Tortilla Flat (Roman)

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Tortilla Flat ist ein Schelmenroman von John Steinbeck aus dem Jahr 1935. Er spielt in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in der namengebenden Paisano-Siedlung oberhalb von Monterey in Kalifornien. Auslöser für die Geschichten waren Erlebnisse Steinbecks aus den 1920er Jahren, als er gemeinsam mit mexikanischen Sträflingen in einer Zuckerfabrik arbeitete.

Form[Bearbeiten]

Tortilla Flat ist eine Sammlung von 17 Burlesken, wenig zusammenhängenden, aber aufeinander aufbauenden Geschichten um Danny, den Kriegsheimkehrer (er hat in Texas Maultiere abgerichtet) und seine Freunde, Tagediebe und Lebenskünstler allesamt, deren Gedanken sich ausschließlich um die Grundbedürfnisse ihrer Existenz drehen – und die sie, selbst besitzlos und ohne Beziehung zu Eigentum, außer um es im Tauschhandel einzusetzen, mit grundsätzlicher Missachtung des Besitzes anderer befriedigen:

  • Die nächtliche Unterkunft (die Danny dank eines Erbes zur Verfügung stellen kann)
  • Das tägliche Wunder des Essens, um das sich in erster Linie der Holzsammler Pirat kümmert
  • Die Beschaffung von Wein als Hauptgetränk, die sie mit großem Reichtum an Listen immer wieder bewerkstelligen
  • Der tägliche Klatsch und Tratsch aus ihrer Umgebung zur Unterhaltung, der ihnen frei Haus geliefert wird, sowie
  • Die sexuellen Bedürfnisse, für die sich die Frauen des Dorfes, ob verheiratet oder nicht, offenbar (aber im Text nicht offensichtlich) mit lediglich moralisch verbrämtem und wenig hinhaltendem Widerstand zur Verfügung stellen.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Inhaltsverzeichnis gibt nicht nur den Inhalt des Werks wieder, sondern auch die Haltung und Stimmung, in der es verfasst ist:

  • Vorwort (Wie Danny und seine Freunde zur Armee kamen)
  • 1. Kapitel: Wie Danny, aus dem Krieg heimgekehrt, sich als Erben fand, und wie er gelobt, die Hilflosen zu schützen.
  • 2. Kapitel: Wie sich Pilon vom Geltungsbedürfnis verlocken ließ, auf Dannys Gastfreundschaft zu verzichten.
  • 3. Kapitel: Wie Pilon mit dem Gift der Besitzgier zu ringen hatte, und der böse Geist eine Zeitlang Gewalt über ihn bekam.
  • 4. Kapitel: Wie Jesus Maria Corcoran, ein guter Mensch, gegen seinen Willen zum Gefäß der Sünde wurde.
  • 5. Kapitel: Wie der heilige Franz eine Umkehr bewirkte und Pilon, Pablo und Jesus Maria sanft bestrafte.
  • 6. Kapitel: Wie drei arme Sünder durch Reue Frieden erlangten, und wie Dannys Freunde einander Kameradschaft schworen.
  • 7. Kapitel: Wie Dannys Freunde zu einer Hilfskraft des Guten wurden. Wie sie dem armen Piraten beistanden.
  • 8. Kapitel: Wie Dannys Freunde in der Sankt-Andreas-Nacht nach einem geheimnisvollen Schatz suchten. Wie Pilon ihn fand und wie später ein Paar Tuchhosen zweimal den Besitzer wechselten.
  • 9. Kapitel: Wie Danny sich in einen Staubsauger verstrickte, und wie seine Freunde ihn retteten.
  • 10. Kapitel: Wie die Freunde einen Korporal trösteten und zum Entgelt eine Lehre über väterliche Moral davontrugen.
  • 11. Kapitel: Wie unter den schwierigsten Umständen die Liebe über Big Joe Portagee kam
  • 12. Kapitel: Wie Dannys Freunde dem Piraten ein Gelübde halten halfen, und wie die Hunde des Piraten zum Lohn für ihre Bravheit eine Vision hatten.
  • 13. Kapitel: Wie Dannys Freunde einer bedrängten Dame zu Hilfe eilten.
  • 14. Kapitel: Vom schönen Leben in Dannys Haus. Von einem geschenkten Schweinchen, von dem Schmerz Tall Bobs und der unglücklichen Liebe des Viejo Ravanno.
  • 15. Kapitel: Wie Danny ins Brüten kam und den Verstand verlor. Wie der Teufel in Gestalt Torrellis einen Angriff auf Dannys Haus machte.
  • 16. Kapitel: Von Dannys Trübsinn. Wie Dannys Freunde unter Selbstaufopferung eine Party gaben. Wie Danny der Welt entrückt wurde.
  • 17. Kapitel: Wie Dannys trauernde Freunde den Konventionen Trotz boten. Wie der Talisman, der sie miteinander verband, verbrannte und jeder der Freunde allein seines Weges zog.

Hintergrund[Bearbeiten]

Tortilla Flat ist jedoch keine Hymne auf das einfache Leben, kein zurück zur Natur, sondern allenfalls eine nostalgische Erinnerung an Ereignisse, die Steinbeck erlebt haben will, oder Beschreibung von Geschehnissen, die Steinbeck sich in diesem Zusammenhang vorstellen konnte.

Nicht ganz offensichtlich ist, dass Steinbeck seinen Roman an den Sagenkreis um Artus und seine Tafelrunde angelehnt hat. Danny als König, seine Freunde als seine Paladine (auch wenn die Zahl nicht stimmt), vor allem aber die 17 Kapitel als Spiegelung der Struktur in Thomas Malorys Le Morte d'Arthur (gedruckt 1485), von dem Steinbeck ab 1957 eine Übersetzung in modernes Englisch anfertigte, die 1976, also nach seinem Tod veröffentlicht wurde: The Acts of King Arthur and His Noble Knights, From the Winchester Manuscripts of Malory and Others.

Rezeption[Bearbeiten]

Mit diesem Werk erzielte Steinbeck den ersten großen Erfolg seiner Schriftstellerkarriere, obwohl er es nicht als eines seiner Meisterwerke ansah – dessen Schicksal jedoch alleine schon bemerkenswert ist:

  • Die ersten beiden Verleger lehnten die Publikation ab.
  • Das Buch wurde in Irland als unmoralisch verboten (Und Teresina entdeckte durch ihre Methode, die sich für sie als unfehlbar erwiesen hatte, dass sie ein Baby erwartete. Als sie ein Quartmaß von den neuen Bohnen in den Kessel tat, sann sie müßig darüber nach, wer von Dannys Freunden wohl dafür verantwortlich war - ist schon ein Höhepunkt an Freizügigkeit).
  • Das Buch wurde von der Stadt Monterey als verlogen abgelehnt.
  • Es wurde mit dem kalifornischen Kritikerpreis ausgezeichnet als das beste Buch eines Heimatautors aus dem Jahr 1935.
  • Die Dramatisierung von Jack Kirkland aus dem Jahr 1937 wurde ausgepfiffen.
  • Für die Filmrechte wurde der für damalige Verhältnisse enorme Preis von 90.000 Dollar gezahlt.
  • Die Geschichte wurde 1942 unter der Regie von Victor Fleming mit John Garfield, Hedy Lamarr, Frank Morgan, Spencer Tracy und anderen verfilmt.
  • 1943 erschien die deutsche Erstübersetzung von Elisabeth Rotten mit dem Titel Die wunderlichen Schelme von Tortilla Flat. Ab den 1950er Jahren erschien der Roman in Deutschland unter dem eigentlichen Titel Tortilla Flat.
  • Steinbeck schrieb 1945 mit Cannery Row (Die Straße der Ölsardinen) eine Art Fortsetzung.

aktuelle Ausgabe[Bearbeiten]

Taschenbuch