Tove Ditlevsen

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Tove Ditlevsen (* 14. Dezember 1917 in Kopenhagen; † 7. März 1976 ebenda) war eine dänische Schriftstellerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Tove Ditlevsen stammte aus dem Kopenhagener Arbeitermilieu des Stadtteils Vesterbro, verließ mit vierzehn Jahren die Schule und mit siebzehn Jahren ihr Elternhaus; sie wurde Dienstmädchen und Bürogehilfin. In dieser Zeit schrieb sie bereits Lyrik. In ihrer ersten Ehe heiratete sie 1939 einen 30 Jahre älteren Literaturzeitschriften-Redakteur und debütierte im gleichen Jahr mit der Gedichtsammlung Pigesind (Mädchensinn). Später heiratete sie noch dreimal. In ihren autobiographischen Romanen beschrieb sie ihr Leben: die Jugend im Arbeitermilieu, das Scheitern ihrer Ehen und ihre Krisen (Schwangerschaftsabbrüche, Sucht, Entzug, depressive Psychosen und Selbstmordgedanken). Sie beendete „ihr schwieriges Leben durch einen Selbstmord, den sie am Schluss des letzten Bandes ihres autobiografischen Werks beschreibt, womit die Einheit von Leben und Werk mit größtmöglicher Konsequenz vollzogen“ [1] wurde.

Ditlevsen bearbeitete vielfach die seelischen Konflikte ihrer Kindheit und Jugend. In Straße und Kindheit (1943), „ein in Dänemark schon klassisch gewordener Roman“[2] schildert sie das Milieu ihres Arbeiterviertels. In ihrem bekanntesten Roman Gesichter (1968) beschreibt sie mit erschreckender Intensität eine auf eigener Erfahrung beruhende Psychose. Der dänische Titel Gift (1971; deutsch: Sucht) ist doppeldeutig, es bedeutet sowohl „verheiratet“ als auch „Gift“; das Werk handelt von ihren ersten drei relativ kurzen Ehen. Ditlevsen arbeitete auch als „Briefkastentante“ für eine dänische Illustrierte. Sie erhielt einige Preise; im Kopenhagener Stadtviertel Vesterbro wurde der „Tove Ditlevsen Plads“ nach ihr benannt. Die norwegische Liedermacherin Kari Bremnes produzierte 1987 ihre erste CD mit Vertonungen von Ditlevsens Gedichten. [3]

Zitat[Bearbeiten]

Tove Ditlevsens Identität ist geprägt von mangelnder Geborgenheit, Einsamkeit, Anders-Sein, Angst und Wirklichkeitsflucht bis hin zur Todessehnsucht. Ihre Überlebensstrategie war – seit ihrer Kindheit – das Schreiben. Doch ist es nicht nur persönliche Therapie. Das Schreiben über ihr Leben macht Tove Ditlevsen zu einer öffentlichen Person, durch ihre schonungslose Selbstauslieferung tut sie einen Schritt hin zur Politisierung des Privaten. Und so erklärt sich ihre Popularität wohl nicht zuletzt durch die frauen- und zeittypischen Aspekte ihrer extremen Erfahrungen: angefangen von der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung bis zur Doppelrolle als Hausfrau, Mutter und Schriftstellerin, vom Entfremdungserleben bis zur vergeblichen Jagd nach Geborgenheit in der Ehe.

Annegret Heitmann[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Originalausgaben[Bearbeiten]

  • 1941: Man gjorde et barn fortræd (Roman)
  • 1943: Barndommens gade (Roman)
  • 1947: Blinkende Lygter (Gedichte)
  • 1948: Dommeren (Novellen)
  • 1952: Nattens dronning (Novelle)
  • 1960: To som elsker hinanden (Roman)
  • 1963: Den onde lykke (Novellen)
  • 1967: Barndom (Erinnerungen)
  • 1967: Ungdom (Erinnerungen)
  • 1971: Gift (Erinnerungen)
  • 1973: Parenteser (Essays)
  • 1975: Vilhelms værelse (Roman)

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • Straße der Kindheit. Aus dem Dänischen von Bernhard Jolles. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/M 1962
  • Als Anneliese dreizehn war. Aus dem Dänischen von Elsbeth Schneidler. Boje, Stuttgart 1965
  • Sucht. Erinnerungen. Aus dem Dänischen von Erna Plett. Suhrkamp, Frankfurt/M 1980, ISBN 3-518-11009-8
  • Wilhelms Zimmer. Aus dem Dänischen von Else Kjaer und Bärbel Cosmann. Suhrkamp, Frankfurt/M 1981, ISBN 3-518-11076-4
  • Gesichter. Aus dem Dänischen von Else Kjaer. Suhrkamp, Frankfurt/M 1987, ISBN 3-518-11165-5

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Andersen: Til døden os skiller. Et portræt af Tove Ditlevsen. Gyldendal, Kopenhagen 1997, ISBN 978-87-00-31094-0
  • Joachim Trinkwitz: Tove Ditlevsen. In: Die Klassiker der skandinavischen Literatur. Econ, Düsseldorf 1990, ISBN 3-612-10054-8
  • Mette Winge: Tove Ditlevsen. In: Danske digtere i det 20. århundrede. Band II. Gad, Kopenhagen 1981, ISBN 87-12-17452-1
  • Tove Ditlevsen. In: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. DTV, München 1997, ISBN 3-423-59050-5

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Annegret Heitmann: Tove Ditlevsen. Biografie. In: Frauenbiografieforschung (1992) [1]
  2. Joachim Trinkwitz: Tove Ditlevsen. In: Die Klassiker der skandinavischen Literatur
  3. CD Mitt ville hjerte (Mein wildes Herz). Kirkelig K (Indigo) 1987
  4. Tove Ditlevsen. Biografie. In: Frauenbiografieforschung (1992) [2]