Tower house

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Dunguaire Castle in Irland
Zeichnung eines schottlandtypischen Tower houses (Coxton Tower)

Als Tower house (dt.: Turmhaus) bezeichnet man eine Bauform auf den Britischen Inseln. Tower houses sind Wohntürme, die mit entsprechender Peripherie versehen, gleichzeitig als Wehrtürme dienten. Sie waren ab dem 14. Jahrhundert vor allem in Irland und Schottland verbreitet und prägen (oft als Ruine) bis heute das irische Landschaftsbild. In Irland sind etwa 2000 von vermutlich 8000 Tower houses restauriert oder werden als Ruine erhalten. In Schottland sind etwa 700 Tower houses erhalten oder nachweisbar. Die Bauform entwickelte sich im 14. Jahrhundert und wurde über 300 Jahre lang, bis ins 17. Jahrhundert benutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Woher die Bauform kam ist nicht endgültig geklärt. Womöglich beruht sie auf der älteren, hölzernen normannischen Bauform der Motte. Einige typische Merkmale, wie die sehr dicken Mauern mit eingelassenen Nischen, finden sich auch bei schottischen Brochs. Wie bei vielen traditionellen Bauformen sind eindeutige Aussagen zur Herleitung schwierig.

Während viele irische Clans die militärische Bedeutung der Tower houses unterschätzten, haben die O’Conors und O’Flaherty in Connacht sie früh erkannt, und hatten um 1300 bereits eigene Tower houses bei Annaghdown und Roscommon errichtet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Tower houses dienten als ständiger Wohnsitz für den Landadel und waren wehrhaft genug, den Familienclans, bei den damals üblichen Raubzügen und Überfällen, Schutz zu bieten. Die Gebäude boten wenig Wohnkomfort. Sie waren schlecht belichtet, kalt, feucht und boten den Bewohnern aufgrund der Enge kaum Privatsphäre.

Maurice Craig stellt fest, dass sich in Irland im 15. Jahrhundert ein Standard-Design etablierte, das mit geringen Abweichungen weitgehende Verbreitung fand.[1]

Die meisten Tower houses haben einen rechteckigen Grundriss. Die Außenwände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk, mit gemeißelten Natursteinfassungen um die Tür- und Fensteröffnungen. Die Bauform ist vertikal orientiert. Die Räume liegen übereinander. In der Regel haben Tower houses drei bis vier, manchmal bis zu sechs Stockwerke. Auf jedem liegt ein zentraler, großer Raum, umgeben von Nischen und Kammern, die in die sehr dicken Außenwände eingelassen sind. Hier kommt durch schmale Schlitzfenster etwas Licht und Luft herein. Viele Tower houses haben Geheimkammern, die als Versteck dienten.

Ross Castle im County Kerry

Die meisten der einfachen Tower houses weisen Steingewölbe in den unteren zwei Geschossen auf, die darüberliegenden Decken sind normalerweise Holzbalkendecken. Auch die Unterkonstruktion des Satteldaches ist aus Holz, oft gedeckt mit Schiefer.

Der Grundriss variiert, es gibt jedoch typische, wiederkehrende Elemente. Der Eingang liegt in oder nahe der Mitte der kurzen Seite. Zur einen Seite des Eingangs liegt eine Wendeltreppe innerhalb der massiven Außenwand. Gegenüber liegt eine kleine Kammer, vermutlich ein Raum für Torwächter. Über der kurzen Passage vom Eingang zum inneren Raum ist oft ein Murdering hole („Mörderloch“) in der Steindecke eingelassen, durch das Angreifer von oben attackiert werden konnten. In den oberen Geschossen verspringt die Position der Treppe oft zu einer anderen Seite des Gebäudes, vermutlich um Angreifer zu verwirren.

Das Dach wird von einem Wehrgang mit Brüstungsmauer umgeben, die oft zinnenbewehrt ist.

Die meisten Tower houses waren ursprünglich von Verteidigungsmauern umgeben, variierend von kleinen Innenhöfen bis zu großen, quadratischen Umfassungen, in denen der Turm frei steht. Die Umfassungsmauern sind heute nur noch selten erhalten. Der gälische Name für diese Umfassungen ist bádún, (englisch bawn), was soviel bedeutet wie Einfriedung für Vieh. Einige, wie zum Beispiel Clonony Castle, haben dekorativ ausgestaltete Torhäuser.

Größere Burganlagen[Bearbeiten]

Loch Leven Castle, Übergang zum Keep

Auch bei größeren Burganlagen kam die Bauform zum Einsatz, die Übergänge zum Keep sind dabei fließend. Beispiele sind Carlow und Ferns in County Wexford, Lea bei Portarlington, County Laois, Ross Castle im County Kerry und Terryglass im County Tipperary. Sie haben teils sehr hohe Mauern mit Rundtürmen an den Ecken.

Einige der Burgen in den Städten umschließen große Komplexe (z. B. Limerick, Dublin und Kilkenny) und haben äußere Wehranlagen mit Befestigungsmauern: Roscommon und Ballintober, County Roscommon, Ballymote County Sligo, Liscarroll County Cork, und Ballymoon und Ballyloughan im County Carlow. Carrickfergus im County Antrim und John’s Castle in Limerick sind die am besten erhaltenen Burgen dieser Art in Nordirland und Irland.

Fast alle Burgen hatten eine Innenbebauung aus Holzhäusern, von denen keines erhalten ist. Es gibt lediglich eine Beschreibung des Swords Castle in Swords im County Dublin von 1326, die eine Vorstellung von den Gebäuden gibt. Dazu gehörten, vergleichbar den Strukturen einer autarken Klostergemeinschaft, die Vorrats- und Versorgungseinrichtungen der Verteidiger, Ställe, Werkstätten, eine Kapelle und eine repräsentative Halle.

Beispiele[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Craig: The Architecture of Ireland from the Earliest Times to 1880

Literatur[Bearbeiten]

Irland[Bearbeiten]

  • Barry, T. B.: The Archaeology of Medieval Ireland. 1999 Routledge London
  • Craig, M.: The Architecture of Ireland from the Earliest Times to 1880. Batsford 1982, ISBN 0-7134-2586-5
  • Kerrigan, Paul M.: Castles and Fortifications in Ireland 1485-1945. The Collins Press, Cork, 1995 oder Spellmount Publishers, 1995, ISBN 1-873376-49-9
  • Leask, H.G.: Irish Castles and Castellated Houses. Dundalgan Press (W.Tempest) LTD, Dundalk 1999, ISBN 0-85221-010-8
  • McDermott, M.J.: Irelands Architectural Heritage. Folens, Dublin 1975

Schottland[Bearbeiten]

  • Martin Coventry: Castles of the clans - the strongholds and seats of 750 Scottish families and clans. Musselburgh 2008. ISBN 1-899874-36-4
  • Martin Coventry: The castles of Scotland - a comprehensive reference and gazetteer to more than 2700 castles and fortified cities. Musselburgh 2001. ISBN 1-899874-27-5
  • Stuart Cruden: The scottish castle. London 1960
  • Joachim Zeune: Der schottische Burgenbau vom 15. bis 17. Jahrhundert - Untersuchungen insbesondere zum Wohnbereich. (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung. Neue Folge. Reihe A, Forschungen / Deutsche Burgenvereinigung e.V. zur Erhaltung der Historischen Wehr- und Wohnbauten,1 ) Marksburg über Braubach, 1989. ISBN 3-927558-00-1

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Keep beziehungsweise Donjon, zentrale Tower houses in Burganlagen
  • Turmburg, eine ähnliche Bauform

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tower houses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien