Toter Briefkasten

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Ein Briefstift (engl. dead-drop spike) kommt als toter Briefkasten zum Einsatz
Ein toter Briefkasten könnte z.B. in einem ausgehöhlten Stein untergebracht sein.
Versteck in einer ausgehöhlten Zuckerrübe

Ein toter Briefkasten ist ein Versteck, das der Übermittlung geheimer Nachrichten dient.

Der tote Briefkasten ist – im Gegensatz zu einem normalen Briefkasten – nur dem Absender und dem Empfänger als solcher bekannt und damit vor Entdeckung durch Nichteingeweihte geschützt. Er wird von Personen verwendet, die nicht offen oder postalisch miteinander in direkten Kontakt treten können oder wollen, beispielsweise durch Mitarbeiter und Zuträger von Nachrichtendiensten, durch Informanten von Journalisten, aber auch durch Erpresser.

Verwendung[Bearbeiten]

Der typische Übermittlungsablauf ist wie folgt: Der Nachrichtengeber hinterlegt die Botschaft in dem toten Briefkasten (z. B. ein Astloch) und hinterlässt an einer vereinbarten anderen Stelle ein Zeichen, an dem der Empfänger erkennen kann, dass der Briefkasten aktiviert worden ist (z. B. an einer Hauswand). Der Empfänger sieht dieses Zeichen, leert den Briefkasten und hinterlässt an einem vereinbarten dritten Ort ein anderes Zeichen, das den Empfang der Botschaft bestätigt (z. B. an einem Brückengeländer). Absender und Empfänger sind damit nie zur selben Zeit am selben Ort und können einander sogar unbekannt sein.

Heutige Relevanz[Bearbeiten]

In Zeiten von Internet und E-Mail dürften verborgene Nischen und Abfallbehälter als Kommunikationsmedium jedoch eine geringere Rolle spielen, auch wenn in der digitalen Welt die Steganographie eine ähnliche Rolle übernommen hat. Zur Übermittlung von Gegenständen (Sender, Kameras, Materialproben etc.) wird der tote Briefkasten weiterhin in Gebrauch bleiben. Einen festen Platz hat der tote Briefkasten im Genre der Spionageliteratur.

Digitale Tote Briefkästen[Bearbeiten]

Im Oktober 2010 initiierte der Berliner Künstler Aram Bartholl ein Projekt, welches auf dem Prinzip des Toten Briefkastens basiert: Er mauert USB-Massenspeicher in Fassaden bzw. befestigt diese an feststehenden Objekten im öffentlichen Raum. Auf diesem USB-Massenspeicher befindet sich eine Datei, welche ein Manifest enthält, welches zur Nachahmung und zum Hinterlegen von Daten auffordert. Anschließend werden die Installationen mit Fotos dokumentiert und unter Angabe der Position auf seiner Webseite gelistet.

Künstlerischer Hintergrund[Bearbeiten]

Das Kunstprojekt möchte die Ablehnung der Kontrolle von Daten- und Informationsaustausch zum Ausdruck bringen. Vom Projekt wird vor allem die immer stärkere Verbreitung von Anwendungen, welche Daten nicht mehr lokal ablegen, sondern über das Netz in Datenwolken ablegen, da die Benutzer hierbei die Kontrolle über Daten verlieren. Im Konzept der digitalen toten Briefkästen sieht das Projekt eine „Befreiung [der] Daten“.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Das Projekt fand schnell viele Teilnehmer, so dass die Projektseite im Februar 2011 weltweit 188[2] und bereits im März 2011 weltweit 297 solcher digitaler Toter Briefkästen verzeichnete. Im September 2013 gab es 1229 digitale tote Briefkästen mit einer Gesamtkapazität von 6391 GB.[3] Das Projekt hat sich mittlerweile international verbreitet. Sehr stark verbreitet ist es in den Vereinigten Staaten und Europa. In Europa findet man besonders in Deutschland, Frankreich, Italien und im Vereinigten Königreich digitale tote Briefkästen. Aber auch im Rest Europas ist in fast jedem Land ein digitaler toter Briefkasten vertreten. Auf den restlichen Kontinenten der Welt ist das Projekt sehr dünn verbreitet.[4]

Mobile digitale tote Briefkästen[Bearbeiten]

Die toten Briefkästen werden auch in öffentlichen Verkehrsmitteln angebracht.[5] Hierdurch können potentiell noch mehr Menschen das durch die toten Briefkästen entstehende verzögerte „Netzwerk“ benutzen. Und Menschen können an unterschiedlichen Stellen auf einen gemeinsamen Datenfundus zugreifen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manifest. In: Dead Drops. Abgerufen am 19. September 2013.
  2. Fabienne Kinzelmann: USB-Projekt: Spur der Stifts. Man muss schon ganz genau hingucken, um sie zu entdecken. Weltweit haben Aktivisten in Städten sogenannte tote Briefkästen verteilt: USB-Stifte, die für jeden frei verfügbar sind. Ist das nun kommunikative Kunst - oder ein Einfallstor für Computerviren? Spiegel Online, 24. Januar 2011, abgerufen am 19. September 2013.
  3. Dead Drops Database. Abgerufen am 19. September 2013 (englisch, Offizielle Seite des Projekts. Übersicht aller registrierten toter digitaler Briefkästen, ihrer Kapazitäten und ihres Standortes).
  4. World Map. Dead Drops Database. Abgerufen am 19. September 2013 (englisch).
  5. Aram Bartholl: The Walking DeadDrops. Abgerufen am 19. September 2013 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]