Tragöß

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f0f5f1

Tragöß (Dorf)
Historisches Wappen von Tragöß
Vorlage:Infobox Gemeindeteil in Österreich/Wartung/Wappen
Tragöß (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Bruck-Mürzzuschlagf8, Steiermark
Pol. Gemeinde Tragöß-Sankt Kathareinf0
Koordinaten 47° 30′ 0″ N, 15° 4′ 0″ O47.515.066666666667793Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 15° 4′ 0″ Of1
Höhe 793 m ü. A.
Einwohner d. stat. Einh. 995 (31. Oktober 2013)
Postleitzahl 8612f1f0
Offizielle Website
Bild
Tragöß Oberort am Fuß der Meßnerin (unterhalb des Gipfels sichelförmig nach links gewandt die Abrisskante des prähistorischen Bergsturzes)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk
Pfarre Tragöss, Lith. um 1830, J.F.Kaiser, Graz

Tragöß ist ein Ort im Nordwesten von Bruck an der Mur in der Steiermark (Gerichtsbezirk Bruck an der Mur und im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag). Bis 31. Dezember 2014 war Tragöß eine selbständige Gemeinde mit 995 Einwohnern (Stand: 31. Oktober 2013).[1] Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark wurde sie mit der Gemeinde Sankt Katharein an der Laming zusammengeschlossen.[2] Die dadurch entstandene neue Gemeinde trägt den Namen Tragöß-Sankt Katharein. Grundlage dafür war das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.[3]

Eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof gegen die Zusammenlegung war nicht erfolgreich. Der Verfassungsgerichtshof wies die Beschwerde zurück.[4]

Geografie[Bearbeiten]

Tragöß liegt im Tal der Laming, die bei Bruck an der Mur in die Mürz mündet. Bruck an der Mur ist 24 Straßenkilometer entfernt. Tragöß-Oberort liegt am Talschluss; die umgebenden Berge Trenchtling (2081 m ü. A.), Pribitz (1579 m ü. A.) und Meßnerin (1835 m ü. A.) gehören zur Hochschwab-Gruppe.

Gliederung des Ortsgebiets[Bearbeiten]

Die Ort besteht aus den Katastralgemeinden (Fläche 2001):

  • Oberort (1.778,02 ha),
  • Schattenberg (8.229,14 ha) und
  • Sonnberg (1.044,42 ha).

Ortschaften sind (Einwohner 2011):

  • Oberort (380 Einw.),
  • Pichl-Großdorf (405),
  • Tal (112) und
  • Unterort (103).

Nachbargemeinden und -orte[Bearbeiten]

Wildalpen, Sankt Ilgen, Etmißl, Sankt Katharein an der Laming, Trofaiach, Vordernberg und Eisenerz (im Uhrzeigersinn).

Geschichte[Bearbeiten]

Vermutlich war Tragöß bereits von den Kelten bewohnt. Nach der Völkerwanderung wurde das Gebiet im 6. Jahrhundert durch Slawen besiedelt, die ihre Häuser nicht auf dem Talboden, sondern an den Hängen darüber errichteten. Auch der Name ist vermutlich slawischen Ursprungs: „tre“ für drei und „gozd“ für Wald; „Dreiwald“ bezieht sich möglicherweise auf die drei markanten Gipfel von Trenchtling, Meßnerin und Pribitz. Bis in das 19. Jahrhundert wurde das Gebiet von Tragöß-Oberort In der Lasnitz genannt. Dieser Name kommt aus dem Slawischen und wird mit „Waldbach“,[5] „Wiesenbach“ oder als Hinweis auf Gewässer in einem Rodungsgebiet übersetzt.[6] [7] [8]

Die im 9. Jahrhundert folgenden Bajuwaren und Franken besiedelten dagegen hauptsächlich den Talboden.

Zum ersten Mal wird der Ort in einer Urkunde vom 16. Mai 1023 erwähnt, die eine Schenkung des Kaisers Heinrich II. an das Frauenkloster Göß betrifft.

1210 wurde Tragöß eine eigene Pfarre. Es handelte sich um eine Lehenspfarre des Stiftes Göß; der Pfarrer war zugleich Verwalter für die Grundherrschaft. Die Konflikte, die sich daraus mit der Bevölkerung häufig ergaben, gipfelten 1493 in der Ermordung des Pfarrers Melchior Lang. Diese Tat wurde zur Grundlage des Romans „Die Gottsucher“ von Peter Rosegger. Der Totenschädel des Priesters mit der Wunde der Mordwaffe war auch noch nach 2000 in einem Glaskasten im Pfarrhof zu sehen. Die Säulen des Galgens, an dem die Täter hingerichtet wurden, sind im Galgenwald zwischen Großdorf und Tragöß/Oberort noch erkennbar.[9]

1654 erwarb das Stift Göß auch das Landgericht von der Stadt Bruck. Im 17. Jahrhundert wurde Tragöß von der Pest heimgesucht.

1816 und 1817 kam es zu schweren Missernten. Um Hilfe zu leisten, besuchte auch Erzherzog Johann das Lamingtal.

Religion[Bearbeiten]

92,0 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 3,2 % evangelisch, 4,2 % ohne religiöses Bekenntnis. Tragöß ist Sitz einer römisch-katholischen Pfarre.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nach 1869 nahm die Bevölkerung (damals 1033 Personen) kontinuierlich ab und erreichte 1910 mit nur 856 ihren niedrigsten Stand. Bis zur darauf folgenden Volkszählung 1923 erfolgte dagegen ein Zuwachs um 29,3 % auf 1107, auf den bis 1934 ein weiterer Zuwachs um 7,0 % auf 1184 folgte. Danach pendelte die Bevölkerung zwischen 1100 und 1180. Seit der Volkszählung 1991 ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Tragöß
Grüner See gegen Meßnerin im Mai 2007. Rechts ansteigend ist die Bergsturzmasse zu sehen
  • Heimatmuseum
  • Pfarrkirche St. Magdalena sowie Pfarrhof in Oberort
  • Filialkirche in Pichl
  • Ehemaliger Galgen im Galgenwald zwischen Pichl-Großdorf und Oberort-Tragöß

Naturdenkmal:

Bildung[Bearbeiten]

  • Gemeindekindergarten
  • Volksschule
  • Öffentliche Bücherei der Pfarre und Gemeinde

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister war bis 31. Dezember 2014 Rudolf Treutler von der Liste „Gemeinsam für Tragöß“ (GfT).

Der Gemeinderat bestand bis dahin aus 15 Mitgliedern und setzte sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Listen zusammen:

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Tragoss.jpg

Die amtliche Wappenbeschreibung (Blasonierung) lautet: „Im blauen Schild über grün geflutetem Schildfuß ein dreispitziger silberner Berg, belegt mit einem schwarzen Kesselhaken.“

Der Schildfuß mit seiner grünen Flutung (Wellen) bezeichnet den Grünen See, der dreizackige Felsen den Gebirgsstock der Meßnerin. Der Kesselhaken stammt aus dem Wappen des Kanonissenstiftes Göß bei Leoben, dem das Tragößtal seit dem Mittelalter bis zur Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahre 1848 zugehörte.

Historische Landkarten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Peter Rosegger: Roman „Der Gottsucher“. Auch sein Roman „Jakob der Letzte“ beschreibt die Gegend.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Land Steiermark: Endgültiger Bevölkerungsstand am 31.10.2013 (Excel-Datei, 85 KB; abgerufen am 2. Mai 2015)
  2. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  3. § 3 Abs. 1 Z 6 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 2.
  4. Beschluss des Verfassungsgerichtshofes vom 8. Oktober 2014, G 65/2014.
  5. Werner Tscherne: Von Lonsperch zu Deutschlandsberg. Herausgeber und Verleger: Stadtgemeinde Deutschlandsberg 1990. Keine ISBN. Seite 40. (ursprünglich z. B. „Lieznica“, „Luosniza“).
  6. An den Beispielen („Gereutbach“, „Rodebach“ usw.): Manfred Trummer: Slawische Steiermark = Leicht erweiterte Fassung des gleichnamigen Vortrags am Symposium „Fremd sein – beinander bleiben. Die slowenische Volksgruppe in Österreich“ im Rahmen der „Slowenischen Tage“ an der Karl-Franzens-Universität in Graz, 25.–28. März 1996. Aus: Christian Stenner (Hg.): Slowenische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten. Schriftenreihe Zur Kunde Südosteuropas II/23. Herausgegeben vom Institut für Geschichte der Universität Graz, Abteilung Südosteuropäische Geschichte, Univ.-Prof. Dr. Karl Kaser. Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar 1997, Seiten 15-34 (Beispiele: Seiten 21, 22 und 24). ISBN 3-205-98690-3.
  7. Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil I: Die Siedlungsgeschichte Kärntens von der Urzeit bis zur Gegenwart im Spiegel der Namen. Klagenfurt 1956. Herausgegeben vom Geschichtsverein für Kärnten in der Reihe Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, Band 50. Abgeleitet aus altslowenisch *lo(n)č(i)níca. Seiten 113, 158. Zitiert nach: Monika Voggenberger. Die slawischen Ortsnamen in Osttirol. Stichwort „Lasnitzen“.
  8. Monika Voggenberger. Die slawischen Ortsnamen in Osttirol. Salzburg 1983. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Kein Verlag, keine ISBN. Stichwort „Lasnitzen“.
  9. Willi Senft: Pfarrermord in Tragöß. In: Wochenzeitung Neues Land („Österreichische BauernZeitung“) vom 4. April 2003. 63. Jahrgang Nr. 14 Seite 21.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tragöß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien