Trage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Patient auf einer Fahrtrage

Der Begriff Trage (oder umgangssprachlich Tragbahre) bezeichnet eine Vorrichtung, mit der eine nicht gehfähige Person in zumeist liegendem Zustand von – je nach Ausführung – einem oder mehreren Helfer(n) transportiert werden kann.

Verwendung finden Tragen insbesondere im Rettungsdienst und Katastrophenschutz, aber z. B. auch im Sanitätswesen des Militärs. Dort dienen sie zur einfachen und dennoch schonenden Verlegung von Patienten.

Bei Tragen, die mit einem Fahrgestell ausgestattet sind, spricht man auch von „Fahrtragen“.

Der Begriff Bahre bezeichnet zwar speziell diejenigen Gestelle, auf denen Tote transportiert werden, jedoch werden „Trage“ und „Bahre“ umgangssprachlich oft synonym verwendet.

Rettungsdienst[Bearbeiten]

Stryker-Trage

Moderne Tragen verfügen über ein abnehmbares Fahrgestell (mit Rollen versehen), welches die Fortbewegung der Trage durch nur einen Helfer ermöglicht und die körperliche Belastung für die Helfer verringert. Zum Transport über Stiegen oder in unwegsamem Gelände sind jedoch nach wie vor stets mehrere Personen nötig. Generell sind Tragen dazu mit vier Haltegriffen für die Helfer versehen.

Beispiel für Nutzung im militärischen Sanitätsdienst: Sanitäter mit einem Patienten auf der Trage bei Passchendaele, August 1917 im Ersten Weltkrieg

Im modernen Rettungsdienst ist es notwendig, Tragen zu verwenden, welche gesteigerten Ansprüchen nicht nur an die Robustheit des Materials, sondern auch den Komfort und die Sicherheit des Patienten genügen. Zudem muss die Möglichkeit gegeben sein, den Kopfteil gegenüber dem Rumpf des Patienten erhöht zu lagern. Nach Möglichkeit soll das Fahrgestell durch unterschiedliche mögliche Stellungen verschiedenen typischen Situationen gerecht werden, etwa der Patienten-Umlagerung, der Bekämpfung eines Volumenmangelschocks durch Hochlagerung des Fußendes etc. Diese Tragen sind generell mit Polstermaterial versehen und erlauben auch die zusätzliche Verwendung einer Vakuummatratze oder anderer Immobilisationssets. Unterschiedliche Gurte tragen zur Sicherheit des Patienten beim Transport bei. Des Weiteren gibt es bereits für viele Tragen zusätzliche Infusionsständer oder auch Gerätehalterungen für Defibrillatoren, Beatmungsgeräte, Spritzenpumpen etc.

Wichtig und innerhalb Deutschlands durch Ländergesetze vorgeschrieben ist die bedarfsgerechte Desinfektion und Reinigung der Trage. Nur durch die Umsetzung der entsprechenden Hygienemaßnahmen können Schädigungen des nächsten Patienten vermieden werden.

Normen[Bearbeiten]

Es gibt für manche Bereiche genormte Ausführungen von Tragen, so schreibt die DIN 13024 die Basisanforderungen an Krankentragen im Zivil- und Katastrophenschutz vor. Dies erhöht die überregionale Kompatibilität des Hilfsgeräts der Einheiten. Tragen für militärische Sanitätsdienste entsprechen der Norm STANAG 2040. Fahrtragen sollen den Europäischen Normen EN 1789 und EN 1865 entsprechen.

Die EN 1865 schreibt u.A. gängige Mindestanforderungen für die Konstruktion von Krankentragen und andere Krankentransportmittel vor, die in Kranken- bzw. Rettungstransportwagen für die Behandlung und den Transport von Patienten eingesetzt werden. Gleichzeitig legt die EN 1789 die Anforderungen, Prüfung und Ausrüstung für den Transport und die Sicherheit von Patienten fest.

Wesentlicher Bestandteil der EN 1789 ist ein dynamischer Crash-Test bei dem das Fahrtragensystem mit einer g-Kraft von 10 in jede Richtung; vor-, rück-, seitwärts und senkrecht geprüft wird. Die Sicherheit des Patienten soll so im Falle eines Unfalls des Rettungswagens gewährleistet sein. Die Prüfung der Fahrtragen hinsichtlich des Verhaltens im Falle eines Crashs erfolgt mit Hilfe eines Rollwagens, der auf ca. 32 km/h beschleunigt und mit einer Verzögerungseinrichtung abgebremst wird. Die auftretende g-Kraft während der Verzögerung stellt hohe Anforderungen an das Tragensystem dar. Die Bilder zeigen den Prüfaufbau und die Fixierung der Fahrtragen auf dem Rollwagen.

Wenn eine Fahrtrage den Test besteht ohne die Parameter des Prüfaufbaus zu verletzen und nicht die Halterung verlässt, hat sie den dynamischen Test nach EN 1789 bestanden.

Andere Formen[Bearbeiten]

Kombitrage
  • Für die schonende, patientengerechte Rettung und Umlagerung von Traumapatienten (verletzte Personen, insbesondere bei Verdacht auf Wirbelsäulentrauma) kommen Schaufeltragen zum Einsatz.
  • So genannte Kombitragen vereinen Schaufeltrage und Tragestuhl. Eine solche Trage kann sowohl im ausgestreckten als auch im geknickten Zustand geteilt werden. Somit können Patienten sitzend aufgenommen und transportiert werden.

Hersteller[Bearbeiten]

Bekannte Hersteller von Tragen für den Rettungsdienstbedarf sind unter anderem die Firmen Ferno, Stryker sowie Stollenwerk.

Dt. Entwicklung zwischen 1871 und 1914[Bearbeiten]

Der Fortentwicklung im Sanitätswesen widmeten sich in Lübeck mehrere Militärs außer Dienst. Sie hatten die Mängel in den Jahren 1870/71 erlebt und bemühten sich um Verbesserungen. So tat sich u. a. Heinrich Kühne hierbei hervor.

Jährlich wurde die Kompetenz der Kolonne und deren Entwicklung mit Unterstützung des heimischen Regiments öffentlich mit einer Sanitätskolonnen-Uebung demonstriert.

Auf dem mittleren Bild steht rechts hinter dem hockenden Sanitäter jener Heinrich Kühne. So wurde beispielsweise ein Traggestell entwickelt, das bei der Übung von 1914 – der Transport erfolgte erst per Schiff, dann per Bahn – zuletzt öffentlich in Lübeck zu Friedenszeiten demonstriert wurde. Dieses wusste so weit zu überzeugen, dass die Lazarettzüge und -schiffe in den Ersten Weltkrieg mit Traggestellen des sogenannten Systems Lübeck zogen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: stretcher – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sanitätskolonnenübung auf der Palinger Heide. In: Vaterstädtische Blätter. 28. Juli 1907.
  2. Die Übungsfahrt der Sanitätskolonne. In: Von Lübecks Türmen. 30. Mai 1914.
  3. Die Einrichtung des Vereinslazarettzuges. In: Von Lübecks Türmen. 7. November 1914.
  4. Was die Lübecker Zeitungen stolz zu betonen wussten.