Transamerica Airlines

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Transamerica Airlines
Transamerica Airlines Boeing 747
IATA-Code: TV
ICAO-Code: TVA
Rufzeichen: Transamerica
Gründung: 1948
Betrieb eingestellt: 1986
Sitz: Oakland
Heimatflughafen:

Flughafen Oakland

Mitarbeiterzahl: 1150
Flottenstärke: 24
Ziele: weltweit
Transamerica Airlines hat den Betrieb 1986 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.

Transamerica Airlines war eine US-amerikanische Fluggesellschaft, die ihren Betrieb im September 1986 eingestellt hat. Die Gesellschaft ging im Jahr 1979 aus der Umfirmierung der Trans International Airlines (TIA) hervor, die im Jahr 1948 unter dem Namen Los Angeles Air Service (LAAS) gegründet wurde. Das Unternehmen führte militärische und touristische Charterflüge sowie weltweite Luftfrachttransporte durch. Zudem war die Gesellschaft ab Mai 1979 auch im transatlantischen Linienflugverkehr tätig.

Los Angeles Air Service[Bearbeiten]

Der ehemalige Überführungspilot Kirk Kerkorian erwarb 1947 ein in Los Angeles ansäßiges Lufttaxi-Unternehmen, das neben zwei einmotorigen Flugzeugen auch eine Douglas DC-3 besaß.[1] Mit dieser wurden ab 1948 unter dem Namen Los Angeles Air Service (LAAS) Charterflüge vom Flughafen Burbank nach Las Vegas aufgenommen.[2] Noch im selben Jahr erfolgten mit weiteren Douglas DC-3 landesweite Bedarfsflüge (Ad-hoc-Charter). In der Folgezeit konnte die Gesellschaft nur langsam expandieren. Durch die Einstufung als Supplemental Airlines ("Zusatz-Fluggesellschaft") unterlag LAAS einer Reihe von staatlichen Reglementierungen, die eine Aufnahme von festen Charterflugverbindungen untersagten und damit eine langfristige Einsatzplanung unmöglich machten. In den 1950er-Jahren erwarb das Unternehmen zwar Flugzeuge der Typen Curtiss Commando, Douglas DC-4 und Lockheed Constellation, diese wurden aber an andere Fluggesellschaften verleast oder nach kurzer Einsatzdauer weiter verkauft.[3] Der Handel mit gebrauchten Flugzeugen wurde zu einem wichtigen Geschäft für die LAAS während der Flugbetrieb stagnierte.[4] Anfang 1960 bestand die Flotte des Unternehmens aus lediglich drei Flugzeugen.[5]

Im Jahr 1958 gewann die Gesellschaft erstmals eine Ausschreibung des US-Verteidigungsministeriums und führte mit Maschinen des Typs Douglas DC-6 von Dezember 1958 bis September 1959 transatlantische Charterflüge im Auftrag des Military Air Transport Service (MATS) zwischen der Charleston Air Base in South Carolina und der Nouasseur Air Base in Marokko durch.[6] In den folgenden Jahren wurde der MATS zum wichtigsten Kunden der LAAS. In Aussicht auf weitere lukrative Aufträge, die eine dauerhafte Auslastung der Flugzeuge ermöglichten, bestellte das Unternehmen im Jahr 1960 als erste Charterfluggesellschaft Düsenflugzeuge des Typs Douglas DC-8. Das erste Flugzeug wurde am 20. Juni 1962 ausgeliefert. Am 26. April 1963 erhielt die Gesellschaft als weltweit erstes Unternehmen eine DC-8 Jet Trader, die einen wahlweisen Transport von Fracht oder Personen erlaubte und somit den Anforderungen des MATS besser entsprach.[2] Die zunehmende Zahl an internationalen Flügen für das US-Militär führte dazu, dass die Los Angeles Air Service ihren Namen am 18. Juli 1960 in Trans International Airlines (TIA) änderte.

Trans International Airlines[Bearbeiten]

Eine Douglas DC-8-55CF der TIA auf dem Flughafen Berlin-Tegel im Jahr 1966.

Im Jahr 1960 nahm die Trans International Airlines im Auftrag des MATS erstmals Flugverbindungen nach Japan auf. Nachdem das Unternehmen im Jahr 1962 eine mit 6,4 Millionen US-Dollar notierte Ausschreibung gewonnen hatte, wurden regelmäßige Charterdienste von Kalifornien zu den US-Stützpunkten auf Hawaii, Guam und den Philippinen geflogen, die später bis nach Diego Garcia weitergeführt wurden.[7] Zudem führte die Gesellschaft während des Vietnamkriegs zahlreiche Truppentransporte sowie Versorgungs- und Evakuierungsflüge durch.[8][9] Zwischen den Aufträgen verleaste TIA nicht benötigte Flugzeuge an andere Fluggesellschaften, unter anderem an die Lufthansa und die Canadian Pacific Airlines.[2]

Am 5. Oktober 1962 wurde die Fluggesellschaft zum Preis von 10 Millionen US-Dollar vom Automobilkonzern Studebaker Corporation erworben und verlegte im Anschluss den Firmensitz nach Oakland.[10] Kirk Kerkorian blieb nach dem Verkauf weiterhin als Geschäftsführer tätig. Nachdem der Autohersteller Studebaker Ende 1963 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, erwarb er das Unternehmen 1964 zurück und brachte es 1965 an die Börse. Im Jahr 1968 veräußerte Kerkorian seine Mehrheitsbeteiligung zum Preis von 104 Millionen US-Dollar an den Finanzkonzern Transamerica Corporation, der damit zum neuen Haupteigentümer der Gesellschaft wurde.[11][4]

Die Trans International Airlines führte ab 1965 transatlantische Charterflüge für Reisegruppen und Vereine durch (Affinity-Group-Charter), deren Genehmigung aber zeitlich befristet war und zunächst jährlich erneuert werden musste. Da zudem ein Einzelverkauf von Tickets nicht möglich war, gründete das Unternehmen eigene Reiseklubs, über die preisgünstige Urlaubsreisen nach Asien und Europa für Klubmitglieder vermarktet wurden.[12] Nach dem Verkauf der Gesellschaft gewannen diese Charterdienste zunehmend an Bedeutung. Um die Auslastung der Langstreckenflüge zu verbessern, richtete TIA im Jahr 1968 einen landesweiten Zubringerverkehr mit Maschinen des Typs Boeing 727 ein.[13] Ende der 1960er-Jahre wurde das Unternehmen zum Marktführer auf den transatlantischen Charterrouten und bestellte drei Großraumflugzeuge des Typs Douglas DC-10, die ab dem 5. Mai 1973 zum Einsatz kamen.[14][15] Neben den touristischen Charterflügen entwickelten sich zivile Frachttransporte zu einem wichtigen Geschäftsbereich. Im Jahr 1976 erwarb das Unternehmen die US-Frachtfluggesellschaft Saturn Airways. Durch die Fusion der beiden Gesellschaften am 30. November 1976 wurde die Trans International Airlines kurzzeitig zum weltweit größten Betreiber von Frachtflugzeugen.[15] Infolge der im Jahr 1978 eingeleiteten Deregulierungen im US-Luftverkehr konnte das Unternehmen ab dem 1. Mai 1979 auch transatlantische Linienflugverbindungen aufnehmen.[16]

Transamerica Airlines[Bearbeiten]

Ein Frachtflugzeuge des Typs Lockheed L-100, das von der Saturn Airways übernommen wurde.

Nach der Aufnahme des Linienflugverkehrs von Los Angeles und New York nach Shannon und Amsterdam wurde die Trans International Airlines am 1. Oktober 1979 in Anlehnung an den Mutterkonzern zur Transamerica Airlines umfirmiert.[15] Werksneue Boeing 747 lösten die vorhandenen Flugzeuge der Typen Douglas DC-8 und Douglas DC-10 ab Mitte 1979 auf den transatlantischen Strecken ab. Auch nach der Aufnahme des Linienflugbetriebs führte die Gesellschaft weiterhin touristische und militärische Charterdienste sowie Frachtflüge durch. Unter anderem setzte das Unternehmen seine Flugzeuge für Schwerlasttransporte in Guatemala, Neuguinea und im Sudan zur Erschließung von Erdölfeldern ein. Für diese Charteraufträge wurden Frachtmaschinen des Typs Lockheed L-100 langfristig in die Einsatzgebiete verlegt.[17]

Anfang der 1980er-Jahre konzertierte sich der Finanzdienstleister Transamerica Corporation verstärkt auf sein Kerngeschäft und begann damit, unwirtschaftliche Tochterunternehmen zu veräußern. Nachdem die Transamerica Airlines im Geschäftsjahr 1985 einen Verlust in Höhe von sechs Millionen US-Dollar eingeflogen hatte, suchte der Mutterkonzern einen Käufer für die Fluggesellschaft.[18] In Ermangelung eines Investors und wegen steigender Verluste erfolgte am 30. September 1986 die Einstellung des Flugbetriebs. Die Flugzeuge wurden im Anschluss verkauft, unter anderem an die Southern Air Transport, die zwölf Lockheed L-100 erwarb.[19]

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Am 8. September 1970 stürzte eine Douglas DC-8-63CF (N4863T) der Trans International Airlines nach dem Start vom John F. Kennedy International Airport aufgrund eines blockierten Höhenruders ab. Alle 11 Personen an Bord der Frachtmaschine kamen ums Leben.[20]
  • Am 18. November 1979 meldete eine von der Nellis Air Force Base gestartete Lockheed L-188CF (N859U) der Transamerica Airlines einen Elektronikausfall an Bord. Während des eingeleiteten Sinkfluges wurde das Flugzeug zu schnell und zerbrach in der Luft. Die drei Besatzungsmitglieder wurden bei dem Unfall getötet.[21]
  • Am 23. August 1980 kollidierte eine Lockheed L-100-30 (N18ST) der Transamerica Airlines während des Fluges über Kalifornien mit einem Fallschirmspringer, der dabei getötet wurde. Das Flugzeug wurde nur gering beschädigt.[22]
  • Am 27. August 1983 prallte eine Lockheed L-100-30 (N17ST) der Transamerica Airlines nahe der Stadt Dundo in Angola bei schlechten Sichtverhältnissen gegen einen Berg. Alle sieben Insassen der Maschine kamen ums Leben.[23]
  • Am 29. Dezember 1984 wurde eine Lockheed L-100-30 (N24ST) der Transamerica Airlines bei einem Feuergefecht auf dem Flughafen Cafunfo in Angola beschädigt. Die Maschine musste als Totalverlust abgeschrieben werden. Personen wurden nicht verletzt.[24]

Eingesetzte Flugzeuge[Bearbeiten]

Eine McDonnell Douglas DC-10 der TIA im Jahr 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Transamerica Airlines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Los Angeles Times, 9. Juni 2005 [1]
  2. a b c Flight International, 15. April 1965, S. 604 [2]
  3. Non-Sked Airlines - A selection of photographs [3]
  4. a b Gambling in America, William N. Thompson, 2001 [4]
  5. Flight International, 8. April 1960, S. 504 [5]
  6. 351 F.2d 1001, No. 271-60, United States Court of Claims, October 15 1965 [6]
  7. Flight International, 28. Juni 1962, S. 1002 [7]
  8. Going Home Jun66 [8]
  9. Flight International, 30. Mai 1963, S. 774 [9]
  10. Time Magazine, 19. Oktober 1962 [10]
  11. New York Times, 22. Dezember 1990 [11]
  12. Die Zeit, 5. Januar 1968 [12]
  13. Flight International, 17. Juni 1971, S. 886 [13]
  14. Der Spiegel, Ausgabe 48, 25. November 1968 [14]
  15. a b c McDonnell Douglas DC-10, Günter Endres, Osceola 1998, S. 105
  16. Flugpläne der Transamerica Airlines, diverse Ausgaben [15]
  17. Flight International, 15. Januar 1983, S. 886 [16]
  18. Los Angeles Times, 23. August 1986 [17]
  19. jp airline-fleets international, Edition 87/88
  20. Aviation Safety Network, 8. September 1970 [18]
  21. Aviation Safety Network, 18. November 1979 [19]
  22. Aviation Safety Network, 23. August 1980 [20]
  23. Aviation Safety Network, 27. August 1983 [21]
  24. Aviation Safety Network, 29. Dezember 1984 [22]
  25. jp aircraft-markings, jp airline-fleets international, diverse Jahrgänge
  26. Flight International, diverse Jahrgänge