Torsten Sense

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Torsten Sense (* 11. September 1961 in Berlin) ist ein deutscher Musiker, Komponist, Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher. Darüber hinaus führt er Dialogregie. Einem breiten Publikum ist seine Stimme vor allem durch die Synchronisation des Schauspielers Val Kilmer in den 1980er und 1990er Jahren bekannt. Seit 1982 ist Sense als freischaffender Komponist tätig.

Schauspiel[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Torsten Sense wuchs in Berlin auf und erlernte ab Beginn seines fünften Lebensjahres das Klavierspiel. Nach ersten Engagements am Theater des Westens agierte Sense unter der Regie von Samuel Beckett in der Inszenierung Warten auf Godot am Berliner Schillertheater (1975), die als eine der besten gilt.[1] Ab seinem vierzehnten Lebensjahr erhielt er Kompositionsunterricht und besuchte parallel das humanistische Goethe-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf. Nach seinem Abitur mit den Schwerpunkten Alt-Griechisch und Deutsch schloss sich im Jahr 1980 eine zweijährige Schauspielausbildung an der Privatschule von Prof. Marlise Ludwig an. Mit der männlichen Hauptrolle des Ottokar folgte 1982 ein Engagement in Heinrich von Kleists Drama „Familie Schroffenstein“ an der Tribüne Berlin unter der Regie von Rainer Behrend. In der Komödie Ein Käfig voller Narren von Jean Poiret übernahm Sense 1983 die Rolle des Sohns Laurent am Theater am Kurfürstendamm, 1984 die Rolle des Langzeitverschollenen Jan in Albert Camus´ Das Missverständnis am Jungen Theater Berlin. Im gleichen Jahr startete das ZDF mit der Ausstrahlung der Fernsehserie Ravioli, in der Sense die Rolle des Max–Leo verkörperte. 1987 war er in Peter Handkes Sprechstück „Kaspar“ als Protagonist sowie in Goethes Lustspiel Die Mitschuldigen in der Rolle des Anselmus an der Vaganten Bühne Berlin zu sehen. An gleicher Spielstätte folgten 1989 Engagements in Bernard-Marie Koltès´ „In der Einsamkeit der Baumwollfelder“ sowie in einer von Joachim Nottke bearbeiteten Fassung von Brambilla nach E. T. A. Hoffmann. Regie führte Katja Nottke.

Synchronisation[Bearbeiten]

Einem breiten Publikum ist Senses Stimme aus der deutschen Filmsynchronisation bekannt. Während der 1980er und 1990er Jahren wurde er wiederkehrend auf Val Kilmer besetzt, darunter als Jim Morrison in Oliver Stones The Doors (1992), Michael Manns Thriller Heat (1995), Joel Schumachers Comicverfilmung Batman Forever (1995) und Phillip Noyces The Saint – Der Mann ohne Namen (1997). Zu weiteren markanten Einsätzen zählen seine deutschsprachige Umsetzung von Hauptdarsteller Kyle MacLachlan als Agent Dale Cooper in der Serie Twin Peaks (1991), von Kevin Bacon als Henri Young in Murder in the First (1996), von Billy Zane als Cal Hockley in Titanic (1997), von Nicolas Cage als Seth in Stadt der Engel (1998) und von Heath Ledger als Patrick Verona in 10 Dinge, die ich an Dir hasse (1999). Im Zeichentrickfilm Das letzte Einhorn (1982) synchronisierte er die Figur des Zauberers Schmendrick. Dialogregie führte er unter anderem in Spiel auf Zeit (1998), High Fidelity (2000) und Control (2007).

Hörbuch und Hörspiel[Bearbeiten]

Neben der Synchronisation stellt Torsten Sense seine Stimme verschiedenen Hörproduktionen zur Verfügung. Während seiner Jugend wurde er unter anderem auf Festrollen in Kinderhörspielreihen wie Burg Schreckenstein oder auf Gastrollen in Die drei Fragezeichen besetzt. In der auf der gleichnamigen Romanreihe basierenden Dreamland Hörspielserie Tony Ballard agiert Sense seit 2007 in der Hauptrolle des Privatdetektivs. In „Der Ruf des Dämon: Wälder der Finsternis“ nach H. P. Lovecraft wurde Sense 2006 neben Simon Jäger als Erzähler eingesetzt. Für das Internet Hörbuchportal Audible las er im Jahr 2009 „Der Simulant“, „Lullaby“ und „Flug 2039“ des US amerikanischen Autors Chuck Palahniuk. Zudem trug er in Hörspielen zur musikalischen Begleitung bei, darunter in der von Lauscherlounge Records produzierten Serie „DODO“ von Ivar Leon Menger und Neil Gaimans „Die Messerkönigin“.

Musik und Komposition[Bearbeiten]

Parallel zu seiner Tätigkeit als Schauspieler setzte Torsten Sense seine Kompositionsstudien bei Karl Heinz Wahren, Wilhelm Dieter Siebert und Gerald Humel fort. Aus Anlass seines Musiktheaterstücks „Anima“ wurde Sense 1985 vom Deutsch-Französischen Jugendwerk nach Frankreich eingeladen, um die Produktion mit Künstlern beider Nationen zu realisieren. Der Zusammenarbeit mit der Gruppe Neue Musik Berlin folgte eine Reihe von Aufführungen seiner Kammermusik, vor dem Hintergrund seiner schauspielerischen Tätigkeit an diversen Berliner Theatern wurden ihm zudem in steigender Anzahl Aufträge für Bühnenmusik zuteil.

Darüber hinaus erweiterte Sense sein Betätigungsfeld um den Bereich der Filmmusik. So komponierte er entweder allein oder in Zusammenarbeit mit Michael Duwe und Ben Gash Musik für Kinofilme wie Drei Chinesen mit dem Kontrabass (1999), Dokumentarfilme wie die ZDF Reihe Sphinx – Geheimnisse der Geschichte, Fernsehserien wie Polizeiruf 110 (Pech und Schwefel 2003, Die Maß ist voll 2004, Taubers Angst 2006), Kindersendungen wie Siebenstein und Löwenzahn und Fernsehfilme wie Hitchcock und Frau Wernicke aus der Kriminalreihe Tatort (2010).

Anlässlich des zehnten Todestags von Kurt Cobain komponierte Torsten Sense im Jahr 2004 das Stück „Requiem für Kurt“ für drei Konzertflügel und sieben Kontrabässe, das wenig später im Vertrieb der Edel Classics GmbH als Tonträger veröffentlicht wurde. Eine von Sense initiierte Veranstaltung, an der auch Oliver Korittke als Sprecher einer Lesung mitwirkte, wurde im gleichen Jahr im Berliner Stilwerk uraufgeführt.

Sense ist Pianist in der Heavy Swing Formation Don Bad´habong.

Konzertstücke (Kammermusik und Orchesterwerke)[Bearbeiten]

  • 1985: Segment einer unendlichen Metamorphose, für Kirchenorgel, Uraufführung im Würzburger Dom
  • 1985: Sextett, für Flöte, Fagott, Schlagzeug und Streichtrio, Neue Gruppe Berlin, Uraufführung im Staatlichen Institut für Musikforschung
  • 1986: Rondo für Streichquartett, Neue Musik Berlin, Uraufführung in der Akademie der Künste
  • 1988: Klavierquintett, für Klavier und Streichquartett, Neue Musik Berlin, Uraufführung im Hamburger Bahnhof, Festival Klangbrücken
  • 1988: Tetraktys, für Flöte, Violoncello und Cembalo, Uraufführung in der Nikolaikirche Berlin
  • 1990: Konzert für Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, Uraufführung in der Akademie der Künste
  • 1992: Skala, für Klavier und Kontrabass, Uraufführung in der Akademie der Künste
  • 1996: Cantus für Elias Alder, für Orchester, Uraufführung in Zürich
  • 1997: Lass alles was du hast, für Bariton, Oboe, Harfe und Orchester, Uraufführung in Zürich
  • 1999: Parlando Piano, für Klavier, Uraufführung in der Schwartz´sche Villa Berlin
  • 2001: Zigzag, für Altflöte und Harfe Uraufführung im Hotel Savoy Berlin
  • 2004: Requiem für Kurt, für drei Konzertflügel und sieben Kontrabässe, Uraufführung im Stilwerk Berlin

Musiktheater (Tanztheater, Kammeroper und Bühnenmusik)[Bearbeiten]

  • 1983: Macht Spiele, Rockrevue mit Texten von Kleist, Camus, Goethe u.a., für sieben Schauspieler und Rockband am Jungen Theater Berlin
  • 1985: Anima, für eine Sängerin, einen Tänzer, einen Schauspieler, Flöte, Klarinette, Trompete, Posaune und Tuba in Cap-d’Ail (Frankreich)
  • 1986: Der goldne Topf von E. T. A. Hoffmann, für fünf Schauspieler, Violoncello, Klavier und Kontrabass an der Vaganten Bühne Berlin
  • 1986: Ballettprobe, für eine Tänzerin und Klavier im Berliner Quartier Latin
  • 1986: Stazione Termini von Karl Valentin, Bühnenmusik für Trompete und Kontrabass im SO36, Theaterkollektiv Gaukelstuhl
  • 1986: Bäcker, Bäckerin und Bäckerjunge von Jean Anouilh, Bühnenmusik für Violine, Klavier und Synthesizer an der Tribüne Berlin
  • 1989: Berlin – dein Tänzer ist der Tod, für einen Tänzer, sieben Schauspieler, Saxophon, Posaune, E-Gitarre und elektrische Bassviolone an der Tribüne Berlin
  • 1990: Neruda, szenische Lesung für eine Schauspielerin und zwei Musiker an der Vaganten Bühne Berlin
  • 1992: The Joy of Beautiful Pancakes, für drei Darsteller/Musiker, eine Tänzerin, zwei Stepptänzer, eine Sängerin, elektrische Bassviolone, Synthesizer, im KAMA Theater Berlin
  • 1994: Musica visuale 5, für einen Tänzer, eine Stimme, Projektionen, elektrische Bassviolone, Elektronik, Live-Sampling, Palmensaal im Alten Esplanade
  • 1995: Was ist wirklich wirklich?, für drei Schauspieler/Musiker, Vanganten Bühne Berlin / Gasteig München
  • 1996: Goethe!, Revue für drei Schauspieler und drei Musiker an der Tribüne Berlin
  • 1997: Hiroshima Mon Amour, Bühnenmusik für Streichtrio an der Vaganten Bühne Berlin
  • 2002: Erotic Fairytales, Musical Show von Michael Duwe, Ballettmusiken für Orchester, Theater Brandenburg
  • 2007: Akkermann, Tod und Entropie, Kunsthaus Tacheles Berlin

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mit ihm waren wir glücklich Die Zeit vom 12. April 2006