Tornado in Wiener Neustadt 1916

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Der Tornado Wiener Neustadt 1916 war ein Tornado der Stärke F3, der 1916 Wiener Neustadt verwüstete.

Stärke und Ort[Bearbeiten]

Am späten Nachmittag des 10. Juli 1916 braute sich zwischen Dreistetten und Bad Fischau ein heftiges Unwetter zusammen, das zu einer mächtigen Superzelle – eine Gewitterzelle mit rotierenden Wolkentrichtern in der Luft – wurde. Einer davon bekam schließlich Bodenkontakt und fegte gegen 16:30 Uhr als mächtiger Tornado der Stärke F3 aus der Richtung Bad Fischau mit einer rasenden Geschwindigkeit über Wiener Neustadt hinweg. Heutigen Berechnungen zufolge kann auf Windgeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h geschlossen werden. Die Windhose überquerte zuerst das Flugfeld und verwüstete anschließend die Josefstadt und die Lokomotivfabrik. Insgesamt hatte der Tornado eine Zuglänge von 15 Kilometern, seine Spur der Verwüstung reichte von Dreistetten bis Lichtenwörth. Nach Lichtenwörth löste sich der Wirbelsturm schließlich auf.

Ausmaße[Bearbeiten]

Der Tornado war etwa 1 km breit und 3 bis 5 km hoch. Die Zugbahn betrug etwa 20 km. Der Tornado ist für die damalige Zeit gut dokumentiert.

Folgen[Bearbeiten]

Die nördlichen Stadtteile von Wiener Neustadt wurden verwüstet. Die gerade erst errichteten Telegraphen- und Telefonmasten wurden zerstört. Mit voller Wucht traf er auf die Wiener Neustädter Lokomotivfabrik, wo auch die meisten Menschen starben. Insgesamt starben 32 Menschen und es gab über 300 Verletzte. Sogar feste Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht. Es gab enorme Schäden an über 150 Gebäuden.

Es war der schlimmste Tornado, den es in Österreich je gegeben hatte. Kaiser Franz Joseph I. stellte 10.000 Kronen und das Innenministerium einen Betrag von 100.000 Kronen für den Wiederaufbau des schwer getroffenen Wiener Neustadts bereit. Außerdem trafen Spenden im Wert von 50.000 Kronen ein. Auch aus Deutschland kamen großzügige Spenden.

Der Tornado zählt auf der europäischen Liste nach der Anzahl der Opfer auf Rang vier.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Wiener Neustadt liegt im südlichen Wiener Becken und zusätzlich am Steinfeld. Rund um Wiener Neustadt ist der Wiener Neustädter Bergkranz. Von den Bergen und Hügeln strömt kalte Luft hinunter in die warme Beckenluft. Dadurch bilden sich bei Wiener Neustadt immer wieder Tornados. Neben dem Mühlviertel und dem Grazer Becken zählt das Gebiet um Wiener Neustadt zu den gefährdetsten Gebieten für Tornados in Österreich. Neben dem Tornado 1916 gab und gibt es immer wieder Tornados bei Wiener Neustadt, z.B.:

  • 1903: Wiener Neustadt, die Spinnerin am Kreuz wurde schwer beschädigt.
  • 23. November 1930: Wiener Neustadt, ein Tornado bildete sich im Stadtgebiet
  • 18. Februar 1946: Föhrenwald, große Forstschäden, 305 ha Wald werden zerstört, aus dem Holz der geknickten Bäume baute man Föhrenau, in Wiener Neustadt Gebäudeschäden.
  • Schneeberg (Niederösterreich), Forstschaden.
  • Dreistetten, Tornadofälle sind bekannt.
  • 14. Juni 2007: Infolge eines Schwergewitters bildet sich nordwestlich von Wiener Neustadt ein vermeintlicher Tornado. Es gab keinerlei Schäden und nach längeren Spekulationen und Nachforschungen stellte sich heraus, dass es sich lediglich um einen Biberschwanz, eine Aufwindzone einer Superzelle, handelte. In jener Woche sind im südlichen Wiener Becken täglich schwere Hagelgewitter niedergegangen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Es gab im Jahr 2006 eine Ausstellung über den Tornado im Industrieviertel-Museum in Wiener Neustadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Wr. Neustadt werden Unwetter erforscht auf ORF vom 2. Februar 2012 abgerufen am 2. Februar 2012

Weblinks[Bearbeiten]