Toledo

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Dieser Artikel befasst sich mit der spanischen Stadt. Zu weiteren Bedeutungen des Wortes siehe Toledo (Begriffsklärung).
Gemeinde Toledo
Blick auf Toledo mit dem Alcázar und der Kathedrale
Blick auf Toledo mit dem Alcázar und der Kathedrale
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Toledo
Toledo (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Kastilien-La Mancha
Provinz: Toledo
Koordinaten 39° 52′ N, 4° 2′ W39.866666666667-4.0333333333333454Koordinaten: 39° 52′ N, 4° 2′ W
Höhe: 454 msnm
Fläche: 232,1 km²
Einwohner: 83.593 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 360,16 Einw./km²
Postleitzahl: 45001–45009
Gemeindenummer (INE): 45168 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Bürgermeister: Emiliano García-Page Sánchez (PSOE)
Website: www.toledo.es

Toledo (spanisch [toˈleðo]) ist die Hauptstadt der spanischen Provinz Toledo sowie der autonomen Region Kastilien-La Mancha und liegt 65 km südsüdwestlich von Madrid am Fluss Tajo. Die Stadt hatte am 1. Januar 2013 83.593 Einwohner und ist Sitz des Erzbistums Toledo. Zusammen mit Segovia und Ávila gehört sie zu den drei historischen Metropolen in der Umgebung der spanischen Hauptstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Toledo liegt etwa 100 Meter über dem Ufer des Flusses Tajo, der sich in Mäandern tief in den Felsen der Hochebene der Südmeseta eingeschnitten hat, und beherrscht die Flussquerung, die heute durch eine mittelalterliche Brücke repräsentiert wird.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Toledo gliedert sich in 16 Stadtbezirke (barrios): Antequeruela, Azucaica, Benquerencia, Buenavista, Casco histórico, Cigarrales, Monte Sión - San Bernardo, Olivilla, Palomarejos, Pinedo, Salto del Caballo, San Antón, Santa Bárbara, Santa Teresa, Valparaiso und Vistahermosa. Die Bezirke Antequeruela und Casco histórico bilden den historischen Stadtkern innerhalb der Stadtmauern.[2]

Innerhalb des historischen Stadtkerns liegen Stadtteile wie Santa Clara oder Santa Isabel.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Altstadt mit der Kathedrale Santa María aus dem 13. bis 15. Jahrhundert und dem Alcázar aus dem 16. Jahrhundert sowie zahlreichen weiteren Kirchen, einem Kloster und Museen wurde im Dezember 1986 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Das ehemalige Hospital de Santa Cruz aus dem 15./16. Jahrhundert nahe dem Alcázar wurde in ein Museum umgewandelt.

Die Brücke von Alcántara über den Tajo diente seit der Römerzeit als Hauptzugang zur Stadt und wurde im Spätmittelalter durch die Puente de San Martín ergänzt, deren fünf Spitzbögen Spannweiten bis zu 40 Metern erreichen.

Sehenswert sind auch zwei der ganz selten erhaltenen mittelalterlichen Synagogen, El Tránsito und Santa María la Blanca, die nach der Vertreibung der Juden 1492 als Kirchen genutzt wurden. An der Kirche San Juan de los Reyes lassen sich noch heute die Ketten derer bewundern, die aus der Sklaverei, in die sie durch die Berberesken geraten waren, ausgelöst wurden. Erwähnenswert ist auch die kleine Kirche El Cristo de la Luz, die im ausgehenden 10. Jahrhundert als Moschee errichtet wurde. Ein imposantes Stadttor ist die um 1550 errichtete Puerta Nueva de Bisagra mit einem großen kaiserlichen Wappen auf der Außenseite; die von einem Hufeisenbogen überspannte Puerta Vieja de Bisagra aus dem 9. Jahrhundert steht in unmittelbarer Nähe.

Geschichte[Bearbeiten]

Toletum – das Toledo der Römer und Westgoten[Bearbeiten]

Die Alcantara-Brücke in Toledo (Heliografie aus 1889)
Zweihandlangschwert aus der spanischen Schwertschmiedestadt Toledo

Die erste dauerhafte Besiedlung im Stadtgebiet stellte eine Reihe von Burgen aus der Zeit der Keltiberer dar. Am Cerro del Bú wurden namhafte archäologische Funde des von einer Stadtmauer umgebenen Toledo gemacht, die im Museo de Santa Cruz in Toledo präsentiert werden. Im Jahre 192 v. Chr. unterwarf der römische Feldherr M. Fulvius Nobilior die Siedlung gegen heftigen Widerstand des hier siedelnden Hirtenstamms der Carpetani und gründete den Vorposten Toletum. Durch seine Eisenerzvorkommen entwickelte sich Toledo zu einer bedeutenden Siedlung, die eigene Münzen prägte. Zahlreiche Villen, deren Reste ausgegraben wurden, bezeugen eine durchgreifende Romanisierung der Siedlung, die von einem Aquädukt gekrönt wurde, der heute vollständig zerstört ist.

Seit den ersten Barbareneinfällen wurden die antiken Mauern zu defensiven Zwecken verstärkt. 411 eroberten die Alanen kurzzeitig die Stadt. Im späteren 5. Jahrhundert wurde sie von den Westgoten erobert. Toledo war von ca. 531 bis 711 Hauptstadt des Reiches der Westgoten, die die Stadt zum Sitz eines arianischen Erzbistums machten. 589 konvertierte ihr König zum Katholizismus. Während dieser Zeit der ausgehenden Spätantike erlebte die Stadt eine Nachblüte. Ihre zivile und religiöse Bedeutung unterstreicht die Tatsache, dass hier zwischen 400 und 702 insgesamt 18 Konzilien tagten, darunter das vierte von 633 unter der Leitung des berühmten Enzyklopädisten Isidor von Sevilla.

Ṭulayṭula – Toledo als Teil al-Andalus’[Bearbeiten]

Die Mauren eroberten die Hauptstadt des Westgotenreiches im Jahr 712. Seine Blütezeit erlebte Toledo zur Zeit der Maurenherrschaft als Ṭulayṭula (طليطلة) während des Kalifats von Córdoba und als Hauptstadt der Taifa der Ḏū n-Nūniden bis zur Eroberung durch Alfons VI. am 25. Mai 1085 (siehe auch Reconquista).

Das Primat der iberischen Kirche[Bearbeiten]

1088, also nur wenige Jahre nach der Eroberung Toledos 1085, holte der Erzbischof Bernard von Toledo bei Papst Urban II. die Bestätigung ein, dass er der „primatus in totis Hispaniarum regnis“ (Primat in allen Königreichen der iberischen Halbinsel) sein solle. Aber erst mehr als ein Jahrhundert später gelingt es einem seiner Nachfolger, dem Geschichtsschreiber Rodrigo Jiménez de Rada, Erzbischof von Toledo seit 1209 bis zu seinem Tod 1247, diesen Titel an Toledo zu binden. Der Erzbischof von Toledo ist heute Primas der katholischen Kirche Spaniens und war lange Zeit einer der mächtigsten Fürstbischöfe Spaniens, der im Mittelalter über eigene Truppen verfügte und sich an der Reconquista, aber auch anderen Kriegszügen der spanischen Könige (z. B. in Nordafrika) mit eigenen Soldaten beteiligte.

Toledo galt als Hochburg der Waffenschmiede (Toledostahl). Von Toledo aus wurden schon die römischen Truppen mit Schwertern versorgt und auch Kaiser Karl V. (1500–1558) ließ dort seine Schwerter fertigen. Während der Maurenherrschaft entwickelten die Schmiede eine besondere Technik der Klingenverzierung, indem auf vorher aufgeraute Stahlflächen feine Golddrähte und ausgeschnittene Ornamentteile aus dünnem Stahlblech aufgehämmert und nachher mit feinen Punzen ziseliert wurden.

Begünstigt durch das Nebeneinander verschiedener Hochsprachen (Hocharabisch, Hebräisch, Lateinisch) und Volkssprachen (Arabisch-Andalusisch, Romanisch-Kastilisch) und die Mehrsprachigkeit besonders der mozarabischen und jüdischen Bevölkerung wurde Toledo im 12. und 13. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische und Romanische und spielte dadurch eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung arabischer Philosophie und Wissenschaft und ihrer griechisch-antiken Quellen in Europa.

Nach der Eroberung durch die christlichen Truppen unter Alfonso VI. wurde Toledo 1087 Residenz des Königreichs Kastilien und blieb bis 1561 Hauptstadt Spaniens. Philipp II. verlegte seine Residenz in das 71 km entfernte Madrid, das geographisch ziemlich exakt im Zentrum der iberischen Halbinsel und zu allen entfernteren Hafenstädten annähernd in gleicher Entfernung liegt.

Im Spanischen Bürgerkrieg war Toledo Schauplatz der Belagerung des Alcázars.

Bevölkerungsentwicklung von Toledo zwischen 1991 und 2004
1991 1996 2001 2004
59 000 66 006 68 382 73 485

Berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Garcilaso de la Vega (*1503 in Toledo; †14. Oktober 1536 in Nizza, Frankreich), war ein spanischer Feldherr und Dichter unter Karl V.
El Greco: Ansicht von Toledo (um 1608)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hannah Lynch: Toledo. London: Dent, 1898.
  • Albert Frederick Calvert: Toledo. An historical and descriptive account of the City of Generations. London: Lane, 1907.
  • Rufino Miranda: Toledo. Über Kunst und Geschichte. Toledo: Cruz, 2000. ISBN 84-87318-05-3.
  • Isabel del Rio de la Hoz: The Cathedral and City of Toledo. National Monuments of Spain. Scala Publishers, 2006. ISBN 978-1-85759-212-2.
  • Tobias Rütenik: Transformationen von Moscheen zu Kirchen in Toledo. In: Beiträge zur Islamischen Kunst und Archäologie, Bd. 2, Hgg. Markus Ritter und Lorenz Korn, Wiesbaden: Reichert, 2010, S. 37–59. ISBN 978-3-89500-766-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Toledo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Toledo – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Barrios de Toledo (abgerufen am 28. April 2010)
  3. Stadtplan