Tower of London

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Luftaufnahme der Festung
Der White Tower.
Der Tower von London im Mittelalter

Her Majesty’s Royal Palace and Fortress, landläufig besser bekannt als Tower of London, ist ein im Mittelalter errichteter, befestigter Gebäudekomplex entlang der Themse am südöstlichen Ende der City of London. Er diente den englischen und britischen Königen als Burg, Waffenkammer (stronghouse), königlicher Palast und Gefängnis, insbesondere für Gefangene der Oberklasse.

Ursprünglich wurde der Tower als Festung Wilhelm des Eroberers gegen die potentiell feindseligen Bürger der Stadt London errichtet. Bis zu Jakob I. nutzen alle englischen Könige und Königinnen den Tower zeitweilig zum Aufenthalt. Es war üblich, dass der Monarch vor dem Tag seiner Krönung im Tower übernachtete und dann in feierlichem Zug durch die Stadt nach Westminster ritt. Als Stützpunkt der britischen Monarchie im historischen Zentrum Londons ist der Tower eng mit der britischen Geschichte verbunden.

Heute ist der Tower unter anderem durch die Ausstellung der Britischen Kronjuwelen und einer reichhaltigen Waffensammlung eine Touristenattraktion. Zeitweise befanden sich die Münze, das Staatsarchiv, ein Waffenarsenal und ein Observatorium innerhalb der Festungsanlage. Aufgrund seiner historischen Bedeutung wurde der Tower 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Baugeschichte

[Bearbeiten] Wilhelm der Eroberer

1078 ordnete Wilhelm der Eroberer an, den White Tower am Rande der City of London innerhalb der römischen Mauerreste von Londinium zu bauen. Er sollte den Normannen die Vorherrschaft in der City of London, schon damals deutlich die größte Stadt Englands, und dem weiteren Gebiet von Middlesex, dem heutigen Greater London, sichern. Wilhelm der Eroberer hatte gerade erst die Macht in England erobert. Der Tower gehörte zu einer ganzen Zahl von Erd- und Steinfestungen, die Wilhelm bauen ließ, um die Macht der Normannen in England zu festigen. Er ordnete an, eine Reihe von Festungen um London herum zu errichten. Während Windsor Castle den Zugang zur Stadt aus dem Westen sicherte, sollte der Tower den Zugang aus dem Osten kontrollieren.[1]

Ursprünglich ließ Wilhelm eine 200 mal 400 Fuß (etwa 70x140 Meter) große Festung aus Holz errichten, die jedoch schon wenige Jahre später durch das Steingebäude des White Tower ersetzt wurde.[1] Dieses 1097 fertiggestellte Turm orinmtierte sich in seiner Gestaltung vermutlich am Turm der Fürsten der Normandie in Rouen. Wilhelm ließ ihn mit luxuriösen Wohnräumen,[2] dazu kamen Empfangssäle, eine Kapelle, und andere repräsentative Räumlichkeiten, die den Tower zur einzigen königlichen Resident in der Stadt London machten.[3]

[Bearbeiten] Heinrich III.

Im 12. und 13. Jahrhundert bauten verschiedene Herrscher die Festung aus. Ungefähr in dieser Zeit bekam auch die gesamte Festung den Namen Tower of London.[2] Prägend für die heutige Gestalt des Towers war Heinrich III., der die Festung von 1220 bis 1238 zum Festland hin erweiterte, und von 1238 bis 1272 zum Fluss hin. In seine Zeit fällt der Bau des Wakefield Tower, und ein Umbau der königlichen Gemächer und Repräsentationsräume. Der ebenfalls unter Heinrich III. gebaute Queens Tower wurde im 19. Jahrhundert niedergerissen und an dieser Stelle der Lanthorn Tower neu gebaut.[3]

Heinrich begann mit dem Bau der Anlagen um den heutigen innersten Festungsring. Dazu gehörten neben dem Wakefield Tower auch das Bloody Gate und die Great Hall. Sowohl die Arbeiten an der großen Halle als auch andere haushaltsbezogene Konstruktionen deuten darauf hin, dass Heinrich den Tower als Wohngebäude aufwerten wollte, und ihn auf eine Ebene mit Windsor Castle oder den Residenzen in Winchester und Clarendon stellten wollte.[4] Nachdem Heinrich sich 1238 im Zuge der Verwerfungen um die Hochzeit seiner Schwester Eleanor von England mit Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester vor aufgebrachten Adligen einen Monat lang im Tower verschanzen musste, begann er mit dem Ausbau der Tower als Festung auf dem damals aktuellen Stand der Festungstechnik.[5] Neben verstärkten Mauern, und einem neuen Tor entstanden in dieser Zeit Devereux Tower, Bowyer Tower, Martin Tower, Broad Arrow Tower und Salt Tower.[5]

Zeitweise verlor er im Konflikt mit den Baronen durch die Provisions of Oxford die Kontrolle über die Festung ganz, und musste sie an Hugh Le Bigod abgeben. Von Frankreich aus, ordnete er dennoch den weiteren Ausbau der Festung an. Bei diesen Arbeiten wurde der innere Festungswall vollendet, und es entstand Coldharbour Gate, das zentrale landseitige Tor zum heutigen innersten Festungsring - und Heinrich kehrte heimlich in die Festung zurück.[6]

[Bearbeiten] Edward I.

Edward I. setzte das ehrgeizige Bauprogramm seines Vorgängers fort. Er baute die innere Mauer aus, so dass eine echte Ringburg entstand. Er ließ einen neuen Graben ausheben, und zudem die Außenmauer bauen, so dass insgesamt drei Ringe entstanden. Der Tower hatte seine heutige Flächenausdehnung erreicht.[7]

Edward ersetzte den großen Torbau seines Vorgängers durch zwei neue Tore: eines zum Wasser, und ein landseitiges auf der West (Stadt-)seite der Festung. Seit 1275 entstand der nach Thomas Beckett benannte St Thomas Tower.[8] In den 1280ern wurden der Byward Tower und der Middle Tower vollendet. Damit war der Tower die erste Ringburg der britischen Inseln, und hatte seine heutige Flächenausdehnung erreicht.[3]

[Bearbeiten] Seit dem 13. Jahrhundert

Im 18. und 19. Jahrhundert veränderte sich der Tower kaum mehr. An stelle von königlichen Wohnungen wurden Kasernen und Munitionslager eingerichten.[9]

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg ständig erweitert. Die letzte gründliche Erneuerung erfolgte im Jahr 1840 als die Chartisten Großbritannien in Aufruhr versetzten, und das britische Königshaus den Tower wieder auf den damaligen Stand der Verteidigungstechnik bringen ließ.[1]

Bis 1850 hatten die Royal Mint, die Menagier, und das Archiv den Tower verlassen, und waren in Gebäude weiter außerhalb der Londoner Innenstadt gezogen.[9]

[Bearbeiten] Architektur

Festungsplan von 1726

Der Tower of London ist von einem breiten Graben umgeben. Ein Außenwall schützt die inneren Gebäude. In der Mitte des Geländes steht der als White Tower bezeichnete mächtige Keep. Auf einer fast quadratischen Grundfläche von etwa 30 mal 30 Metern ragt der Turm über fast 30 Meter in die Höhe. In der südöstlichen Ecke hat er einen halbkreisförmigen Vorsprung.[1]

Der White Tower ist im Norman Style gehalten.[1] Er besteht aus Sandstein aus Kent und Schlammstein aus der näheren Umgebung, auch enthalten sind wiederverwertete Steine römischer Befestigungsanlagen.[2]

[Bearbeiten] Der Tower im Stadtgebiet

Der Tower ist durch die Station Tower Hill der London Underground erreichbar, ebenso durch den Bahnhof Fenchurch Street und die Station Tower Gateway der Docklands Light Railway.

In Nachbarschaft zum Tower führt die Tower Bridge, die 1894 fertiggestellt wurde, über die Themse.

[Bearbeiten] Nutzungsgesschichte

[Bearbeiten] Wohnung

Ursprünglich diente der zuerst fertiggestellte White Tower als Wohnung der englischen Könige im Tower. Aber bereits 1171/1172 lassen sich schriftliche Zeugnisse für andere Wohnräume auf dem Festungsgelände finden, auch wenn diese keine Aussage über Art und Größe der Gebäude macht. Bis zur Regierungszeit von Heinrich III. ab 1216 begann endgltig die Verlagerung der Wohnräume des Königs auf das Festungsgelände verlagert worden.[10]

Bereits Heinrich der III., der maßgeblich für die heutige Gestalt der Festung verantwortlich ist, war nur noch elfmal im Tower, und hielt sich insgesamt 32 Wochen dort auf. Sieben der elf Besuche fanden im Jahr 1261 statt, als politischen Krisen Heinrich III. mehrfach veranlassten, im Tower zuflucht zu suchen. Der andere große Tower-Baumeister, Edward I. kam ähnlich selten, er hielt sich nur insgesamt sechsmal im Tower auf.[3] Edward I. begründete jedoch die Tradition, dass der König sich die Nacht vor seiner Krönung im Tower verbrachte. Diese Tradition hielten die englischen Monarchen 300 Jahre lang aufrecht.[7] Während der an Krisen reichen Herrschaft von Edward II. nutzte dieser den Tower wiederholt als Zufluchtsort, sein Sohn Edward III. hielt dies jedoch nicht mehr für nötig, und in den folgenden Jahrhunderten wurde sie kaum mehr als königliche Wohnung genutzt.[3]

Der letzte englische König, der im Tower of London übernachtet hat, war Heinrich VIII., der hier anläßlich der Krönung seiner Frau Anne Boleyn wohnte. Er wohnte in der letzten im Tower errichteten Wohnung, die sein Vater Heinrich VII. hatte bauen lassen.[9]

[Bearbeiten] Kronjuwelen

Das „Jewel House“, Aufbewahrungsstätte der Kronjuwelen
Hauptartikel: Britische Kronjuwelen

Die Kronjuwelen werden seit 1303, nachdem sie aus der Westminster Abbey gestohlen wurden, im Tower von London (Wakefield Tower) im „Jewel House“ aufbewahrt. Nach der Krönung von Karl II. wurden sie an einem anderen Ort eingeschlossen und nur gelegentlich von einem Verwalter gegen ein Entgelt ausgestellt. Allerdings endete dieses Arrangement, nachdem Colonel Thomas Blood den Verwalter knebelte und fesselte und anschließend die Kronjuwelen stahl. Seit diesem Zwischenfall werden die Kronjuwelen in einem Teil des Towers aufbewahrt, der Juwelenhaus genannt wird, mit bewaffneten Wachen, um sie zu verteidigen.

[Bearbeiten] Gefängnis

Der Tower diente von 1101 bis 1941 als Gefängnis. Bis in das 14. Jahrhundert hinein diente der Tower dabei als Gefängnis für alle Arten von Verbrechern, und damit auch als gewöhnliches Kriminalgefängnis für London und umliegende Regionen. Die direkte Verbindung zu den englischen Königen, die Lage am Wasser, die starken Festungsmauern gegenüber der potenziell aufständischen Londonder Bevölkerung, und die Sicherung durch militärische Truppen erwiesen sich als Vorteile für die inhaftierenden Könige. Vermutlich bestand zu dieser Zeit ein eigener Gefängnisbau auf dem Festungsgelände, der später abgerissen wurde. Das 1188 neugebaute Newgate-Gefängnis ersetzte den Tower langsam in dieser Rolle. Dazu trug vermutlich auch ein Gefangenenausbruch bei, bei dem bewaffnete Gefangene zur benachbarten Kirche All Hallows-by-the-Tower laufen konnten, die Kirchglocken läuteten, und eine aufgebrachte Menge Löcher in Tore und Wände der Festung schlug.

Seit dem 14. Jahrhundert diente der Tower vor allem dazu, um höhergestellte Gefangene festzuhalten, die einerseits sicher verwahrt waren, andererseits auch standesgemäß untergebracht wurden. Im Tower befanden sich diverse englische Könige oder Ex-Könige wie Richard II., Heinrich VI., Eduard V. - und in die Legende eingegangen als einer der Prinzen im Tower - und Jane Grey. Heinrich VIII. ließ im Tower zwei seiner Frauen, Anne Boleyn und Catherine Howard hinrichten, hochgestellte Kriegsgefangene, die oft gegen Lösegeld freigekauft wurden, waren auch im Tower. Die schottischen Könige John Balliol, David II. und Jakob I. wurden om Tower festgehalten, ebenso wie der französische König Johann II..

Darüber hinaus diente der Tower immer wieder dazu, Kriegsgefangene festzuhalten, bis diese auf andere Gefängnisse verteilt wurden. Das fing mit hunderten Franzosen an, die im hundertjährigen Krieg gefangen saßen, und endete im Zweiten Weltkrieg als deutsche Spione und aufgebrachte U-Boot-Besatzung durch den Tower geschleust wurden. Der letzte Gefangene war Rudolf Heß, der letzte auf dem Tower Hill exekutierte Gefangene der deutsche Spion Jacobs.

[Bearbeiten] Begräbnisstätte

Die drei Königinnen Anne Boleyn, Catherine Howard und Lady Jane Grey haben den Tower nie verlassen. Sie fanden in der Kapelle ihre letzte Ruhestätte.

[Bearbeiten] Tourismus

Der Tower steht seit 1660 in Teilen für die Öffentlichkeit offen. Der erste Führer für das Gebäude wurde 1841 veröffentlicht, und bis 1900 betrug die Zahl der Besucher bereits eine halbe Million jährlich. Heutzutage kommen etwa 2,5 Millionen Besucher im Jahr.[9]

[Bearbeiten] Yeomen Warders

Der Tower wird offiziell von den Yeomen Warders bewacht, 36 Angehörigen der britischen Armee. Die umgangssprachlich "Beefeaters" genannten Soldaten leben auf dem Gelände des Towers. Sie und ihre Uniformen gehen auf Heinrich VIII. zurück. Und auch wenn sie ursprünglich zur Bewachung der Kronjuwelen und der Gefangenen gegründet werden, dienen sie heute vor allem dem Tourismus.[9] Für Touristen sind drei Zeremonien besonders interessant: die offizielle Eröffnung um 9, die Ceremony of the Word, bei der das aktuelle Passwort des Tages ausgegeben wird, und die Schlüsselzeremonie, bei der der Tower geschlossen wird.

Seit 2007 gehört erstmals in der Geschichte eine Frau dem Wachpersonal des Tower an.

[Bearbeiten] Schlüsselzeremonie

Das Traitors’ Gate liegt, gerade noch erkennbar, in der Mauer hinter dem heute zugemauerten halbrunden Bogen zur Themse.
Das Traitors’ Gate
Die Anlage des Towers

Der Tower von London wird jede Nacht um 22 Uhr abgeschlossen. Das dabei durchgeführte Ritual wird „Ceremony of the Keys“ (Schlüsselzeremonie) genannt und kann von Touristen nach Anmeldung mitverfolgt werden. Genau 7 Minuten vor 22 Uhr verlässt der „Chief Warder“ (der Leiter der historischen Wächtertruppe der Yeomen Warders) mit einer Laterne in der einen und den Tower-Schlüsseln (The Queen’s Keys) in der anderen Hand, den Byward Tower und begibt sich feierlichen Schrittes entlang der Water Lane zum Traitors’ Gate (Verrätertor), wo ihn eine Eskorte regulärer Soldaten erwartet.

Der Chief Warder übergibt die Laterne an einen der Soldaten und er und die Eskorte marschieren zum äußeren Tor. Alle Wachposten, die sie auf dem Weg passieren, präsentieren vor dem Schlüssel das Gewehr. Nachdem das äußere Tor verschlossen wurde, werden im Anschluss noch die Eichentore des Middle Tower und des Byward Tower verschlossen. Danach geht die Truppe über die Water Lane zurück Richtung Traitors’ Gate, wo im Schatten des Durchgangs zum Bloody Tower ein Wachposten die Ankunft erwartet.

Bei Annäherung ruft der Wachposten laut „Who comes there?“ (Wer kommt da?), worauf der Chief Warder ebenfalls laut antwortet „The Keys.“ (Die Schlüssel.). Darauf erfolgt eine zweite Frage des Wachpostens: „Whose Keys?“ (Wessen Schlüssel?) und erhält zur Antwort „Queen Elizabeth’s Keys.“ (Königin Elizabeths Schlüssel.). Danach gibt der Wachposten mit dem Ausspruch „Pass Queen Elizabeth’s Keys. All’s well.“ (Königin Elizabeths Schlüssel passieren. Alles in Ordnung.) den Weg frei. Die Truppe marschiert durch den Torweg die Stufen hinauf, wo die restliche Wachmannschaft angetreten ist. Nach dem Halt der Truppe werden die Waffen präsentiert, der Chief Warder lüftet seinen Tudor-Hut (Tudor bonnet) und ruft „God preserve Queen Elizabeth.“ (Gott schütze Königin Elizabeth.), worauf die Wachen antworten „Amen“. Um Schlag 22 Uhr von Big Ben wird die Zeremonie mit dem Zapfenstreich eines Trompeters beendet.

Da diese Zeremonie seit der Zeit der Tudors durchgehend durchgeführt wurde, dürfte sie zu den ältesten bestehenden Zeremonien weltweit gehören.

Besucher können an der Ceremony of the Keys kostenfrei teilnehmen, benötigen hierfür aber einen Passierschein. Diese kostenlose Karte muss ca. sechs bis acht Wochen - besser drei Monate - vor dem Wunschtermin bestellt werden.[11]

[Bearbeiten] Die Menagerie im Tower

Vom Jahre 1235 bis zum Oktober 1835 beherbergte der Tower of London eine Menagerie von Wildtieren. Dabei handelte es sich überwiegend um Raubkatzen und Bären, die gewöhnlich dem jeweiligen Monarchen zum Geschenk gemacht worden waren. Zu den Geschenken gehörten mitunter jedoch auch ungewöhnlichere Tiere, sofern sie hinreichend exotisch waren: die englische Königin Isabella von Frankreich bekam 1313 bei ihrer Rückkehr nach England zur Begrüßung ein Stachelschwein überreicht.[12] Zu den dort gehaltenen Tieren zählten dementsprechend auch Kamele, Strauße, Elefanten, Hyänen, Eulen, Geier, Affen, Nashörner und Adler. Vergleichbare Tierhaltungen gab es zwar gelegentlich auch auf anderen königlichen Residenzen oder adligen Landsitzen. Anders als diese konnten die im Tower gehaltenen Tiere jedoch besichtigt werden. Anfangs erhielten nur solche Personen Zutritt, die über entsprechende Verbindungen verfügten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Kreis der Personen, die Zutritt erhielten, jedoch immer größer. Während der letzten Jahrzehnte, in denen im Tower noch Wildtiere gehalten wurden, war allein die Zahlung eines Eintrittsgeldes Voraussetzung, um die Tiere sehen zu können. Die Möglichkeit, solch fremdartige Tiere sehen zu können, hatte wesentlichen Einfluss auf die Darstellung der Tiere in Kunst und Literatur. Die Maler George Stubbs und Edwin Landseer fanden beispielsweise hier die Modelle für exotische Tiere.

[Bearbeiten] Der Beginn der Tierhaltung im Tower

Die Tradition der Tierhaltung im Tower geht auf Henry III. zurück, der anlässlich der Verheiratung seiner Schwester Isabella mit Kaiser Friedrich II. von seinem Schwager drei Löwen zum Geschenk erhielt. Die drei Raubkatzen, die im von Henry III. gerade erweiterten Tower untergebracht wurden, überlebten allerdings nicht lange. Der letzte Hinweis auf dieses königliche Geschenk stammt aus dem Jahre 1240.[13] 1252 beherbergte der Tower einen Bären von heller Fellfarbe, diesmal ein Geschenk des norwegischen Königs an Henry III. Die Quellen bestimmen die Art des Bären nicht genauer. Da Braunbären als Tanzbären in England regelmäßig zu sehen waren, das Tier große Aufmerksamkeit erregte und ein normaler Braunbär ein wenig angemessenes königliches Geschenk gewesen wäre, handelte es sich bei dem norwegischen Geschenk vermutlich um einen Eisbären.[14] Bis der Londoner Zoo ab 1827 Eisbären hielt, dürfte es sich dabei um einen der wenigen Bären dieser Art gehandelt haben, die in Großbritannien zu sehen waren. Dank eines Geschenks des französischen Königs Louis IX. erweiterte sich die königliche Menagerie wenig später um einen afrikanischen Elefanten. Die Ankunft des Tieres 1255 stellte eine so große Sensation dar, dass der betagte Historiker und Abt Matthew Paris nach London reiste, um den Elefanten während dessen Transports durch London selbst in Augenschein zu nehmen [15]. Paris hielt das Ereignis in seiner „Chronica Majora“ fest.

[Bearbeiten] Die Tierhaltung unter den Nachfolgern von Henry III

Die Nachfolger von Henry III. setzten die Tradition der Tierhaltung im Tower fort. Traditioneller Bestandteil der Menagerie waren Löwen; „Keeper of the king’s lion“ war entsprechend der Titel der mit Aufsicht über die Tiere betrauten Person. Ausgezeichnet mit diesem Amt wurden keineswegs in der Tierhaltung erfahrene Personen, sondern Adelige, die sich in irgendeiner Weise die Gunst des Monarchen erworben hatten.

Ab 1420 konnten die Tiere der Menagerie im Tower gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes besichtigt werden. Ein Dekret Heinrich VI. regelte außerdem, dass denen die Zahlung des Eintritts erlassen wurde, die eine Katze oder einen Hund zur Fütterung der Löwen mitbrachten. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass damit keineswegs jeder der Londoner Einwohner Zugang erhielt, der in der Lage war, die hohe Eintrittssumme von drei Sous zu bezahlen. Vermutlich kam nur derjenige in den Genuss der königlichen Menagerie, der über entsprechende Empfehlungsschreiben oder Verbindungen verfügte.[16]

Unter James I. wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Tower-Komplex um den heute nicht mehr erhaltenen Lion Tower erweitert. In dem zum Turm gehörenden Hof erhielten die Tiere – unter anderem ein Tiger, elf Löwen, ein Schakal und zwei Luchse - Auslauf. Das Areal wurde jedoch auch genutzt, um Tierhetzen zu veranstalten. James I. ließ hier unter anderem Mastiffs auf Löwen hetzen und errichtete eine hölzerne Aussichtsplattform, um von dort aus das Spektakel besser beobachten zu können.[17] Insgesamt war das Verständnis für eine angemessene Tierhaltung wenig ausgeprägt – die Tiere wurden in engen Käfigen gehalten, die ihnen nur wenig Bewegungsmöglichkeiten gaben. Einen Elefanten glaubte man ausreichend zu füttern, wenn man ihm ausschließlich Wein zu trinken gäbe. Das Tier – ein Geschenk des spanischen Königs – starb nach wenigen Wochen.[18]

[Bearbeiten] Die königliche Menagerie als Anziehungspunkt

Die Existenz der königlichen Menagerie im Tower blieb von der Herrschaft Oliver Cromwells unberührt. Cromwells kurze Herrschaft bewirkte jedoch zwei Änderungen: Tierhetzen wurden in der Stadt London untersagt und der Tower, und damit die königliche Menagerie, konnte zunehmend von einem zahlenden Publikum besichtigt werden. Wer das Eintrittsgeld zahlen konnte, konnte neben den Tieren der Menagerie ab der Mitte der 1660er-Jahre auch die Kronjuwelen und das Waffenarsenal besichtigen. Zu den häufigen Besuchern des Towers zählte unter anderem Samuel Pepys, der durch sein Tagebuch zum Chronisten seiner Zeit wurde. Pepys berichtet in seinem Tagebuch-Eintrag vom 11. Januar 1660 unter anderem davon, dass er auf seinem Heimweg extra einen Umweg machte, um im Tower nach seinem Lieblingslöwen mit dem Namen Crowly zu schauen.

Möglicherweise waren es die Einnahmen, die dazu führten, dass man Christopher Wren damit beauftragte, im Hof des Lions Towers zusätzliche Käfige zu installieren, um dort Adler und Eulen unterzubringen. 1697 warb erstmals sogar ein Pamphlet für den Besuch im Tower.[19] Zu den Schaustücken dieser Zeit zählten neben den obligatorischen Löwen unter anderem eine Hyäne und ein Tiger, den die East India Company geschenkt hatte. Zunehmend zählten der Tower und seine Tiere zu den Sehenswürdigkeiten, die man als Besucher Londons gesehen haben musste. Darauf bezieht sich auch die Sprachwendung „Seeing the lions“ für die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt, zu denen neben dem Tower auch die Irrenanstalt Bedlam gehörte. Jemand „who has seen the lions“ war weltläufig und –erfahren.[20] 1698 wurde für den 1. April erstmals das Waschen der Löwen im Wassergraben des Towers angekündigt. Diese Form des Aprilscherzes tauchte in den nachfolgenden Jahrzehnten regelmäßig auf.[21]

[Bearbeiten] Die Menagerie im Tower als Studienobjekt von Kunst und Wissenschaft

Green Monkey von George Stubbs

Im 18. Jahrhundert intensivierte sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Tieren. Der aus Schottland stammende Anatom und Arzt John Hunter sezierte um 1750 unter anderem die verstorbenen Tiere der königlichen Menagerie. Sein Ziel war es, Fortpflanzung, Atmung und Blutkreislauf möglichst vieler unterschiedlicher Tierarten miteinander zu vergleichen. Im Laufe seines Lebens untersuchte er insgesamt 500 verschiedene Tierarten, wobei die königliche Menagerie so exotische Tierarten wie Elefanten, Tiger, Nashörner und Löwen beisteuerte. Die verbliebenen Exponate – darunter auch Skelette seiner Untersuchungsobjekte – befinden sich heute im Royal College of Surgeons. Hunter beauftragte auch eine Reihe von Malern, um die Tiere in Gemälden und Zeichnungen festzuhalten. Zu den bekanntesten von ihm beauftragten Künstlern zählte George Stubbs. Stubbs porträtierte unter anderem ein für die königliche Menagerie neu angekommenes Nashorn, das - nachdem Dürers anatomisch nicht korrekte Wiedergabe eines Rhinocerus über Jahrhunderte hinweg die mitteleuropäische Vorstellung von dieser Tierart prägte – ein akkurateres Bild dieser Tierart gab.

Das zunehmende Interesse an Naturwissenschaften wirkte sich auch auf die Tierhaltung aus: Die Käfige wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts modernisiert. Wenn sie mit einer Länge von nur drei Metern nach heutigen Maßstäben auch viel zu klein für große Raubkatzen waren, konnten sie jetzt immerhin beheizt werden, der zuvor hölzerne Boden wurde durch Ziegelsteine ersetzt.[22] Junge Löwen, die in der Towermenagerie geboren wurden, erreichten danach erstmals ein fortpflanzungsfähiges Alter.

Der erste Führer zu den für die Öffentlichkeit zugänglichen Sehenswürdigkeiten des Towers erschien 1741 [23] und bemühte sich ebenso wie die folgenden Publikationen, den Lesern eine möglichst genaue Beschreibung der zu sehenden Tierarten zu geben.

[Bearbeiten] Die königliche Menagerie wird abgewickelt

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging das Interesse des Publikums an den Tieren in der Towermenagerie allmählich zurück. Zirkusunternehmen, die durch Großbritannien reisten, zeigten ihren zahlenden Besuchern nicht nur nahezu die gleichen exotischen Tierarten, sondern auch andere Kuriositäten wie etwa besonders groß gewachsene Menschen als „Riesen“. Die Anzahl der in der Menagerie gehaltenen Tiere und Tierarten nahm stetig ab, bis man 1822 als ersten erfahrenen Tierwärter Alfred Cops einstellte. Er fand nur noch einen Elefanten, einige wenige Vögel sowie den ersten in Großbritannien gezeigten Grizzly als Bestandteil der königlichen Menagerie vor.[24] Mit Unterstützung Georg IV. begann er die Menagerie umzubauen und um eine große Anzahl neuer Tierarten zu erweitern. 1829 waren neben den obligatorischen Löwen, Tiger und Bären unter anderem ein Ozelot, Gepard, Karakal, verschieden Hyänen, Zebras, Lamas, Papageien, eine Anakonda und Klapperschlangen zu sehen.[25] Die erneute Blüte der Towermenagerie währte jedoch nur sehr kurz. Nachdem der London Zoo eröffnet wurde, wurden die Tiere dem Zoo übereignet. Ein Grund dafür war der Angriff eines Löwen auf einige Soldaten, der sich 1835, im Jahr der Übereignung, ereignete. [26]

Heute sind die Tower-Raben die einzigen Tiere im Tower.

[Bearbeiten] Unesco Weltkulturerbe

Die Unesco hat die britische Regierung bis Februar 2006 zu einem Bericht aufgefordert, der darlegen sollte, London zum Schutz des Tower unternimmt, da es mehrere Hochhausprojekte in Sichtweite des Gebäudes gab. Der Tower könne dadurch an historischem Wert verlieren. Deshalb wird der Tower möglicherweise auf die rote Liste der weltweit besonders gefährdeten Welterben genommen. [27]

[Bearbeiten] Der Tower als Symbol

Als Festung der englischen Könige gegenüber der Stadt London, war der Tower auch immer Symbol für die Herrschaft der englischen Könige. Die Bevölkerung Londons und die Insassen des Towers befanden sich lange Zeit in einem Konflikt. Als beispielsweise 1240 beim Ausbau der Festung Grundmauern zusammenbrachen, freute sich die Londoner Bevölkerung offensichtlich, sie dankten dem Londoner Stadtheiligen Thomas Beckett dafür, dass er sie vor einer ungerechtfertigen Ausübung königlicher Macht bewahrt habe.[6] Rebellionen gegen den amtierenden Monarchen suchten sich oft auch den Tower als Ziel, viele Besuche des Königs im Tower dienten vor allem der Machtdemonstration. In den Rebellionen von Simon de Montfort ebenso wie bei der Rebellion von Roger Mortimer und Isabelle spielten die City of London und der Tower entscheidende Rollen.[4] Bei beiden stellte sich die Bevölkerung und der Rat der City of London deutlich auf die Seite der Aufständischen.[28]

In das kulturelle Gedächtnis ging insbesondere die Funktion des Tower als Gefängnis ein. Obwohl die Haftbedingungen dort meist besser waren als in den anderen Haftanstalten Londons, ist der Tower besonders mit oft grausigen Geschichten aus der Haft verbunden. Der englische Schriftsteller Edgar Wallace machte in seinem Kriminalroman „Das Verrätertor“ (Traitors’ Gate) die Schlüssel-Zeremonie zu einem zentralen Punkt bei einem Versuch, die Kronjuwelen zu stehlen (verfilmt 1964 im Rahmen der deutschen Edgar-Wallace-Filme).

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Edward Impey and Geoffrey Parnell: The Tower of London. The official illustrated history, London: Merrell 2000, 128 S., ISBN 1-85894-106-7
  • Daniel Hahn: The Tower Menagerie, Simon & Schuster UK Ltd, London 2003, ISBN 0-7434-8388-X

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Tower of London – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e Nigel R. Jones: Architecture of England, Scotland, and Wales Greenwood Publishing Group, 2005 ISBN 0313318506 S. 287
  2. a b c Anthony Sutcliffe: London: an architectural history Yale University Press, 2006 ISBN 0300110065 S. 12
  3. a b c d e Anthony Emery: Greater Medieval Houses of England and Wales, 1300-1500: Southern England Cambridge University Press, 2006 ISBN 052158132X S. 245
  4. a b Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S. 37
  5. a b Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S.39
  6. a b Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S. 40
  7. a b Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S.46
  8. Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S. 47
  9. a b c d e Nigel R. Jones: Architecture of England, Scotland, and Wales Greenwood Publishing Group, 2005 ISBN 0313318506 S. 290
  10. Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995), S. 36
  11. Adresse: The Ceremony of the Keys, Waterloo Block, HM Tower of London, London, England EC3N 4AB
  12. Alison Weir: Isabella, Random House, London 2005, ISBN 0-7126-4194-7
  13. Hahn, S. 13
  14. Hahn, S. 20f
  15. Hahn, S. 23
  16. Hahn, S. 73
  17. Hahn, S. 92 – 101
  18. Hahn, S. 107f
  19. Hahn, S. 127 und 139
  20. Hahn, S. 140f und 154- 157
  21. Hahn, S. 158 – 160
  22. Hahn, S. 178
  23. Hahn, S. 175
  24. Hahn, S. 206 – 207
  25. Hahn, S. 209 – 212
  26. Tower von London, Microsoft Encarta 1998
  27. Bluewin News
  28. Simon Thurley: Royal Lodgings at The Tower of London 1216-1327 in: Architectural History , Vol. 38, (1995) S. 42

51.508055555556-0.075833333333333Koordinaten: 51° 30′ 29″ N, 0° 4′ 33″ W

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