Totmanneinrichtung

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Eine Totmanneinrichtung, auch Totmann, Totmannwarner, Totmannschalter, Totmannpedal oder Totmannknopf genannt, überprüft, ob ein Mensch anwesend und handlungsfähig ist, und löst andernfalls ein Signal oder eine Schalthandlung aus.[1]

Grundlagen[Bearbeiten]

Totmannschaltungen dienen der Arbeitssicherheit an Einzelarbeitsplätzen oder an gefährlichen Maschinen und sind häufig gesetzlich, zumindest aber versicherungstechnisch bzw. versicherungsrechtlich vorgeschrieben.
Sie reagieren auf Bewegungslosigkeit, waagerechte Körperlage (Totmanneinrichtung) oder Schlaf oder sie lösen beim Loslassen aus und verriegeln sich bzw. erfordern eine zusätzliche Schalthandlung zum Wiedereinschalten (Totmannschalter, zum Beispiel an handgeführten, gefährlichen Maschinen).

Geschichte[Bearbeiten]

Patentschriften vom 13. April 1922: Sicherheitsvorrichtung für elektrische Fahrzeuge aus den 1930er Jahren belegen, dass die Vorrichtung damals bereits gebräuchlich war. Jedoch beziehen sie sich nur auf spätere Verbesserungen, nicht auf die ursprüngliche Einrichtung.[2]

Das „Turret Manual“ (Geschützstand-Handbuch) der USAAF vom 1. Oktober 1942 beschreibt einen Totmannknopf, der ein Weiterdrehen eines elektrisch angetriebenen Abwehrstandes bei Loslassen der Bediengriffe verhindert, bereits sinnorientiert als „dead man's switch“. Das Patent für einen Totmannschalter besitzt auch der deutsche Ingenieur Siegfried Schulte.[3]

Arten[Bearbeiten]

Totmanneinrichtungen[Bearbeiten]

Foto eines mobilen Totmanngerätes im Einsatz bei der Feuerwehr
Manometer mit integriertem Totmannwarner ("Bodyguard" der Firma Dräger)

Diese auch Totmannwarner genannten Geräte sind eine Art Bewegungsmelder. Wenn sich eine Person einige Zeit nicht bewegt oder (in manchen Fällen) bestimmte Bewegungen ausführt, wird eine programmierte Aktion ausgeführt, die zumeist durch das Betätigen einer Taste am Totmannwarner oder durch dessen Bewegen unterbrochen werden kann (Quittierung des Voralarms). Je nach Art des Arbeitsplatzes unterscheidet sich die auszuführende Aktion.

Mobile Totmanneinrichtungen werden zum Beispiel von Atemschutzgeräteträgern bei der Feuerwehr eingesetzt, in Deutschland nach der Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 auch Notsignalgeber genannt. Das Warngerät wird dabei an der Atemluftflasche oder dem Atemschutzgeräteträger selbst befestigt und bei Beginn des Atemschutzeinsatzes aktiviert. Die Totmanneinrichtung reagiert auf Bewegungen des Feuerwehrangehörigen. Bleibt dieser eine gewisse Zeit (meist 20 bis 30 Sekunden) regungslos, wird ein kurzer Voralarm ausgegeben. Bewegt sich der Träger nach der Warnung nicht, wird der optische und akustische (etwa 100 dB) Hauptalarm ausgelöst. Dadurch können Helfer den Bewusstlosen einfacher lokalisieren. Manche Totmannwarner verfügen zusätzlich über einen Temperaturalarm: Übersteigt die Umgebungsluft einen vorher eingestellten Wert, ertönt ebenfalls der Hauptalarm.

Für Einzelarbeitsplätze mit einem Gefährdungspotenzial gibt es Geräte, die am Gürtel befestigt werden und auf Neigung reagieren. Geraten sie etwa aufgrund eines Unfalles in die Waagerechte, geben sie zunächst einen Signalton ab. Bleiben sie weiter waagerecht, setzen sie über ein Funksignal und einen Wählempfänger einen Telefonruf an eine Rettungsstelle oder eine andere einstellbare Telefonnummer ab.

Totmannschalter[Bearbeiten]

An gefährlichen handgeführten Geräten wie z. B. Motorsägen sind oft Totmannschalter oder Totmanngriffe angebracht. Sie stoppen das Gerät, sobald man Griff oder Schalter loslässt. Das Einschalten erfordert eine zusätzliche Schalthandlung, um den Totmannschalter zu entriegeln. So wird verhindert, dass das Gerät versehentlich durch bloßes Aufnehmen oder durch Herunterfallen eingeschaltet wird.

Schienenfahrzeuge, Rennboote und Flugzeuge[Bearbeiten]

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Heute hat die Sicherheitsfahrschaltung (Sifa) bei den deutschen Eisenbahnfahrzeugen (Triebfahrzeug, Steuerwagen, aber auch bei Straßenbahnfahrzeugen), die Totmanneinrichtung ersetzt. Der Triebfahrzeugführer betätigt nicht dauerhaft einen Knopf oder ein Pedal, sondern muss spätestens nach 30 Sekunden das Bedienelement kurz loslassen. Damit signalisiert er, dass er sich noch wachsam auf dem Führerstand befindet. Bleibt diese Aktion aus, gibt das System erst eine optische und danach eine akustische Warnung aus. Werden diese Warnungen ignoriert, geht das System davon aus, dass der Lokführer nicht mehr handlungsfähig ist und führt automatisch eine Zwangsbremsung durch, um den Zug oder die Rangiereinheit zum Stillstand zu bringen.

Bei einigen Straßenbahnen, zum Beispiel in Duisburg, wird eine Ausführung verwendet, bei der ein Pedal während der Fahrt gegen einen Druckpunkt gehalten werden muss. Die Warnung und der Bremsvorgang werden dann ausgelöst, wenn das Pedal losgelassen oder komplett durchgedrückt wird.

Bei Jetskis und Rennbooten ist in den meisten Fällen eine abgewandelte Form des Totmannschalter-Prinzips zu finden. Dabei muss der Boot- oder Jetski-Fahrer vor dem Start ein Plastikkabel um sein Handgelenk legen, welches an einem Knopf am Lenker des Jetskis befestigt ist. Fällt der Fahrer während der Fahrt vom Jetski, zieht er automatisch den Knopf am Lenker heraus und der Motor schaltet sich ab. Damit soll eine unkontrollierte Weiterfahrt (und ggf. damit verbundene Schäden Dritter) vermieden und dem Fahrer die Möglichkeit zum Wiederaufsteigen gegeben werden. Für den Betrieb auf deutschen Gewässern einschließlich der deutschen Küsten ist diese Art der Sicherung zwingend vorgeschrieben. Eine solche Vorrichtung ist auch an Außenbordern und Laufbändern (Sportgerät) zu finden.

Bei einzelnen Flugzeugtypen hilft eine ähnliche Schaltung dem Piloten, im Ernstfall zu überleben. Die F-117 wurde nach einigen Vorfällen mit einer Schaltung nachgerüstet, die nachts verhindert, dass der Pilot aus Desorientierung direkt in den (schlecht sichtbaren) Boden fliegt. Bei der MiG-29 gab es Berichten zufolge im Cockpit eine Vorrichtung, die auf Knopfdruck oder bei Bewusstlosigkeit des Piloten die Maschine wieder in eine stabile und waagerechte Fluglage brachte.

Des Weiteren ist das System auch bei der Betankung von Linienjets zu finden, um zu verhindern, dass die Betankung der Maschine nicht ohne einen Tankwart abläuft. Dieser muss einen Schalter drücken. Lässt er diesen los, wird der Kraftstofffluss sofort gestoppt.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Schutz der Person[Bearbeiten]

  • in Bergwerken
  • bei Feuerwehren
  • in Rechenzentren
  • beim THW in Katastrophenregionen
  • Justizvollzugsanstalten
  • im Wachdienst der Bundeswehr
  • Einzelarbeitsplätze mit Gefährdungen
  • Rufhilfe
  • Psychiatrischen Einrichtungen
  • Nachtdienst

Schutz vor Gefahren[Bearbeiten]

Autogas-Zapfsäule mit schwarzem Totmannknopf oberhalb der Zapfpistole
  • in Zügen, U-Bahnen und O-Bahnen (Sicherheitsfahrschaltung)
  • Erkennen der Ermüdung von Kraftfahrzeugführern (in der Erprobung)
  • bei Tanklastzügen während der Befüllung und Entleerung (insbesondere an Tankstellen) sowie an Autogas-Zapfsäulen für Endkunden
  • Leitwarten die (vor allem nachts) nur von einer Person besetzt sind (etwa in kleineren Wasser- oder Stromwerken)
  • im Garten - Landschaftsbau (Fräsen)

Schutz an handgeführten Geräten[Bearbeiten]

  • Elektrowerkzeuge
  • Bergbaugeräte
  • Gartengeräte
  • Gastankstellen

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

  • An Bord der B-52 Stratofortress gab es eine Vorrichtung (Special Weapons Emergency Separation System), die sicherstellte, dass die mitgeführten Atomwaffen in jedem Fall detonieren, auch wenn die Besatzung z. B. durch Feindeinwirkung handlungsunfähig geworden war.[4][5]
  • Das Tote-Hand-System soll den Start der sowjetischen/russischen ICBMs automatisch auslösen, wenn ein Nuklearschlag durch entsprechende Sensoren entdeckt wird. Es wird auch darüber spekuliert, ob UVB-76 mit diesem System im Zusammenhang steht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andy Newman: Train Stopped Safely by ‘Dead-Man Feature’. In: The New York Times, 28. April 2010. 
  2. http://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=pdf&docid=DE000000383547A Patent DE383547
  3. http://www.derwesten.de/staedte/luedenscheid/Erfinder-der-sicheren-Schalter-id1612407.html
  4. [1]
  5. The Limits of Safety von Scott Douglas Sagan; 1995 Princeton University Press; ISBN 0691021015; Seite 187–188