Trajtscho Kostow

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Trajtscho Kostow (bulgarisch Трайчо Костов, wissenschaftliche Transliteration Trajčo Kostov; * 17. Juni 1897 in Sofia; † 16. Dezember 1949 ebenda) war ein bulgarischer kommunistischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Kostow war zusammen mit Georgi Dimitrow einer der Gründer der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP) und seit 1924 Mitglied ihres Zentralkomitees. Während des Zweiten Weltkriegs leitete Kostow eine Partisaneneinheit in Bulgarien. Bis zur Wiederkehr Dimitrows aus dem sowjetischen Exil war er nach der Kommunistischen Machtergreifung am 9. September 1944 die führende politische Figur der BKP und spielte eine tragende Rolle an der Zerschlagung der politischen Opposition in unmittelbaren Zeitraum danach. Kostow leitete die Hinrichtungen und die Einsetzung der Volksgerichte, von denen 2.730 Menschen zum Tode und 1.305 zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, darunter 67 Parlamentsabgeordnete, alle Mitglieder der bulgarischen Regierungen zwischen 1941 und 3. September 1944 samt Ministerpräsidenten, die Regenten des Zaren (Kyrill von Bulgarien, Bogdan Filow und Nikola Michow), neun Staats- und Regierungssekretäre, die Verleger der großen Zeitungen und Zeitschriften, Intellektuelle, 47 Generäle und Offiziere.

Kostows Grab in Sofia

In den ersten Nachkriegsjahren genoss er in der BKP als Held des Widerstandes gegen Monarchie und deutsche Besatzung zunächst höchste Autorität. Nach Kritik an der sowjetischen Dominanz in der Wirtschaft der 1946 gegründeten Volksrepublik Bulgarien wurde ihm aber innerhalb der Partei nationalistische Gesinnung und intellektueller Individualismus vorgeworfen; Stalins Anhänger in Bulgarien befürchteten eine Entwicklung ähnlich wie in Jugoslawien, das sich unter Josip Broz Tito von der sowjetischen Führungsmacht emanzipiert hatte. Im Juni 1949 wurde Kostow wegen angeblicher Wirtschaftssabotage seiner Ämter enthoben, in einem stalinistischen Schauprozess zum Tod verurteilt und am 16. Dezember 1949 hingerichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Härtel, Roland Schönfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Pustet, Regensburg 1998, ISBN 3-7917-1540-2, S. 208–211.

Weblinks[Bearbeiten]