Traismauer

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Traismauer
Wappen von Traismauer
Traismauer (Österreich)
Traismauer
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Sankt Pölten-Land
Kfz-Kennzeichen: PL
Fläche: 43,03 km²
Koordinaten: 48° 20′ N, 15° 44′ O48.33333333333315.733055555556197Koordinaten: 48° 20′ 0″ N, 15° 43′ 59″ O
Höhe: 197 m ü. A.
Einwohner: 5.877 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 137 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3133
Vorwahl: 02783, 02276 (Gemeinlebarn)
Gemeindekennziffer: 3 19 43
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Straße 8
3133 Traismauer
Website: www.traismauer.at
Politik
Bürgermeister: Herbert Pfeffer (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(29 Mitglieder)
13 SPÖ, 8 ÖVP, 4 MIT, 3 FPÖ 1 BLT,
Lage der Stadt Traismauer im Bezirk Sankt Pölten-Land
Altlengbach Asperhofen Böheimkirchen Brand-Laaben Eichgraben Frankenfels Gerersdorf Hafnerbach Haunoldstein Herzogenburg Hofstetten-Grünau Inzersdorf-Getzersdorf Kapelln Karlstetten Kasten bei Böheimkirchen Kirchberg an der Pielach Kirchstetten Loich Maria-Anzbach Markersdorf-Haindorf Michelbach Neidling Neulengbach Neustift-Innermanzing Nußdorf ob der Traisen Ober-Grafendorf Obritzberg-Rust Prinzersdorf Pyhra Rabenstein an der Pielach Schwarzenbach an der Pielach Weinburg Statzendorf Stössing Traismauer St. Margarethen an der Sierning Weißenkirchen an der Perschling Wilhelmsburg (Niederösterreich) Wölbling St. Pölten NiederösterreichLage der Gemeinde Traismauer im Bezirk Sankt Pölten-Land (anklickbare Karte)
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Traismauer ist eine Stadtgemeinde mit 5877 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Sankt Pölten-Land in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Traismauer liegt im untersten Traisental in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 43,14 Quadratkilometer, 28,14 Prozent sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Frauendorf (194)
  • Gemeinlebarn (689)
  • Hilpersdorf (153)
  • Oberndorf am Gebirge (218)
  • St. Georgen an der Traisen (55)
  • Stollhofen (932)
  • Traismauer (2628)
  • Wagram ob der Traisen (656)
  • Waldlesberg (394)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Frauendorf, Gemeinlebarn, Hilpersdorf, Oberndorf am Gebirge, St. Georgen bei Wagram, Stollhofen, Traismauer, Wagram an der Traisen und Waldletzberg.

Geschichte[Bearbeiten]

In Niederösterreich liegend, teilt der Ort weitgehend die wechselvolle Geschichte Österreichs und kann auf eine historische Entwicklung von mehreren tausend Jahren zurückblicken. Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum und Standort des Reiterkastells Augustianis. Urkundlich wurde Traismauer erstmals 799 (Tresma) erwähnt. Nach der Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen wurde Traismauer im neuen Bairischen Ostland Sitz des Grenzgrafen Cadaloc, der im Zuge der letzten Kämpfe gegen die Awaren im Jahre 802 beim Castell Guntio fiel.[2] Graf Cadaloc ist in der Kirche St. Ruprecht in Traismauer bestattet.[3] 833 erfolgte in Traismauer die Taufe des Slawenfürsten Privina. Traismauer war in dieser Zeit Mittelpunkt der karolingischen Grafschaft zwischen Enns und Wienerwald und Sitz der zivilen und kirchlichen Verwaltung. Am 20. November 860 kam der Ort durch eine große Landschenkung König Ludwig des Deutschen an das Erzstift Salzburg und blieb in dieser Hand bis 1803.

Nach der Nibelungensage verweilte dort die Königstochter Kriemhild, ehe sie König Etzel entgegentrat. Markgraf Rüdiger von Traismauer, dessen Todesjahr im Totenbuch der Pfarre St. Andrä an der Traisen mit 1203 angegeben wird, war auch das historische Vorbild für Markgraf Rüdiger von Bechelaren im Nibelungenlied. Der Dichter des Nibelungen - Epos, Konrad von Fußesbrunnen (Feuersbrunn) , setzte damit seinem persönlichen Freund Rüdiger ein literarisches Denkmal. Um 1250, also in der Zeit des Interregnums, wurde Traismauer durch Raubritter schwer verwüstet. Im Jahre 1458 wurde Traismauer von Kaiser Friedrich III. das Marktrecht verliehen, 1517 erhielt der Markt von Erzbischof Leonhard von Keutschach das Wappen. Im 16. Jahrhundert hatte Traismauer auch seine eigene Gerichtsbarkeit. 1553 wurde der erste Schulbau begonnen, der 1555 fertiggestellt wurde - seit über 400 Jahren gibt es also in diesem Ort eine Schule. Um 1810 entstand die endgültige Fassung des Traismaurer Krippenspiels durch die Familie Scheibl. 1868 baute Franz Matthias Miller eine Mühle zu einem Stahlwerk aus, weitere Industrieanlagen wurden gegründet. 1885 konnte die Eisenbahnlinie Tulln - St.Pölten, an der Traismauer liegt, eröffnet werden. Die Stadterhebung erfolgte 1958.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Das Römertor in Traismauer
Skizze des Kastell Augustianis aus dem 1. bis 5. Jahrhundert
Schloss Traismauer
Römisch-katholische Pfarrkirche hl. Martin in der Katastralgemeinde Stollhofen
Die Donaubrücke „St. Georg“ in Traismauer

Religionen[Bearbeiten]

Die Stadtpfarrkirche ist dem Heiligen Rupert geweiht. Weiters gibt es die Pfarrkirche Stollhofen und die Ortskirche Gemeinlebarn. Für die Mitglieder der evangelischen Kirche gibt es im Hungerturm einen Betraum.

Politik[Bearbeiten]

Im Stadtgemeinderat gibt es bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung: SPÖ 13, ÖVP 8, MIT 4, FPÖ 2, BLT 1 sowie ein parteifreier Gemeinderat. Die ökologisch-konservative Bürgerliste lebenswertes Traismauer (BLT) ist seit der Wahl vom 6. März 2005 im Gemeinderat vertreten, die Liste Miteinander in Traismauer (MIT) seit der Wahl am 14. März 2010. Amtsleiter ist Herbert Schöffl.

Vor der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 7. April 2010 schien eine Zusammenarbeit von ÖVP, FPÖ und der Liste MIT gegenüber der SPÖ wahrscheinlich. Im Verlauf der Sitzung unterstützten dann zwei FPÖ-Mandatare den SPÖ-Kandidaten Herbert Pfeffer, der so Bürgermeister wurde, und Christian Ballmüller (FPÖ) wurde Vizebürgermeister. Ballmüller trat allerdings schon am 13. April wieder von seinem Amt zurück, legte auch alle Parteifunktionen und seine Parteimitgliedschaft in der FPÖ zurück, nachdem sein Naheverhältnis zur rechtsextremen Nationalen Volkspartei (NVP) bekannt geworden war[4].

Die Koalition zwischen SPÖ und FPÖ für die aktuelle Gemeinderatsperiode dauert auch nach einer im November 2010 erfolgten rechtskräftigen Verurteilung des lokalen FPÖ-Parteiobmannes weiter an. Der verurteilte FPÖ-Parteiobmann ist unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von der FPÖ-Bezirksorganisation seines Amtes enthoben worden. (http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/FP-Obmann-wollte-Sohn-erschiessen/7383820)

Bundesweit in die Schlagzeilen gelangte die SPÖ-FPÖ-Koalition neuerlich im Juni 2013, und zwar durch ein offen fremdenfeindliches Facebook-Posting eines FPÖ-Vorstandsmitgliedes, das national Schlagzeilen verursachte und einhellig auf Ablehnung und Kritik stieß. Dennoch hielt SPÖ-Bürgermeister Herbert Pfeffer an seiner Zusammenarbeit mit der FPÖ fest. (http://derstandard.at/1369362544549/Rassistisches-Posting-FPOe-Traismauer-entschuldigt-sich)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt ein rotes Schild mit Turm in Form Quadratenstein mit Schoßgattern und Zinnen. Auf einem grünen Hügel an einem Fluss mit natürlicher Farbe.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit kurzem besteht eine Städtepartnerschaft mit Ajtos, einer Stadt in Bulgarien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 188, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 168. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2470. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,35 Prozent.

Die größten Unternehmen der Stadt sind die Martin Miller GmbH, BÖHLER MILLER Messer und Sägen GmbH, Benda-Lutz Werke GmbH, Gutschermühle Traismauer GmbH und BEKUM Maschinenfabrik GmbH. Ein gesunder Branchen-Mix sowie gut funktionierende Nahversorgung prägen die Struktur der lokalen Gewerbetreibenden und der ansässigen Klein- und Mittelbetriebe.

Im Norden der Stadtgemeinde Traismauer befindet sich der Wirtschaftspark „Campus 33“, der im Mai 2011 eröffnet wurde. Mit der Vergrößerung des Wirtschaftsparkes wurde in 2011 begonnen, derzeit stehen weitere 8 Hektar Betriebsgebiet zur Betriebsansiedlung bereit.

Verkehr[Bearbeiten]

Traismauer befindet sich an der Kremser Schnellstraße (S33) (Teil des Wiener Autobahnringes "Regionenring") mit den Abfahrten „Traismauer Nord“ und „Traismauer Süd“ sowie seit 2010 mit der Donaubrücke St. Georg und dem Autobahnknoten Traismauer (B 43).

Schienenseitig ist die Stadt durch die Tullnerfelder Bahn erschlossen.

Durch aktuelle Verkehrsprognosen wird seit 2011 das Thema einer Umfahrung der LB43 diskutiert, dazu soll 2012 auch eine Volksbefragung abgehalten werden. Diese Volksbefragung endete mit einem klaren Nein zum Umfahrungsprojekt, wenngleich positive Sprengelergebnisse in Bereichen der Durchzugsstraßen erzielt wurden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Traismauer
  • Römertor (auch Wienertor, das größtenteils erhaltene ehemalige Osttor des Römerkastells)
  • Historischer Stadtkern
  • Spätgotische Pfarrkirche und Unterkirche (karolingische Grabkapelle und Mauerreste der Principia des Kastells)
  • Schloss Traismauer
  • Hungerturm (auch Reckturm, ein im Kern spätantiker Hufeisenturm)
  • Heimatmuseum im Hungerturm (wo auch das Traismaurer Krippenspiel aufbewahrt wird) mit dem Alten Schlosserhaus

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gedenktafel am Sterbehaus Kohls in Traismauer

Einige Söhne und Töchter der Stadtgemeinde haben beachtliche Leistungen vollbracht, zum Beispiel die Komponisten Franz Josef Aumann (1728–1797), der später als Kirchenmusiker in St.Florian wirkte und Theodor Berger (1905–1992), der in seiner Heimat weniger bekannt ist als in der Welt der Musik. Weitere Namen sind Prof. Mag. Friedl Mohr, Volksmusikforscher, Franz Friedrich Kohl (* 13. Jänner 1851 in St. Valentin; † 15. Dezember 1924 in Traismauer), Raimund Zoder (* 20. August 1882 in Wien; † 26. März 1963 ebenda; Aufzeichnung des Traismaurer Krippenspiels).

In Traismauer ist auch ein Aufenthalt des berühmten Künstlers Rudolf von Alt dokumentiert. Im Sturmjahr 1848 stellte sich Rudolf von Alt in Wien als Bürgergardist zur Verfügung. Seine Familie schickte er vorsichtshalber zu den Schwiegereltern nach Troppau. Als dann Mitte Oktober 1848 die Ereignisse in der Hauptstadt dem Bürgergardisten Alt zu radikal wurden, verließ er zusammen mit dem damals sechzehnjährigen Ludwig Passini fluchtartig Wien. In Traismauer nahmen sie zusammen ein Notquartier im Gasthof Hofkirchner (heute Gasthof zum Schwan). In seinen Lebenserinnerungen schrieb er dazu, „ich war im Jahr 1848 National-Gardist, aber ich ging sehr bald nach Traismauer, wo meine Leute wohnten“. Auf einem Briefkuvert hielt er die Situation in schneller Skizze fest und zeichnete auch in (mindestens) zwei dokumentierten Werken Bauernhäuser in Traismauer.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Verdiente Gemeindebürger werden durch Beschluss des Gemeinderats der Stadtgemeinde zu Ehrenbürgern ernannt, so die ehemaligen, bereits verstorbenen Stadtpfarrer Konsistorialrat Dechant Friedrich Klein und Monsignore Konsistorialrat Erzdechant Johann Oberbauer.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  3. Unterkirche auf der Webpräsenz der Gemeinde Traismauer
  4. Rücktritt eines rechten Nationalisten. In: Der Standard. 13. April 2010.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alois Mosser: Ein Jahrtausend kirchliches Leben in Traismauer. Ausstellungskatalog, Traismauer 1977, DNB 948488727.
  • Österreichisches Städtebuch. Band IV, Teil 3: Die Städte Niederösterreichs. Österrische Akademie der Wissenschaften, Wien 1982, ISBN 3-7001-0459-6.
  • Fritz Klein: Das alte Traismauer - Einiges aus vergangenen Tagen über Pfarre und Markt Traismauer. 1983, DNB 901232939.
  • Jochen Splett: Rüdigerstudien. Münster 1964.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Traismauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien