Transitivität (Grammatik)

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Transitivität (von lat. trānsitiō, hinübergehen, Übergang, auch: zielend) ist eine beschreibende Eigenschaft von Verben. Sie gibt an, wie viele Argumente ein Verb verlangt. Als transitiv werden Verben bezeichnet, die zwei Argumente verlangen, im Deutschen wären das beispielsweise alle Verben, die in einem unmarkierten, aktivischen Satz sowohl Subjekt als auch ein Objekt benötigen, damit ein Satz, der mit diesem Verb gebildet wird, grammatisch ist. Als intransitiv werden Verben bezeichnet, die nur ein Argument benötigen. Benötigt ein Verb drei Argumente, so ist es ditransitiv. In der traditionellen Schulgrammatik ist ein Verb dagegen transitiv, wenn sein Objekt den Kasus Akkusativ trägt.

Einführung[Bearbeiten]

Die Transitivität ist eine Eigenschaft, die der Klassifizierung von Verben dient. Im Allgemeinen gibt die Eigenschaft an, wie viele Mitspieler (Argumente) ein Verb verlangt. Die Eigenschaft der Transitivität ist eine spezielle, traditionell jedoch nur für Verben verwendete Form der Valenz.

Helmut Glück (2005) definiert den Terminus transitiv als eine syntaktisch begründete Klasse von Verben, deren bezeichnende Eigenschaft es ist, über ein obligatorisches oder fakultatives Objekt zu verfügen.[1]

Verben sind Prädikate, die, je nach intendierter Bedeutung, verschiedene Argumente benötigen. Als Argument bezeichnet man dabei die Mitspieler, die den mit dem Verb beschriebenen Sachverhalt näher spezifizieren. Dazu zählen beispielsweise Subjekt oder Objekt. Da alle Mitspieler von Prädikaten Argument genannt werden, wird im folgenden der Terminus verbales Argument verwendet, um hervorzuheben, dass es hier um die Mitspieler von Verben geht, nicht etwa um die Mitspieler von Adpositionen oder prädikativen Nomen.

Eine Diskrepanz bei der Beschreibung der Transitivität in der Grammatik ergibt sich auch aus unterschiedlichen Lehrmeinungen. Hier stehen sich vor allem die schulgrammatische Sicht und die der allgemeinen Linguistik gegenüber.

Transitivität in der Schulgrammatik[Bearbeiten]

In der traditionellen Schulgrammatik wird Transitivität über die Eigenschaft eines Verbs, den Kasus Akkusativ zu regieren, definiert. Ein Verb ist demnach transitiv, wenn einer seiner Mitspieler den Kasus Akkusativ trägt.[2][3]

Ein weiteres Kriterium in der schulgrammatischen Sicht ist die Passivierbarkeit. Ein Verb ist demnach transitiv, wenn es in ein Vorgangspassiv gesetzt werden kann, bei dem das (Akkusativ-) Objekt zum Subjekt wird.[3]

Transitivität in der allgemeinen Sprachwissenschaft[Bearbeiten]

In der allgemeinen Sprachwissenschaft dagegen ist die Transitivität eines Verbs weniger klar ersichtlich. Während bei der schulgrammatischen Perspektive der Akkusativ ad hoc als Kriterium der Bestimmung der Transitivität dient, wird er in der linguistischen Perspektive als Folge der transitiven Eigenschaft einer Konstruktion betrachtet. In der Sprachwissenschaft werden die Kasus erst über die Eigenschaft der Transitivität definiert. Damit wird gewährleistet, dass sich auch bei Sprachen, die über keinen Akkusativ verfügen (wie Ergativsprachen) eine Eigenschaft der Transitivität definieren lässt, was nach der schulgrammatischen Perspektive nicht möglich ist.

Verbale Argumente[Bearbeiten]

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Um die Transitivität eines Verbs zu bestimmen, ist es zunächst erforderlich, festzulegen, was ein verbales Argument ist. Dazu gibt es verschiedene Kriterien, welche, je nach Analyse, unterschiedlich gewichtet sein können.

Kasusrektion[Bearbeiten]

Ein wichtiges Kriterium bei der Bestimmung von verbalen Argumenten ist die Kasusrektion. Speziell geht es dabei um die Frage, welches Satzelement welchen Kasus woher bekommt. Bei der Bestimmung der Transitivität sind die relevanten Satzelemente die Nominalphrasen (NP) bzw. in einigen modernen Theorien die Determiniererphrasen (DP)[4] (im Folgenden wird NP verwendet). Entscheidend ist hierbei, dass die NP ihre Kasus vom Verb oder einer funktionalen Satzkategorie zugewiesen bekommen.

Je nach theoretischem Ansatz stammen die Kasus verbaler Argumente vom Verb selbst (eher deskriptive Ansätze) oder von abstrakten syntaktischen Kategorien (generative Ansätze) wie I/T oder v. Die Kasus anderer NP werden von anderen Kategorien zugewiesen, beispielsweise von anderen Nomen, oder von Adpositionen. Um dies zu verdeutlichen, seien folgende Beispiele aus dem Deutschen gegeben:

die Fensterscheibe, ich und das Kind sind jeweils NP, sehen ist ein Verb, mit und durch sind Präpositionen.

Ein einfacher Satz wäre

(1) Ich sehe das Kind.
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ

Ich steht im Nominativ, das Kind steht im Akkusativ, ich ist in diesem Beispiel das Subjekt, das Kind das Objekt. Die Kasus beider NP sind fest, können also nicht verändert werden:

(2) a. * Mir sehe das Kind
ich.Dativ Verb Kind.Akkusativ
b. * Ich sehe dem Kind
ich.Nominativ Verb Kind.Dativ

Diese Unveränderlichkeit ist ein Zeichen dafür, dass die Kasus der NP fest mit dem Verb bzw. mit der Position der NP im Satz verbunden sind. Anmerkung: Das Zeichen Asterisk (*) vor einem Satz bedeutet, dass der Satz ungrammatisch ist.

Ergänzt man den Satz um eine weitere NP (die Fensterscheibe), so wird der Satz zunächst ungrammatisch:

(3) * Ich sehe das Kind die Fensterscheibe
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ Fensterscheibe.Akk/Nom

Damit der Satz mit der Ergänzung grammatisch wird, ist es nötig, die NP die Fensterscheibe mit einer Präposition zu versehen. Dadurch erhält sie einen Kasus, der wiederum unveränderlich ist:

(4) a. Ich sehe das Kind mit der Fensterscheibe
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ Präp Fensterscheibe.Dativ
b. * Ich sehe das Kind mit die Fensterscheibe
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ Präp Fensterscheibe.Akkusativ

Im ersten Beispiel ist der Satz grammatisch. Die Präposition mit vergibt an die NP die Fensterscheibe den Kasus Dativ, welcher an der NP korrekt realisiert ist. Im zweiten Beispiel trägt die NP den Kasus Akkusativ, wodurch der Satz wiederum ungrammatisch wird. Ersetzt man die Präposition mit durch die Präposition durch, verändert sich der Kasus der NP die Fensterscheibe:

(5) a. * Ich sehe das Kind durch der Fensterscheibe
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ Präp Fensterscheibe.Dativ
b. Ich sehe das Kind durch die Fensterscheibe
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ Präp Fensterscheibe.Akkusativ

Dieses Beispiel zeigt, dass der Kasus der NP die Fensterscheibe nicht an die Position im Satz gebunden ist, wie es bei den NPn ich und das Kind der Fall ist, sondern an die vorangestellte Präposition. Für die Frage nach der Transitivität sind nur die NPn von Bedeutung und damit verbale Argumente, die ihren Kasus vom Verb bzw. durch ihre Stellung im Satz zugewiesen bekommen. Im obigen Beispiel wären ich und das Kind verbale Argumente, die Fensterscheibe jedoch nicht.

Gleichwohl es in den meisten Nominativsprachen der Fall ist, muss das Objekt nicht zwangsweise im Akkusativ stehen. Ersetzt man im Beispiel das Verb sehen durch die Verben gedenken oder helfen, ändert sich der Kasus des Objekts zu Genitiv bzw. Dativ:

(6) a. Ich gedenke des Kindes
ich.Nominativ Verb Kind.Genitiv
b. Ich helfe dem Kind.
ich.Nominativ Verb Kind.Dativ
* Ich helfe das Kind.
ich.Nominativ Verb Kind.Akkusativ

Am Satz in (6b) zeigt sich, dass der Kasus des Objekts nicht veränderlich ist. Er ist also an die Struktur bzw. an das Verb gebunden.

Kasusrektion allein ist nicht ausreichend, um den Status eines Satzelements als verbales Argument eindeutig zu bestimmen. Zunächst gibt es viele Sprachen, die keinen Kasus an der NP selbst markieren (wie zum Beispiel das Englische), daneben gibt es Verben, die aufgrund ihrer Bedeutung keine Np sondern beispielsweise ganze (Neben-)Sätze oder auch Präpositionalphrasen einbetten, die trotzdem als verbale Argumente gelten. Kasusrektion ist also kein eineindeutiges Mittel der Bestimmung verbaler Argumente, sondern ein implizites: Hat eine NP einen festen durch das Verb bedingten Kasus, ist es ein verbales Argument, nicht aber unbedingt umgekehrt.

Grammatikalität und Tilgung[Bearbeiten]

Ein weiteres Mittel, den Status eines Satzgliedes als verbales Argument zu bestimmen, ist das Überprüfen, ob sich die Grammatikalität und grundlegende Bedeutung des Satzes ändert, wenn man eines der Satzglieder weglässt. Kann man das Satzglied weglassen, ohne dass der Satz ungrammatisch wird oder eine völlig neue Bedeutung impliziert, ist das Weggelassene kein verbales Argument.

Auch dazu einige Beispiele aus dem Deutschen zur Illustration: ich, der Mann und das Buch sind NP, geben, lesen und denken sind Verben.

(7) Ich gebe dem Mann das Buch

ist ein völlig grammatischer Satz des Deutschen. Lässt man eine der NPs weg, wird der Satz ungrammatisch:

(8) a. * Gebe dem Mann das Buch
b. * Ich gebe das Buch
c. * Ich gebe dem Mann

Ein Verb wie denken verlangt neben der Subjekt-NP in seiner Bedeutung, bei der ein Sachverhalt für wahr gehalten wird, einen Satz als Mitspieler:

(9) Ich denke, dass der Mann das Buch liest.

Lässt man den Nebensatz weg, oder setzt eine einfache NP ein, ändert sich die Bedeutung des Verbs grundlegend (gekennzeichnet in Beispielsätzen durch das Zeichen Raute, #) bzw. der Satz wird ungrammatisch:

(10) a. # Ich denke
b. * Ich denke der/dem Mann

Im ersten Satz wird das Verb denken ohne zusätzliche Kontextinformationen völlig anders interpretiert als beim Satz oben. Durch das Weglassen des eingebetteten Satzes änderte sich seine Bedeutung grundlegend.

Im folgenden Beispiel ist ebenfalls ein Satz in einen anderen eingebettet:

(11) Ich gebe dem Mann das Buch, das ich gelesen habe.

Lässt man hier den Nebensatz weg, ändert sich die intendierte Bedeutung des Verbs selbst nicht:

(12) Ich gebe dem Mann das Buch

Ähnlich verhält es sich mit adverbialen Ergänzungen:

(13) a. Ich habe gestern das Buch gelesen
b. Ich habe das Buch auf dem Sessel gelesen
c. Ich habe das Buch gelesen

Ein Satzglied oder Satz ist nur dann ein verbales Argument, wenn durch sein Weglassen der Gesamtsatz ungrammatisch wird oder sich die Bedeutung des Verbs grundlegend ändert. Problematisch ist dabei Frage, was „grundlegend“ bedeutet. Darüber ist man sich nicht abschließend einig. So ist unklar, ob sich die Bedeutung eines Verbs wie essen grundlegend ändert, wenn man dazusagt, was gegessen wird oder nicht. Ähnlich verhält es sich mit allen Verben, die man mit oder ohne Objekt verwenden kann:

(14) a. Der Mann liest das Buch
b. # Der Mann liest

Liegt das Hauptaugenmerk des ersten Satzes darauf, dass der Mann das Buch liest, und nicht etwa eine Zeitung, steht im zweiten Satz nur die Tatsache im Vordergrund, dass der Mann überhaupt liest. Syntaktisch wie semantisch betrachtet geht man meist davon aus, dass es sich beim ersten lesen um ein anderes Wort handelt als das lesen im zweiten Satz.

Nicht zu verwechseln ist die Tilgung von Argumenten mit der Ellipse. In der Theorie geht man davon aus, dass bei einer Ellipse die ausgelassene Information indirekt doch verfügbar und syntaktisch im Satz integriert ist, jedoch nur nicht ausgesprochen wird. So ist beispielsweise der Satz b. im Dialog (15) syntaktisch betrachtet nicht derselbe Satz wie der in (10b), auch wenn er dieselbe Kette von Lauten beinhaltet:

(15) a. Wer, glaubst du, liest das Buch?
b. Ich denke, der Mann (…ist es, der das Buch liest)

Thematische Rollen[Bearbeiten]

Ein vor allem in funktionalen Theorien herangezogenes Kriterium bei der Festlegung von verbalen Argumenten ist die Vergabe von semantischen (bzw. thematischen) Rollen sowie Theta- oder Θ-Rollen (zur Unterscheidung siehe den verlinkten Artikel).

Argumentkodierung am Verb[Bearbeiten]

Bei weitem nicht alle Sprachen realisieren alle Argumente des Verbs in eigenen Wörtern oder Phrasen. Auch ist es nicht selten, dass Sprachen keinerlei Kasusmarkierungen aufweisen. Manche dieser Sprachen kompensieren diesen Umstand dadurch, dass sie die Mitspieler des Verbs in Form von Klitika oder Flexionsaffixen am Verb selbst markieren.

So genannte Pro-Drop-Sprachen haben die Eigenschaft, pronominale Subjekte nicht in Form von eigenständigen Pronomen zu realisieren sondern durch an das Verb angehängte Klitika oder Affixe. Ein Beispiel für eine solche Sprache ist das Italienische:

(15) t -i am -o
du -Akkusativ lieben -ich.Nominativ
Ich liebe dich.

Andere Sprachen markieren neben dem Subjekt auch das Objekt am Verb selbst, sofern das Verb eines verlangt. Ein Beispiel dafür ist die Algische Sprache Yurok[5]

(16) ko'moy -oc -ek'
sehen -du.Akkusativ -ich.Nominativ
Ich sehe dich.

Eine kleine Gruppe von Sprachen markiert neben Subjekt und indirektem Objekt, auch das direkte Objekt zusätzlich am ditransitiven Verb, wie zum Beispiel die Sprache Lakota:

(17) ni -wícha -wa -kʔu
2.Singular.Dativ -3.Plural.Akkusativ -1.Singluar.Nominativ -geben
Ich gebe sie Dir.

Trägt in einer solchen Sprache das Verb eines aktivischen Satzes nur eine Kongruenzmarkierung, handelt es sich um ein intransitives Verb, trägt es zwei um ein transitives, bei drei Markern um ein ditransitives Verb. Anzumerken ist jedoch, dass es sich bei diesen Markern auch um optionale Argumente handeln könnte, welche dann jedoch meist in anderer Form erscheinen als die Marker, die obligatorische Argumente kodieren. Ebenfalls können obligatorische Argumente in solchen Sprachen oberflächlich betrachtet unmarkiert sein. In solchen Fällen steht kein Affix für das entsprechende Argument am Verb, dem Kontext entsprechend muss dieses Argument jedoch logisch vorhanden sein. In solchen Fällen geht man von der Existenz eines so genannten Nullmorphemes aus, das Argument ist demnach durch das Fehlen eines eigenen Markers markiert. Solche Nullmorpheme treten in den Sprachen der Welt meist an kanonischen Positionen auf. Objekte eines Satzes haben zumeist die Eigenschaft unbelebt zu sein, da Objekte im Normalfall die Dinge sind, mit denen etwas gemacht wird. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlicher, dass das Objekt in der dritten Person steht. Umgekehrt ist es ungewöhnlich, wenn das Objekt in der ersten oder zweiten Person steht, da hier ein belebtes Ding zum passiven Teil einer Handlung degradiert wird. Man sagt dann, dass ein Objekt in der dritten Person kanonisch ist, während ein Objekt in der ersten oder zweiten Person unkanonisch ist. Aus Gründen der Sprachökonomie werden solche kanonischen Konstellationen meist nicht explizit markiert. Unkanonische Konstruktionen werden dagegen tendenziell stärker markiert, beispielhaft für solche expliziten Markierungen sei hier die Inversmorphologie genannt.

Festlegung der Transitivität eines Verbs[Bearbeiten]

Anhand der oben genannten Kriterien lässt sich einigermaßen sicher die Wertigkeit eines Verbs feststellen, wobei allerdings auf Grund der unterschiedlichen Probleme und Schwammigkeiten dieser Eigenschaften, vor allem bei weniger gut dokumentierten Sprachen, selten eindeutige Urteile gefällt werden können. Folgende Begriffe lassen sich daraus definieren:

  • Benötigt ein Verb kein obligatorisches Argument, nennt man es nullwertig, Beispiele: regnen, schneien
  • Benötigt ein Verb genau ein obligatorisches Argument, ist es intransitiv, Beispiele: rennen, stürzen
  • Benötigt ein Verb genau zwei obligatorische Argumente, ist es transitiv, Beispiele: sehen, lieben
  • Benötigt es drei Argumente, ist es ditransitiv, Beispiele: geben, schenken

Umstritten ist, ob es Verben gibt, die mehr als drei obligatorische Argumente benötigen.

Transitivität im weiteren Sinne[Bearbeiten]

Wie eingangs erwähnt, wird der Begriff der Transitivität fast ausschließlich auf die Wertigkeit von Verben bezogen. Im eigentlichen Sinne besitzen jedoch alle Prädikate in einer Konstruktion eine Eigenschaft der Transitivität.

Verben werden meist als zentrales strukturbildendes Element eines (Teil-)Satzes betrachtet. Die Wertigkeit des Verbs gibt die Wertigkeit der gesamten Konstruktion vor, so wird beispielsweise eine Konstruktion, der ein ditransitives Verb zu Grunde liegt, als Ditransitiv-Konstruktion bezeichnet. In der Schulgrammatik wird aufgrund der zentralen Bedeutung des Verbs oder Verbkomplexes für einen Satz daher auch der Begriff „Prädikat des Satzes“ verwendet, obwohl jedes Element eines Satzes ein Prädikat im sprachwissenschaftlichen Sinne sein kann.

Nicht zu verwechseln ist der linguistische Begriff der Transitivität mit der in der Logik und Mathematik verwendeten Eigenschaft von Relationen über Mengen. Aus den beiden Sätzen

(18) Fritz ärgert Peter

und

(19) Peter ärgert Maria

folgt nicht automatisch, dass Fritz Maria ärgert, auch wenn es sich bei und Peter in beiden Sätzen um dasselbe Individuum und bei ärgern in beiden Sätzen um dasselbe transitive Prädikat handelt. Im mathematischen Sinne folgt aus

(20) P(x,y)

und

(21) P(y,z)

zwingend, dass P(x,z) gilt, sofern x,y,z in derselben Bezugsmenge enthalten sind und P eine transitive Relation über dieser Bezugsmenge ist.

Bedeutung der Transitivität[Bearbeiten]

In der Linguistik kommt der Eigenschaft der Transitivität einer Konstruktion eine zentrale Rolle bei der Bestimmung der Kasusaliinierung einer Sprache zu. So lässt sich erst, wenn man transitive und intransitive Verben einer Sprache kennt, sagen, ob eine Sprache eine Akkusativsprache, eine Ergativsprache, eine Aktivsprache, eine Sprache mit neutraler Aliinierung, eine Sprache mit hierarchischer Ausrichtung oder eine Ergativ-Akkusativ-Sprache ist und demnach, über welche Kasus sie gegebenenfalls verfügt.

Wird beispielsweise das einzige Argument eines intransitiven Verbs mit einem Kasus markiert, der dem Kasus entspricht, welcher auch am Objekt eines transitiven Verbs, nicht aber an dessen Subjekt auftaucht, so handelt es sich bei dem Kasus um den so genannten Absolutiv (in manchen Lehren auch Nominativ) und bei der Sprache um eine ergativische Sprache. Der Kasus des Subjektes eines transitiven Verbs in solch einer Sprache wird Ergativ genannt und gibt dem Typ der Sprache seinen Namen. Haben dagegen die Subjekte von transitiven und intransitiven Verben denselben Kasus und unterscheidet sich dieser von dem des Objektes eines transitiven Verbs, so handelt es sich um eine Akkusativsprache, der Kasus des Objektes wird Akkusativ, jener der Subjekte Nominativ genannt.

Transitivität als semantische Eigenschaft[Bearbeiten]

Um Transitivität auch semantisch beschreiben zu können, verwenden Hopper/Thompson (1980: 252) folgende semantische Merkmale, die in einzelnen Sätzen gegeben sein können oder auch nicht (in deutscher Übersetzung):

hohe Transitivität niedrige Transitivität
Aspekt telisch atelisch
Punktualität punktuell nicht-punktuell
Affirmation affirmativ negativ
Betroffenheit des Objekts (engl. affectedness) total betroffen nicht betroffen
Individualisierung des Objekts stark individualisiert nicht individualisiert


Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul J. Hopper u. Sandra A. Thompson: Transitivity in grammar and discourse. In: Language. Bd. 56, Heft 2, 1980, S. 251–299.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Glück, Helmut (2005) Transitiv In: Glück, Helmut und Friederike Schmöe (Hrsg.) Metzlers Lexikon Sprache. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-476-02056-7, S.694
  2. Vgl. zum Beispiel die Definition auf www.grammatiken.de
  3. a b Transitive und intransitive Verben auf cannoo.net
  4. Adger, David (2003) Core Syntax: A Minimalist Approach. Oxford University Press. ISBN 978-0-19-924370-9
  5. R. H. Robins (1958) The Yurok language: Grammar, texts, lexicon. Band 15 von University of California Publications in Linguistics, University of California Press, Berkeley.