Toro (Spanien)

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Gemeinde Toro
Die Kollegiatskirche (colegiata) von Toro
Die Kollegiatskirche (colegiata) von Toro
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Toro
Toro (Spanien) (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Kastilien-León
Provinz: Zamora
Comarca: Alfoz de Toro
Koordinaten 41° 31′ N, 5° 24′ W41.524444444444-5.3941666666667739Koordinaten: 41° 31′ N, 5° 24′ W
Höhe: 739 msnm
Fläche: 324,79 km²
Einwohner: 9.421 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 29,01 Einw./km²
Postleitzahl: 49800
Gemeindenummer (INE): 49219 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Website: www.toroayto.es

Toro ist eine spanische Kleinstadt in der Provinz Zamora in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León mit 9421 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013), die sich selbst als Toresanos bezeichnen.

Lage[Bearbeiten]

Toro liegt auf einem Plateau über dem Fluss Duero in einer Höhe von etwa 740 Metern ü. d. M.. Die Entfernung nach Zamora beträgt etwa 35 Kilometer (Fahrtstrecke) in westlicher Richtung; Valladolid liegt etwa 70 Kilometer östlich.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1960 1970 1981 1991 2001 2012
Einwohner 10.457 9.752 9.765 9.254 9.282 9.649

In den Jahren zwischen 1900 und 1940 hatte Toro lediglich um die 8.000 Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Umgebung der Stadt ist in hohem Maße landwirtschaftlich geprägt; die Stadt selbst fungierte als regionales Dienstleistungszentrum für Handel und Handwerk. Der Weinbau nimmt schon lange eine bedeutende Rolle ein; Toro hat eine eigene Herkunftsbezeichnung (denominación) für Wein (siehe: Toro (Weinbauregion))

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten archäologischen Funde gehen in die keltiberische und römische Zeit zurück. Bereits in vorrömischer Zeit war die Gegend von den Vaccaei besiedelt; der griechische Historiker Polybios erwähnt Ortsnamen wie Helmántica (Salamanca) und Arbucala; letzterer wurde von den Römern in Albucela, im Mittelalter dann in „Toro“ verändert. Im 8. Jahrhundert wurde der Ort von den Mauren erobert. Nach der Rückeroberung (reconquista) Spaniens durch die Christen wurde die fruchtbare Gegend seit dem Ende des 9. Jahrhunderts mit Siedlern aus Asturien, Navarra und dem Baskenland wieder besiedelt.

Ferdinand III. von Kastilien wurde im Jahre 1230 in Toro zum König gekrönt; seine Gemahlin Elisabeth von Schwaben verstarb hier fünf Jahre später. In den Ständeversammlungen (cortes), die 1369 unter Heinrich II., 1397 unter Heinrich III. und 1426 und 1442 unter Juan II. stattfanden, hatte Toro Stimmrechte. 1476 war die Stadt Schauplatz der Schlacht von Toro. Diese entstand aus dem Konflikt um die Krone Kastiliens zwischen Juana la Beltrenaja und Isabella von Kastilien. Im Jahr 1505 wurde in Toro die Ständeversammlung einberufen, bei der König Ferdinand das Testament von Königin Isabella verlas. Johanna die Wahnsinnige wurde zur Königin proklamiert und die „Gesetze von Toro“ wurden veröffentlicht.

Danach begann der politische und wirtschaftliche Niedergang der Stadt bis sie im 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Bedeutung für die Landwirtschaft und in insbesondere für den Weinanbau zur Provinzhauptstadt ernannt wurde – ein Status, den sie jedoch 1833 aufgrund der Neugliederung Spaniens wieder verlor.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gotisches Hauptportal der Colegiata – Teile der farbigen Fassung sind erhalten.

Kollegiatskirche Santa María la Mayor[Bearbeiten]

Besonders sehenswert ist die Kollegiatskirche Colegiata de Santa María la Mayor, deren Bau bereits im Jahre 1160 unter Alfons VII. begonnen wurde, sich aber bis etwa 1240 (evtl. sogar bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts) hinzog. Während der Herrschaft der katholischen Könige wurde sie zur Stiftskirche erhoben. Die Kirche besteht aus drei Schiffen und einem Querschiff; die Vierung wird von einer außergewöhnlichen Rippenkuppel gekrönt. Die Kirche beinhaltet romanische und frühgotische Stilelemente: Das tympanonlose romanische Portal auf der Nordseite zeigt einen maurisch anmutenden Vielpassbogen. Das gotische Westportal, das „Portal der Majestät“, ist mit Figuren, die Engel, Könige, Propheten, Patriarchen, Jungfrauen und Bischöfe darstellen, geschmückt; bemerkenswert ist, dass die früher üblicherweise im Tympanonfeld zu findende Darstellung des Jüngsten Gerichts durch eine Marienkrönung ersetzt wurde. Das Jüngste Gericht ist stattdessen in die äußerste Archivolte gerückt. In der Sakristei befindet sich ein Bild von „Maria mit der Fliege“, ein flämisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert.

San Lorenzo el Real – Inneres

Kirche San Lorenzo el Real[Bearbeiten]

Hauptartikel: San Lorenzo el Real (Toro)

Die Iglesia de San Lorenzo el Real ist eine Kirche des 12. Jahrhunderts im Mudéjar-Stil. Das einschiffige Innere des ursprünglich – mit Ausnahme von Teilen des Fundamentbereichs – ganz aus Backstein errichteten Gotteshauses überzeugt durch seine schlichte Eleganz, zu der auch ein offener Dachstuhl im maurischen Stil beiträgt. In der Apsis finden sich noch Reste von Fresken.

Kirche San Salvador de los Caballeros[Bearbeiten]

Die – in Teilen verputzte – dreischiffige Mudéjar-Kirche Iglesia de San Salvador de los Caballeros gehörte ehemals dem Templerorden und beherbergt heute ein sehenswertes Museum für sakrale Kunst.

Sonstige[Bearbeiten]

  • An der Plaza Mayor befindet sich das Rathaus (ayuntamiento) aus dem 18. Jahrhundert. Es ist im barocken und klassizistischen Stil erbaut.
  • An der Plaza Mayor steht auch die gotische Kirche des Hl. Grabes (Iglesia del Santo Sepulcro), die dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem gehörte.
  • Nicht weit davon entfernt steht der Uhrenturm (torre de reloj), der gleichzeitig als Stadttor gedient hat. Er wurde im 18. Jahrhundert erbaut.
Ermita de Santa Maria de la Vega
  • Etwas außerhalb des Stadtkerns befindet sich das Kloster Real Monasterio de Santi Spiritus. Es wurde 1307 von der Portugiesin Teresa Gil gegründet und von Dominikanerinnen bewohnt. Heute dient das Kloster als Museum, es leben nur noch wenige Nonnen darin. Von besonderer Bedeutung ist das Grabmal aus Alabaster der um 1420 verstorbenen portugiesischen Königin Beatrix.
  • Vom Palazio de los Leyes steht lediglich das Portal mit den 83 bekannten Gesetzen. Innerhalb des Palastes wurde am 11. Januar 1505 das Testament der im November des Vorjahres verstorbenen Isabella der Katholischen von ihrem verwitweten Ehemann Ferdinand II von Aragón verlesen. Der Rest des Gebäudes fiel 1923 einem Brand zum Opfer.
  • Die Kirche des ehemaligen Prämonstratenserklosters (Monasterio de Santa Sofía (Toro)) vereinigt Stilelemente der Gotik, der Renaissance und des Mudéjar-Stils.
  • Der Arco de Postigo ist neben dem Arco de Reloj ein weiteres Tor in der alten Stadtmauer.
  • Die Puerta de Cooredera ist ein Stadttor der neueren Mauer und wurde 1602 erbaut.
  • An der Plaza de Agustín steht der im 10. Jahrhundert erbaute Alcázar (Burg), der häufig auch nur als „Gefängnis“ (carcel) bezeichnet wird.
  • Weitere interessante Kirchen sind die Santissima Trinidad und San Sebastián des os Caballeros, die im 13. Jahrhundert erbaut und im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut wurden.
  • Ferner gibt es in der Stadt einige alte Paläste, die teilweise zu besichtigen sind.
  • Etwas außerhalb der Stadt steht die Einsiedlerkirche der Ermita Santa Maria de la Vega de Toro – ebenfalls ein Mudéjar-Backsteinbau aus dem 12. Jahrhundert.
Blick auf Toro
Toro – Blick auf den Duero

Kultur[Bearbeiten]

Feste[Bearbeiten]

Toro selbst wirbt mit dem Karneval und der Fiesta San Agustín, die Ende August stattfindet. Zur Fiesta befinden sich in der Stadt dreimal mehr Gäste als Einwohner. Am Abend findet ein farbenfroher Umzug mit bunten, leuchtenden Wagen, Musik und Fußgruppen statt. Ferner gibt es die Semana Santa, die Romería del Cristo de las Batallas, die im Mai stattfindet, und im September das Fest Virgen del Canto.

Musik[Bearbeiten]

Weit über die Grenzen der Stadt hinaus ist die Banda de Musica la Lira bekannt; das Orchester besteht schon seit 1890. Es hat bereits mit dem berühmten Dirigenten Jesús López Cobos, der aus Toro stammt und bereits Musikdirektor des Spanischen Nationalorchesters und der Deutschen Oper in Berlin war, gespielt.

Berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Toro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).