählt. Der Staatspräsident wird in einer Direktwahl ebenso alle 5 Jahre bestimmt. Aktuell ist es Faure Gnassingbé, der ein Sohn des ehemaligen Diktators ist.

Wahlen[Bearbeiten]

Im Parlament gingen bei der Parlamentswahl 2002 von den 81 Sitzen 72 an die Rassemblement du peuple togolais (RPT), die Partei des damaligen Präsidenten Gnassingbé Eyadéma.

2005 wurde Edem Kodjo zum Premierminister gewählt. Er ist Vorsitzender der Convergence Patriotique Panafricaine (CPP), die aus der Fusion der kleinen Oppositionsparteien PAD, UTD, UDS und PDU hervorging. Im September 2006 wurde er von Yawovi Agboyibo als Premierminister abgelöst.

Aus den Parlamentswahlen vom 14. Oktober 2007 ging die Rassemblement du peuple togolais (RPT) mit 50 Sitzen als Sieger hervor. Weitere Sitze im Parlament gingen an die Union des Forces du Changement (27 Sitze) und an die Comité d'Action pour le Renouveau (4 Sitze).

Am 3. Dezember 2007 ernannte Präsident Faure Gnassingbé den Politiker Komlan Mally als Premierminister. Dieser trat am 5. September 2008 zurück. Am 7. September 2008 ernannte der Präsident Gilbert Houngbo zum Premierminister.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Togo ist Mitglied bei den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, der Gemeinschaft der Sahel-Sahara-Staaten und der Zone d’Alliance et de Coprospérité.[13]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Menschenhandel, besonders der Handel mit Kindern, ist ein großes Problem in Togo. Von Togo aus werden Kinder nach Nigeria, Benin, Kamerun, Liberia oder Gabun verkauft, wo sie sehr oft als Zwangsarbeiter enden. Über 300.000 togoische Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren werden schätzungsweise in anderen Ländern als Arbeitskräfte ausgebeutet. Als Drehkreuz des internationalen Handels mit Kindersklaven gilt die Stadt Lomé.[14] Die Anzahl arbeitender Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in Togo wird insgesamt auf 32,7 % geschätzt (Jungen: 33,7 %, Mädchen: 31,6 %).[15]
Amnesty International beanstandete für das Jahr 2008, dass es zu Misshandlungen von Häftlingen gekommen sei und auch die Haftbedingungen selbst wurden als unmenschlich eingestuft. Im Jahr 2009 sollen mehrere Menschen in Polizeigewahrsam an Folter oder Misshandlung gestorben sein. Auch das Recht auf freie Meinungsäußerung sei stark eingeschränkt. Im Juni 2009 wurde die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft.[16]

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland informiert darüber, dass sich die Menschenrechtslage seit 2006 zwar gebessert hat, aber Homosexualität weiterhin verfolgt und mit Gefängnisstrafen von bis zu 3 Jahren und Geldstrafen geahndet werden kann.[17]

Militär[Bearbeiten]

Das Militär war in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Verteidigungsstreitkraft, sondern auch in die Politik des Landes involviert. So konnte sich Gnassingbé Eyadéma gerade auch wegen verschiedener Militärputsche und militärischer Interventionen 40 Jahre an der Macht des Landes halten. Menschenrechtsorganisationen[18] nennen das Militär Togos im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen im Land.

Die Verteidigungsausgaben des Landes belaufen sich auf ca. 1,6 Prozent (Stand 2006) des Bruttoinlandproduktes.[3]

Die Streitkräfte teilen sich auf in die Bodentruppen, die togoische Marine (Marine du Togo), die Luftwaffe (Force Aérienne Togolaise, FAT) sowie die nationale Polizeitruppe (National Gendarmerie) (2008).

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Der Staat gliedert sich in fünf Regionen(von Norden nach Süden):

Name Hauptstadt
Savanes Dapaong
Kara Kara
Centrale Sokodé
Plateaux Atakpamé
Maritime Lomé

Infrastruktur[Bearbeiten]

Personenzug Ende Februar 1990

Das Schienennetz Togos ist auf derzeit 517 km, das Straßennetz auf 7250 km, davon 2376 km befestigt, ausgebaut. Vor wenigen Jahren wurde der Bahnverkehr eingestellt. Lomé besitzt den einzigen Hochseehafen des Landes, über den fast der gesamte Im- und Export abgewickelt wird.

Togo verfügt über zwei internationale Flughäfen: Flughafen Lomé (IATA-Code LFW) und Niamtougou/Lama Kara (IATA-Code LRL).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Togo ist hauptsächlich ein tropisches, regenabhängiges Agrarland. Fast zwei Drittel der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft tätig. Zu den angebauten Grundnahrungsmitteln zählen Yams, Maniok, Mais, Hirse, Erdnüsse und Sorghum (Sorgho). Die Landwirtschaft trägt 38,6 % zum BSP bei, die Industrie 21 %. Das BSP liegt bei 225 Euro pro Kopf und die Auslandsschulden belaufen sich auf 1,318 Mrd. Euro (beides geschätzt 2003).

Außenhandel[Bearbeiten]

Der Phosphatabbau durch die Société Nouvelle des Phosphates du Togo, der 1985 noch 8,4 % zum BSP beigetragen hat, kam 2001 nur noch auf einen Anteil von 2,2 %. Importiert werden Industriegüter, Maschinen, Fahrzeuge, Nahrungsmittel und Brennstoffe. Die wichtigsten Exportgüter sind Calciumphosphat, verarbeitete Baumwolle (27 %), Kaffee (10 %), Tee und Kakao.

Weitere wirtschaftliche Anreize wurden durch die Schaffung einer Freihandelszone gegeben.

Togo ist Mitglied der International Cocoa Organization.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 537 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 459 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,8 % des BIP.[19]
Die Staatsverschuldung betrug 2007 1,8 Mrd. US-Dollar oder 72,0 % des BIP.[20]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Sport[Bearbeiten]

Traditioneller Nationalsport Togos ist der Ringkampf, ebenfalls eine bedeutende Rolle kommt dem Fußball zu. Die togoische Fußballnationalmannschaft nahm bereits mehrmals an Afrikameisterschaften teil, kam jedoch nie über die Vorrunde hinaus. 2006 konnte sich die togoische Mannschaft für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, mit Unterkunft in Wangen im Allgäu, qualifizieren, wo sie als Außenseiter in der Vorrunde scheiterte. Auch für die Fußball-Afrikameisterschaft 2010 in Angola konnte sich Togo qualifizieren, doch man zog seine Teilnahme zurück, da zwei Tage vor Beginn des Turniers, am 8. Januar 2010, der Mannschaftsbus angegriffen wurde. Drei Delegierte starben und weitere Personen, darunter auch Spieler, verletzten sich bei dem von der Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda veranlassten Anschlag bei Cabinda. Auf Grund dieses Rückzugs vom Afrika-Cup wurde die Nationalmannschaft Togos vom Afrikanischen Fußballverband CAF zunächst für die nächsten zwei Turniere gesperrt. Diese Sperre wurde jedoch ein paar Monate später wieder aufgehoben. Bei der Fußball-Afrikameisterschaft 2013 gelangte die togoische Nationalmannschaft erstmals in das Viertelfinale.

Die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking war die achte togoischer Sportler. Benjamin Boukpeti konnte hier mit einer Bronzemedaille im Kanuslalomfahren die erste olympische Medaille für Togo gewinnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kleiner Deutscher Kolonialatlas, in 3.Auflage hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft im Verlag Dietrich Reimer(Ernst Vohsen), Berlin 1899, mit Bemerkungen zu den Karten (Beschreibung der Kolonialgebiete).Ausgabe 2002 der Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg, ISBN 3-8289-0526-9
  • Ederer, Norbert: Togo – inklusive Saharadurchquerung, 2. Auflage, M. Velbinger Verlag, Seefeld 2009
  • Jonas Bakoubayi Billy: Musterkolonie des Rassenstaats: Togo in der kolonialpolitischen Propaganda und Planung Deutschlands 1919-1943,J.H.Röll-Verlag, Dettelbach 2011, ISBN 978-3-89754-377-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Togo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Togo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Togo – geographische und historische Karten
 Wikisource: Kolonialismus – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Togo – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Human Development Index, abgerufen am 23. Oktober 2014
  3. a b c d e CIA – The World Factbook: Togo. Stand 1. Mai 2008, abgerufen 15. Mai 2008
  4. a b ethnologue.com: Ethnologue report for Togo, Zugriff am 11. April 2011
  5. Ständiger Ausschuss für geographische Namen (August 2008). Liste der Staatennamen und ihrer Ableitungen im Deutschen. mit Anhang: Liste der Namen ausgewählter nichtselbständiger Gebiete (10. Auflage: S. 20) auf der STAGN-Website (abgerufen am 17. November 2009)
  6. Rashid Oladoja Lasisi: Language, Culture, Ethnicity and National Integration: The Togo Experience since 1900. African Study Monographs, 14, 1, Juni 1993 (PDF-Datei; 614 kB)
  7. Background Note: Togo. U.S. Department of State
  8. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Togo/Bilateral_node.html
  9.  Meyers Großes Länderlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 2004.
  10. a b http://www.dol.gov/ilab/media/reports/iclp/tda2001/Togo.htm
  11. http://www.unicef.org/infobycountry/togo_45941.html
  12.  Meyers Großes Länderlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 2004.
  13. http://www.auswaertiges-amt.de/sid_8772061F5F4B7B7DB963ED6737EFA089/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Togo/Aussenpolitik_node.html
  14. http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/afrika/togo
  15. Bericht von 2007 des U.S. Department of Labor (PDF-Datei; 7,52 MB) Findings on the worst forms of child labor (in englischer Sprache)
  16. Jahresbericht 2010 von Amnesty International für Togo. Abgerufen am 30. Dezember 2010
  17. Informationen des Auswärtigen Amts Zuletzt besucht am 20. Januar 2010
  18. Togo: Human Rights in Togolese Republic. Amnesty International, Human rights by country
  19. a b c The World Factbook
  20. Togo qualifies for debt relief scheme
  21. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4

8.251.1833333333333Koordinaten: 8° N, 1° O