Tortola

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Tortola
Tortola
Tortola
Gewässer Karibisches Meer
Inselgruppe Jungferninseln
Geographische Lage 18° 26′ N, 64° 38′ W18.433333333333-64.633333333333530Koordinaten: 18° 26′ N, 64° 38′ W
Tortola (Britische Jungferninseln)
Tortola
Länge 19 km
Breite 5 km
Fläche 55,7 km²
Höchste Erhebung Mount Sage
530 m
Einwohner 14.000
251 Einw./km²
Hauptort Road Town
Der Hauptort Road Town
Der Hauptort Road Town

Tortola (deutsch und niederländisch Tertholen) ist die größte Insel der Britischen Jungferninseln. Sie ist etwa 19 Kilometer lang und fünf Kilometer breit. Die meisten der 14.000 Einwohner leben in der Hauptstadt Road Town, die über einen internationalen Flughafen verfügt (IATA-Code: EIS). Die höchste Erhebung des Archipels ist der Mount Sage mit 543 m. Ein Großteil dessen Waldlandes als Naturschutzgebiet deklariert ist, das mit gut angelegten Wanderwegen erschlossen ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 1. Jahrhundert vor Chr. besiedelten die Arawak die Insel, sie wurden 15. Jahrhundert nach Chr. durch die Kariben unterworfen.

Am Ende desselben Jahrhunderts wurden die Europäer auf diese Insel aufmerksam, nachdem sie 1493 durch Christopher Columbus zusammen mit der gesamten Inselgruppe (heute: Britische und Amerikanische Jungferninseln) entdeckt wurde. Columbus benannte die Inselgruppe den 11.000 Jungfrauen zu Ehren, die im 4. Jahrhundert n. Chr. mit den beiden Heiligen Ursula von Köln und Cordula der Legende nach durch die Hunnen ermordet wurden.

Die Spanier versuchten mehrmals die Inselgruppe zu besiedeln, doch die ersten dauerhaften Siedlungen waren die von Piraten wie Blackbeard oder Captain Kidd. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ sich Joost van Dyk auf Tortola nieder. Er war Kapitän eines Kaperschiffs, weshalb er manchmal als Pirat bezeichnet wurde. Er baute Baumwolle und Tabak an und erbaute 1620 das "Fort Recovery" auf der Insel.

Die Niederlande nahmen die Insel 1621 in Besitz und gaben ihr den Namen "Tertholen".[1] Zur Sicherung ihres neuen Kolonialsitzes erbauten sie noch im selben Jahr "Fort Tertolen". Über 20 Jahre später wurde 1648 das heutige Road Town an der Road Bay als Hauptort und Verwaltungssitz von holländischen Siedlern gegründet.

1672 wurde Tortola und deren Nachbarinseln durch die Briten in Besitz genommen. Sie richteten hier Plantagen ein. So wurde hier für nächsten 150 Jahre durch afrikanische Sklaven Zuckerrohr angebaut. Als die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts die Sklaverei abschafften, gaben die weißen Grundbesitzer den Zuckerrohranbau auf, die meisten verließen die Britischen Jungferninseln während des dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Niedergangs.

1871 erhielt die Insel den Status einer britischen Kronkolonie, bis ihr 1966 die innere Selbstverwaltung zugestanden wurde.

Zur Befestigung der Kolonialsitze wurden folgende Forts auf der Insel gebaut: (ursprüngliche Namen, teilweise später geändert)

  • 1620 Fort Recovery (dänisch)
  • 1621 Fort Tertholen (niederländisch)
  • 1776 Fort Burt (britisch)
  • 1794 Fort George (britisch)
  • Fort Charlotte (britisch)
  • Fort Shirley (britisch)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Botanic Gardens im Zentrum von Road Town beeindrucken durch ihre exotische Pflanzenfülle. Ein Rundweg passiert ein Freiluftgehege für tropische Vögel und künstliche Wasserfälle. Im Tiefseehafen und Fähranleger von Road Town ankern viele große Katamarane und Jachten, die oft für Ausflüge in die Inselwelt der Virgins gechartert werden können. In der Main Street von Road Town finden sich Geschäfte, Bars und Pubs sowie einige Häuser im Kolonialstil. Eine Besonderheit ist der Pusser’s Company Store, der schon seit 300 Jahren Rumlieferant der Royal Navy ist.

Auf Tortola stehen viele Forts bzw. Ruinen, da dieses Eiland schwer umkämpft war. An der Südküste bauten die ersten niederländischen Siedler im 17. Jahrhundert das Fort Recovery und beim Pockwood Pond kann man die Überreste von The Dungeon erkunden (18. Jahrhundert), das als Fort der Überwachung des Schiffsverkehrs zwischen den Inseln diente. In einem von dessen Kellergewölben finden sich an den Wänden Ritzzeichnungen – wahrscheinlich von Häftlingen. Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammen auf Fort Hill – nahe bei Road Town – die Ruine des britischen Fort George und die Reste von Fort Charlotte auf Harrigan’s Hill.

Ursprung des Namens[Bearbeiten]

Der Name leitet sich aus dem Holländischen Eiland Ter Tholen her, in Anlehnung an die gleichnamige Halbinsel in der Provinz Zeeland der südwestlichen Niederlande. Die Bezeichnung „Taubeninsel“ bezieht sich fälschlicherweise auf das spanische tórtola, was „Turteltaube“ bedeutet. Die Insel wurde Tertholen, New Tertholen, und spanisch Santa Ana genannt, bevor unter britischer Herrschaft der Name auf Tortola geändert wurde.[1] [2]

Hinweise[Bearbeiten]

  • Telefon-Vorwahl Tortola: 001-284
  • Information: BVI Tourist Board, Social Security Building, Road Town, Tortola, Telefon 494-3134, Fax 494-3866, Internet: www.bvitouristboard.com

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Christoph Rella, Dissertation: Im Anfang war das Fort, Europäische Fortifizierungspolitik in Guinea und Westindien 1415 – 1815 (PDF; 7,6 MB) auf Seite 164: „Santa Ana (Tortola)“, „Tertholen“ und Lehensangabe Karl I., auf Seite 197: „Tertholen (spanisch: Santa Ana)“, auf Seite 346: „1621 Niederlande Fort Tertholen“
  2. 'America and West Indies: December 1697, 16-31', Calendar of State Papers Colonial, America and West Indies, Volume 16: 1697-1698 (1905), pp. 61-78. Nachweis eines Schriftstücks vom 29. Dezember 1697: „Governor Codrington's letter of 22 August read. Order for a representation on the subject of New Tertholen [Tortola] to be prepared“

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tortola – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien