Torf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Torf (Begriffsklärung) aufgeführt.

Torf ist ein organisches Sediment, das in Mooren entsteht. Im getrockneten Zustand ist der Torf brennbar. Er bildet sich aus der Ansammlung nicht oder nur unvollständig zersetzter pflanzlicher Substanz und stellt die erste Stufe der Inkohlung dar.

Industrieller Torfabbau am Naturschutzgebiet Ewiges Meer in Ostfriesland
Wiedervernässte Abbaufläche im Großen Moor bei Uchte
Torfstiche im Peenetal bei Gützkow in Vorpommern

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Torf für den aus Mooren gewonnenen Brennstoff aus vermodernden Pflanzenresten wurde im 16. Jahrhundert aus dem Nieder- ins Hochdeutsche übernommen und geht zurück auf angelsächsisch turf bzw. althochdeutsch zurf, zurba, was so viel wie Rasen(stück) bedeutete. Er ist im Rahmen der germanischen Sprachen verwandt mit engl. turf, niederl. torv. Weitere Verwandtschaft besteht mit der slawischen Sprachgruppe um russ. dern (Rasen).

Alle diese Formen weisen letztlich auf die idg. Wurzel *der- zurück, die „stechen, spalten, reißen, (heraus-) heben“ bedeutet (vgl. frz. tirer u. itl. tirare, engl. tear ziehen). Beim Torf handelt es sich also ganz wörtlich um „das Gestochene“.

Torfarten[Bearbeiten]

Fasergewebe im Torf

Ab einem Gehalt an organischer Substanz von 30 Prozent (Restwasser und Mineralien) heißt die Ablagerung Torf; Gehalte unter 30 Prozent werden als Feuchthumus oder (etwas veraltet) als Moorerde bezeichnet. Niedermoortorf, der sich in Niedermooren bildet, unterscheidet sich von Hochmoortorf, der ausschließlich in Hochmooren entsteht. Einige Wissenschaftler klassifizieren auch Übergangstorf, der in seinen Eigenschaften zwischen dem Nieder- und dem Hochmoortorf vermittelt.

Entsprechend dem Grad der Verdichtung ergibt sich ein unterschiedlicher Heizwert. Die Variation reicht vom Weißtorf über den Brauntorf bis zum Schwarztorf. Der helle Weißtorf lässt die Struktur der Pflanzen noch deutlich erkennen, bei weiterer Zersetzung entsteht ein homogener, wenigstens bei Betrachtung mit bloßem Auge strukturloser Körper, Brauntorf oder Bunttorf genannt. Die älteste Torfschicht ist der Schwarztorf. Die unteren Schichten eines Torflagers sind dabei (weil älter, größerem Druck ausgesetzt und während der Entstehung auch durchlüftet) in der Zersetzung weiter fortgeschritten als die oberen.

Weitere je nach dem Grad der Zersetzung verwendete Begriffe sind: Rasen-, Faser- und Pechtorf. Rasentorf ist die jüngste Bildung und besteht aus wenig veränderten, noch gut erkennbaren Pflanzenresten. Er ist gelbbraun und locker. Fasertorf besteht aus brauner, bereits strukturlos gewordener Masse und ist mit Fasern schwer zersetzbaren Pflanzenmaterials durchzogen. Pechtorf ist dunkler und kompakter als Fasertorf. Er ist der älteste, schwerste Torf und zeigt kaum noch erkennbare Pflanzenreste.

Weißtorf wird als Düngetorf zur Auflockerung von Blumenerde verwendet. Die Bezeichnung ist irreführend, da der Gehalt an düngenden Mineralien keine hinreichend breite Zusammensetzung zur ausgewogenen Anreicherung von Mangelböden bietet. Die ökonomische Bedeutung ist zugunsten der ökologischen Neubewertung nasser Moorflächen erheblich verändert.

Entstehung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Moor
Torf mit erkennbaren Pflanzenresten

Wo die Bodenbeschaffenheit eine Ansammlung von stehendem seichtem Wasser in flachen Seen und Senken der Flussauen gestattet, wird dieses im Laufe der Zeit eutrophieren und durch die abgestorbenen Pflanzenreste verlanden.

Die Entstehung von Torf geht sehr langsam vor sich. Als Durchschnittswert für die Torfablagerung in einem Moor ist ein Mittelwert von 1 mm pro Jahr anzusetzen (bis zu 10 mm = 1 cm pro Jahr sind auch bekannt). Die Entstehung des norddeutschen Teufelsmoores bei Worpswede benötigte ca. 8.000 Jahre.

Zunächst entsteht ein nährstoffreiches Niedermoor mit Niedermoortorf. Bei geeigneten Bedingungen koppelt sich die Oberfläche des Moores durch Auflagerungen allmählich vom stehenden Grundwasser in der Senke ab. Das Moorwasser hat nun einen niedrigen pH-Wert (um die 3,4–3,7), kaum noch Nährstoffe und nur wenig Sauerstoff sind gelöst, so dass die aerobe und anaerobe Zersetzung pflanzlicher Substanzen gehemmt ist. An diese Bedingung sind die Hochmoor-Pflanzengesellschaften angepasst, deren Ablagerungen den Hochmoortorf bilden.

Torfmoos ist in sauren Hochmooren die wichtigste torfbildende Pflanze

Pflanzen, die zur Vermoorung und Vertorfung führen, kommen in großer Anzahl vor und wuchern stark, sie treiben aber besonders verfilzte Wurzeln treiben. Dazu zählen Heiden (Besenheide, Glocken-Heide), Sauergräser (besonders Seggen-Arten und Wollgräser und Simsen), Binsen, Schwarz-Erlen, vor allem aber Torfmoose (Sphagnum). In hoch gelegenen Regionen kann auch die Bergkiefer (Pinus mugo) eine Rolle spielen. Je nach Beteiligung einzelner der genannten Pflanzen an der Moorbildung, der Ökologie und den hydrologischen Verhältnissen werden Niedermoore, Zwischenmoore sowie Hochmoore unterschieden. In Ersteren dominieren Seggenriede, Röhrichte und Bruchwälder, in den nährstoffärmeren Zwischen- und Hochmooren sind Torf- und Braunmoose die Haupttorfbildner.

Torfabbau[Bearbeiten]

Hauptartikel: Torfstich
Torfabbau im Wurzacher Ried

Erste Kultivierungsmaßnahmen in manueller Bearbeitung in weiten Moorgebieten Norddeutschlands waren bis in das 18. Jahrhundert die Entwässerung über Gräben und nachfolgendes Abbrennen der Flächen. Ausgiebige Torfbrände verursachten bis ins 19. Jahrhundert den Heerrauch.

Seit dem Ende des 20.Jahrhunderts wird Torf nach dem Tagebauverfahren in entwässerten offenen Gruben gewonnen. Weißtorf wird nach Entwässerung der Lagerschichten durch aufnehmendes Fräsen und das Volumen reduzierende Pressen für den Handel aufbereitet. Schwarztorf wurde früher manuell gestochen und in Horden oder Hocken an der Luft getrocknet. Heute wird Torf auch nicht mehr maschinell gestochen, sondern im Fließverfahren gefräst oder gebaggert und zunächst durch Pressen und schließlich durch offene Lagerung bis zur Verwertung getrocknet.

Traditionell wurde Torf vor allem als Heizmaterial verwendet. Da Moore von den Ökologen mittlerweile als bewahrenswerte Biotope angesehen werden, findet in Deutschland ein Abbau aus intakten Mooren nicht mehr statt, vornehmlich werden bereits in der Vergangenheit trockengelegte ehemalige Moore als Torflagerstätten genutzt. In Skandinavien und Irland wie auch im Baltikum wird Torf noch lokal beschränkt zur Energie- und Wärmegewinnung abgebaut und dient vor allem der lokalen Versorgung.

Die Eigenschaften von Niedermoor- und Hochmoortorfen unterscheiden sich beträchtlich. Niedermoore spielen (außer bei Urbarmachung) wirtschaftlich keine Rolle, nur in geringen Mengen wird Niedermoortorf für balneologische Zwecke abgebaut. Die Nutzung von Torf als Brennstoff an der Nordseeküste ist bereits durch Plinius überliefert; auch ein arabischer Reisender des 10. Jahrhunderts berichtet von „brennbarer Erde“. Hochmoortorf hat seit dem 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sowie in Notzeiten des 20. Jahrhunderts als Brennstoff in Form des minderwertigen Splinttorfes große Bedeutung besessen. Gegenwärtig wird er hauptsächlich in der Pflanzenindustrie und sowohl von Berufs- wie Hobbygärtnern in großen Mengen verwendet.

Durch den Abbau des Torfs, der eine Entwässerung voraussetzt, um die Flächen befahren und Maschinen einsetzen zu können, werden die betroffenen Moore als Naturflächen großräumig zerstört. Angesichts ihrer Langsamwüchsigkeit und des schweren Eingriffs, den die Entwässerung bedeutet, können sie sich meist nicht mehr erholen. In vielen Ländern wie Deutschland, Kanada und Finnland werden abgetorfte Flächen durch Wiedervernässen regeneriert. Die regionalen Verwaltungen betreiben nach Auslaufen der Abbaulizenzen Projekte zur Wiedervernässung, Regenerierung oder zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung ehemaliger Torfabbaugebiete. Aufgrund des gewachsenen ökologischen Bewusstseins der Bevölkerung ist das bloße Liegenlassen abgetorfter Flächen keine akzeptierte Vorgehensweise mehr. Zudem erfordert die Entwässerung angrenzender Flächen meist eine kontrollierte Wasserführung. Die Zulassung neuer Flächen zum Abbau unterliegt strengen Auflagen.

Torfnutzung[Bearbeiten]

Brenntorf - Torfstücke aus den Torfstichen der Peene im Museum Gützkow

Brennstoff[Bearbeiten]

Brennender Torf

Torf hat als Brennstoff in trockenem Zustand einen Heizwert von 20–22 MJ/kg, vergleichbar mit Braunkohle. Allerdings hat frischer Torf einen sehr hohen Wassergehalt und muss daher vor der Verbrennung in der Regel aufwändig getrocknet werden. Zudem hat Torf einen sehr hohen Aschegehalt, einen niedrigen Ascheschmelzpunkt und enthält einige chemische Bestandteile, die sich bei der Verbrennung korrosiv und/oder umweltschädlich verhalten. Der Ausbrand erfolgt sehr langsam, die Asche enthält viel Unverbranntes und glüht daher lange nach. Aus diesen Gründen zählt Torf zu den eher problematischen und minderwertigen Brennstoffen. Offenes Torffeuer riecht wegen der enthaltenen sauren Bestandteile recht stark.

Unerlässlich ist der Torf als Brennstoff noch bei der Malzherstellung für viele schottische Whiskysorten, da der Torfrauch erheblich zum Geschmack des Endproduktes beiträgt; außerhalb Schottlands produzierte Whiskys verwenden meist keinen Torfrauch. Als Brennstoff für die allgemeine Anwendung wird Torf in nennenswerter Menge nur noch in Regionen mit ausgedehnten Moorlandschaften verwendet. In Europa sind dies vor allem Skandinavien (Finnland, Schweden), die britischen Inseln (Irland, Schottland), das Baltikum (Estland, Lettland, Litauen):

Land Energieerzeugung1
aus Torf [ktoe/a]
Anteil Torf
am Brennstoffverbrauch
in Prozent
Finnland 2000 70
Irland 0800 50
Schweden 0350 0,7
Estland 0100 1,7
Litauen 0065 0,3
Lettland 0020 0,5
(stark abnehmend)
1 ktoe = 106 ÖE = 11,6 GWh = ca. 3500–4000 t Torf
Quelle: FUEL PEAT INDUSTRY IN EU Report im Auftrag der European Peat and Growing Media Association (2006)
Anmerkung: Die Nutzung von Torf in den o. g. Ländern ist sehr unterschiedlich. In Finnland, Irland und Schweden wird der Großteil in größeren Kraft- und Heizwerken verbrannt, in den baltischen Staaten in kleinen Heizungen. (Stand der Statistik 2010)
Torf-Kraftwerke

Einige moorreiche Länder betreiben Torfkraftwerke, in denen Torf in großem Maßstab als Brennstoff zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Wurde der Torf früher überwiegend in Soden-/Ballenform auf einem Rost verbrannt, kommt er aktuell überwiegend in gemahlener Form in einer Wirbelschicht zum Einsatz.

Torfkohle

Torf kann, statt ihn direkt als Brennstoff zu nutzen, – ähnlich wie bei der Herstellung von Holzkohle – unter geringer Luft- bzw. Sauerstoffzufuhr langsam in einem Kohlenmeiler zu Torfkohle umgewandelt werde. Auf diese Weise entsteht ein Brennstoff, der einen wesentlich höheren Heizwert und günstigere Verbrennungseigenschaften aufweist.

Dieses Verfahren war im 18. und frühen 19. Jahrhundert verbreitet, da der Bedarf an heizwertreichen Brennstoffen mit der Industrialisierung in der Erzverhüttung, in Ziegeleien und weiteren Industrien rapide anstieg. Da „echte“ Kohle noch nicht in ausreichender Menge verfügbar war und Holzkohle durch großflächige Abholzung von Wäldern knapp geworden war, kam es gelegen, dass wegen des zunehmenden Siedlungsdrucks große Torfgebiete urbar gemacht wurden und daher Torf in größerer Menge als billiger Brennstoff für die Verkohlung zur Verfügung stand. Torf wurde so zu einem wichtigen überregionalen Handelsgut. Da Torfasche lange nachglüht, führte dies zu vielen Bränden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ließ mit der Erfindung der Eisenbahn und nach der Aufforstung mit schnellwachsenden Nadelbäumen der Mangel an Kohle und Holz nach und die Torfkohle verlor an Bedeutung.

Whisky-Herstellung

In einigen Whisky-Destillerien, vor allem auf den schottischen Inseln, wird das Malz über einem Torffeuer gedarrt. Ursprünglich war dies ein einfaches Gebot der Notwendigkeit, da Schottland sehr waldarm ist und Holz- oder Holzkohlefeuer daher zu teuer waren. Das Torffeuer ist inzwischen zu einem wichtigen Geschmacksträger geworden; nur so kann der spezielle rauchig-phenolartige Geschmack einiger Whiskys erzielt werden.

Brennstoff für Dampflokomotiven

Torf wurde in verschiedenen Gegenden auch als Heizmaterial für Dampflokomotiven verwendet. Wegen des (bereits erwähnten) langen Nachglühens der Torfasche hatten diese Dampflokomotiven zur Verhinderung von Waldbränden charakteristisch birnenförmige Schornsteine. Um eine entsprechende Menge von Torf mitführen zu können, führten Dampflokomotiven teilweise mehrere geschlossene Torftender oder auch sogenannte Torfmunitionswagen hinter sich her.

Heizmaterial für Gärtnereibetriebe

Torf wurde regional in großen Mengen verheizt, auch um Gärtnereibetriebe mit Wärme für Gewächshäuser zu versorgen. Ein großer Betrieb in Wiesmoor, die Wiesmoor-Gärtnerei wurde noch im 20. Jahrhundert in Nachbarschaft eines Torfkraftwerks eröffnet. Die Regionen Ammerland und Ostfriesland sind für große Vielfalten an Azaleenkulturen bekannt. Der Ursprung der Gewächshauskulturen in den Niederlanden und in Flandern geht auf die Nutzung des Torfs als Heizmaterial und als Substrat zurück.

Kultursubstrat[Bearbeiten]

Da Torf ein Vielfaches seines Eigengewichtes an Wasser speichern kann, wird er mit Kalk neutralisiert, mit Nährsalzen und weiteren Zuschlagstoffen wie Ton oder Sand aufgemischt und so zum Kultursubstrat weiterverarbeitet. Einige Pflanzen wie Azaleen benötigen einen sauren Boden und so dient die Beimischung von Torf üblicherweise auch zur präzisen Regelung des Säurehaushaltes des Bodens. In der Berufsgärtnerei gibt es bisher kaum Ersatzmöglichkeiten für Torf. Kritisiert wird von Naturschützern insbesondere der Einsatz von Torf im privaten Garten. Von Hobbygärtnern werden jedes Jahr zur Bodenverbesserung rund 2,3 Millionen Kubikmeter Torf ausgebracht. Ohne vorhergehendes Neutralisieren und Düngen kann dieser lediglich die Durchlüftung des Bodens verbessern, sonst jedoch durchaus die Bodenqualität verschlechtern, da Hochmoortorf extrem nährstoffarm ist und zur Bodenversauerung führt. Daher sollte der Torf vor der Ausbringung thermisch behandelt werden (zum Beispiel durch Dämpfen), um gegebenenfalls bestehende Krankheitserreger und Schädlinge sowie Unkräuter bzw. deren Samen abzutöten und blockierte Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen.

Aus Rinde oder Holzabfällen werden inzwischen Torfersatzstoffe hergestellt, die eine ähnliche bodenverbessernde Wirkung haben, aber kaum zur Versauerung des Bodens beitragen. In vielen Fällen ist einfacher Kompost das beste Mittel zur Bodenverbesserung.

Medizin, Kosmetik[Bearbeiten]

Torf wird ebenfalls in der Medizin und Körperpflege eingesetzt, vor allem als Moorbad, Moorpackungen und sogar als Torfsauna. Badetorf unterscheidet sich von normalem Torf durch seine geringe Zahl an gesundheitlich gefährdenden Mikroorganismen. Die heilende Wirkung des Torfes ist noch nicht vollständig erforscht. Balneologen vermuten eine heilende Wirkung, wenn der Torf als dickflüssiger Moorbrei mit Temperaturen von 38 °C bis 40 °C auf die Haut aufgebracht wird. Insbesondere die damit verbundenen Wärmebehandlung, daneben auch die enthaltenen Huminsäuren, versprechen einen positiven Einfluss auf das Endokrine System und eine Förderung der Durchblutung des Körpers. Eine besonders positive Eigenschaft haben die milden Huminsäuren, die im Schwarztorf mehr als im Weißtorf enthalten sind. Die Huminsäuren bewirken eine bessere Durchblutung der Haut und lassen diese weich wirken. Die Huminsäuren liegen im schwach sauren Bereich pH um 5,7. Der Torf für die äußeren Anwendungen wird aus landwirtschaftlich ungenutzten Abbauflächen gewonnen. Die geeignetsten Abbaugebiete für schweren Schwarztorf zur Herstellung von Moorbädern und Packungen liegen in Ostfriesland.

Weitere Nutzungen[Bearbeiten]

Aus Torffasern lassen sich Textilien herstellen, die besonders leicht und warm sind. Des Weiteren kann Schwarztorf zur Herstellung von Aktivkohle verwendet werden. Früher kam Torf auch als Streu in Ställen zum Einsatz. So wurde z. B. der Torfstich in Aukštumalė (bekannt durch die erste Monographie zu einem Hochmoor von 1902, heute Litauen) angelegt, um Streu für die Pferde der Königsberger Pferdebahn zu gewinnen.

In den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten des 20. Jahrhunderts baute das Torfstreu- und Mullewerk Haspelmoor großflächig Torf ab. Er diente als Stallstreu und überwiegend als Isoliermaterial für Eiskeller und oberirdische Eishütten für Brauereien und Gaststätten. Haspelmoor-Torf wurde in ganz Europa vertrieben.

Torf wurde früher gelegentlich auch als preiswerte Schlafunterlage (Torfbett) verwendet und eignete sich besonders für Bettnässer und Kleinkinder. Auch in jüngster Zeit werden Torffasern als natürlicher Rohstoff für Matratzen, Bettdecken und Kissen wieder verwendet.

Eine weitere Anwendung ist im Bereich der Aquaristik und Teichpflege zu finden. Hier werden vornehmlich Schwarztorfe als Filtermaterial zur Herabsetzung des pH-Wertes der Karbonathärte verwendet. Als festes Schwarztorfgranulat ist es filtertauglich. Die Algen- und Pilzbildungen werden stark reduziert und der Stickstoffgehalt gesenkt. Das Wasser wird klarer. Der Torf bewirkt eine leichte Bräunung des Wassers (Schwarzwassereffekt). Schwarztorf enthält Fulvosäuren, die die Schleimhäute der Fische vor bakteriellen Krankheitsbefall schützen.

In der Chemie wird Torf auch als natürlicher Ionentauscher verwendet.

Aus Torf werden in aktiven Abbauregionen gelegentlich auch Souvenirs hergestellt.

In den Ländern[Bearbeiten]

Weltweit gibt es etwa 271 Millionen Hektar Torfboden. In Afrika 6 Millionen Hektar, in Nordamerika 135 Millionen Hektar, Südamerika 6 Millionen Hektar, Asien 33 Millionen Hektar, Europa 88 Millionen Hektar, Naher Osten 2 Millionen Hektar und Ozeanien 1 Million Hektar.[1]

Deutschland[Bearbeiten]

Torfstecherdenkmal in Maudach

Hier wurde Torf in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sowie im DDR-Bezirk Schwerin abgebaut.[2] Noch immer werden jedoch zehn Millionen Kubikmeter Torf aus norddeutschen Mooren von einer Fläche von 30.000 ha abgebaut. Zur Bedarfsdeckung wird Torf aus dem Baltikum und aus Russland importiert. [3]

England[Bearbeiten]

Torfstecher in Westhay, Somerset
Torfhaufen in Westhay, Somerset

Torf (engl. peat) wurde in England seit der Zeit der Römer abgebaut. Bis heute findet man interessante Stellen (z.B. Somerset Levels) wo bis zu 10 Meter tiefe Abbaustellen archäologisch interessante Funde zutage gebracht haben (z.B. The Sweet Track).

Finnland[Bearbeiten]

In Finnland wird Torf im großen Umfang genutzt, da etwa ein Drittel des Landes aus Torfboden besteht. Etwa 800.000 ha sind industriell nutzbar, die durchschnittliche Tiefe des Torfes beträgt jedoch nur etwa 1,4 m. Zirka 8 Prozent des Stromes und 6 Prozent des gesamten Energiebedarfs im Jahr 2003 wurden aus Torf erzeugt. Es gibt etwa 40 Kraftwerke, die Torf und Holz verfeuern, und 10 Prozent der Bevölkerung heizt mit Torf, welcher in der Regel als Pellet angeliefert wird. Die größten Unternehmen sind Vapo Oy Energia in der Stadt Jyväskylä und Turveruukki Oy in der Stadt Oulu.

Produziert wurden im Jahr 2001 6 Millionen Tonnen Torf zur Energieproduktion und 0,5 Millionen Tonnen Torf für den landwirtschaftlichen Bedarf.

Irland[Bearbeiten]

Torf bedeckt in Irland etwa ein Sechstel der Landfläche. Die Mehrheit des hier vorkommenden Torfes ist nicht in Senken entstanden, sondern bedeckt als Deckenmoor, eine Unterart der Hochmoore, mehr oder weniger gleichmäßig weite Landstriche. Diese zunächst unnatürlich erscheinende Ablagerung entstand einerseits durch die in Irland herrschenden hohen Niederschläge, wurde andererseits auch durch menschlichen Einfluss verstärkt. Insbesondere führte das nahezu vollständige Abholzen der Wälder vor einigen tausend Jahren zur Entstehung erster Torfschichten. Die oberste Pflanzenschichte diente zunächst als Weideland. Die natürliche Verdunstung reduzierte sich dadurch stark. Um Abspülungen durch Bodenerosion zu vermeiden, stauten die Menschen das Wasser mit Mauern aus Feldsteinen. Dies führte zusätzlich über die Jahrtausende zum Wachsen des Torfes als die Landschaft einhüllende Decke. Im 21. Jahrhundert gibt es etwa eine Million Hektar derartiger Deckenmoore, die durchschnittlich 3 m dick sind.

In Senken entstandene Moore gibt es in Irland nur auf einer Fläche von ca. 200.000 Hektar. Da diese deutlich älter sind – sie entstanden kurz nach dem Ende der Weichsel-Eiszeit vor 10.000 Jahren – sind sie im Durchschnitt 7 m dick und werden daher vorrangig abgebaut. Seit dem 18. Jahrhundert bauten die Einwohner Torf als Brennstoff ab, ausreichend Holz aus den Wäldern gab es schon lange nicht mehr. Diese Moore sind in Irland so gut wie verschwunden.

Die Torfproduktion betrug 1999 etwa 4,7 Millionen Tonnen.

Im Jahr 1946 entstand das halb-staatliche Unternehmen Bord na Móna durch den Turf Development Act (TDA), wodurch die industrielle Torfnutzung gefördert werden sollte. Der TDA betreibt ein sehr großes Schienennetz von etwa 1200 Meilen, welches für den Torfabbau benötigt wird und er vergibt an Privatpersonen gegen Gebühr zeitlich und flächenmäßig begrenzte Abbaulizenzen.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist der Abbau von Torf de facto verboten, weil Moore von nationaler Bedeutung seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative im Jahr 1987 unter absolutem Schutz stehen (Art. 78 Abs. 5 der Bundesverfassung). Kein anderes Land kennt (Stand 2010) ein annähernd gleich hohes Schutzniveau für Moore. Jedoch werden jährlich rund 150.000 Tonnen Torf aus dem Ausland importiert, die hauptsächlich im Gartenbau Verwendung finden.[4]

Natürliche Torffeuer[Bearbeiten]

Natürliche Torffeuer sind Erdbrände, die fremdentzündet oder selbstentzündet sein können. Prinzipiell wird Torf dort in Brand geraten, wo das Grundwasser künstlich abgesenkt wird, kein Regen fällt und Brandrodung betrieben wird bzw. wo ein Waldbrand wütet. Hohe Lufttemperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit sowie Wind (er begünstigt die Austrocknung der Oberfläche - auch an beschatteten Stellen) begünstigen die Entzündung.

In Afrika gibt es beispielsweise Gebiete, in denen während der Regenzeit große Wassermassen in Trockengebiete abgeleitet werden und dort für einige Monate im Jahr ein Sumpfgebiet entsteht, welches zur Bildung von Torf führt. Dies ist so in Mali und in Botswana. Wenn dann das Wasser verdunstet und der Torf von oben her abtrocknet, reichen normale Temperaturen von ca. 40 °C aus, die oberste Torfschicht durch Selbstentzündung in Brand zu setzen. Der Vorgang ist dabei derselbe wie beim selbstentzündeten Kohlebrand.

Im Jahr 2010 kam es in Russland zu mehreren riesigen Torffeuern. Siehe Wald- und Torfbrände in Russland 2010.

Indonesien[Bearbeiten]

In Indonesien gibt es große Torfwälder, die auf mehrere Meter tiefen Torfflözen wachsen. Nach der Entwässerung von einer Million Hektar Sumpfland im Rahmen des Mega Rice-Projektes auf der Insel Borneo entstanden dort Wald- und Torfbrände, wodurch mindestens 40 cm Torf auf einer Fläche von 500.000 ha verloren gingen.[5]

Im Jahr 1997/98 brannten etwa zehn Millionen Hektar und hüllten Indonesien und Teile Südostasiens zehn Monate lang in dunklen Rauch ein. Dabei gelangten ungeheure Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein bedeutender Teil der indonesischen Wälder wächst auf mächtigen Torfflözen, in denen große Mengen Kohlenstoff gespeichert sind. Besonders diese Gebiete hatten damals Feuer gefangen. Die Riesenbrände dieser Torfwälder verstärken den globalen Treibhauseffekt messbar.[6] Satellitenbildauswertungen der Ludwig-Maximilians-Universität München ergaben, dass damals allein durch Torffeuer in Indonesien die gigantische Menge von 0,8 bis 2,5 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid freigesetzt wurden. Dieser Beitrag – aus einem für globale Maßstäbe vergleichsweise sehr kleinen Gebiet – entspricht zwischen dreizehn und vierzig Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes durch Verbrennung von Erdöl, Kohle und Gas im selben Jahr.[7]

Mali[Bearbeiten]

In Mali, im Überschwemmungsgebiet des Flusses Niger, sind unterirdische Torflager entdeckt worden, die speziell in der Trockenzeit immer wieder in Brand geraten und dabei sämtliche organische Materie, auch Baumwurzeln, zerstören. Dabei treten an der Oberfläche Temperaturen bis 765 °C auf. Seit 1960 vermuteten einige Wissenschaftler einen Vulkan in der Gegend, doch im Jahr 2001 konnte diese Annahme widerlegt und Torffeuer als Ursache genannt werden.

Okavangodelta[Bearbeiten]

Der Okavango ist ein etwa 1.700 km langer Fluss im südlichen Afrika, der in den Sümpfen des (oberirdisch) abflusslosen 15.000 km² großen und sumpfigen Okavangobeckens in Botswana im Nordosten der Sandwüste Kalahari versickert. Während der Regenzeit überschwemmt er das Becken durchschnittlich etwas mehr als einen Meter hoch.

Durch die großen Mengen an verdunstetem Wasser reichert sich Salz an den während der Regenzeit überschwemmten höchsten Landerhebungen an, was zu massenhaftem Pflanzensterben führt. Der vom Fluss mitgeschwemmte Sand sammelt sich an diesen Stellen und kann zur Entstehung einer Inseln führen. Damit kommt es immer seltener zu Überschwemmungen, bis schließlich die Insel ganzjährig trocken bleibt, was wiederum auch zum Austrocknen des sich im Untergrund gebildeten Torfführt; die Voraussetzung für ein selbstentzündendes Torffeuer ist gegeben. Der Brand zerstört die Insel und spült das Salz und den Sand in den entstandenen unterirdischen Hohlraum. Damit kann der Zyklus von Neuem beginnen, der etwa 150 Jahre lang ist. Dieser natürliche Vorgang verhindert die bei der hohen Verdunstung eigentlich zu erwartende Bildung eines lebensfeindlichen Salzsees oder einer Salztonebene.

Bodenkunde[Bearbeiten]

Torf wird als Organischer Bodenhorizont mit dem Horizontsymbol H bezeichnet, wobei nH für Niedermoortorf, uH für Übergangsmoortorf und hH für Hochmoortorf steht. In Österreich und der Schweiz werden Torfschichten auch den Buchstaben T gekennzeichnet. 30 Gewichtsprozent des Bodens sollten aus humifizierter organischer Substanz bestehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Torf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Torf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiken
  2. Torf - Wie die türkischen Gastarbeiter nach Lohne kamen; Günther Pinzke: Torfgewinnung und -veredelung im ehem. Bezirk Schwerin 1945-1990
  3. Torfabbau und -verwendung auf www.bund.net
  4. Interpellation 10.3106 Diener Lenz Verena: Torfimporte in die Schweiz, 15. März 2010.
  5. Torfwaldbrände in Indonesien
  6. Florian Siegert: Brennende Regenwälder. In: Spektrum der Wissenschaft. Februar 2004.
  7. S. E. Page, F. Siegert, J. O. Rieley, H.-D. V. Boehm, A. Jaya und S. Limin: The amount of carbon released from peat and forest fires in Indonesia during 1997. In: Nature. Band 420, 2002, S. 61–65