Tomás Séamus Ó Fiaich

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Büste des Kardinals in Ranafast, County Donegal

Tomás Séamus Kardinal Ó Fiaich (* 3. November 1923 in Cullyhanna, County Armagh, Nordirland; † 8. Mai 1990 in Toulouse, Haute-Garonne, Frankreich) war ein nordirischer Kardinal der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Armagh.

Leben[Bearbeiten]

Priester und Professor[Bearbeiten]

Tomás Séamus Ó Fiaich (anglisiert: Thomas James Fee) empfing am 6. Juli 1948 die Priesterweihe, er verbrachte die ersten Jahre nach der Ordination als Vikar in der Pfarrei in Clonfeacle. Der in Camlough, einer stark republikanischen Region Nordirlands, Aufgewachsene nahm ein postgraduales Studium am University College Dublin (1948–1950), wo er einen MA der frühen und mittelalterlichen irischen Geschichte erwarb. Anschließend studierte er bis 1952 auch an der Katholischen Universität Leuven in Belgien, wo er ein Lizenziat in Geschichtswissenschaft erhielt. Er trat der Fakultät des St Patrick’s Colleges im Jahr 1953 bei. Tomás Ó Fiaich war ein bekannter Gelehrten der irische Sprache, Volkskundler und Historiker am St. Patrick's College, dem nationalen Seminar Irlands, wo er von 1959 bis 1974 als Professor für Moderne Irische Geschichte lehrte. In dieser Funktion schlug er Nollaig Ó Muraíle die Erforschung Dubhaltach Mac Fhirbhisighs und seiner Werke vor. Von 1970 bis 1974 war er Vizepräsident und anschließend bis 1977 Hochschulpräsident des St. Patrick's College. Er übte damit ein Amt aus, das traditionell ein Bischof innehat.

Erzbischof von Armagh und Kardinal[Bearbeiten]

Nach dem Tod von William Kardinal Conway am 17. April 1977 ernannte ihn Papst Paul VI. am 18. August 1977 zum Erzbischof von Armagh. Der Apostolische Nuntius in Irland, Gaetano Alibrandi, spendete ihm am 2. Oktober desselben Jahres die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Francis Lenny, Weihbischof in Armagh, und William J. Philbin, Bischof von Down und Connor. Wie die meisten Erzbischöfe von Armagh nahm ihn Johannes Paul II. am 30. Juni 1979 als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Patrizio in das Kardinalskollegium auf. Obwohl Kardinal Ó Fiaich alle seine prägenden Jahre in akademischen Kreisen verbrachte, war er ein geschickter Pfarrer. Seine Amtszeit als Primas wird oft mit dem politischen Streit in Nordirland in den 1970er und 80er Jahre verbunden. Ein Vorfall ist eng mit dem Kardinal verbunden, der Irische Hungerstreik von 1981.

Papstbesuch 1979[Bearbeiten]

Das erste große Ereignis in Ó Fiaichs Amtszeit war der erste päpstliche Besuch in Irland nach 1400 Jahre des Christentums vom 29. September bis zum 1. Oktober 1979. Der Papst feierte eine Messe vor einer Million Menschen im Phoenix Park, Dublin. Seine große Rede an der Grenze zu Nordirland appellierte an alle Organisationen zur Beendigung des Nordirlandkonfliktes und diesem folgte ein Besuch im Marienheiligtum in Knock, County Mayo .

Kritik irischer Politiker[Bearbeiten]

Politisch wurde er weniger für seine kritische Haltung zur irischen Republikanismus als seine Vorgänger und Nachfolger kritisiert. Die irischen Regierung, vor allem Taoiseach Jack Lynch und Garret FitzGerald, kritisierte ihn fortlaufend für übermäßige Nähe zum Republikanismus. Unionisten waren vor allem Hauptkritiker.

Lob von Republikanern[Bearbeiten]

Republikaner jedoch lobten den Kardinal für seine Kritik an der britischen Politik in Nordirland und für sein offenes Eintreten für ein vereinigtes Irland.

Kritik der Medien[Bearbeiten]

Seine schärfsten Kritiker waren in den irischen Medien, vor allem The Sunday Independent (sehr antirepublikanisch) und The Irish Times (ziemlich liberal). Er wurde jedoch stark durch The Irish Press (nationalistisch) und An Phoblacht verteidigt.

Hungerstreiks[Bearbeiten]

Während des Hungerstreiks war er nach Meinung vieler die einflussreichste Privatperson unter den republikanischen Unterstützern, da er half den ersten Hungerstreik durch direkten Kontakt mit den Republikanern im Maze Prison in Nordirland zu beenden. Er besuchte das Maze Prison und bezeugte den Dirty Protest (Die Gefangenen beschmierten mit Fäkalien die Wänden ihrer Zellen und ließen links Essen auf Etagenfluren verrotten, während sie nur Decken trugen und sich weigerten sich zu waschen, aus Protest gegen den Abzug der Special Category Status von den republikanischen Gefangenen).

Er erklärte:

„Ich war von den unmenschlichen Bedingungen schockiert... Wo mehr als 300 Gefangene inhaftiert sind. Man würde es kaum einen Tier erlauben unter solchen Bedingungen zu leben geschweige denn einem Mensch. Die nächste Annäherung daran, was ich gesehen habe, war das Schauspiel von Hunderten von obdachlosen Menschen in Kanalrohren in den Slums von Kalkutta.“

Als während des Hungerstreiks Raymond McCreesh starb, sagte Ó Fiaich:

„Raymond McCreesh wurde gefangen genommen als er im Alter von 19 Waffen trug und wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Ich habe keinen Zweifel, dass er das Innere eines Gefängnisses nie gesehen hätte, außer in dieser abnormalen politischen Situation. Wer ist berechtigt ihn als Mörder oder Selbstmörder zu bezeichnen?“

Während der Kardinal seine tiefe Besorgnis über die Behandlung von Gefangenen zeigte, war er gleichermaßen kritisch gegenüber denen, die Gewalt eingesetzten, um den irischen Nationalismus zu unterstützen.

Reverend Armstrong Situation[Bearbeiten]

Im Jahr 1983 war der Presbyterianische Reverend David Armstrong gezwungen Limavady aufgrund von Drohungen zu verlassen, nachdem er Pater Kevin Mullan katholischer Gemeinde Frohe Weihnachten gewünscht hatte. Kardinal Ó Fiaich gab ihm eine Geldspende, um sich in England anzusiedeln.

Aktivitäten im Vatikan[Bearbeiten]

Während seiner Amtszeit besuchte er viele Synoden und Versammlungen des Heiligen Kardinalskollegium. Die wichtigsten Sitzungen waren:

  • 1. Vollversammlung des Kardinalskollegium, Vatikanstadt, 5.-9. November 1979
  • Weltbischofssynode (Ordentliche Generalversammlung), Vatikanstadt, 26. September - 25. Oktober 1980
  • Weltbischofssynode (Ordentliche Generalversammlung), Vatikanstadt, 29. September - 28. Oktober 1983
  • Weltbischofssynode (Außerordentliche Generalversammlung), Vatikanstadt, 24. November - 8. Dezember 1985
  • Weltbischofssynode (Ordentliche Generalversammlung), Vatikanstadt, 1.-30. Oktober 1987

Plötzlicher Tod[Bearbeiten]

Ó Fiaich starb an einem Herzinfarkt am Abend des 8. Mai 1990 während der jährlichen Diözesanwallfahrt zum Marianischen Heiligtum in Lourdes in Frankreich. Er war einen Tag zuvor nach Frankreich gekommen und fühlte sich krank, kurz nachdem er eine Messe in der Grotte in der französischen Stadt hielt. Er wurde per Hubschrauber in ein 200 km entferntes Krankenhaus in Toulouse gebracht, wo er 66-jährig starb. Er wurde in der St Patrick’s Cathedral aufgebahrt, wo Tausende Leute Schlange standen, um sich von ihm zu verabschieden. Dort ist er auch begraben. Ihm folgte als Erzbischof und Kardinal der sechs Jahre ältere Cahal Daly, zuvor Bischof von Down und Connor.

Cardinal Ó Fiaich Memorial Library[Bearbeiten]

Die Cardinal Ó Fiaich Memorial Library, ein eingetragener Verein, wurde offiziell am 8. Mai 1999 in Armagh von der nordirischen Staatssekretärin Dr. Marjorie Mowlam eröffnet. Benannt nach dem Kardinal zu Ehren seiner wissenschaftlichen Interessen, enthält die Bibliothek umfangreiches archivalisches Material über die lokale und nationale irischen Folklore, Tradition und Geschichte. Kardinal Ó Fiaichs private Papiere in seiner Zeit als Erzbischof und Kardinal befinden sich in der Bibliothek, wie die von neun früheren römisch-katholischen Erzbischöfen von Armagh seit dem Mitte des achtzehnten Jahrhunderts.

Werke[Bearbeiten]

  • Edmund O'Reilly, Archbishop of Armagh 1657-1669, in Father Luke Wadding Commemorative Volume, S. 171–228 (Franciscan Fathers), 1957.
  • Irish cultural influence in Europe, 6th to 12th century, Dublin, 1967.
  • The Irish Bishops and The Conscription Issue 1918, in The Capuchin Annual, 1968.
  • Columbanus in His Own Words (Dublin: Veritas Publications, 1974)
  • Virgil's Irish background and departure for France, in Seanchas Ardmacha, ix (1985), S. 301–17.
  • Gaelscrínte san Eoraop. Dublin, 1986.
  • Irish monks in Germany in the late Middle Ages, in The Church, Ireland and the Irish, (Hg. W.J. Sheils and Diana Wood), Oxford, 1989; studies in Church history, xxv, S. 89–104.
  • The early period, in Rémonn Ó Muirí (Hg.) Irish Church History Today, S. 1–12, Armagh [1991?]
  • Virgils Werdegang in Irland und sein Weg auf den Kontinent, in Virgilius von Salzburg, S. 17–26

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
William John Conway Erzbischof von Armagh
19771990
Cahal Daly