Transkulturelle Psychiatrie

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Die seit Wittkower (1972) definierte Bedeutung der transkulturellen Psychiatrie lautet: „Die transkulturelle Psychiatrie ist der Zweig der Psychiatrie, der sich mit den kulturellen Aspekten der Ätiologie, der Häufigkeit und Art geistiger Erkrankungen sowie mit der Behandlung und Nachbehandlung der Krankheiten innerhalb einer gegebenen Einheit befasst. Der Begriff „transkulturelle Psychiatrie“, der eine Erweiterung der kulturellen Psychiatrie ist, bedeutet, dass der wissenschaftliche Beobachter über den Bereich einer kulturellen Einheit hinausblickend andere Kulturbereiche einbeziehen sollte, um sein Verständnis für einen kulturell anders geprägten Personenkreis zu schärfen. Insofern verfolgt die transkulturelle Psychiatrie ähnliche Ansätze, wie sie aus ethnologischer Sicht die Ethnopsychiatrie oder die Ethnopsychoanalyse vertritt.

Unterscheidungen[Bearbeiten]

Die transkulturelle Psychiatrie unterscheidet sich von der vergleichenden Psychiatrie insofern, als bei letzterer die verschiedenen Krankheiten miteinander verglichen werden und nicht so sehr auf das Verständnis einzelner Betroffener Wert gelegt wird.[1]

Anfänge der transkulturellen Psychiatrie[Bearbeiten]

Begründer der transkulturellen Psychiatrie war Emil Kraepelin, der einen entsprechenden psychiatrischen Bericht aus Anlass der von ihm 1904 besuchten Anstalt Buitenzorg auf Java verfasste.[2]

Fragestellungen[Bearbeiten]

Transkulturelle Kompetenz in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik:

  • Ist eine Migration per se krankmachend?
  • Ist jedes Symptom eines Migranten ein Hinweis auf die erfolgte Migration?
  • Diagnoseerhebung, Therapie - Auswahl und Verlauf (psychopharmakologische und psychotherapeutische Therapie) aus der Sicht der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
  • Umgang mit migrationsspezifischen Fragestellungen in der Medizin, insbesondere in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
  • Posttraumatische Belastungsstörung: Diagnosestellung und Therapie aus der Sicht der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
  • Kenntnisse des Asyl- und Aufenthaltsrechtes im Umgang mit psychisch erkrankten Migranten
  • Qualifizierter Umgang mit Dolmetschern im Rahmen der Diagnoseerhebung sowie der psychotherapeutischen Arbeit
  • Testverfahren und deren Einsatz in der Psychiatrie aus transkultureller Sicht
  • Ethnomedizinische Fragestellungen
  • Regelmäßige Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsangeboten im Bereich der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Literatur[Bearbeiten]

  • Kulturelle Aspekte in der Psychotherapie. Empfohlene Basisliteratur, zusammengestellt von E. Schröder 2002. Psychpdf
  • Der Kontext Migration, Sozialmedizin, Public Health und Kultur in 80 Stichworten (aus Curare. Zeitschrift für Ethnomedizin und transkulturelle Psychiatrie 29, 2+3(2006) 195-234)
  • Wielant Machleidt et al. (Hrsg.): Sonnenberger Leitlinien. Integration von Migranten in Psychiatrie und Psychotherapie. Erfahrungen und Konzepte in Deutschland und Europa. VWB - Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 2006, ISBN 3-86135-293-1 (= Forum Migration, Gesundheit, Integration, Band 4)
  • Sonnenberger Leitlinien: Integration von Migranten in Psychiatrie und Psychotherapie. Siehe auch Ethno-Medizinisches Zentrum
  • Hansjörg Assion (Hrsg.): Migration und seelische Gesundheit. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-20218-8
  • Solmaz Golsabahi, Thomas Heise (Hrsg): Von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. VWB-Verlag, Berlin. 308 S. ISBN 978-3-86135-187-0
  • Thomas Eberhard Heise (Hrsg): Transkulturelle Beratung, Psychotherapie und Psychiatrie in Deutschland. VWB-Verlag, Berlin. 2. korr. Aufl. 2002, ISBN 3-86135-138-2.
  • Ernestine Wohlfart und Manfred Zaumzeil 2006. Transkulturelle Psychiatrie – Interkulturelle Psychotherapie. Interdisziplinäre Theorie und Praxis. Heidelberg: Springer.
  • Thomas Lux (Hrsg.) 2003. Kulturelle Dimensionen der Medizin. Ethnomedizin – Medizinethnologie – Medical Anthropology. 373 S., Berlin: Reimer. ISBN 3-496-02766-5
  • Hannes Stubbe 2005. Lexikon der Ethnopsychologie und der Transkulturellen Psychologie. Frankfurt/M., London: IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation. 572 S., ISBN 3-88939-746-8
  • Thomas Heise (Hrsg.) Buchreihe: Das transkulturelle Psychoforum, Band I - XX [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peters, Uwe Henrik: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München 31984; Lexikon-Stw.: „Psychiatrie, transkulturelle“: Seite 436, Lexikon-Stw. „Psychiatrie, vergleichende“: Seite 436, Lexikon-Stw. „Ethnopsychiatrie“: Seite 185
  2. Kraepelin, Emil: Psychiatrisches aus Java. 1904

Weblinks[Bearbeiten]