Tony Blair

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Tony Blair (2014)

Anthony „Tony“ Charles Lynton Blair (* 6. Mai 1953 in Edinburgh) ist ein britischer Politiker und war von 1994 bis 2007 Vorsitzender der Labour-Partei und von 1997 bis 2007 Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Nach dem plötzlichen Tod von John Smith wurde Blair im Juli 1994 Parteivorsitzender. Unter seiner Parteiführung gewann Labour 1997 die britischen Unterhauswahlen und beendete damit die achtzehnjährige Regierungszeit der Konservativen Partei. Tony Blairs Amtszeit wurde die längste aller regierenden Premierminister der Labour-Partei, und er führte seine Partei als einziger zu Wahlsiegen in drei aufeinanderfolgenden Wahlen. Zusammen mit Gordon Brown und Peter Mandelson näherte Blair die Labour-Partei der „politischen Mitte“ der britischen Politik an. Er vertrat eine Politik des freien Marktes und die Abgrenzung vom Kollektivismus unter den Schlagworten New Labour, „moderne Sozialdemokratie“ und „Dritter Weg“. Er schrieb die Clause IV des Parteiprogramms der Labour-Partei um, in der ursprünglich die Forderung nach „Verstaatlichung der Schlüsselindustrien“ festgelegt war.

Seine Innenpolitik war gekennzeichnet durch die Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Erziehung bei gleichzeitiger Einführung marktorientierter Reformen, die frühzeitig auf Kritik stießen. Ferner steht die Amtszeit Blairs für die Einführung eines Mindestlohns, von Schulgebühren zur Verbesserung der Ausbildung, Verfassungsänderungen, wie der Einführung der Home Rule in Schottland und Wales, und einen Fortschritt im Friedensprozess in Nordirland. Die britische Wirtschaft war durch Wachstum gekennzeichnet, wobei Blair sich an der konservativen Leitlinie orientierte, die Einkommensteuer nicht zu erhöhen.

Seit dem Beginn des Anti-Terror-Kampfs im Jahr 2001 unterstützte Blair vehement die US-amerikanische Außenpolitik, vor allem durch die Teilnahme von britischen Truppen an den Einsätzen in Afghanistan ab 2001 und im Irak ab 2003. Durch die nahezu bedingungslose Unterstützung der Maßnahmen der Bush-Regierung sah Tony Blair sich und seine Politik heftiger Kritik ausgesetzt. So musste er es sich etwa gefallen lassen, von der britischen Presse wegen seiner von vielen als unangemessen empfundenen Folgsamkeit gegenüber dem US-Präsidenten als Bush's poodle, Bushs Pudel, geschmäht zu werden.

Am 7. September 2006 erklärte Blair öffentlich, dass er als Parteichef zurücktreten werde. Im Juni 2007 wurde er zum Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt.

Leben[Bearbeiten]

Blair wurde in Edinburgh in Schottland geboren, verbrachte aber den größten Teil seiner Jugend im nordenglischen Durham. Sein Vater Leo Blair, ein Rechtsanwalt, war Mitglied der Konservativen Partei. Leo Blair strebte eine Kandidatur für das britische Unterhaus an, erlitt jedoch einen Schlaganfall, als Tony elf Jahre alt war.

Blair machte seinen Schulabschluss am renommierten Fettes College in Edinburgh. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften am St John’s College in Oxford. In seiner Freizeit spielte er Gitarre und sang für eine Rockband namens „Ugly Rumours“ (deutsch: „Hässliche Gerüchte“). Nach seinem Studienabschluss 1975 wurde er Rechtsassessor und lernte Cherie Booth kennen. Blair und Booth heirateten am 29. März 1980. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

  • Euan Anthony Blair (* 19. Januar 1984)
  • Nicholas John Blair (genannt Nicky) (* 6. Dezember 1985)
  • Kathryn Hazel Blair (* 2. März 1988)
  • Leo George Blair (* 20. Mai 2000)

Leo Blair ist bekannt als das erste während der Amtszeit geborene Kind eines Premierministers seit 150 Jahren.

Blair ist der Patenonkel einer Tochter des US-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch.[1]

Blair war bis zum 21. Dezember 2007 Anglikaner. Seither ist er römisch-katholisch, während seine Frau Cherie auch vorher schon römisch-katholisch war – auch die Kinder wurden und werden im römisch-katholischen Glauben erzogen. Die Werke des schottischen christlichen Philosophen John Macmurray hatten vermutlich einen prägenden Einfluss auf Blair, der als der religiöseste Premierminister seit William Ewart Gladstone angesehen wird.

Im Januar 2008 wurde bekannt, dass Tony Blair für 2 Millionen Pfund Sterling Jahresgehalt als Berater für die amerikanische Investmentbank JP Morgan tätig sein wird.[2]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Kurz nach seinem Universitätsabschluss 1975 trat Tony Blair in die Labour Party ein. In den frühen 80er Jahren war er in Hackney, einem Bezirk in London, aktiv, wo er der „gemäßigten Linken“ angehörte, die die Kontrolle über die Partei zu übernehmen versuchte. Allerdings schlug sein Versuch fehl, als Kandidat für den Rat von Hackney aufgestellt zu werden. Über seinen Schwiegervater kam er in Kontakt mit Tom Pendry, einem Unterhausabgeordneten, den er um Unterstützung für seine politische Karriere bat. Pendry vermittelte Blair als Kandidaten für eine Nachwahl zum Unterhaus in Beaconsfield im Jahr 1982. Auch wenn dies ein sicherer Wahlkreis der Tories war und Blair lediglich 10 Prozent der Stimmen erreichte, wurde er dadurch innerhalb der Labour-Partei und bei ihrem Vorsitzenden Michael Foot bekannt.

1983 gelang es Blair, Kandidat für Labour im neu geschaffenen Wahlkreis von Sedgefield zu werden. Es war ein sicherer Wahlkreis für Labour, und so zog Blair trotz der verheerenden Niederlage seiner Partei bei den Unterhauswahlen im Juni 1983 ins Parlament ein.

Parlamentarische Oppositionszeit[Bearbeiten]

Nach dem Einzug ins Parlament begann für Tony Blair ein steiler Aufstieg. 1984 war er stellvertretender finanzpolitischer Sprecher seiner Partei. Er initiierte eine Untersuchung der Übernahme der kollabierten Johnson Matthey Bank durch die Bank of England und brachte die Regierung in Verlegenheit, als er einen Bericht der Europäischen Gemeinschaft vorlegte, der auch von einem Kabinettsmitglied unterzeichnet worden war und in dem die britische Wirtschaftspolitik kritisiert wurde.

Blair gehörte dem Reformflügel seiner Partei an, der von Parteichef Neil Kinnock angeführt wurde. Nach den Unterhauswahlen 1987 kam er in die Arbeitsgruppe für Handel und Industrie und wurde deren Sprecher für die Stadt London. Er kandidierte für das Labour-Schattenkabinett und erhielt 71 Stimmen aus seiner Fraktion, was für einen jungen Parlamentarier als gutes Ergebnis angesehen wurde.

Nach dem Börsencrash von 1987 gewann Blair an Bekanntheit. Er setzte sich als Modernisierer in Szene, indem er gegen den drittklassigen Service für Kleinanleger an der Londoner Börse protestierte. Er wurde im Labour-Schattenkabinett 1988 Energieminister und im folgenden Jahr Arbeitsminister des Schattenkabinetts. Ihm fiel auf, dass die Unterstützung seiner Partei für die in Entwicklung befindliche Europäische Sozialcharta einer Abkehr von den sogenannten „Closed Shops“ bedeutete, der Verpflichtung durch britische Arbeitgeber an alle ihre Beschäftigten, Mitglied in der gleichen Gewerkschaft zu sein. Als er diese Positionsänderung im Dezember 1989 bekanntgab, sorgte dies für große Verärgerung bei der Parteilinken, erschwerte den Konservativen aber politische Attacken auf seine Partei.

Wegen seiner jugendlichen Ausstrahlung und Telegenität wurde Blair durch den PR-Beauftragten seiner Partei, Peter Mandelson, stärker ins Rampenlicht gerückt. Seine erste große Rede auf dem Parteitag 1990 war allerdings ein Fehlschlag, als er überhastet sprach und den Faden seines Manuskripts verlor. Er arbeitete daran, seine Partei stärker in die politische Mitte zu rücken und sie dadurch bei den Wahlen vom April 1992 wählbarer zu machen.

Nach der Wahlniederlage 1992 gegen Premier John Major trat Parteichef Neil Kinnock zurück. Unter seinem Nachfolger John Smith wurde Blair Innenminister im Schattenkabinett. Sein Konzept beschrieb er als „Hart gegen die Kriminalität, hart gegen die Ursachen der Kriminalität“. In diesem Feld hatte die Labour-Partei zuvor ein eher schlechtes Image. Tony Blair beklagte einen Verlust an Gemeinsinn, den er zumindest teilweise dem „Liberalismus der 60er Jahre“ anlastete, sprach sich für die Angleichung des Mindestalters für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen aus und war gegen die Todesstrafe.

John Smith starb im Mai 1994 unerwartet nach einem Herzinfarkt. Tony Blair und Gordon Brown waren die aussichtsreichen Kandidaten für seine Nachfolge. Auch wenn Brown mit seiner größeren Erfahrung zunächst als der wahrscheinlichere Kandidat galt, zeigten die Umfragen eine deutlich größere Unterstützung für Blair, und Brown verzichtete auf die Kandidatur. Am 21. Juli 1994 setzte sich Blair bei der Wahl gegen John Prescott und Margaret Beckett durch und wurde neuer Parteivorsitzender. Es gibt Berichte, nach denen er Gordon Brown versprochen habe, ihn nach einer festgelegten Zeit zu seinem Nachfolger zu machen.

Parteivorsitz[Bearbeiten]

Blair begann die Partei konsequent zu reformieren und ersetzte die Parteistatuten von 1918. Bemerkenswert war die Streichung der Klausel IV, welche vorsah, dass „das Volk die Produktionsmittel besitzen“ solle (daraus leiteten frühere Labour-Regierungen die Legitimation von Verstaatlichungen ab). Auf einem Sonderparteitag 1995 wurde diese Änderung bestätigt. Sozialreformen und eine Öffnung des Landes gegenüber der Europäischen Union bildeten weitere Kernpunkte seiner Politik. Blair verwendete den Begriff New Labour, um seine christlich-demokratischen Überzeugungen gegenüber dem seiner Meinung nach veralteten sozialistischen Gedankengut abzugrenzen.

Seine Reformen stießen auf Kritik bei den Traditionalisten der Parteilinken und wurden von politischen Gegnern als „oberflächlich“ bezeichnet, doch es gab seiner Partei ein neues Bild in der Öffentlichkeit. Auf dem Parteitag 1996 nannte er als Prioritäten nach einer möglichen Regierungsübernahme „Bildung, Bildung, Bildung“. Unterstützt durch die Unzufriedenheit mit der konservativen Regierung John Majors, welche von Korruptionsanschuldigungen und Streit um die Europapolitik geplagt war, erreicht „New Labour“ bei den Unterhauswahlen von 1997 einen Erdrutschsieg. Am 2. Mai 1997 wurde Tony Blair mit 43 Jahren als jüngster britischer Premierminister seit 1812 vereidigt.

Er war auch der erste Premierminister in der Regentschaft von Königin Elisabeth II., der während ihrer Regentschaft geboren wurde.

Erste Amtszeit 1997–2001[Bearbeiten]

Gleich nach dem Amtsantritt gab die Regierung, namentlich Schatzkanzler Gordon Brown, der Bank of England freie Hand bei der Festsetzung der Leitzinsen. Zuvor hatten die Regierungen, gerade in Wahlkampfzeiten, oft Einfluss auf die Zinsen genommen, was negative Folgen für die britische Wirtschaft hatte. Blair installierte mit Alastair Campbell einen Pressesprecher mit vorher nicht dagewesenem Einfluss.

Schon im ersten Regierungsjahr Blairs kam es zu einer Krise der Monarchie, als Diana Spencer in Paris verunglückte und sich die Massenmedien gegen die Königin wandten.[3]

Einer der größten Erfolge während seiner ersten Amtszeit war die Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens, welches den Nordirland-Konflikt wesentlich entschärfte. Die Verhandlungen über ein Abkommen hatten bereits unter Blairs Vorgänger John Major begonnen. Es wurde schließlich am 10. April 1998 unterzeichnet. Am 26. November des gleichen Jahres war Blair der erste britische Premierminister überhaupt, der vor dem irischen Parlament eine Rede hielt.

Es gab zudem wesentliche Verfassungsreformen. Ein Menschenrechtskatalog wurde 1998 eingeführt; in Wales und Schottland wurden Regionalparlamente errichtet (siehe Scotland Act, National Assembly for Wales), und erbliche Adelstitel berechtigten in den meisten Fällen nicht mehr zum Einzug ins Oberhaus. Im Jahr 2000 wurde eine neue regionale Struktur für den Großraum London geschaffen und ein „Freedom of Information Act“ verabschiedet.

In der Kosovo-Krise 1999 spielte Blair eine führende Rolle: Nachdem die Labour-Partei die Schwäche der Tory-Regierung während des Bosnienkrieges kritisiert hatte, forderte Blair ein klares Handeln der NATO gegenüber Slobodan Milošević. Er überzeugte US-Präsident Clinton, notfalls auch Bodentruppen im Kosovo einzusetzen. Auf einer Rede in Chicago, einen Monat nach Kriegsbeginn, legte er Grundzüge einer neuen Doktrin für die internationale Gemeinschaft fest [4]. Im gleichen Jahr erhielt er den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

Wahlen und zweite Amtszeit 2001–2005[Bearbeiten]

Tony Blair und George W. Bush am 12. November 2004

Im Wahlkampf 2001 vor dem Wahlen am 7. Juni 2001 machte Blair die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen, insbesondere des britischen Gesundheitswesens, zum Hauptthema. Die Konservative Partei versuchte das Thema weitgehend zu ignorieren und kritisierte vor allem eine mögliche britische Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion. Die Labour-Partei gewann die Wahlen deutlich, und Tony Blair wurde der erste Labour-Premier, der eine volle zweite Amtsperiode regierte. Der Vorsitzende der Tories, William Hague, trat zurück und wurde durch Iain Duncan Smith ersetzt. Hague war der erste konservative Parteivorsitzende, der nie Premierminister wurde.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stellte sich Blair kompromisslos auf die Seite der USA und half bei der Bildung einer internationalen Koalition zur Intervention in Afghanistan, bei der britische Truppen beteiligt waren.

Blair unterstützte von Beginn an die Pläne von US-Präsident Bush zu einem möglichen Angriff auf den Irak unter Diktator Saddam Hussein, wodurch er zur Spaltung der EU in dieser Frage beitrug. Der Krieg war international wie auch im eigenen Land heftig umstritten. Blairs Begründungen fokussierten auf die Behauptung, Irak besitze Massenvernichtungswaffen und habe UN-Resolutionen verletzt, da der Sturz einer Diktatur im internationalen Recht kein Kriegsgrund ist. Großbritannien nahm mit 46.000 Soldaten, einem Drittel der gesamten Stärke der Armee, am Irakkrieg von 2003 teil. Nach dem Sturz Saddam Husseins wurden die Truppen vorrangig im Süden des Irak stationiert. Als sich die Existenz von Massenvernichtungswaffen nach Kriegsbeginn und Besetzung des Iraks nicht bestätigte, geriet Blair innenpolitisch unter Druck. Ihm wurde vorgeworfen, die vorliegenden Indizien einer irakischen Bedrohung massiv übertrieben zu haben. Die Kontroverse hält bis heute an. Im November 2007, nach dem Ende seiner Amtszeit, erklärte Blair im Rahmen einer BBC-Dokumentation, dass er den Krieg ausdrücklich gewollt und sich gegenüber US-Präsident Bush auch niemals um eine diplomatische Lösung im Irak bemüht habe.[5]

Innenpolitisch ging Blair nach dem Wahlsieg zunächst die Erfüllung seiner Versprechen bezüglich der öffentlichen Dienstleistungen an. Seine Regierung erhöhte die Steuern, um die Ausgaben für Bildung und Gesundheitswesen zu erhöhen. Er bemühte sich um Reformen bei der Struktur der Gesundheitswesen und gab den Krankenhäusern größere finanzielle Autonomie.

Nach dem Tod des Waffenexperten und Berater der britischen Regierung David Kelly am 17. Juli 2003 wurden die Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen und von der Opposition immer lauter. Am 29. Januar 2004 veröffentlichte der mit der Untersuchung der näheren Umstände des Todes betraute Lordrichter Brian Hutton den Schlussbericht seiner Arbeit. Dort wurde auch die Frage erörtert, ob Tony Blair die Order zur Preisgabe des Namens des Biowaffenexperten gab. Tony Blair und die Öffentlichkeit interpretieren den Abschlussbericht als völlige Entlastung, während der Generaldirektor und der Intendant der BBC umgehend von ihren Ämtern zurücktraten.

2002 rechtfertigte er im Unterhaus die staatliche Unterstützung von Schulen, an denen Kreationismus als der Evolution gleichwertig dargestellt wird, damit, dass dies der Vielfalt des Schulsystems diene.[6] Im Herbst 2003 wurden bei Blair Herzrhythmusstörungen festgestellt. Er musste sich deswegen ein Jahr später einer Operation unterziehen. Kontroversen gab es auch um Studiengebühren. Ein Gesetz, das Erhöhungen zuließ, brachte Blair am 27. Januar 2004 an den Rand einer Abstimmungsniederlage im Unterhaus.

Beim Verbot der Fuchsjagd legte sich Blair mit Traditionalisten seines Landes an. Im Gegensatz zur kompromisslosen Partnerschaft mit den USA bei deren Militäraktionen drängte Blair auf ein rasches Handeln beim Klimaschutz und eine vollständige Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Hierzu befürwortete er auch einen Ausbau der Atomenergie. Seine Regierung verabschiedete innenpolitisch ein Lebenspartnerschaftsgesetz für homosexuelle Paare, das Mitte Dezember 2005 in Kraft trat. Ab dem 6. Februar 2005 war Blair der bisher am längsten regierende Labour-Premierminister.

Wahlen und dritte Amtszeit 2005–2007[Bearbeiten]

Blair wurde bei der Unterhauswahl am 5. Mai 2005 erneut in seinem Amt bestätigt.

2006 und 2007 setzte sich Blair für eine Erneuerung des britischen Atomwaffenprogramms ein, was aufgrund von Widerstand in den eigenen Reihen nur mit den Stimmen der Tories beschlossen werden konnte.[7] (siehe Britische Atomstreitkräfte (UK Nuclear Deterrent Forces))

Am Mittwoch, dem 27. Juni 2007, trat Blair vom Amt des Premierministers zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige Schatzkanzler Gordon Brown, der wenige Tage zuvor auch zum Labour-Chef gewählt worden war.

Nach dem Rücktritt[Bearbeiten]

Im Juni 2007 wurde Tony Blair zum Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt.

Tony Blair bei einer Tagung des Jüdischen Weltkongresses in Jerusalem, Juni 2011

Ende Oktober 2007 wurde bekannt, dass Blair vom Verlag Random House neun Millionen US-Dollar Vorschuss für seine Memoiren erhalten werde, die er „selbst schreiben“ wolle.[8] Im gleichen Jahr erschien ein neuer Roman des englischen Bestsellerautors Robert Harris mit dem Titel „Ghost“, der aus der Perspektive eines Ghostwriters die Entstehung der Memoiren eines abgetretenen britischen Premierministers beschreibt, der für seine Lebensgeschichte von einem amerikanischen Verlag zehn Millionen Dollar Vorschuss erhalten hat. Nach allgemeiner Überzeugung finden sich in diesem Buch sehr viele Übereinstimmungen zwischen der Hauptfigur, Adam Lang, und dem realen Tony Blair. Auch seine Frau und seine wichtigste Mitarbeiterin spiegeln sich in den entsprechenden Personen des Buches.

Am 1. September 2010 erschienen seine Memoiren unter dem Titel A Journey.[9] Die deutsche Ausgabe erschien am 9. September (Titel Mein Weg).

In einem Interview[10] monierte Blair, dass man im Irak nach Saddam Massengräber mit Hunderttausenden Ermordeten gefunden habe, dies aber in den Medien kaum gewürdigt wurde.

Irak-Untersuchungsausschuss[Bearbeiten]

Vor dem Irak-Untersuchungsausschuss sagte Blairs damaliger außenpolitischer Berater Sir David Manning aus, dass Blair schon elf Monate vor dem Beginn des Irak-Krieges George W. Bush zugesichert habe, einen Regimewechsel im Irak notfalls durch den Einsatz militärischer Mittel herbeizuführen. Rechtsberater hätten ihn jedoch schon damals darauf hingewiesen, dass ein Militäreinsatz mit diesem Ziel ungesetzlich sei und gegen die UN-Charta verstoße.[11] Danach räumte Tony Blair in einem Interview offen ein, dass er den Angriff auf den Irak auch ohne Beweise für den irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen für richtig halte.[12] Während die Befragung von Alastair Campbell aufgrund des Briefwechsels zwischen Blair und Bush die Entschlossenheit Blairs zum Krieg nochmals bestätigte, hat eine holländische Untersuchung ergeben, dass die Niederlande sich allein aufgrund des von Großbritannien und den USA gelieferten irreführenden Materials zur Beteiligung am Krieg entschlossen hatten und dass dieser Krieg gegen internationales Recht verstoßen habe.[13]

Religiöse Orientierung[Bearbeiten]

Im Rahmen einer BBC-Dokumentation im November 2007 teilte Blair mit, dass sein Glaube an Gott wichtige Entscheidungen während seiner Amtszeit beeinflusst habe; außerdem wurde bekannt, dass Blair zum römisch-katholischen Glauben konvertieren wolle.[14] Am 21. Dezember 2007 wurde er während einer Heiligen Messe in der Kapelle im Haus des Erzbischofs von Westminster in London in die Gemeinschaft der Römisch-Katholischen Kirche aufgenommen. Kardinal Cormac Murphy-O’Connor gab bekannt, dass Tony Blair in den letzten Monaten ein Vorbereitungsprogramm zur Aufnahme in die Kirche absolviert habe.[15] Aus Gründen der Staatsraison wartete er mit dem Übertritt, obwohl er schon 2003 in Rom während einer Papstaudienz von Papst Johannes Paul II. die Heilige Kommunion empfangen hatte.[16]

Die Tony Blair Faith Foundation plant in den nächsten Jahren mit erheblichen finanziellen Mitteln und Unterstützung durch Rick Warren eine „Glaubensoffensive“ in den Vereinigten Staaten.[17] Weitere Stiftungen Blairs sind die am 14. November 2007 gegründete Tony Blair Sports Foundation, welche den Jugendsport vor allem in Nordostengland fördert, und die Tony Blair African Governance Initiative[18], welche Investitionen in Afrika unterstützen soll.[19]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der nach einer Vorlage von Robert Harris entstandene Film Der Ghostwriter zeigt unverkennbare Parallelen zu Blairs Außen- und Sicherheitspolitik. Im Mittelpunkt des Films steht ein britischer Premierminister, dessen sämtliche Entscheidungen von der CIA beeinflusst worden seien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jim Buller: New Labour’s Foreign and Defence Policy: External Support Structures and Domestic Politics, in: Steven Ludlam and Martin J. Smith (Hgg.), New Labour in Government, New York 2001, S.219-233.
  • Keith Dixon: Ein würdiger Erbe. Anthony Blair und der Thatcherismus. UVK Konstanz, 2000: ISBN 3-87940-716-9
  • Merten Haring: Verfassungswandel in Großbritannien – Von Margaret Thatcher bis Tony Blair. Osnabrück: Koentopp, 2006. ISBN 978-3-938342-06-0
  • Steve Marsh: Blair, Britain and the Anglo-American Special Relationship, in: Merle Tönnies (Hg.), Britain under Blair (anglistik & englischunterricht 65), Heidelberg 2003, S. 49–74.
  • Gerd Mischler: Tony Blair. Reformer, Premierminister, Glaubenskrieger. Parthas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-86601-520-8.
  • Anthony Seldon, Dennis Kavanagh (Hgg.), The Blair effect, 2001–2005, Cambridge 2007.
  • Christian Thode, The Legacy of Prime Minister Tony Blair (1997–2007), in: Hard Times 82 (Herbst 2007), S. 2–7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tony Blair – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tina Kaiser: Affäre mit Blair. Murdoch spricht über Tagebucheinträge seiner Ex-Frau. In: Welt Online, 17. April 2014. Abgerufen am 17. April 2014.
  2. BBC: „Tony Blair joins investment bank“ 10. Januar 2008. Tony Blair und JP Morgan dealten mit Gaddafi und Rusal, Russland Aktuell, 26. September 2011
  3. Tony Blair: Mein Weg., C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-10071-4, S. 139 ff.
  4. pbs.org: The Blair Doctrine
  5. Spiegel Online: „Ich wollte Krieg, es war das Richtige“ 17. November 2007
  6. The Guardian: What a creation ... 15. Januar 2005 (englisch)
  7. Trident plan wins Commons support, BBC News. 15. März 2007. 
  8. „MEMOIREN – Neun Millionen Dollar Vorschuss für Blair“, Spiegel Online, 26. Oktober 2007
  9. „Memoiren des Ex-Premiers: Blair rechnet mit Erzfeind Brown ab“, Spiegel Online, 1. September 2010
  10. Interview mit Northern Echo
  11. Richard Norton-Taylor: Iraq inquiry: Blair told Bush he was willing to join, 11 months before war. The Guardian 30. November 2009.
  12. Riazat Butt, Richard Norton-Taylor: Tony Blair admits: I would have invaded Iraq anyway. The Guardian 12. Dezember 2009.
  13. Richard Norton-Taylor, Afua Hirsch: Illegal, inevitable – Chilcot inquiry casts new doubts on Iraq war. The Guardian, 12. Januar 2010.
  14. „Tony Blair liest vorm Einschlafen die Bibel“, Spiegel Online, 25. November 2007
  15. Die Welt: Britanniens Ex-Premier Blair ist jetzt Katholik 22. Dezember 2007
  16. Zenit: Tony Blair: Die Stimme des Glaubens darf nicht fehlen.
  17. Jamie Doward, Paul Harris: Blair courts controversial US pastor Rick Warren in bid to unite faiths. The Observer, 14. März 2010.
  18. David Leigh, Ian Griffiths: The mystery of Tony Blair's finances. In: The Guardian, 1. Dezember 2009. 
  19. Le Monde diplomatique, 15. Januar 2010: Wie Gold, nur besser