Trade-off

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Trade-off (englisch trade off „tauschen“) bzw. Austauschbeziehung beschreibt im Allgemeinen eine gegenläufige Abhängigkeit: Wird das eine besser, wird zugleich das andere schlechter (siehe auch umgekehrte Proportionalität).

Darüber hinaus beschreibt der Ausdruck auch Bemühungen, gut abzuwägen. Übersetzt wird Trade-off in diesem Kontext mit Kosten-Nutzen-Abwägung, Kompromiss und Ausgleich des Zielkonfliktes.

Ökonomie[Bearbeiten]

In der Ökonomie beschreibt Trade-off z. B. die gegenläufige Abhängigkeit von Kosten und Qualität oder, in der Wirtschaftspolitik, das Magische Viereck: Um eine hohe Qualität zu erlangen, muss man hohe Kosten in Kauf nehmen. Wenn man die Kosten senkt, sinkt auch die Qualität. Zwischen diesen beiden Eigenschaften besteht also ein Trade-off, den man im konkreten Fall immer wieder neu entscheiden muss. Man versucht eine möglichst gute Kombination zu finden (siehe auch Ressourcenallokation).

Ökologie[Bearbeiten]

In der Ökologie beschreibt der Begriff Fitness­nachteile, die ein Organismus bei der besseren Adaptation an einen bestimmten Umweltfaktor zwangsläufig in Bezug auf andere Umweltfaktoren erleidet. Der Vorteil in einem Bereich ist also durch einen nicht vermeidbaren Nachteil in einem anderen Bereich „erkauft“.[1]

Beispielsweise sind die Eigenschaften, die es einer Pflanzenart ermöglichen, besonders gut in der Konkurrenz zwischen verschiedenen Arten (Fachausdruck: Interspezifische Konkurrenz) zu bestehen (Investition v.a. in Stützgewebe, um größere Wuchshöhe zu erreichen), von Nachteil, wenn es um die Kolonisierungsgeschwindigkeit in neu entstandenen Habitaten geht (Investition v.a. in Samen). Eine Art, die unter nährstoffreichen Bedingungen besonders schnell wachsen und damit Konkurrenten verdrängen kann, ist unter nährstoffarmen Bedingungen unter Umständen aufgrund genau der gleichen Eigenschaften aufgrund höherer Nährstoffverlustraten benachteiligt.[2] Eine größere Tierart kann eine kleinere in der direkten Konkurrenz verdrängen, aber gerade wegen ihrer Größe anfälliger gegen Räuber (Prädatoren) sein[3]. Eine Übersetzung des Begriffs ist in der Ökologie nicht üblich.

Soziobiologie[Bearbeiten]

In der Soziobiologie wird der Begriff nach Eckart Voland mit 'Abgleich' übersetzt.[4] Entsprechend versuchen die Individuen, mit ihrem sozialen Verhalten Abgleich-Probleme zu lösen. In diesen geht es darum, mit Entscheidungen über die Investition von Zeit, Energie und Lebensrisiken die reproduktive Fitness zu erhöhen. Dabei wird in der Lösung der Abgleich-Probleme durch soziales Verhalten auf eine Möglichkeit der Verbesserung der reproduktiven Fitness verzichtet, während eine andere wahrgenommen wird. Das zugrundeliegende Modell der Erklärung des sozialen Verhaltens ist ein ökonomisches. Abgleich-Problemen liegen Allokationskonflikte zugrunde.

Ein Beispiel für ein Abgleichproblem, das sich in der Lebensgeschichte eines Individuums stellt, ist z. B. die Entscheidung darüber, ob es lieber weiterhin in sich selbst investieren soll, oder ob es dazu übergehen sollte, sich fortzupflanzen. Ein anderes ist, ob es sich überhaupt selbst reproduzieren soll, oder ob es stattdessen die Reproduktionsbemühungenen seiner Verwandten unterstützen soll. Aus der jeweiligen Lösung, die ein Individuum für diese Form von Abgleich-Problemen findet, entstehen individuelle Lebensgeschichten und evolutionär betrachtet tierliche und menschliche Persönlichkeiten, die charakteristische Interessen und Merkmalsprofile haben.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Die Pareto-Optimierung bemüht sich um einen Endzustand, in dem kein Aspekt besser werden kann, ohne einen anderen zu verschlechtern (die Möglichkeiten, mit einer Veränderung alle Aspekte zu verbessern, ausgeschöpft sind).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Tilman (1990): Constraints and tradeoffs: toward a predictive theory of competition and succession. - Oikos 58: 3-15.
  2. Rien Aerts (1999): Interspecific competition in natural plant communities: mechanisms, trade-offs and plant–soil feedbacks. Journal of Experimental Botany 50 (330): 29–37.
  3. Gary A. Wellborn (2002). Trade-off between competitive ability and antipredator adaptation in a freshwater amphipod species complex. Ecology 83: 129–136. doi:10.1890/0012-9658(2002)083[0129:TOBCAA]2.0.CO;2
  4. Eckart Voland: Soziobiologie. Die Evolution von Kooperation und Konkurrenz. Heidelberg, 3.Auflage 2009, S. 168ff.
  5. Wolf et. al.:Life-history trade-offs favour the evolution of animal personalities. in: Nature 447, S.581-585.