Tommaso Maria Napoli

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Tommaso Maria Napoli (* 1659 in Palermo; † 1725 ebenda) war ein Architekt, Mathematiker und Dominikaner auf Sizilien.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Napoli war der Sohn eines Silberschmieds in Palermo. In jungen Jahren (1676) trat er dem Dominikanerorden in Palermo bei. Während seines Noviziats erhielt er seine architektonische Ausbildung vom Architekten und Dominikanerpater Andrea Cirrincione im palermiatischen Konvent seines Ordens. Seine Mitarbeit an der Fassade der Kirche San Domenico in Palermo ist belegt. Eine zusätzliche Ausbildung genoss er in Rom, wo er seine Schrift „Utriusque Architecturae Vompedium“ (1688) dem bedeutenden Architekten Carlo Fontana widmete.

In der Folgezeit unternahm er zahlreiche Reisen nach Neapel, Ragusa, Rom Ungarnund Wien, wo er für den kaiserlichen Hof arbeitete.

Von 1689 bis 1700 wurde er zum offiziellen Architekten der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) ernannt, um den Wiederaufbau der durch das schwere Erdbeben von 1667 zerstörten Stadt zu leiten. Er war dort an der Planung des Neubaus der Kathedrale beteiligt und entwarf 1691/92 die Kapelle des Rektorenpalastes.

Gegen 1711 war er wieder in Palermo, wo er zunächst als Militärarchitekt der Stadt und später als königlich sizilianischer Architekt tätig war. Von seinen Reisen brachte er, neben dem römisch-barocken Stil von Carlo Fontana, das Verständnis für die Architektur des Österreichers Johann Bernhard Fischer von Erlach nach Sizilien.

Villa Palagonia ("dei Monstri") in Bagheria

Ab 1712 baute er für Maria Anna del Bosco die Villa Valguarnera und ab 1714 für den Príncipe de Palagonia, Ferdinando Francesco Gravina die Villa Palagonia, beide in Bagheria. Wegen ihres ungewöhnlichen Skulpturenschmuckes wird die Villa Palagonia auch “Villa dei Monstri” (Villa der Monster) genannt.

1722 entstand er Entwurf für die palermiatische Piazza San Domenico mit der Mariensäule, die 1725 in Abänderung von Napolis ursprünglichem Plan von Giovanni Biagio Amico vollendet wurde. Etwa zur gleichen Zeit lieferte er Entwürfe für die Prozessionsterrasse des (heute nicht mehr vorhandenen) Nonnenkloster „Sette Angeli“ in Palermo.

Literatur von Napoli[Bearbeiten]

  • Utriusque Architecturae Compendium in duos libros. Giovanni Battista Molo, Rom 1688.
  • Breve ristretto dell'architettura militare e fortificazione offensiva e difensiva. Palermo 1723.

Literatur über Napoli[Bearbeiten]

  • Salvatore Boscarino: Sicilia Barocca. Architetture e città 1610–1760. 3. edizione. Officina edizioni, Rom 1997.
  • Eliana Calandra: Breve storia della architetture in Sicilia (= Biblioteca di Cultura Moderna. Bd. 320, ZDB-ID 980413-4). Laterza Edizione, Bari 1938 (Auch, als: Breve storia dell'architettura in Sicilia (= Universale di Architettura. Bd. 13). Testo & Immagine, Turin 1997, ISBN 88-86498-16-0).
  •  Maria Giuffrè: Barockes Sizilien. Michael Imhof, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-264-2.
  • Tommaso Maria Napoli. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band XXV, E. A. Seemann, Leipzig 1931, S. 342.
  • Erik Neil: L'architetto Tommaso Maria Napoli O.P. (1659–1725). In: Alfonso Gambardella (Hrsg.): Ferdinando Sanfelice. Napoli e l'Europa. (Atti del Convegno Internazionale di Studi Intorno a Ferdinando Sanfelice: Napoli e l'Europa. A Napoli e Caserta nei giorni 17–18–19 aprile 1997) (= Studi sul Settecento Napoletano. Bd. 1). Edizioni Scientifiche Italiane, Neapel 2004, ISBN 88-495-1011-X, S. 365–375.
  • Erik H. Neil: Architects and Architecture in 17th & 18th century Palermo. In: Annali di Architettura. Nr. 7, 1995, ISSN 1124-7169, S. 159–176.
  •  Angheli Zalapi: Paläste auf Sizilien. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-2117-8.

Weblinks[Bearbeiten]