Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen
Originaltitel Tom Jones
Produktionsland UK
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1963
Länge 128 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Tony Richardson
Drehbuch John Osborne
Produktion Michael Holden
Oscar Lewenstein
Tony Richardson
Michael Balcon
Musik John Addison
Kamera Walter Lassally
Schnitt Antony Gibbs
Besetzung
Synchronisation

Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen ist eine Oscar-prämierte britische Filmkomödie aus dem Jahr 1963.

Es handelt sich um eine Adaption von Henry Fieldings Roman Tom Jones – Die Geschichte eines Findelkindes (engl. The History of Tom Jones, a Foundling) von 1749. Der Film war eine der erfolgreichsten und von der Kritik bejubelten Komödien seiner Zeit[1]. Regie führte Tony Richardson und das Drehbuch schrieb der Dramatiker John Osborne. Der Film fällt wegen seiner unüblichen komischen Machart auf: Die Anfangssequenz wird im Stile eines Stummfilms dargeboten, und die Charaktere durchbrechen häufig die Vierte Wand, indem sie direkt in die Kamera schauen und sich an das Publikum wenden.

Handlung[Bearbeiten]

Die Geschichte beginnt mit einer Stummfilm-Sequenz, worin der brave Gutsherr Allworthy nach einem sehr langen Aufenthalt in London nach Hause zurückkehrt und ein Baby in seinem Bett vorfindet. Da er glaubt, sein Friseur, Mr. Partridge, und seine Jenny Jones hätten das Kind im Zustand der Wollust gezeugt, verbannt er sie und beschließt den kleinen Tom Jones wie seinen eigenen Sohn aufzuziehen.

Tom wird groß und zu einem flotten jungen Mann, dessen gutes Aussehen und freundliches Herz ihn beim anderen Geschlecht sehr begehrt macht. Trotzdem liebt er nur eine Frau wirklich, nämlich die sanfte Sophie Western, die seine Leidenschaft erwidert. Allerdings ist Tom als Bastard gebrandmarkt und kann keine Frau ihres Standes heiraten. Auch Sophie muss ihre Liebe geheim halten, während ihre Tante und ihr Vater, Gutsherr Western, sie zwingen wollen, einen standesgemäßen Mann zu heiraten – einen Mann, den sie hasst.

Dieser junge Mann ist Blifil, der Sohn von Bridget, der verwitweten Schwester des Gutsherren. Obwohl er von legitimer Abstammung ist, ist er ein bösartig, ein Heuchler, der nichts von Toms Wärme, Redlichkeit oder Lebensfreude in sich hat. Als Bridget unerwartet stirbt, fängt Blifil einen Brief ab, den seine Mutter nur für die Augen ihres Bruders vorgesehen hatte. Was dieser Brief enthält, wird bis zum Ende des Films nicht verraten; jedoch schließen sich Blifil und seine Hauslehrer, Mr. Thwackum und Mr. Square, nach dem Begräbnis seiner Mutter zusammen, um Allworthy davon zu überzeugen, dass Tom ein Schurke ist. Allworthy zahlt Tom ein kleines Erbe aus und schickt ihn traurig in die Welt, damit er sein Glück suche.

Auf seiner Odyssee wird Tom bewusstlos geschlagen, als er den guten Namen seiner geliebten Sophie verteidigt, und seines Erbes beraubt. Außerdem flieht er vor einem eifersüchtigen Iren, der ihn fälschlicherweise einer Affäre mit seiner Frau bezichtigt, Schwertkämpfen, trifft seinen angeblichen Vater und seine angebliche Mutter und rettet eine gewisse Mrs. Waters vor einem bösen Offizier.

Inzwischen läuft Sophie kurz nach Toms Verbannung von zu Hause weg, um der Aufsicht des verhassten Blifil zu entkommen. Nachdem sie sich im Upton Inn knapp verfehlt haben, erreichen Tom und Sophie getrennt London. Dort wird Lady Bellaston, eine vornehme Dame über 40, auf Tom aufmerksam. Sie ist reich, schön und skrupellos. Schließlich landet Tom im Kerker von Tyburn, wo ihn zwei Vertreter Blifils des Raubes und des versuchten Mordes anklagen und eine aufgeputschte Menschenmenge seine Hinrichtung erwartet. Western rettet ihn im letzten Augenblick und übergibt ihn an Allworthy. Das Publikum erfährt jetzt endlich den Inhalt des mysteriösen Briefes: Tom ist nicht das Kind von Jenny Jones, sondern Bridgets echter Sohn und Allworthys Neffe. Blifil verheimlichte dies, seit er davon wusste und versuchte seinen Halbbruder zu vernichten, fällt aber jetzt in Ungnade und ist, so hofft man, enterbt. Tom hat jetzt die Erlaubnis, Sophie zu freien, und alles endet gut.

Kritiken[Bearbeiten]

„Der Dramatiker John Osborne bearbeitete Fieldings klassischen Schelmenroman zu einem witzigen, turbulenten und sinnenfreudigen Historien-Spektakel, das unter der Regie des "Free Cinema"-Pioniers Tony Richardson darüber hinaus zu einer intelligent unterhaltenden Parodie auf die Mechanismen des Abenteuerfilms wird.“

Lexikon des internationalen Films

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand im Jahr 1964 bei der Ultra Film Synchron.[2][3]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Tom Jones Albert Finney Harald Leipnitz
Sophie Western Susannah York Uta Hallant
Squire Western Hugh Griffith Klaus W. Krause
Miss Western Edith Evans Agnes Windeck
Squire Allworthy George Devine Klaus Miedel
Blifil David Warner Horst Gentzen
Lord Fellamar David Tomlinson Friedrich Schoenfelder
Mr. Fitzpatrick George A. Cooper Martin Hirthe
Partridge Jack MacGowran Walter Bluhm

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscarverleihung 1964[Bearbeiten]

Auszeichnungen

Nominierungen

Tom Jones ist der einzige Film in der Geschichte der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, bei dem drei britische Nebendarstellerinnen für einen Oscar nominiert wurden.

British Academy Film Award 1964[Bearbeiten]

Auszeichnungen

Nominierungen

Golden Globe Award 1964[Bearbeiten]

Auszeichnungen

Nominierungen

  • Bester Darsteller – Komödie/Musical (Albert Finney)
  • Beste Regie (Tony Richardson)
  • Bester Nebendarsteller (Hugh Griffith)
  • Beste Nebendarstellerin (Joan Greenwood)

Andere Auszeichnungen[Bearbeiten]

New York Film Critics Circle Awards, USA

Laurel Award

  • Preis als Beste Komödie

Internationale Filmfestspiele von Venedig, Italien

  • Coppa Volpi: Bester Darsteller (Albert Finney)
  • Goldener Löwe: Tony Richardson (nominiert)

Writers’ Guild of Great Britain

  • Bestes britisches Drehbuch – Komödie (John Osborne)

Grammy Awards

  • Beste Original-Filmmusik (John Addison)

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Tom Jones. MGM Home Entertainment 2003

Soundtrack[Bearbeiten]

  • John Addison: Tom Jones. Music from the Original Motion Picture Soundtrack. Auf: Tom Jones & Irma La Douce. Music from the Original Soundtracks. MCA Records, Universal City 1986, Tonträger-Nr. MCAD-6178 – Originalaufnahme der Filmmusik (Auszüge), eingespielt unter der Leitung des Komponisten (CD)
  • John Addison: Tom Jones. Original Motion Picture Sound Track. United Artists Records, New York 1963, Tonträger-Nr. UAS 5113 – Originalaufnahme der Filmmusik eingespielt unter der Leitung des Komponisten (LP)

Literatur[Bearbeiten]

  • John Osborne: Tom Jones. Drehbuch (Originaltitel: Tom Jones). Edition Filmkritik 65,3. Deutsch von Klaus Hellwig und Peter H. Schröder. Verlag Filmkritik, Frankfurt am Main 1965, 134 S.
  • Henry Fielding: Tom Jones. Die Geschichte eines Findelkindes (Originaltitel: The History of Tom Jones, a Foundling). Deutsch von Horst Höckendorf. Insel-Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2007, 1228 S., ISBN 978-3-458-34939-6 oder ISBN 3-458-34939-1
  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. New York Times Review über Tom Jones
  2. http://www.synchrondatenbank.de/movie.php?id=15795 Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen, Eintrag in der Synchrondatenbank von Arne Kaul
  3. Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen in der Deutschen Synchronkartei; abgerufen am 15. August 2009