Tournai

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Tournai
Blason de Tournai.svg Flag of Tournai.svg
Tournai (Hennegau)
Tournai
Tournai
Staat Belgien
Region Wallonien
Provinz Hennegau
Bezirk Tournai
Koordinaten 50° 36′ N, 3° 23′ O50.6063888888893.3863888888889Koordinaten: 50° 36′ N, 3° 23′ O
Fläche 213,75 km²
Einwohner (Stand) 69.667 Einw. (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 326 Einw./km²
Postleitzahl 7500 (Tournai, Ere, Saint-Maur)
7501 (Orcq)
7502 (Esplechin)
7503 (Froyennes)
7504 (Froidmont)
7506 (Willemeau)
7520 (Ramegnies-Chin, Templeuve)
7521 (Chercq)
7522 (Blandain, Hertain, Lamain, Marquain)
7530 (Gaurain-Ramecroix)
7531 (Havinnes)
7532 (Beclers)
7533 (Thimougies)
7534 (Barry, Maulde)
7536 (Vaulx)
7538 (Vezon)
7540 (Kain, Melles, Quartes, Rumillies)
7542 (Mont-Saint-Aubert)
7543 (Mourcourt)
7548 (Warchin)
Vorwahl 069
Bürgermeister Christian Massy (PS)
Adresse der
Kommunalverwaltung
Enclos Saint-Martin, 52
7500 Tournai
Webseite www.tournai.be

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Tournai (niederländisch Doornik, deutsch veraltet Dornick) ist eine Stadt am Fluss Schelde, in der Provinz Hainaut (niederländisch Henegouwen, dt. Hennegau) in Wallonien, dem überwiegend französisch sprechenden Teil Belgiens. Sie hat 69.667 Einwohner (Stand 1. Januar 2013) und liegt etwa 85 km südwestlich von Brüssel. Mit einer Fläche von über 213 km² ist sie die größte Gemeinde Belgiens.

Geschichte[Bearbeiten]

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Tournai ist nach Tongeren die älteste Stadt Belgiens. Sie wurde Mitte des 5. Jahrhunderts unter Merowech merowingischer Herrschaftssitz, von wo aus auch Childerich I. agierte. Nach 487 verlegte Chlodwig I. den Königssitz nach Soissons. Die Stadt gehörte seitdem zum Frankenreich und kam im 10. Jahrhundert zur Grafschaft Flandern. Als einziger Teil Flanderns gehörten Tournai und sein Umland bis 1521 zum Königreich Frankreich.

Nach der Schlacht bei Guinegate wurde die Stadt von den Engländern belagert und musste diesem am 24. September 1513 kapitulieren. Das Bistum Tournai wechselte dadurch in die Hände des späteren englischen Kardinals Thomas Wolsey, welcher es 1516 für ein Jahrgeld von 12.000 Livres an den französischen König Franz I. zurückgab.

1521 kam die Stadt in den Besitz der Habsburger und blieb auch nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande bei den Spanischen (ab 1714 Österreichischen) Niederlanden, die 1795 von französischen Revolutionstruppen erobert wurden. Von 1815 bis 1830 (Unabhängigkeit Belgiens) gehörte das Gebiet dann zum Königreich der Vereinigten Niederlande.

1653 wurde in Tournai das Grab des Salfranken Childerich entdeckt, dessen Grabbeigaben 1831 teilweise gestohlen wurden. Der andere Teil befindet sich in der Bibliothèque nationale de France in Paris.

1709 war Tournai während des Spanischen Erbfolgekrieges von den Truppen des Herzog von Marlborough und des Prinz Eugen von Savoyen eingenommen worden

Im Jahre 1745 wurde die Stadt im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges von französischen Truppen unter dem Maréchal de Saxe belagert und erobert, wobei die Zitadelle dabei dem Erdboden gleichgemacht wurde. Tournai bis zum Frieden von Aachen in französischer Hand und wurde dann zurückgegeben.

Hauptartikel: Belagerung von Tournai

Im Ersten Weltkrieg war Tournai als Eisenbahnknotenpunkt und Sitz des Heeresgruppenführers, Kronprinz Rupprecht von Bayern im Bischofspalais, einem prädestinierten Etappenort und Ziel häufiger Luftangriffe.

Im Juni 1940 wurde Tournai (wie bald darauf ganz Nordfrankreich) von der Wehrmacht im Rahmen des Westfeldzuges besetzt. Nachdem am 26. August Paris kapituliert hatte, rückten die alliierten Truppen einige Zeit lang sehr schnell voran. Am 31. August 1944 schlug Brigadegeneral Truman C. Thornson vor, Richtung Tournai vorzurücken, um den Kessel von Mons vorzubereiten. General Omar N. Bradley befahl General Hodges, seine Truppen Richtung Tournai zu ziehen. Am Abend des 2. September trafen Truppen dort ein; auf dem Weg fanden sie fast keinen Widerstand.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die mittelalterliche Altstadt von Tournai ist gut erhalten. Besonders sehenswert sind die Kathedrale Notre-Dame (erbaut 1110 bis 1325) und der um 1200 erbaute und damit älteste belgische Belfried, die beide zum UNESCO-Welterbe gehören. Ferner sind sehenswert die gotische Tuchhalle und der Pont de Trous, eine Brücke über die Schelde als Teil der mittelalterlichen Befestigung.[2] In der 1797 säkularisierten Benediktinerabtei St. Martin aus dem 11. Jahrhundert ist heute das Rathaus untergebracht. Das Gebäude hat eine neoklassische Fassade aus dem 18. Jahrhundert und ist in eine Parkanlage eingebettet. Erhalten ist noch die romanische Krypta aus dem 12. Jahrhundert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Tournai war früher ein bedeutendes Zentrum des Textilhandels und der Anfertigung von hochwertigen Textilien (in Tournai wird die Hauptmanufaktur der Millefleurs-Wandteppiche vermutet). Berühmt ist der sogenannte Tournai-Teppich. Die Textilindustrie spielt auch heute noch eine Rolle.

Sport[Bearbeiten]

Von 1911 bis 1996 wurde mit Unterbrechungen das Radrennen Binche–Tournai–Binche ausgetragen. Seit dem Jahre 2010 wird es wieder veranstaltet (in der UCI-Kategorie 1.1.): es trägt in Erinnerung an den 2009 verstorbenen belgischen Radsportler den Namen 'Mémorial Frank Vandenbroucke'.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Nach der Stadt Tournai ist die geologische Stufe Tournaisium benannt, die unterste Stufe des Mississippiums im Karbon. Sie umfasst ca. den Zeitraum 359 bis 347 Millionen Jahre vor heute.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tournai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. ibiblio.org S. 680
  2. Historische Karte der Festung als Digitalisat