Trampen

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Anhalterinnen in Neuseeland

Trampen, gelegentlich auch Autostopp oder per Anhalter fahren (englisch hitchhiking), ist die in der Regel kostenlose Mitreise in einem fremden Kraftfahrzeug. Die Mitfahrt selbst bezeichnet man u.a. als Lift (britisches Englisch) oder Ride (amerikanisches Englisch).

Die englische Sinnentsprechung zum deutschen trampen ist das Verb to hitchhike. Mit einem Tramp meint man auf Englisch eher einen Wanderarbeiter.

Prinzip[Bearbeiten]

International bekannte Geste, um mitgenommen zu werden

Der Anhalter signalisiert seinen Mitfahrwunsch am Straßenrand in der Regel durch einen nach oben gestreckten Daumen. Oft werden vorbeifahrenden Kraftfahrzeugen auch beschriftete Schilder mit dem gewünschten Reiseziel entgegengehalten. Jedoch auch die Kraftfahrer können dem Tramper gewisse Informationen übermitteln; befindet sich der Tramper noch innerorts und deutet der Kraftfahrer mehrfach auf sein Lenkrad, so bedeutet das, dass er nicht aus dem Ort herausfährt. Eine weitere Möglichkeit für die Mitnahme ist es, die Fahrer der Kraftfahrzeuge bei passenden Gelegenheiten direkt anzusprechen; dies kann beispielsweise bei Tankstellen oder auf Autobahnraststätten erfolgen. In den Niederlanden gibt es spezielle, durch Schilder ausgewiesene Stellen für Tramper, die Liftershalte, die mit einer Haltebucht versehen sind und so problemloses Halten ermöglichen.

Neben dem Trampen per Auto hat auch das Schiffstrampen eine gewisse Verbreitung gefunden.[1]

Umweltfreundliches Reisen[Bearbeiten]

Da das Fahren per Anhalter nur geringfügig zusätzliche Abgase erzeugt, ist diese Form des Reisens sehr umweltfreundlich. Durch das Trampen werden vorhandene Kapazitäten besser genutzt. Wenn in allen Autos alle Sitzplätze gefüllt wären, dann wäre die Zahl der Autos auf den Straßen deutlich geringer. Die Fahrzeuge, die genutzt werden, fahren in der Regel ohnehin. Somit entstehen durch das zusätzliche Gewicht des Trampers und seines Gepäcks nur wenig weitere Schadstoffe und Treibhausgase.

Sicherheit[Bearbeiten]

Es gibt nur wenige Studien, in denen die Sicherheit des Trampens geprüft wurde. Eine Untersuchung der California Highway Patrol aus dem Jahre 1974 konnte kein höheres Risiko für Anhalter feststellen, Opfer eines Verbrechens zu werden.[2] Eine Studie des Bundeskriminalamts Wiesbaden stellte 1989 fest, dass das tatsächliche Risiko beim Trampen niedriger als allgemein vermutet ist. Die Autoren der Studie rieten daher nicht grundsätzlich vom Trampen ab. Zwar kommt es laut der Studie in manchen Fällen gegenüber Frauen zu anzüglichen Äußerungen und „dummen Sprüchen“, diesen seien sie jedoch auch im Alltag ausgesetzt. Gewalttaten seien sehr selten.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

In Deutschland war das Trampen bereits in den 1920er Jahren in der bündischen Jugend als billige Anreise zu Fahrten beliebt. Auch die Bezeichnung „Trampen“ war damals bereits bekannt. So schrieb und komponierte Werner Helwig, Mitglied des Nerother Wandervogels, 1929 das viel gesungene Lied Trampen wir durch Land.[5] Zudem publizierte Helwig 1930 in der Berliner Zeitschrift Der Querschnitt ein Gedicht unter dem Titel Automoral oder die Geistesverhärtung, das eine Art Typologie des angemessenen Trampverhaltens nach Automarken darstellt. Ein Beispiel:

„Im Ford empfiehlt es sich, ein Sportgesicht zu zeigen,
die Rennmaschine prägt von selbst die Züge,
im schlechten Wagen ist es gut zu grinsen,
schelmisch, wie auf verbotnem Weg ertappt,
sehr edlen Wagen doch geziemet Schwermut,
gelassne Müdigkeit, verhaltenes Interesse.“[6]

Zwei Jungen trampen in Kalifornien 1939.
Tramperin 1977
Trampen 1982, Florida Keys

In den 1960er und 1970er Jahren war das Trampen in vielen Ländern als preisgünstige Möglichkeit des Reisens vor allem unter jungen Menschen der Hippie-Generation besonders weit verbreitet. Das gewisse Abenteuer dieser Reiseform hatte dabei nicht selten einen Anteil an ihrer Attraktivität.

Die Zahl der Tramper an den Autobahnen und Fernstraßen scheint seitdem (insbesondere aber seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre) stark zurückgegangen zu sein, obwohl das Trampen zur Überwindung kurzer Strecken, wie beispielsweise von einem Dorf in die nächstgelegene Stadt, immer noch häufig genutzt wird.

Der Rückgang von Trampern in Deutschland ist auf eine höhere Verbreitung von Autos bei Heranwachsenden, die Einführung von Wochenendticket, Anrufsammeltaxis, Online-Mitfahrzentralen und Billigairlines, aber auch den stärkeren Drang nach Sicherheit zurückzuführen. Dies schließt sowohl körperliche Unversehrtheit als auch die Gewissheit pünktlicher Ankunft mit ein. Zum Teil dürfte dies auch auf die Anfang der 1990er Jahre aufkommenden neuen Versicherungsmodelle zurückzuführen sein, bei denen die möglichen Fahrzeuginsassen schon vorher festgelegt werden müssen. Trotzdem funktioniert das Trampen in Deutschland noch ziemlich gut, weil viele Autofahrer, die Anhalter mitnehmen, das Trampen aus ihrer Jugend kennen. Besonders in der DDR war das Trampen verbreitet und als normale Reiseform auch durch Soldaten der NVA angesehen.

Die Tramper-Bewegung der 1970er und 1980er Jahre war in der DDR vorrangig in der Blueser- oder Kundenszene verbreitet um der Enge des Alltags zu entfliehen. Hier und in anderen Ostblockländern orientierten sich die Tramper an den Freiheitsidealen der Hippie-Bewegung und wurde von den Regierungen und Staatssicherheitsdiensten dieser Länder dementsprechend als oppositionell eingestuft, da sie nicht dem verordneten Kulturmuster entsprachen und häufig politisch aktiv waren.

In anderen Ländern, wie z. B. in Irland[7] oder Tschechien ist das Trampen bis heute noch eine verbreitete Reiseform. Manchmal (nicht in Irland) ist auch eine Beteiligung an den Fahrtkosten üblich. In Rumänien geben Tramper dem Fahrer als eine Geste der Freundlichkeit ein bisschen Geld, was heutzutage in keinem Verhältnis mehr zu Transportpreisen von Zug oder Bus steht. In Zentralasien ist es sogar die Regel, dass Autofahrer durch die Mitnahme von Fahrgästen etwas dazuverdienen. In Kuba ist das Trampen gesetzlich vorgeschrieben. Das heißt, dass einheimische Autofahrer verpflichtet sind Tramper mitzunehmen, da die Automobile nicht den einzelnen Menschen, sondern der Gesellschaft gehören.

Die Deutsche Autostop Gesellschaft, Abgefahren e. V., erregte im August 2007 reges Medieninteresse.[8] Der Verein will das Trampen vom "Hippie-Mief" mit Hilfe des Internets befreien und das Trampen wieder populärer machen. Der Verein unterstützt diverse Projekte rund ums Thema Trampen und veranstaltet regelmäßig Trampertreffen in Deutschland, sowie seit 2008 eine jährliche deutsche Trampermeisterschaft.[9]

Der Roboter Hitchbot trampt seit Juli 2014 durch Kanada. Da er sich nicht selbstständig bewegen kann, ist er auf die Kooperation von Autofahrern angewiesen, um sein Ziel, von Halifax nach Victoria zu gelangen, zu erreichen.

Kommerzielle mediale Nutzung[Bearbeiten]

In mehreren europäischen Ländern wurde eine Reality TV-Programmreihe namens Peking Express ausgestrahlt, in der sich die von der Kamera begleiteten Teilnehmer schnellstmöglich als Tramper von Europa nach Asien bewegen sollen und ohne lokale Sprachkenntnisse und Wörterbücher auskommen mussten. Dabei mussten sie auch Unterkunft und Essen kostenlos organisieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Trampen – Reisen per Anhalter – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Trampen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: trampen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten]

  1. wdr.de Per Anhalter auf Deutschlands Flüssen, 17. Juli 2008
  2. California Crimes And Accidents Associated With Hitchhiking, California Highway Patrol, Operational Analysis Section. Archiviert vom Original am 17. Juni 2012. Abgerufen am 3. Mai 2013.  „No independent information exists about hitchhikers who are not involved in crimes. Without such information, it is not possible to conclude whether or not hitchhikers are exposed to high danger. However, the results of this study do not show that hitchhikers are over-represented in crimes or accidents beyond their numbers.“ 
  3. Trampen ohne großes Risiko bei Die Zeit, 1990.
  4. Joachim Fiedler et al: Anhalterwesen und Anhaltergefahren: unter besonderer Berücksichtigung des "Kurztrampens". Bundeskriminalamt Wiesbaden, Wiesbaden, Deutschland 1989.
  5. Wener Helwig: Carmina nerothana, Südmarkverlag, Heidenheim 1983, S. 40f.
  6. In: Der Querschnitt, Jg. 10 (1930), H. 6, S. 374f.; hier wiedergegeben nach Friedbert Aspetsberger: Arnolt Bronnen. Biographie. Böhlau, Wien 1995, S. 375.
  7. Irland als Trampland. Website von Hitchwiki.org. Abgerufen am 18. Mai 2013.
  8. Trampen soll wieder populärer werden (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, Tagesschau.de, 28. August 2007
  9. Webseite zur deutschen Trampermeisterschaft