Tom Seidmann-Freud

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Illustration aus Die Fischreise, Peregrin-Verlag, Berlin 1923
Spielfibel:Hurra, wir lesen (1930)

Tom Seidmann-Freud (* 17. November 1892 in Wien; † 7. Februar 1930 in Berlin) war eine österreichische Malerin, Kinderbuchautorin und -illustratorin.

Leben[Bearbeiten]

Tom Seidmann-Freud wurde als Martha Gertrud Freud geboren. Ihre Mutter Maria (Mitzi) Freud ist eine Schwester des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Ab 1898 wohnt die Familie in Berlin, wo der Vater Maurice (Moritz) ein Importgeschäft betreibt. Im Alter von 15 Jahren nimmt sie den männlichen Vornamen Tom an und nennt sich Tom Freud. Sie besucht nach dem Schulabschluss eine Kunstschule in London und widmet sich Bilderbüchern im Jugendstil. Erste Erfolge stellen sich ab 1914 mit eigenen Veröffentlichungen ein.

Von 1918 bis 1920 lebte sie in München. Im Jahr 1920 lernt sie den Schriftsteller Jakob (Jankew) Seidmann kennen. Die beiden heiraten und bekommen 1922 die Tochter Angela (Awiwa).[1] Das Paar arbeitet intensiv zusammen. Sie gründen den Peregrin-Verlag, ein Verlag, der sich mit religiösen Themen speziell für die ost-jüdischen Zuwanderer befasst. Im Jahr 1923 erscheint hier auch Tom Seidmann-Freuds originelles Bilderbuch "Die Fischreise".

Neben Bilderbüchern gestaltet Tom Seidmann-Freud auch Spiel- und Verwandlungsbücher für Kinder: "Das Wunderhaus" im Jahr 1927 und "Das Zauberboot" im Jahr 1929. Vier Spielfibeln folgen: Sie sind die erfolgreichsten Veröffentlichungen und werden noch Jahrzehnte später gedruckt.

Während der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 bricht die Katastrophe über das Künstlerpaar herein. Der gemeinsam geführte Verlag geht bankrott, und Jankew Seidmann nimmt sich das Leben. Tom Seidmann-Freud erkrankt darauf an einer schweren Depression, von der sie sich nicht mehr erholt. Am 7. Februar 1930 stirbt sie an einer Überdosis Tabletten. Sie wird neben ihrem Mann auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt.

Werke in Auswahl[Bearbeiten]

Grab Seidmann-Freud Weißensee
  • Das Baby-Liederbuch. Bilder und Verse von Tom Freud. Berlin: Reuß & Pollack 1914.
  • Das neue Bilderbuch. Von Tom Freud. Text von Stora Max. München: Georg W. Dietrich Hofverleger 1918.
  • David the Dreamer. His Book of Dreams. By Ralph Bergengren. Illustrated by Tom Freud. Boston: The Atlantic Monthly Press 1922.
  • Das Buch der Dinge. Ein Bilderbuch für ganz kleine Kinder von Tom Seidman-Freud. Berlin: Mauritius 1922.
  • Die Fischreise. Ein Bilderbuch von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Peregrin 1923.
  • Peregrin and the Goldfish. A picturebook by Tom Seidmann-Freud. New York: The Macmillan Comp. 1929.
  • Buch der Hasengeschichten. Ein Bilderbuch von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Peregrin 1924.
  • Das Wunderhaus. Ein Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Herbert Stuffer 1927/1929/1931.
  • Das Zauberboot. Von Tom Seidmann-Freud. Ein Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln (Das neue Wunderhaus). Berlin: Herbert Stuffer 1929/1930/1935.
  • The magic boat. By Tom Seidmann-Freud. A book to turn, move and alter. Berlin: Herbert Stuffer 1935.
  • Buch der erfüllten Wünsche. Ein Bilderbuch von Tom Seidmann-Freud. Potsdam: Müller & Kiepenheuer 1929.
  • Hurra, wir lesen! Hurra, wir schreiben! Eine Spielfibel von Tom Seidmann-Freud. [Spielfibel Nr. 1] Berlin: Herbert Stuffer 1930/1932/1934/1949.
  • Spiel-Fibel Nr. 2. Von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Herbert Stuffer 1931.
  • Hurra, wir rechnen! Spielfibel No. 3 von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Herbert Stuffer 1931/1946.
  • Hurra, wir rechnen weiter! Spielfibel No. 4 von Tom Seidmann-Freud. Berlin: Herbert Stuffer 1932.

Ihr bekanntestes Werk ist das Bilderbuch „Die Fischreise“ aus dem Jahre 1923. Die Illustrationen weisen Stilelemente von Neuer Sachlichkeit und Expressionismus auf und sind von außerordentlicher Klarheit und Schönheit. Geschildert wird der Traum eines Jungen: Peregrin träumt. Peregrin, das ist der Ausländer, der Fremde, der Bürger zweiter Klasse. Peregrin träumt von einem Fisch, der ihn in eine Traumwelt bringt. „Es spricht der Fisch: Komm mit, die Welt ist weit und viele Ufer sind!“ Peregrin landet so in einer paradiesischen Traumwelt, in der alles so ist, wie es sein soll: „Dies Land ist das beste, das ich mir denken kann, es sind die Tage Feste, die Welt ist da sehr eben, und hell ist es zu leben von nun und immer an!“

Nachdrucke[Bearbeiten]

Einige ihrer Bücher wurden in englischer, russischer, niederländischer und hebräischer Sprache herausgegeben. In neuerer Zeit sind die folgenden Nachdrucke erschienen:

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Barbara Murken: Tom Seidmann-Freud. Leben und Werk. In: Die Schiefertafel. Jg. IV (1981), H.3, S.163–201.
  • Barbara Murken: „... die Welt ist so uneben ...“ – Tom Seidmann-Freud (1892-1930). Leben und Werk einer großen Bilderbuch-Künstlerin. In: Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse. Themenschwerpunkt Familie Freud. Tübingen: edition diskord 2004, Heft 33, S. 73–103.
  • Dietmar Strauch: Tom Seidmann-Freud (1892–1930). Künstlerin, Illustratorin, Kinderbuchautorin. In: Adagio – Feld O. Biographische Recherchen auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee. Berlin: edition progris 2009, S. 102–105.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 19, de Gruyter, Berlin 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tom Seidmann-Freud – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Luzifer-Amor, Heft 33 (17. Jg. 2004): Familie Freud