Ton im Kino

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Unter Ton im Kino versteht man heute die elektroakustische Wiedergabe von synchron zum Film abgespielten Tonsignalen über verschiedene Lautsprechersysteme. Diese Wiedergabe hat sich seit dem Start um 1913 enorm gewandelt und weiterentwickelt. Tonformate und Standards kommen und gehen, und auch die Digitaltechnik hält nach und nach Einzug in die Kinos dieser Welt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der Vorführung bewegter Bilder kann man auf das Jahr 1892 zurückführen, als Émile Reynaud mit seinem „Optischen Theater“ Bilder über Filmstreifen vorführte und kurz darauf auf EdisonsKinetoskop“. Die Patentierung des Cinematographen 1895 stellt heute den offiziellen Startschuss des Kinos dar.

Bevor nun knapp 100 Jahre später digitaler Raumklang die Besucher unterhalten konnte, behalf man sich mit Pianisten, welche die ersten Stummfilme begleiteten. Schnell wurde klar, dass der Einsatz von Musikern zwar den Unterhaltungswert steigerte, jedoch sehr teuer war und vor allem keinen gleich bleibenden oder gar synchronen Ton reproduzieren konnte. Wiederum Edison trug 1913 nach der Entdeckung der mechanischen Schallaufzeichnung mit seinem „Kinetophon“ zu einem ersten Schritt in Richtung Synchronisation bei. 1922 stellten über Motoren synchronisierte Plattenspieler (sound-on-disc) nach der Erfindung der elektroakustischen Wiedergabe einen weiteren bedeutenden Schritt dar. Kurz darauf wurden mit der Weiterentwicklung der Elektrotechnik die ersten Lichttonverfahren in Sprossen- (variable density) und Zackenschrift (variable area) entwickelt, die zunächst in der Qualität dem Nadelton unterlegen waren, aber weitestgehend dem noch heute zentral verwendeten Lichtton auf allen Filmen entsprechen.

Kaum hatte der Ton das Laufen zum Film gelernt, trat ein Visionär namens Walt Disney hervor und war seiner Zeit mit „Fantasia“ und dem darauf verwendeten Tonformat „Fantasound“ um 30 bis 40 Jahre voraus. Er übersprang damit gleich das Stereoformat und lieferte auf einem zusätzlichen Film die Kanäle Links, Mitte und Rechts. Jedoch war die Zeit für einen derartigen technischen Aufwand noch nicht reif, dieses „Tonformat“ blieb ein Einzelkind. Erst in den 50er Jahren, als die magnetische Schallaufzeichnung in Form von auf den Film aufgeklebten Bändern auf den Markt kam, gab es weitere Versuche mit der Mehrkanaltechnik. Auch hier scheiterten diese Unternehmungen am hohen technischen Aufwand, fehlenden einheitlichen Formaten und an der viel zu anfälligen magnetischen Speicherung auf Film.

So war die Welt des Tons im Kino lange Zeit Mono und in Form von Lichtton neben das Bild auf dem Film gebannt. Da hierbei der Störsignalanteil relativ hoch und die Dynamik entsprechend gering war, entwickelte Ray Dolby 1965 die Rauschunterdrückung namens Dolby A und brachte sie 1970 erfolgreich in die Kinos. Er sollte fortan entscheidend die weitere Entwicklung des Kinotons beeinflussen. 1975 erschien „Dolby Stereo“ in Links, Mitte, Rechts, Mono-Surround, hatte 1977 mit Krieg der Sterne den Durchbruch und ersetzte seither den Mono-Lichtton. Damit war ein Standard geschaffen, der aber nicht überall zum gleichen Klangerlebnis führte. So entwickelte George Lucas 1982 sein Gütesiegel namens THX für die Kinos, mit dem elektro- und bauakustische Anforderungen sichergestellt werden sollten. 1986 brachte Dolby die Rauschunterdrückung auf der Produktions- und Wiedergabeseite mit dem Standard „Dolby SR“ (Spectral Recording) auf den heutigen Stand des analogen Lichttons.

Das digitale Zeitalter des Kinotons begann 1990 mit einem Flop der Firma „CDS“, die den analogen Ton ganz durch ein teures digitales System ersetzen wollten. So wurde der Weg frei für das digitale Format, welches parallel zum bestehenden analogen Lichtton auf den Film gebracht wurde – „Dolby Digital“. Von da an war es nicht nur möglich, Raumklang mit hundertprozentiger Kanaltrennung zu reproduzieren, sondern es war auch ein Tonformat geschaffen, welches für eine bestimmte, Lichtton-kompatible Anordnung der Lautsprecher ausgelegt war und einen neuen Standard in den Kinos darstellte. Dies gelang Dolby auch außerordentlich gut, wenn man die im Jahr 1993 dazugekommenen, sehr guten Konkurrenzsysteme DTS und SDDS (Sony) betrachtet.

Ton im Kino heute[Bearbeiten]

In Anbetracht der Geschichte wird schnell klar, dass es die heutigen Kinos mit all den verbliebenen Standards zu tun haben und somit ein nicht zu unterschätzendes technisches System betreiben müssen. Vor allem wenn ein Kino zusätzlich THX zertifiziert ist.

Verblieben sind im Grunde vier Tonsysteme. Die sind der Lichtton in Dolby SR, welcher ein Raumklang-encodiertes-Signal enthält, dann Dolby Digital, womit bis zu sieben Kanäle mit hundertprozentiger Kanaltrennung (Übersprechungsfrei) übertragen werden können. Dasselbe gilt für DTS, welches sich von Dolby Digital lediglich in der Art des Wiedergabesystems (Timecode auf Film, Audio auf CD-ROM) und der geringeren Datenkompression des Formats unterscheidet. Lautsprecheranordnungen und die Anzahl der Kanäle sind die gleichen.

Das von Sony entwickelte Format SDDS erfordert einen größeren Eingriff in die Peripherie und die Lautsprecheraufstellung. Der grundlegende Unterschied hierbei sind zwei zusätzliche Lautsprecher hinter der Leinwand jeweils zwischen Center und Rechts bzw. Links. Im Gegensatz zu DTS bei dem der nötige Decoder an den bestehenden Kinoprozessor angeschlossen werden kann, ist dies bei SDDS nicht möglich. So ist zu einem SDDS-Decoder immer auch ein SDDS-Kinoprozessor nötig (meist kombiniert), der mit seiner Vielzahl an Kanälen eine nachfolgende Stufe zu bestehenden Kinoprozessoren bildet. Sony hat die Produktion und den Vertrieb von SDDS Equipement mittlerweile eingestellt und hält nur noch den Service bis 2014 aufrecht. Den Standard auf heutigen Kinofilmen bildet Dolby in Form des Lichttons Dolby SR und Dolby Digital bzw. Dolby Digital EX. DTS hält sich in Konkurrenz zu Dolby Digital mit dem Vorteil von international gleich bleibenden Filmkopien, da der Ton auf separaten CD-ROM produziert und verteilt wird. Jedoch nicht in dem Mengenverhältnis zum Standard Dolby Digital.

Tonsignalfluss im „analogen“ Kino heute

Die digitalen Formate haben gegenüber dem simplen, analogen Lichtton einen entscheidenden Nachteil. Sie sind extrem abhängig vom korrekten Auslesen der auf Film belichteten Information. Zu große Fehlerraten führen zu Ausfällen des digitalen Tons und erfordern dann ein Umschalten auf den analogen Lichtton. Die Erfahrung in den Kinos zeigt, dass die Formate SDDS und vor allem DTS wesentlich standfester bei schlechten Kopien sind, als das bei Dolby Digital der Fall ist.

Um Kopien zu vermeiden, werden die einzelnen Kapitel in denen Kinofilme verteilt werden, meist in unterschiedlichen Kopierwerken beauftragt, und dementsprechend unterschiedlich ist die Qualität. Bemerkt nun ein Vorführer beim ersten Überprüfen des Films eine riskant hohe Fehlerrate des digitalen Soundtracks, was permanentes Hin- und Herschalten von Digital- auf Lichtton verursachen kann, schaltet er zur Sicherheit auf konstanten analogen Lichtton. Diese Ausfallrate kann in Abhängigkeit von der Kopierqualität bis zu 30 % erreichen, was bedeutet, dass bis zu 30 % aller Filme, mit eigentlichem digitalem Raumklang, nur in Dolby SR aufgeführt werden können.

Solange digitale Formate mit Hilfe mechanischer Geräte und von belichtetem Film als Informationsträger abgelesen werden müssen, wird dieses Problem nur schwer reduziert werden können. Jedoch wird die Entwicklung auf diesem Sektor seinen Höhepunkt bereits überschritten haben. Die Zukunft wird wohl das digitale Kino sein, in welchem diese Probleme der Vergangenheit angehören.

Der Ton im Kino der Zukunft[Bearbeiten]

Das digitale Kino bietet in Bezug auf den Ton viele neue Möglichkeiten. Das größte Problem war für die DCI (Digital Cinema Initiatives) bisher die Festlegung eines Standards für die Formate von Bild und Ton. Dieser ist Ende Juli 2005 offiziell vorgestellt und veröffentlicht worden. Darin werden für den Ton atemberaubende 16 Kanäle in „High-Definition“ Auflösung berücksichtigt und vorgesehen, was in Bezug auf Dynamik und Kanalanzahl alle bisherigen Formate bei weitem übertrifft. An der Entwicklung von Bild und Tonsystemen für das digitale Kino der Zukunft sind viele Firmen sehr interessiert und versuchen möglichst innovative Produkte zu entwickeln. Zu jenen gehört auch das deutsche Fraunhofer Institut. Dieses Institut hat nun im Tonbereich eine revolutionäre Technologie von der Theorie in die Praxis umgesetzt und in einer Kooperation das Unternehmen „Iosono“ gegründet. Dieses Unternehmen produziert, vertreibt und installiert Tonsysteme, die auf dem Prinzip der Wellenfeldsynthese aufbauen und somit völlig neue Möglichkeiten in der räumlichen Abbildung und Positionierung von Schallquellen bieten. Zudem soll dieses System voll kompatibel zu den bestehenden Tonformaten sein und diese sogar in der Wiedergabe über dieses neue System in Bezug auf die optimale Abhörposition noch extrem verbessern.

Inwiefern sich jedoch eine Entwicklung des Tons im Kino vollziehen wird und sich neue unter Umständen auch technisch aufwendige Standards entwickeln, hängt wie so oft von der Nachfrage ab. Die Kinos wollen natürlich deutliche Unterscheidungsmerkmale zum Heimkino, jedoch was letztlich die Menschen in das Kino zieht, werden wohl die Besucher selbst entscheiden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Polzer (Hrsg.): Zur Geschichte des Filmkopierwerks. (Reihe: Weltwunder der Kinematographie, 8. Ausgabe), 2006, ISBN 3-934535-26-7
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Aufstieg und Untergang des Tonfilms. (Reihe: Weltwunder der Kinematographie, 6. Ausgabe), Polzer Media Group, Potsdam 2002, ISBN 3-934535-20-8
  • Joachim Polzer (Hrsg.): SOUND - Der Ton im Kino. (Reihe: Weltwunder der Kinematographie, 3. Ausgabe) Verlag der DGFK Berlin, 1996.

Weblinks[Bearbeiten]