Torsten Lamprecht

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Torsten Lamprecht, genannt Lampe (* 1969; † 11. Mai 1992 in Magdeburg), war ein Bewohner Magdeburgs, der im Zuge eines Angriffs rechtsextremistischer Jugendlicher im Stadtteil Magdeburg-Cracau getötet wurde.

Leben[Bearbeiten]

Torsten Lamprecht war bereits zur Zeit der DDR ein Punk. Nach dem Schulabschluss machte er eine Lehre als Gärtner.

Tötung[Bearbeiten]

Am 9. Mai 1992 brachen 50–60 bewaffnete Neonazis vom Jugendclub Alexis Kivi in Magdeburg-Nord mit ca. 20 Personenkraftwagen in Richtung der Cracauer Gaststätte Elbterrassen auf, wo zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Punks und Hippies eine Geburtstagsfeier veranstalteten.

Gegen 23.00 Uhr wurde die Polizei durch einen offenbar fingierten Anruf an eine weiter entfernte Straße gerufen, weil „Jugendliche Autos demolierten“. Wenig später wurde die Feier von den Neonazis, die sich trotz massiver Gegenwehr Zugang in die Gaststätte verschaffen konnten, mit Baseballschlägern, Stahlrohren und Leuchtkugeln angegriffen. Während des Überfalls riefen die Angreifer wiederholt „Heil Hitler“ und „Sieg Heil“.

In der Zeit von 23:10 Uhr bis 23:20 Uhr erhielt die Polizei mehrere Anrufe von Anwohnern, die auf den Überfall aufmerksam machten. Die daraufhin abgestellten Polizeikräfte forderten weder Verstärkung an noch griffen sie ein, sondern beobachteten lediglich aus einiger Entfernung die Vorgänge. Erst gegen 23:45 Uhr, als die Angreifer sich bereits zurückgezogen und die Krankenwagen die Verletzten abtransportiert hatten, entschlossen sich die Polizeikräfte "einzugreifen". Sie stellten die Personalien der Angegriffenen fest und führten Waffenkontrollen durch.

Der Polizei wurde vorgeworfen, dass sie während des circa 30 Minuten dauernden Überfalls in der Nähe der Gaststätte gewesen sei, aber nicht eingegriffen habe und die Täter habe entkommen lassen.

Infolge der Auseinandersetzungen wurden acht Punks schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Lamprecht erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen (offener Schädelbasisbruch) und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Es wurde gegen mehr als 30 Personen ermittelt und gegen 18 Anklage erhoben. Im Februar 1995 verurteilte das Landgericht Magdeburg einen 24-jährigen Wolfsburger wegen Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft. Wer Torsten Lamprecht getötet hat, ist bisher nicht aufgeklärt worden.

Die Tötung von Torsten Lamprecht gehört zu einer ganzen Reihe von rechtsextremistischen Übergriffen in Magdeburg. Weitere Ereignisse waren die Hetzjagd auf Schwarze am 12. Mai 1994 (die sogenannten Magdeburger Himmelfahrtskrawalle), die Ermordung Frank Böttchers an der Straßenbahn-Endstelle Magdeburg-Neu-Olvenstedt am 8. Februar 1997, zahlreiche weitere Übergriffe auf Schwarze, Obdachlose, vermeintliche Linke und Punks sowie ein Brandanschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in Magdeburg-Buckau.

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg erinnert regelmäßig mit Veranstaltungen an Torsten Lamprecht.

Quellen[Bearbeiten]