Tony Allen (Schlagzeuger)

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Tony Allen beim Eurockéennes Festival 2007

Tony Oladipo Allen (* 12. August 1940 in Lagos) ist ein nigerianischer Schlagzeuger, Komponist und Songschreiber. Als Schlagzeuger und Musikalischer Direktor von Fela Kutis Band „Africa '70“ in den Jahren 1968 bis 1979 gilt er heute als einer der Begründer des Afrobeat. Kuti konstatierte: „Ohne Tony Allen gäbe es den Afrobeat nicht.“

Frühe Karriere[Bearbeiten]

Im Alter von 18 Jahren begann Allen als Autodidakt Schlagzeug zu spielen, während er als Ingenieur für einen nigerianischen Radiosender arbeitet. Allen wurde vom Musikgeschmack seines Vaters (Jùjú, traditioneller Yoruba und Musik der Ibo-Zeremonielle), aber auch vom amerikanischen Jazz und von der wachsenden Highlife-Szene in Nigeria und Ghana beeinflusst. Er arbeitete hart daran, einen einzigartigen Klang des Schlagzeugs zu entwickeln, indem er LPs und Zeitungsartikel von Max Roach und Art Blakey studierte, aber auch Material des ghanaischen Schlagzeugers Guy Warren (jetzt Kofi Ghanaba), der einen speziell jammernden Klang entwickelte und dazu das Trommeln ghanaischer Stämme mit Bop kombinierte, Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Thelonious Monk und Max Roach waren für ihn Ausgangsmaterial.

Allen wurde von ‚Sir‘ Victor Olaiya für seine Highlife-Band „Cool Cats“ als Claves-Spieler angeheuert. Als der bisherige Schlagzeuger der Band diese verließ, füllte Allen die am Schlagzeug entstandene Lücke. Später spielte Allen bei Agu Norris and the Heatwaves, den Nigerian Messengers und den Melody Makers.

Fela & Africa '70[Bearbeiten]

Tony Allen beim Würzburger Hafensommer 2010

1964 wurde Allen von Fela Ransome Kuti, der eine Highlife-Jazz-Band gründen wollte, zum Vorspielen eingeladen. Kuti und Allen hatten bereits gemeinsam in der Begleitband des Zirkus von Lagos gespielt. Kuti zeigte sich beeindruckt von Allens Spielweise: „Wie kann es sein, dass du der einzige Kerl in Nigeria bist, der so spielen kann - Jazz und Highlife in einem?“ So trat Allen Kutis Highlife-Jazz-Band „Koola Lobitos“ bei.

1969 entwickelte Fela Kuti mit der gerade in Africa '70 umbenannten Band nach einer USA-Tournee eine neue Variante afrikanischer Musik, bei der der mitreißende Rhythmus von James Brown mit Jazz, Highlife und dem mehrstimmigem Trommeln der Yoruba-Zeremonien kombiniert wurde. Allen entwickelte für Felas neue afrikanische Rhythmen einen neuen Stil, der die verschiedenen Genres vereinte.

Allen erzählt, wie er gemeinsam mit Fela Kuti 1970 Lieder schrieb: „Fela komponierte normalerweise die Parts für alle Musiker der Band (Africa '70). Ich war der Einzige, der seine Musik beeinflussen konnte. Fela fragte mich immer, welchen Rhythmus-Typ ich spielen wollte… Man muss das mit einem guten Schlagzeuger besprechen weil wir… waren zu viert… und sie… haben verschiedene Sachen gespielt… nicht nur Versatzstücke von Yoruba… [auch] aus anderen Regionen Nigerias und Afrikas.“ (Graeme Ewens, „Africa O-Ye!“, 1991)

Allen nahm mit Fela Kuti und Africa '70 mehr als 30 Alben auf, die wohl zu den besten von Fela Kuti gezählt werden können. In den späten 1970ern gab es mehrere Meinungsverschiedenheiten in den Reihen von Africa '70, unter anderem waren Lizenzgebühren und andere Zahlungen ein Grund für Streitigkeiten, auf der anderen Seite bekam die Band mehr Aufmerksamkeit als zuvor. Als Erfinder der den Afrobeat untermauernden Rhythmen und Musikalischer Direktor von Africa '70 fühlte sich Allen benachteiligt. Fela Kuti behauptete sich und erklärte, dass Allen die Tantiemen von seinen eigenen Liedern verlangen könne, nicht aber von Liedern, die bei Africa '70 in gemeinschaftlicher Arbeit entstanden. In der Folge unterstützte Fela Kuti Allen bei drei Soloalben: Jealousy (1975), Progress (1977) und No Accommodation For Lagos (1979). 1979 rang sich Allen mit einigen anderen Bandmitgliedern dazu durch, Africa '70 zu verlassen. „Was bringt ihn zu der Entscheidung, dass es Zeit zum Gehen ist? Es ist… alles… und (seine) Rücksichtslosigkeit… wie es ihm egal ist, wie er es nicht weiß… wie er nicht fühlt, dass er alles (falsch) gemacht hat. Und bei den ganzen Parasiten drumherum war es genauso… es gab bis jetzt 71 Leute auf Tournee und davon haben nur 30 direkt mit der Band gearbeitet… man muss sich fragen warum. Diese Leute beraubten Fela seiner Stärke, seiner Musik.“ Allen machte alleine weiter, nach wie vor auf der Suche nach seinen ganz eigenen Klangwelten.

Vom Afrobeat zum Afrofunk[Bearbeiten]

Allen gründete seine eigene Band, nahm mit ihr 1980 No Discrimination auf und spielte mit ihr in Lagos bis er 1984 nach London auswanderte. Nachdem er danach nach Paris umgezogen war, spielte Allen mit King Sunny Adé, Ray Lema und Manu Dibango. 1985 nahm er „N.E.P.A.“ auf.

Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Fela Kuti entwickelte Allen einen vielschichtigen Sound, der den Afrobeat zerlegte und mit Electronica, Dub und Hip-Hop kombinierte. Allen bezeichnete diese Verschmelzung der Musikstile als „Afrofunk“.

Sein 13. unabhängig produziertes Album, das am 13. Juni 2006 erschien, war eine Rückkehr zu Allens Wurzeln. Es symbolisiert Allens Rückkehr zum Afrobeat nach avantgardistischen Ausflügen in die Welten des Electronica und ist eine Liveaufnahme aus Lagos von der kompletten Afrobeat-Band „Lagos No Shaking“ (Lagos ist in Ordnung).

Brian Eno beschrieb Tony Allen als „den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat“.

2006 spielte er als Schlagzeuger mit Damon Albarn, Paul Simonon und Simon Tong das Debütalbum der Band The Good, the Bad & the Queen ein. Zusammen mit Damon Albarn, dem Red Hot Chili Peppers-Bassisten Michael Balzary und diversen Gastmusikern veröffentlichte er 2012 als „Rocket Juice & The Moon“ ein gleichnamiges Album.[1]

Trivia[Bearbeiten]

  • Die Blur-Single Music Is My Radar enthält eine Hommage an Tony Allen. Laut Damon Albarn endet das Lied mit der Zeile: „Tony Allen got me dancing.“ (Tony Allen brachte mich zum Tanzen.)

Diskografie[Bearbeiten]

Jahr Titel Künstler Label
1969 Koola Lobitos (64-68) / The 69' Los Angeles Sessions Fela Ransome Kuti Barclay
1970 Fela's London Scene Fela Ransome Kuti Barclay
1971 Live ! Fela Ransome Kuti Barclay
1971 Open & Close Fela Ransome Kuti Barclay
1972 Roforofo Fight Fela Ransome Kuti Barclay
1972 Shakara Fela Ransome Kuti Barclay
1973 Afrodisiac Fela Ransome Kuti Barclay
1973 Gentlemen Fela Ransome Kuti Barclay
1974 Confusion Fela Ransome Kuti Barclay
1974 He Miss Road Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Jealousy Tony Allen Strut
1975 Alagbon Close Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Everything Scatter Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Excuse O Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Expensive Shit Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Monkey Banana Fela Ransome Kuti Barclay
1975 Noise For Vendor Mouth Fela Ransome Kuti Barclay
1976 Ikoyi Blindness Fela Anikulapo Kuti Barclay
1976 Kalakuta Show Fela Anikulapo Kuti Barclay
1976 Na Poi Fela Anikulapo Kuti Barclay
1976 Unnecessary Begging Fela Anikulapo Kuti Barclay
1976 Upside Down Fela Anikulapo Kuti Barclay
1976 Yellow Fever Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 Progress Tony Allen Strut
1977 Fear Not For Man Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 J.J.D - Live At Kalakuta Republik Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 No Agreement Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 Opposite People Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 Sorrow Tears And Blood Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 Stalemate Fela Anikulapo Kuti Barclay
1977 Zombie Fela Anikulapo Kuti Barclay
1979 No Accommodation For Lagos Tony Allen Strut
1979 Unknown Soldier Fela Anikulapo Kuti Barclay
1979 V.I.P. Fela Anikulapo Kuti Barclay
1980 No Discrimination Tony Allen Strut
1980 Music Of Many Colours Fela Anikulapo Kuti / Roy Ayers Barclay
1986 I Go Shout Plenty Fela Anikulapo Kuti Afrodisia
1988 Never Expect Power Always (aka N.E.P.A.) Tony Allen with Afrobeat 2000 Moving Target
1998 Ariya Tony Allen Comet
1999 Black Voices Tony Allen Comet
1999 Ariya (Remixes) Tony Allen Comet
1999 The Two Sides Of Fela - Jazz & Dance Fela Anikulapo Kuti Barclay
1999 Racubah! - A Collection of Modern Afro Rhythms Various Artists Comet
2000 Black Voices Alternate take Featuring Mike 'clip' Payne Tony Allen Comet
2000 Black Voices Remixed Tony Allen Comet
2000 Mountains Will Never Surrender Doctor L Jive
2000 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 1 Various Artists Comet
2000 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 2 Various Artists Comet
2000 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 3 Various Artists Comet
2000 Modern Answers To Old Problems Ernest Ranglin
2000 Afrobeat...No Go Die ! Various Artists Shanachie
2001 The Allenko Brotherhood Ensemble Various Artists Comet
2001 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 4 Various Artists Comet
2001 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 5 Various Artists Comet
2001 The Allenko Brotherhood Ensemble Part 6 Various Artists Comet
2002 Homecooking Tony Allen Comet
2002 Every Season Tony Allen Comet
2002 Eager Hands & Restless Feet Tony Allen Wrasse
2004 Awa Band Bababatteur Ekosound
2004 Live Tony Allen Comet
2006 Lagos No Shaking Tony Allen Astralwerks
2006 To Give Is To Get Sofi Hellborg, Tony Allen and Timbuktu Ajabu
2007 The Good, The Bad & The Queen The Good, The Bad & The Queen EMI
2007 Kilode Tony Allen Honest Jons
2009 Secret Agent Tony Allen World Circuit
2009 Inspiration Information Jimi Tenor and Tony Allen Strut
2012 Rocket Juice and The Moon Rocketjuice And The Moon Honest Jon’s-
2014 Film Of Life Tony Allen Jazz Village

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Funkraketen mit Rucolaantrieb“ im Blog Tonträger der Zeit

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tony Allen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien