Tokat

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Tokat; für die gleichnamige türkische Provinz siehe Tokat (Provinz).

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Tokat
Wappen von Tokat
Tokat (Türkei)
Red pog.svg
Tokat panorama 2012.JPG
Basisdaten
Provinz (il): Tokat
Koordinaten: 40° 19′ N, 36° 33′ O40.30972222222236.554166666667623Koordinaten: 40° 18′ 35″ N, 36° 33′ 15″ O
Höhe: 623 m
Einwohner: 124.496[1] (2008)
Telefonvorwahl: (+90) 356
Postleitzahl: 60 000
Kfz-Kennzeichen: 60
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Eyüp Eroğlu (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Tokat
Einwohner: 176.564[1] (2008)
Fläche: 1.923 km²
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner je km²
Eingang der Gök Medrese von 1275

Tokat (armenisch Եւդոկիա / Ewdokia) ist die Hauptstadt der türkischen Provinz Tokat. Die Großstadt hat 124.496 Einwohner (2008) und liegt zwischen Sivas und Niksar im Tal des Yeşilırmak.

Geschichte[Bearbeiten]

Tokat, das antike Eudoxia, ist eine anatolische Stadt mit langer Geschichte, beginnend mit den Hethitern im 2. Jahrtausend v. Chr. Es spielte jedoch im Altertum keine große Rolle, wichtig war nur seine Festung Dazimon. Wesentlich bedeutender war das benachbarte Comana Pontica. Gegen 1021 erhielt Senekerim Arzruni von Sebaste Tokat als Lehen des byzantinischen Kaisers. Die armenischen Arzruniden waren vor den Seldschuken westwärts geflohen. 1045 ging Tokat durch Heirat an die Dynastie der armenischen Bagratiden. Von 1071 bis 1175 herrschten die turkmenischen Danischmenden.[2] Vom 11. bis 13. Jahrhundert erlebte der Handel in Tokat seine Blüte. 1396 wurde das turkmenische Emirat Tokat osmanisch. Die Jesuiten unterhielten ein armenisch-katholisches Kollegium und die armenischen Schwestern der Kongregation der unbefleckten Empfängnis ein Kloster. Im 17. Jahrhundert verglich Evliya Çelebi den Wohlstand von Tokat mit Bursa und Aleppo. Im 19. Jahrhundert war Tokat eine der größten Städte der asiatischen Türkei.[3] Um 1854 gab es eine größere armenisch-protestantische Gemeinde. Amerikanisch-protestantische Missionen entstanden ab 1864.[3] Der allmähliche politische und wirtschaftliche Niedergang begann mit dem gleichzeitigen Aufstieg der Nachbarstadt Sivas. Am 1. Mai 1914 wurde die Hauptgeschäftsstraße von Tokat Opfer eines Brandes.[4] Am 9. Mai 1915 wurden die Armenier aus der Stadt deportiert.[5] Bis in das 20. Jahrhundert wanderten viele Bewohner nach Amerika oder Europa aus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Burg von Tokat: ursprünglich byzantinische Burg, von den Osmanen erneuert
  • Historische Altstadt mit zahlreichen osmanischen Gebäuden
  • Gök Medrese: seldschukischer Bau von 1275; hier befindet sich das Archäologische und Ethnographische Museum
  • Ulu-Moschee, 1679 erneuert
  • Taş Han: osmanische Karawanserei von 1631
  • Hıdırlık-Brücke: seldschukische Brücke
  • Ballıca-Höhle
  • Sebastopolis: antike Stadt bei Artova
  • Comana Pontica: antike Stadt bei Gümenek
  • Niksar (antik Neocaesarea), frühere Hauptstadt der Danischmenden

In der Umgebung von Tokat gibt es eine Reihe prähistorischer Siedlungshügel (türkisch höyük):

Küche[Bearbeiten]

  • Tokat Kebabı
  • Keşkek (Weizenkörner vermischt mit Honig, Käse und Walnüssen)
  • Tokat Bati
  • Tokat Yaprağı
  • Tokat Çemeni

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

  • Erhan Afyoncu - Historiker
  • Nurhan Atasoy - Historikerin für Kulturgeschichte
  • Osman Nuri Paşa - osmanischer General
  • Ömer Fevzi Paşa - osmanischer General
  • Ali Talat Bey - osmanischer Architekt
  • Behram Zülaloğlu - Fußballspieler
  • Ömer Arslan - Fußballspieler
  • Emre Batur - Volleyballspieler der Nationalmannschaft

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tokat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 30. November 2009
  2. Arshag Alboyadjian: Geschichte der Armenier von Evdokia. Neuer Stern Verlag, Kairo 1952, S. 187 (Originaltitel: Պատմութիւն Եւդոկիոյ Հայոց. Տեղագրական Պատմական Եւ Ազգագրական Տեղեկութիւններով:)
  3. a b Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas. University of Chicago Press, Chicago 2001, S. 191
  4. Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens. Odile Jacob, Paris 2006, S. 554
  5. Jean Naslian: Les mémoires de Mgr. Jean Naslian, Evêque de Trébizonde 1911–1928, sur les événements politico-religieux en Proche-Orient de 1914–1928. Patriarcat arménien catholique, Beirut 2008, S. 232 (2 Bände, Neuauflage der Ausgabe von 1955)