Transnistrien

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Dieser Artikel behandelt die Region Transnistrien und den international nicht anerkannten Staat im Osten Moldawiens. Informationen zu dem von 1941 bis 1944 als Transnistrien bezeichneten Gebiet unter rumänischer Besatzung siehe Transnistrien (rumänisches Besatzungsgebiet).
Приднестровская Молдавская Республика
Pridnestrowskaja Moldawskaja Respublika (russisch)
Република Молдовеняскэ Нистрянэ
Republica Moldovenească Nistreană (moldauisch)
Придністровська Молдавська Республіка
Prydnistrowska Moldawska Respublika (ukrainisch)
Pridnestrowische Moldauische Republik
Flagge Moldawiens#Transnistrien
Wappen Transnistriens
Flagge Wappen
De‑facto‑Regime, Gebiet
ist völkerrechtlich Teil von
Moldawien
Amtssprache Russisch, Moldauisch (Rumänisch), Ukrainisch
Hauptstadt Tiraspol
Regierungsform Präsidialrepublik
Oberhaupt Präsident Jewgeni Schewtschuk
Regierungschef Premierministerin Tatjana Turanskaja
Fläche 3.567 km²
Einwohnerzahl 555.347 (2004)
Bevölkerungsdichte 157 Einwohner pro km²
Währung 1 Transnistrischer Rubel = 100 Kopeken
Gründung 2. September 1990
Nationalhymne Hymne Transnistriens
Zeitzone OEZ (UTC+2)
Telefonvorwahl +373
Rumänien Transnistrien Republik Moldau Ukraine Schwarzes Meer Österreich Belgien Bulgarien Republik Zypern Tschechien Deutschland Dänemark Dänemark Estland Spanien Finnland Frankreich Frankreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Griechenland Griechenland Ungarn Irland Italien Italien Italien Litauen Luxemburg Lettland Niederlande Polen Portugal Rumänien Schweden Slowenien Slowakei Island Montenegro Mazedonien Kroatien Türkei Türkei Malta Serbien Dänemark Dänemark Norwegen Norwegen Isle of Man Guernsey Jersey Andorra Monaco Schweiz Liechtenstein Vatikanstadt San Marino Albanien Kosovo Bosnien und Herzegowina Moldawien Weissrussland Russland Ukraine Kasachstan Abchasien Südossetien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Iran Libanon Syrien Israel Jordanien Saudi-Arabien Irak Russland Tunesien Algerien Marokko]]
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Transnistrien, in der amtlichen Eigenbezeichnung Pridnestrowien,[1] (russisch Приднестро́вье/Pridnestrowje; rumänisch Transnistria) ist ein hauptsächlich östlich des Dnister gelegenes, stabilisiertes De-facto-Regime, das 1992 durch Sezession aus dem Transnistrien-Konflikt hervorging.

Es wird völkerrechtlich als Teil Moldawiens betrachtet; bislang erkennt kein anderer Staat und keine internationale Organisation das Gebiet als souveränen Staat an. Transnistrien ist seit 1990 de facto von der Zentralregierung in Chișinău unabhängig, es ist Gründungsmitglied der Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten.

Der vollständige, offizielle Name der Region lautet Pridnestrowische Moldauische Republik, kurz PMR (russisch Pridnestrowskaja Moldawskaja Respublika).

Geographie[Bearbeiten]

Politische Gliederung des Landes in Rajone. Von der PMR beanspruchte, aber nicht gehaltene Gebiete sind schraffiert.

Die Fläche der Transnistrischen Moldauischen Republik umfasst je nach Definition 3567 bzw. 4163 Quadratkilometer, was 10,5 bzw. 12,3 Prozent der Fläche Moldawiens entspricht. Flächenmäßig ist Transnistrien somit größer als Luxemburg oder das Saarland.

Die Länge von Nordwest nach Südost beträgt 202 Kilometer. Transnistrien liegt im Flachland, circa 50 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel, zwischen dem restlichen Territorium der Republik Moldau im Westen und der Ukraine im Osten, entlang des östlichen Dnisterufers. Die Hauptstadt Tiraspol hat etwa 150.000 Einwohner und liegt im Süden des Landes, etwa zwischen Odessa (100 Kilometer) und Chișinău (70 Kilometer).

Der Großteil des transnistrischen Gebiets liegt östlich des Dnisters, jedoch werden auch einige Gebiete auf dem Westufer kontrolliert. Dazu gehören die Stadt Bendery und einige Vororte sowie die Ortschaft Kizkany nahe Slobodseja. Einige Dörfer im transnistrischen Rajon Dubossary östlich des Dnister stehen unter Kontrolle der moldawischen Regierung, werden jedoch weiterhin von Transnistrien beansprucht.

Die wichtigsten Städte Transnistriens neben der Hauptstadt Tiraspol sind Bendery, Rybniza und Dubossary. Gewisse regionale Bedeutung besitzen daneben noch Dnestrowsk als Standort eines wichtigen Kraftwerks sowie die Rajonhauptstädte Grigoriopol, Kamenka sowie Slobodseja.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den südlichen Rajonen mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Tiraspol, Bendery, Slobodseja und einige Umlandsgemeinden bilden zusammen eine Agglomeration von knapp 350.000 Einwohnern und damit den mit Abstand größten urbanen Raum des Landes, auf den sich der Großteil der Wirtschaft konzentriert.

Der nächstgelegene internationale Flughafen (KIV) befindet sich außerhalb Transnistriens bei Chișinău, 60 Kilometer nordwestlich von Tiraspol. In Tiraspol existiert ein Militärflugplatz, der zukünftig für den Personenverkehr ausgebaut werden soll.

Verwaltung[Bearbeiten]

Transnistrien ist in insgesamt fünf Rajone eingeteilt, die beiden Städte Tiraspol und Bendery sind unabhängige Verwaltungssubjekte (wörtlich „Städte republikanischer Unterordnung“).

Rajon russische Bezeichnung rumänische Bezeichnung Verwaltungssitz
Rajon Camenca Каменский район Raionul Camenca Camenca (Kamenka)
Rajon Dubăsari Дубоссарский район Raionul Dubăsari Dubăsari (Dubossary)
Rajon Grigoriopol Григориопольский район Raionul Grigoriopol Grigoriopol
Rajon Rîbnița Рыбницкий район Raionul Rîbnița Rîbnița (Rybniza)
Rajon Slobozia Слободзейский район Raionul Slobozia Slobozia (Dnister) (Slobodseja)
Stadt Tiraspol Тирасполь Tiraspol Tiraspol
Stadt Bender Бендеры Bender Bender (Bendery)

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ehemalige Synagoge in Bendery, um 1914
Kloster in Kizkany

Bei der Volkszählung im November 2004 wurden rund 555.000 Einwohner gezählt, die sich aus etwa 31,9 % Moldauern, 30,3 % Russen und 28,9 % Ukrainern zusammensetzen. Dazu kommen Minderheiten wie Bulgaren (2,5 %), Juden, Armenier, Tataren, Gagausen und Weißrussen. Seit Ende des Krieges von 1992 nahm der prozentuale Bevölkerungsanteil der Russen zu, während die Bevölkerungszahl ebenso wie in Moldawien sank. Nach der sowjetischen Volkszählung von 1989 lebten in diesem Gebiet noch etwa 700.000 Menschen, davon 39,9 % Moldauer, 25,5 % Russen und 28,3 % Ukrainer.

Religion[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum orthodoxen Christentum, einigen Umfragen zufolge bezeichnen sich etwa 90 % der Bevölkerung als christlich-orthodox.[2] Die Baptisten in Transnistrien sind in 25 Ortsgemeinden mit rund 4000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Sie bilden einen von neun Regionalverbänden in der Union der christlich-evangelischen Baptistenkirchen Moldovas (und Transnistriens).[3] Bedingt durch die antikirchliche Politik der Sowjetunion ist ein großer Teil der Bevölkerung religiös nicht praktizierend. Viele Bewohner Transnistriens sind Atheisten.

In der Vergangenheit gab es eine bedeutende jüdische Gemeinde in Transnistrien, insbesondere in den Städten Bendery und Tiraspol, wo Juden mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachten.[4] Diese Gemeinde ging durch den Holocaust und später durch Auswanderung massiv zurück. Bei der transnistrischen Volkszählung 2004 gaben noch 1259 Personen „jüdisch“ als Herkunft an, was 0,23 % der Gesamtbevölkerung entspricht.[5]

Viele Bewohner besitzen neben der transnistrischen eine weitere Staatsbürgerschaft, zumeist die moldawische oder russische.

Sprache[Bearbeiten]

Transnistrische Briefmarke – auf Russisch bedruckt
Schild auf Rumänisch in kyrillischer Schrift

Wegen der Vielfalt der Bevölkerungsgruppen wurden in der transnistrischen Verfassung drei Amtssprachen eingeführt, die zumindest de jure gleichberechtigt sind:[6] Russisch, Ukrainisch und Moldauisch. Moldauisch ist die offizielle Bezeichnung der rumänischen Sprache in Moldawien und Transnistrien. In Transnistrien wird Moldauisch mit kyrillischen Schriftzeichen geschrieben.

In der Praxis ist Russisch die absolut dominierende der drei Amtssprachen und überwiegt im öffentlichen Leben und im Mediensektor deutlich. Es gibt Schulen in allen drei Amtssprachen und der staatliche Fernsehsender Perwy Pridnestrowski sendet auch Programme in ukrainischer und moldauischer Sprache.

Landesname[Bearbeiten]

Von der transnistrischen Regierung wird die Bezeichnung „Pridnestrowien“ gegenüber dem Namen „Transnistrien“ bevorzugt[7] und wird so in der deutschsprachigen Ausgabe von Radio PMR verwendet.

Der Name Pridnestrowien leitet sich von „Republik am (pri) Dnestr“ ab und bezieht sich auch explizit auf die russische Namensform des Flusses Dnister (rum. Nistru, ukr. Дністер/Dnister, russ. Днестр/Dnestr). Die Bezeichnung „Transnistrien“ hingegen impliziert eine Lage „jenseits“ des Flusses. Im Deutschen wird überwiegend von „Transnistrien“ gesprochen.[8]

Ein Erlass der transnistrischen Regierung vom 29. November 2000 legte die Schreibweise von Land und Zentralbank in lateinischer Schrift fest: Pridnestrovskaia Moldavskaia Respublika (PMR) und Pridnestrovskii Respublikanskii Bank (PRB) (Transkription aus dem Russischen). Die moldauischen Namen werden dabei ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang untersagt der Erlass theoretisch die weitere Verwendung der Bezeichnungen mit „Transnistrien“ im Land.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Antike bis zur Renaissance[Bearbeiten]

Von dem moldauischen Fürsten Stefan dem Großen und später den Osmanen erbaute Festung Tighina

Im Altertum lag das heutige Transnistrien im Einflussbereich der Skythen und Daker. Als Teil der Provinz Moesia gehörte es auch für mehrere Jahrhunderte zum Römischen Reich. Im frühen Mittelalter ließen sich in der Region slawische Stämme, Kumanen und andere Volksgruppen nieder. Die Region gehörte vermutlich eine Zeit lang zur Kiewer Rus, und wurde nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert kurzzeitig von Mongolen beherrscht. Teile des heutigen Transnistriens gehörten ab dem 15. Jahrhundert zu Polen-Litauen und dem Khanat der Krim. Später wurde die Region Teil des rumänisch geprägten Fürstentums Moldau, das mit dem Osmanischen Reich verbündet war.

Transnistrien wird russisch[Bearbeiten]

1792/93 konnte das Russische Reich nach dem Russisch-Österreichischen Türkenkrieg seinen Machtbereich bis zum Ostufer des Flusses Dnister ausdehnen. Der Großteil des heutigen Transnistriens wurde daraufhin Teil des sogenannten Neurusslands, bald wurden zahlreiche russische Kolonisten gezielt in der Region angesiedelt. Auch die Schwarzmeerdeutschen wanderten ab Anfang des 19. Jahrhunderts zum Teil nach Transnistrien ein, es gab mehrere von Deutschen gegründete Dörfer. Die heutige transnistrische Hauptstadt Tiraspol wurde 1792 auf Initiative des russischen Generals Alexander Suworow als Grenzposten des Russischen Reiches gegründet.[9] Bis 1812 konnte Russland auch die Kontrolle über Bessarabien übernehmen und besaß nun das gesamte Gebiet des heutigen Moldawiens. Fast das gesamte heute von Transnistrien beanspruchte Territorium wurde dem Gouvernement Cherson zugeordnet, dessen Grenze der Fluss Dnestr bildete. Nur die Städte Bendery und Kizkany gehörten wiederum zum Gouvernement Bessarabien, das den Großteil des heutigen Moldawien umfasste.

Nach der Russischen Revolution[Bearbeiten]

Die Hauptstadt Tiraspol 1941

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das ehemalige Bessarabien an Rumänien angeschlossen. Das Gebiet östlich des Dnisters, also auch fast das gesamte Gebiet des heutigen Transnistriens, wurde hingegen Bestandteil der Ukrainischen Teilrepublik innerhalb der neugegründeten Sowjetunion. 1924 wurde in den Siedlungsgebieten der rumänischsprachigen Minderheit die Moldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (MASSR) gegründet, zu der wiederum nahezu das gesamte Territorium des heutigen Transnistriens gehörte. Hauptstadt der MASSR war bis 1929 die Stadt Balta, danach Tiraspol. Die Einwanderung von Russen in die Region setzte sich auch in der Sowjetunion fort, wodurch sich der Anteil der ethnischen Rumänen bzw. Moldauer insbesondere in den Städten weiter verminderte.

Transnistrien während des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Hungerndes jüdisches Kind in Transnistrien, 1943, während der rumänischen Besatzung

1939 schlossen das nationalsozialistische Deutsche Reich und die stalinistische Sowjetunion den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und teilten damit Teile Osteuropas unter sich auf. Im Jahr 1940 annektierte die Sowjetunion das seit 1917 zu Rumänien gehörende Bessarabien. Große Teile dieses Gebietes wurden mit jenen 40 % der MASSR, in denen die ethnischen Rumänen in der Mehrheit waren, zur Moldauischen Sowjetrepublik vereinigt, während die mehrheitlich ukrainisch bewohnten Teile in der Umgebung Baltas zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik und damit zur UdSSR übergingen.

Von 1941 bis 1944 wurde das Gebiet zwischen Dnister und Südlichem Bug schließlich von den Achsenmächten besetzt und unter dem Namen Transnistrien an Rumänien angeschlossen, das sich am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligte. Das damalige rumänische Besatzungsgebiet war deutlich ausgedehnter als das heutige Transnistrien und umfasste auch Teile der heutigen Ukraine, darunter etwa die Stadt Odessa.

Während der rumänischen Besatzung wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in der Region deportiert und ermordet.

Im Rahmen der Uman–Botoșani-Offensive gelang es der Roten Armee 1944, die gesamte Dnjestr-Region einschließlich des heutigen Transnistriens zurückzuerobern.

Erneute Zugehörigkeit zur Sowjetunion[Bearbeiten]

Sowjetisches Transnistrien, 1980er Jahre
Große Plattenbau-Siedlung in Rîbnița
Militärparade der transnistrischen Armee

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das rumänische Besatzungsgebiet aufgelöst. Transnistrien gehörte als Teil der Moldauischen Sowjetrepublik nun wieder zur Sowjetunion. In der moldauischen Sowjetrepublik waren sowohl Russisch als auch Moldauisch Amtssprachen. Transnistrien entwickelte sich während der Zugehörigkeit zur Sowjetunion zu einem bedeutenden Industriestandort und war das wirtschaftliche Rückgrat Moldawiens.

In Transnistrien lebten etwa 15 % der Bevölkerung der Sowjetrepublik Moldawien, jedoch wurde dort etwa 40 % des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet und 90 % der elektrischen Energie erzeugt.[10] Ukrainer, Russen und andere Minderheiten stellten 1989 in Transnistrien zusammen über 60 % der Bevölkerung, der Anteil ethnischer Moldauer lag unter 40 %.[11] Ein signifikanter Teil der ethnischen Moldauer in Transnistrien war im Zuge einer schon seit Ende des 18. Jahrhunderts anhaltenden schleichenden Russifizierung ebenfalls russischsprachig.

Transnistrien-Konflikt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Transnistrien-Konflikt

Ausgangssituation[Bearbeiten]

Seit Mitte der 1980er Jahre kam es, begünstigt durch die Perestroika-Politik Michail Gorbatschows, zu einem Anstieg nationalistischer Tendenzen in der gesamten Sowjetunion, die langsam, aber sicher immer stärkere Zerfallserscheinungen zeigte.

Nach Wahlen in Moldawien kam die Frontul Popular din Moldova an die Macht, die ultranationalistische Positionen vertrat[12][13] und sich insbesondere gegen russischsprachige Bevölkerungsgruppen, Gagausen und andere Minderheiten richtete. Schon 1989 wurde daraufhin in der Moldauischen Sowjetrepublik Russisch als Amtssprache abgeschafft und Moldauisch zur einzigen offiziellen Sprache erklärt. Zudem wurde beschlossen, Moldauisch zukünftig auf das lateinische Alphabet umzustellen. Moldawien erklärte schließlich 1990 die Souveränität des Landes und begann mit der Rumänisierung des öffentlichen Lebens. Die Abschaffung des Russischen als Amtssprache führte zu großen Protesten besonders im Ostteil des Landes, wo es die Sprache der Mehrheit der Bevölkerung war. In der Folgezeit kam es immer häufiger zur Diskriminierung von Minderheiten in Moldawien. In Transnistrien und der Region Gagausien bildeten sich Bürgerrechtsgruppen, die eine Wiedereinführung des Russischen als Amtssprache und eine regionale Autonomie forderten. Die Regierung der Moldauischen SSR ließ entsprechende Bewegungen verbieten.[14]

Die Spannungen zwischen den Ethnien nahmen in ganz Moldawien daraufhin dramatisch zu, Anfang 1990 wurden etwa russischstämmige Parlamentsmitglieder von Demonstranten attackiert, während die Polizei tatenlos zusah.[15] Teile der nationalistischen Frontul Popular forderten offen die Ausweisung zugewanderter Russen und anderer Minderheiten.[16] Die moldauische Führung um Mírcea Ion Snegur diskutierte zudem öffentlich ihr Ziel einer Vereinigung mit Rumänien.

Die russischsprachigen Bevölkerungsgruppen (Russen, Ukrainer, russischsprachige Moldauer und andere) in Transnistrien sahen ihre Rechte durch die neue, nationalistische Politik Moldawiens bedroht. Die lokale Führung im Gebiet des heutigen Transnistrien organisierte eine Volksabstimmung, bei der 1990 eine Mehrheit von über 90 % der Wähler für eine Loslösung von Moldawien stimmte.[17] Schließlich sagte sich Transnistrien noch 1990 als Transnistrische Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik von Moldawien los und verfolgte zunächst das Ziel, als eigenständige Sowjetrepublik innerhalb der Sowjetunion anerkannt zu werden. Auch Gagausien versuchte sich angesichts der politischen Entwicklung von Moldawien abzuspalten und bemühte sich ebenfalls um die Anerkennung als eigene Sowjetrepublik.

Nach dem gescheiterten Augustputsch 1991 war der Zerfall der Sowjetunion nicht mehr aufzuhalten; Moldawien erklärte noch im August 1991 als Republik Moldau seine endgültige Unabhängigkeit. Die moldauische Führung setzte offen ihre nationalistische Politik fort und versuchte, den Anschluss Moldawiens an Rumänien auch in der Praxis umzusetzen.

Auch in Transnistrien wurde 1991 die vollständige Unabhängigkeit ausgerufen; Ziel war nun der Aufbau eines eigenen Staates, jeglicher Verbleib bei Moldawien wurde abgelehnt.

Noch 1991 fand die erste Präsidentschaftswahl in Transnistrien statt, in der sich Igor Smirnow mit 65,1 % gegen den Zweitplatzierten Grigori Marakuza (31 %) durchsetze. Smirnow wurde erster Präsident Transnistriens, Marakuza trat kurze Zeit später der Fraktion Smirnows bei und war bis 2005 Parlamentssprecher. Smirnow war 1987 aus der Ukrainischen SSR nach Transnistrien gezogen und hatte bis zur Wahl einen Großbetriebes in Tiraspol geleitet.

Moldawien akzeptierte die einseitige Abspaltung Transnistriens jedoch nicht und betrachtete Transnistrien weiterhin als Teil seines Territoriums. Moldawien begann mit dem Aufbau einer eigenen Armee und erhielt unter anderem Waffen und Unterstützung von Rumänien.[18]

Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Transnistrisches Parlament

Am 1. März 1992 begannen die Kampfhandlungen zwischen Moldawien und Transnistrien. Auf moldawischer Seite kämpften zahlreiche rumänische Freiwillige, während Transnistrien Unterstützung von russischen und zum Teil ukrainischen Freiwilligen erhielt. Mehrere moldawische Offensiven scheiterten und wurden zurückgeschlagen. Kurz vor Abschluss eines Waffenstillstands im Juni 1992 brachen die Kämpfe nach einem moldawischen Angriff auf die Stadt Bendery noch einmal aus. Die kriegerischen Auseinandersetzungen endeten erst am 25. Juli 1992 endgültig und forderten etwa 1000 Menschenleben, die Mehrheit davon auf transnistrischer Seite. Unter Vermittlung Russlands und dessen in Transnistrien stationierter 14. Armee unter General Alexander Lebed wurden die Kämpfe schließlich beendet. Durch den Konflikt verlor Moldawien endgültig und vollständig die Kontrolle über das Gebiet. Transnistrien war nun de facto unabhängig.

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Dramentheater in Tiraspol
Der Dnjestr bei Camenca
Blick auf den Dnjestr
Nationale Feierlichkeiten in Tiraspol

Seit der Beilegung des Konflikts ist Transnistrien eine autonom agierende sezessionistische Region, die sich als unabhängiger Staat betrachtet, aber international bislang von keinem anderen Staat anerkannt wurde und völkerrechtlich nach wie vor innerhalb der Grenzen der Republik Moldau liegt. Seit 2001 ist Transnistrien Mitglied der Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten. Bis heute bemüht sich die transnistrische Regierung um eine internationale Anerkennung des Staates.[19]

In den Jahren nach dem bewaffneten Konflikt bemühte sich das Land, seine staatlichen Strukturen zu festigen. Eine eigene Währung, der transnistrische Rubel, wurde gedruckt, Transnistrien verteilte eigene Pässe, eine eigene Universität wurde gegründet und eine eigene Verwaltung und ein Regierungsapparat wurden aufgebaut.

Das Fortbestehen Transnistriens als „stabilisiertes De-facto-Regime“ wird auch von den dort stationierten russischen Truppen ermöglicht, zu deren Rückzug sich die Russische Föderation auf dem OSZE-Gipfel 1999 zwar verpflichtet hatte[20], diesen Verpflichtungen bislang jedoch nicht nachgekommen ist.[21] Obwohl auch Russland Transnistrien bislang nicht offiziell anerkennt, erhält die Regierung in Tiraspol finanzielle Hilfen aus Russland.[22]

Faktisch sind die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien festgefahren, weshalb der Transnistrien-Konflikt als „eingefrorener Konflikt“ bezeichnet wird.[23] Sowohl die moldauische als auch die transnistrische Seite haben sich mit dem Status quo soweit arrangiert, dass aus Sicht der herrschenden Politiker eine Konfliktlösung nicht oberste Priorität genießt.

In Transnistrien ist bis heute ein positives Gedenken bezüglich der Sowjetunion und des Kommunismus weit verbreitet.[24] Obwohl die Transnistrische Kommunistische Partei heute nur eine Oppositionspartei ist, wurde die traditionelle Symbolik der Sowjetunion in Transnistrien beibehalten, so sind Hammer und Sichel sowohl auf dem Staatswappen als auch auf der transnistrischen Flagge zu sehen.

Seit dem 30. November 2005 gibt es die EUBAM Moldawien/Ukraine, eine Grenzkontrollmission der Europäischen Union an der moldauisch-ukrainischen Grenze zur Unterbindung des Waffen- , Menschen- und Drogenschmuggels von und nach Transnistrien.[25] In einer Resolution der NATO vom 18. November 2008 wird Russland aufgefordert, die im Istanbuler OSZE-Gipfel 1999 vorgenommene Verpflichtungen einzuhalten und die in Transnistrien stationierten Truppen zurückzuziehen.[21]

Im September 2012 hob die Europäische Union alle Visa-Sanktionen gegen transnistrische Beamte auf.[26]

Beitrittsantrag zur Russischen Föderation[Bearbeiten]

Wie die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti am 18. März 2014 meldete, hätte die Regierung Transnistriens einen Beitrittsantrag zur Russischen Föderation gestellt.[27][28] Am 21. März 2014 starteten russische Truppen ein Manöver in Transnistrien.[29] Diese Entwicklungen folgen denen auf der Halbinsel Krim: Während der Krimkrise im Jahr 2014 hatte am 16. März ein Referendum zur Ausrufung der Republik Krim als unabhängigen Staat geführt – die Vertreter der Republik Krim hatten daraufhin am nächsten Tag einen Beitrittsantrag zur Russischen Föderation gestellt.

Am 23. März erklärte der Oberkommandeur der NATO, Philip Breedlove, die russischen Streitkräfte an der Grenze zur Ukraine seien so stark, dass sie im Konflikt um Transnistrien auch eine Bedrohung für Moldau darstellen könnten.[30]

Am 29. März zeigte sich Wladimir Putin in einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama besorgt über eine „äußere Blockade“ Transnistriens. Russland wolle dort nicht militärisch eingreifen. Die Probleme sollten im Rahmen der 5+2-Verhandlungsgruppe gelöst werden.[31]

Am 17. April 2014 hat sich der Oberste Rat von Transnistrien mit der Bitte an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt, die Unabhängigkeit Transnistriens anzuerkennen und einem Beitritt zu Russland zuzustimmen. Laut der transnistrischen Abgeordneten Galina Antjufejewa dient die Krim als Vorbild. Dem Abgeordneten Dmitri Soin zufolge wurde dieser Schritt mit Moskau abgestimmt.[32]

Politik[Bearbeiten]

Transnistriens ehemaliger Präsident Igor Smirnow

Transnistrien wurde von 1991 bis 2011 von Präsident Igor Smirnow regiert, der in drei Präsidentschaftswahlen 1996, 2001 und 2006 mit teils überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt wurde.

Bei der transnistrischen Präsidentschaftswahl 2011 wurde Smirnow überraschend abgewählt und landete bei der Wahl nur auf dem dritten Platz. Es kam zur Stichwahl zwischen dem unabhängigen Kandidaten Jewgeni Schewtschuk und Anatoli Kaminski, dem Parlamentssprecher. Die Stichwahl konnte Schewtschuk für sich entscheiden. Am 30. Dezember 2011 wurde er als neuer Präsident vereidigt. Schewtschuk wurde im Vorfeld von westlichen Quellen als „Reformer“ bezeichnet.

Unter Schewtschuks Führung wurde die führende politische Schicht, die teils seit der Sowjetzeiten im Amt war, durch jüngere Politiker ersetzt und das Amt des Premierministers neu eingeführt. Erster Premierminister wurde Pjotr Stepanow, der im Juli 2013 zurücktrat. Seine Nachfolgerin wurde Tatjana Turanskaja. Eine der erklärten Prioritäten der Transnistrischen Regierung ist die Integration in die Eurasische Union[33][34] und enge politische Verbindungen zu Russland. Nach wie vor wird eine Wiedervereinigung mit Moldawien abgelehnt.

Diplomatische Beziehungen[Bearbeiten]

Transnistrien wurde bis heute von keinem Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen diplomatisch anerkannt, auch wenn es mit Russland heute gesonderte Beziehungen unterhält. Transnistrien ist Mitglied der Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten, zu der Abchasien, Südossetien und Bergkarabach gehören. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft erkennen ihre Unabhängigkeit gegenseitig an.

Zudem besteht seit dem Jahre 2002 eine Städtepartnerschaft der sächsischen Kleinstadt Eilenburg mit Tiraspol. Die Partnerschaft wird seit dem Besuch einer Eilenburger Delegation allerdings nicht mehr aktiv gepflegt.[35]

Referendum über künftigen Status[Bearbeiten]

In Transnistrien sind viele sowjetische Symbole bis heute in Gebrauch.
  • Ende März 2006 hatte der 6. außerordentliche Deputiertenkongress aller Ebenen die Initiative unterbreitet, ein Referendum über die Zukunft der Republik abzuhalten. Nach Angaben von Pjotr Denissenko als Vorsitzendem der Zentralen Wahlkommission würden 262 Abstimmungslokale für mehr als 392.000 Einwohner Transnistriens zur Verfügung gestellt und für diese Aktion wurden umgerechnet rund 200.000 USD bereitgestellt.[36]
  • Im Juli 2006 stimmte das transnistrische Parlament fast einstimmig für ein Referendum über den künftigen Status des De-facto-Landes Transnistrien. Am 17. September 2006 sollten die mehr als 392.000 Wahlberechtigten zwischen folgenden beiden Fragen auf dem Stimmzettel wählen können:
  1. „Unterstützen Sie den Kurs auf die Unabhängigkeit der Moldauischen Republik Transnistrien und den anschließenden freiwilligen Beitritt Transnistriens zur Russischen Föderation?“
  2. „Halten Sie einen Verzicht auf die Unabhängigkeit der Moldauischen Republik Transnistrien mit dem anschließenden Beitritt zur Republik Moldau für möglich?“
  • Im Juli 2006 hatte sich die Europäische Union auf seiten Moldawiens und des 2007 der EU beitretenden Rumäniens bereits im Vorfeld gegen die Volksabstimmung in Transnistrien ausgesprochen und dazu aufgerufen, die blockierten Autonomiegespräche mit Moldawien wieder aufzunehmen sowie beauftragt, diesen Entschluss der Regierung und dem Parlament der Republik Moldau, den Regierungen von Rumänien, der Ukraine, der Russischen Föderation, der Vereinigten Staaten von Amerika sowie den Generalsekretären der OSZE und des Europarats zu übermitteln. Auch die Ukraine erklärte, das Referendum nicht anerkennen zu wollen, weil dessen damaliger Präsident Wiktor Juschtschenko allgemein eine sehr prowestliche Haltung annahm und auf internationaler Ebene die Ukraine an die Europäische Union annähern wollte inklusive Beitritt in die NATO, was jedoch vom Volke abgelehnt wurde.[37]
  • Am 20. Juli 2006 beschloss die OSZE, dass sie das Referendum nicht anerkennen werde. Daher werde sie keine Beobachter zur Abstimmung im September entsenden und warf gleichzeitig der transnistrischen Regierung vor, die Fragen suggestiv formuliert zu haben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.[38] Die OSZE kündigte allerdings an, sie sei bereit, ein Referendum über den künftigen Status der Region anzuerkennen, wenn dieses das Ergebnis erfolgreicher politischer Verhandlungen, wie dies von der EU gewollt sei und die Bedingungen für einen freien und gerechten Wahlgang gegeben seien. Der Vertreter Russlands bei der OSZE wies Vorwürfe zurück, wonach das Referendum unseriös und provokatorisch sei. Er warf hingegen der moldauischen Seite vor, Fehler gemacht zu haben.
  • Am 17. September 2006 wurde per Volksabstimmung mit 97,1 % gegen den Unabhängigkeitsverzicht Transnistriens und für die Beibehaltung der Unabhängigkeit gestimmt sowie einer späteren Wiedervereinigung mit der Russischen Föderation zugestimmt. Dagegen stimmten nur 2,3 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 79 %.[39] Mehr als 130 internationale Beobachter überwachten das Referendum landesweit und berichteten, dass keine verfahrensrechtlichen Verletzungen während der geheimen Stimmabgabe registriert worden seien[40] und die Vertreter des Kongresses der russischen Gemeinden aus der benachbarten Republik Moldau erklärten, dass das Referendum nach internationalen Standards abgehalten worden sei.[41] Jedoch wurden von der EU keine international anerkannten Beobachter gesandt, da dieses „Referendum“ der international anerkannten Souveränität (de jure) und territorialen Integrität der (nun de facto benachbarten) Republik Moldau widerspreche.[42]
  • Am 10. Oktober 2006 lehnte die Republik Transnistrien einen von der OSZE unter Führung des belgischen Außenministers Karel de Gucht vorgelegten Kompromissplan ab. Der Vorschlag sah vor, Transnistrien innerhalb einer moldauischen Föderation einen relativ unabhängigen und halbautonomen Status als Region Moldawiens zuzuerkennen.

Korruptionsvorwürfe[Bearbeiten]

Organisierte Kriminalität sowie Korruption sind in Transnistrien sehr präsent[43], so dass das Land in einem Bericht von Dirk Schümer sogar als „Mafia-Kleinstaat von Putins Gnaden“ bezeichnet wurde.[44] Besonders die Regierung um den ehemaligen Präsidenten Smirnow stand unter dem Verdacht der Veruntreuung von Staatsgeldern.

Ein offizieller Bericht des Europäischen Parlamentes bezeichnete Transnistrien 2002 als „schwarzes Loch, in dem illegal mit Waffen und Menschen gehandelt werde und Geld gewaschen werde“.[45] Nach Einschätzung Moldawiens wird der Schmuggel über die Eisenbahn an der ukrainischen Grenze betrieben. Im Gegenzug dazu gibt es auch zahlreiche Berichte, darunter auch solche der EU und der OSZE, die die Gerüchte über Schmuggel und Menschenhandel von Transnistrien aus als übertrieben bewerten.[46] Der OSZE-Vorsitzende Leonid Koschara gab in einem Interview mit der spanischen Zeitung El País an, man habe in den letzten Jahren nicht einen einzigen Fall von Waffenschmuggel über Transnistrien feststellen können[47], stattdessen werden nun mithilfe des Schmuggels z. B. falsch deklarierter Lebensmittel Steuern in Millionhöhe hinterzogen.[48]

Einreise[Bearbeiten]

Seit dem 1. März 2008 ist zur Einreise nach Transnistrien keine Einladung mehr erforderlich, jedoch ist bei einem Aufenthalt über Nacht eine Registrierung bei OVIR, der Meldebehörde, erforderlich. Bei der Einreise nach Transnistrien muss ein Ein- und Ausreiseschein (ähnlich wie bei der Einreise in die Russische Föderation) ausgefüllt werden. Zu beachten ist, dass man bei der Ausreise aus Moldawien über Transnistrien in die Ukraine keinen offiziellen Grenzposten der Republik Moldau passiert. Man erhält also bei der Grenzüberschreitung von und nach Moldawien über Transnistrien in die Ukraine keine Ein- und Ausreisestempel, was in weiterer Folge zu Komplikationen führen kann.

Menschenrechte[Bearbeiten]

Der Regierung Transnistriens wurden in der Vergangenheit teils schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Einigen religiösen Gemeinschaften wie Baptisten, Zeugen Jehovas und Methodisten wird die offizielle Zulassung verweigert.[49]

Ein OSZE-Bericht aus dem Jahr 2005 bezeichnet das generelle Klima der Medienberichterstattung in Transnistrien als eher regierungsnah und restriktiv, verweist aber auf die Existenz mehrerer unabhängiger Printmedien und der relativ unabhängig berichtenden Gewerkschaftszeitung. Bedrohungen von Journalisten sind Ausnahmefälle; im Berichtszeitraum wird ein einziger Fall erwähnt.[50][51]

2004 wurden sechs Schulen mit rumänischer Unterrichtssprache geschlossen. Die offizielle Ursache dafür war der Ablauf der temporären Unterrichtslizenz dieser Schulen. Nach den Verhandlungen mit der Regierung Transnistriens wurden die Schulen lizenziert und es wurde ihnen gestattet, den Unterricht zu Beginn des Schuljahrs zu beginnen. Das Schulgebäude in Rîbnița wurde jedoch dem Lehrkollektiv nicht zurückgegeben und die Schüler mussten ihren Unterricht verspätet in einem Kindergarten beginnen.[52][53]

Die Menschenrechtslage hat sich in jüngerer Zeit merklich verbessert. 2012 reiste mit Thomas Hammarberg erstmals ein Beauftragter des Europäischen Rates nach Transnistrien, um die Lage im Land zu untersuchen.[54] Die Ergebnisse des Berichts wurden Anfang 2013 veröffentlicht.[55] Hammarberg attestierte der seit 2011 amtierenden transnistrischen Regierung Offenheit und Interesse an der Einhaltung von Menschenrechten. Er verwies jedoch auch auf zahlreiche noch immer bestehende, teils schwere Probleme und die weit verbreitete Korruption. Hammarberg merkte jedoch zudem an, dass die fehlende internationale Anerkennung Transnistriens die Situation deutlich erschwere.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Transnistrische Zentralbank
Weinberge in Transnistrien

In Transnistrien befindet sich der Großteil der Industrie der ehemaligen moldauischen Sowjetrepublik. Im Gegensatz zum überwiegend agrarisch geprägten restlichen Moldawien (Bessarabien) ist die transnistrische Wirtschaft von großen Industriebetrieben abhängig, die in der Sowjetzeit angesiedelt wurden. Viele der Produkte sind auf den Export ausgerichtet, Stahlplatten, Maschinen für die Gussproduktion, Kabelprodukte, große Elektromaschinen, Niederspannungsgeräte, elektroisolierende Stoffe, Pumpen, Zement, Möbel, Baumwollstoffe, Schuhe, Nähprodukte, Wein und Weinbrand. Eine wichtige Sparte ist auch die Rüstungsindustrie, die sich aus den früher sowjetischen Betrieben der Region entwickelte. In Dubossary und Dnestrowsk existieren zwei große Kraftwerke.

Das größte Unternehmen des Landes ist der Sheriff-Konzern, der Tankstellen, Supermärkte, Spirituosenfabriken, Bäckereien, ein Verlagshaus, eine Baugesellschaft, einen Fernsehsender sowie ein Mobilfunknetz betreibt. Sheriff besitzt über seine Tochtergesellschaft Interdnestrkom das Monopol im Telekommunikationssektor (Mobilfunk, Kabelfernsehen, Internet) und nimmt großen Einfluss auf die Politik des Landes.[56] Das wichtigste Unternehmen der produzierenden Industrie ist der Stahlhersteller Moldova Steel Works in Rîbnița. Eine gewisse Bekanntheit besitzt auch der Spirituosenhersteller KVINT, der neben Wein und Wodka unter auch einen weltbekannten, mehrfach ausgezeichneten Brandy produziert.[57] Kvint gilt als eine Art Nationalsymbol, die Destillerie des Unternehmens ist auf der Fünf-Rubel-Banknote abgebildet. Der Textil- und Bekleidungshersteller Tirotex ist nach eigenen Angaben einer der größten europäischen Textilhersteller, dessen Produkte in Westeuropa unter anderem bei Aldi verkauft werden.[58]

Tourismus[Bearbeiten]

In den letzten Jahren entwickelte sich eine kleine Tourismusindustrie, insbesondere für westeuropäische Touristen.[59][60]

Erzengel-Michael-Kirche in Rîbnița

Handelsbilanz[Bearbeiten]

Den Exporten von 579,7 Millionen US-Dollar standen 2005 Importe von 855,8 Millionen USD gegenüber. Wichtigste Handelspartner sind die GUS-Staaten, besonders Russland und die Ukraine. Knapp ein Viertel des transnistrischen Exports geht in die EU.[61] Das Land ist auf finanzielle Hilfe aus Russland angewiesen.[43]

Sport[Bearbeiten]

Sheriff Tiraspol nach Gewinn des GUS-Pokals 2009

Aufgrund fehlender Anerkennung können transnistrische Sportnationalmannschaften international nicht an renommierten Wettbewerben teilnehmen.

Die meisten transnistrischen Sportler besitzen neben der transnistrischen Staatsbürgerschaft auch einen Pass Moldawiens, Russlands oder eines anderen Nachfolgestaats der Sowjetunion. So liefen etwa die gebürtigen Transnistrier Andrei Corneencov und Igor Bugaiov für die Moldawische Fußballnationalmannschaft auf, Artjom Chatschaturow für Armenien.

In der Hauptstadt Tiraspol sind zwei erfolgreiche Fußballvereine beheimatet: Der FC Tiraspol und der FC Sheriff Tiraspol. Beide Vereine spielen in der Divizia Națională, der höchsten moldawischen Liga. Der FC Sheriff Tiraspol dominiert als Serien- und Rekordmeister die Liga und nimmt regelmäßig an Spielen zur Qualifikation der UEFA Champions League teil. Im Tiraspoler Sheriff-Stadion wurden auch schon Spiele der UEFA Europa League ausgetragen. Mit Iskra-Stal Rybniza ist seit 2006 noch ein dritter transnistrischer Verein in der höchsten moldawischen Liga vertreten.

Auch Dinamo Bendery spielte längere Zeit in der ersten moldawischen Liga.

Verkehr[Bearbeiten]

Die sich auf transnistrischem Gebiet befindenden Bahnstrecken werden durch die staatliche Pridnjestrowische Eisenbahngesellschaft betrieben. In Tiraspol gibt es einen Flughafen mit dem ICAO-Code LUTR. In mehreren Städten, darunter in Bendery und Tiraspol, gibt es ein Oberleitungsbusnetz.

Währung[Bearbeiten]

5-Rubel-Banknote

1994 wurde in Transnistrien eine eigene Währung eingeführt, der Transnistrische Rubel. 2000 wurde der Rubel denominiert (1.000.000:1) und neue Banknoten und Münzen in Umlauf gebracht. Die Währung wird außerhalb Transnistriens nicht anerkannt und ist nur eingeschränkt konvertierbar.[62] Anfang 2012 wurden bekannt, dass Transnistrien in Zukunft den Russischen Rubel einführen möchte,[63] im Februar 2013 wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf dem Parlament vorgelegt.[64]

Bildung[Bearbeiten]

In Tiraspol findet sich die Universität des Landes, die Transnistrische Staatliche Taras-Schewtschenko-Universität.

Medien[Bearbeiten]

Gorki-Kinotheater in Bendery
Tiraspol

In Tiraspol gibt es mehrere staatliche und private Fernsehsender, darunter Perwy Pridnestrowski, Benderskoje Telewidenije und TSV. Der einzige Kabelnetzbetreiber des Landes, Interdnestrcom, ist im Besitz der Firma „Sheriff“ und sendet neben den heimischen fast alle gängigen russischsprachigen Sender. Es gibt mehrere Zeitungen (Pridniestrovie, Adevarul Nistrean), die sich laut einem Bericht aus dem Jahr 2005 aber überwiegend im Besitz des Staates oder staatsnaher Organisationen befinden[65] und die staatliche Presseagentur „Olvia-Pres“s. Im Land senden mehrere Radiostationen, darunter auch der Auslandssender von Radio PMR, der ein mehrsprachiges Programm auf Kurzwelle verbreitet. Sendesprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Zensur ist durch Artikel 28 der Verfassung Transnistriens verboten. Es existiert keine Presse in moldauischer Sprache mit lateinischer Schrift.

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Grund, Hans Martin Sieg, Kristin Wesemann: Transnistrien und die künftige Sicherheitsarchitektur in Europa. KAS-Auslandsinformationen 09/10/2011, Berlin 2011, S. 62–93.
  • Klemens Büscher: Separatismus in Transnistrien – Die PMR. zwischen Russland und Moldova. In: Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens. Wissenschafts-Verlag, Berlin 1996, 9, ISSN 0030-6428.
  • Hannes Hofbauer: Mitten in Europa. Politische Reiseberichte aus Bosnien-Herzegowina, Belarus, der Ukraine, Transnistrien/Moldawien und Albanien. Promedia, Wien 2006, ISBN 3-85371-250-9.
  • Kramar, Marcell Nimführ, Andrey Smolensky: Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien. Bildschöne Bücher, Berlin/Wien 2007, ISBN 978-3-939181-07-1.
  • Stefan Troebst: Der Transnistrienkonflikt und seine Bearbeitung durch die OSZE. In: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktforschung (Hrsg.): Afrikanische Perspektiven – Friedensbericht 1998. Stadtschleining 1998, S. 347–379.
  • Stefan Troebst: Staatlichkeitskult im Pseudo-Staat. Identitätsmanagement in Transnistrien. In: Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens. Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003, 7, ISSN 0030-6428.
  • Michael Martens: Rückenwind aus Kiew – Konfliktlösung mit Hilfe der Ukraine. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Januar 2005.
  • Andrea Böhm: Vorwärts, Genossen, wir müssen zurück! In: GEO. Das neue Bild der Erde. Hamburg 2006, 9, ISSN 0342-8311.
  • Florian Kührer: Brücke für einen geeinten Kontinent von Wladiwostok bis Dublin? In: Eurasisches Magazin. Die Netzzeitschrift, die Europa und Asien zusammenbringt
  • Andreas Menn: Konstruktion von Nation und Staat in Osteuropa. Transnistrien und die Republik Moldau. Vdm Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-8364-5922-8.
  • Kilian Graf: Der Transnistrien-Konflikt: Produkt spätsowjetischer Verteilungskämpfe und Zerfallskonflikt der implodierten Sowjetunion. Disserta-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-942109-30-7.
  • Alexander Steffen und Hagen Foehr: „Transnistria Guide“ (eBook auf Englisch) [6] Berlin/Wien 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Transnistrien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Transnistrien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Transnistrien – Reiseführer
 Wikimedia-Atlas: Transnistrien – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://radiopmr.org/golos/10673/
  2. Ссокращение население Приднестровья. Abgerufen am 31. März 2014 (russisch).
  3. William Yoder: Baptisten in Moldova und in Transnistrien (2008); eingesehen am 14. Oktober 2013
  4. Бендеры. In: Электронная еврейская энциклопедия. Abgerufen am 31. März 2014 (russisch).
  5. http://pop-stat.mashke.org/pmr-ethnic-loc2004.htm
  6. Transnistrische Verfassung
  7. Bezeichnung lt. deutschsprachiger Nachrichtenseite des staatliche Hörfunksenders Radio PMR
  8. wortschatz.uni-leipzig.de Pridnestrowien und Transnistrien
  9. About Transdnistrea
  10. John Mackinlay, Peter Cross (Hrsg.): Regional Peacekeepers: The Paradox of Russian Peacekeeping. United Nations University Press, 2003, ISBN 92-808-1079-0, S. 135.
  11. http://www.lib.utexas.edu/maps/moldova.html
  12. Chechnya: Tombstone of Russian Power, Anatol Lieven, Yale University Press, 1999, ISBN 0-300-07881-1, S. 246.
  13. Can Liberal Pluralism Be Exported?, Will Kymlicka, Magdalena Opalski, Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-924063-9, S. 208.
  14. Paul Hare: Who are the Moldovans? In: Paul Hare, Mohammed Ishaq, Judy Batt: Reconstituting the market: the political economy of microeconomic transformation. Taylor & Francis, 1999, S. 369–371.
  15. Stuart J. Kaufman: Modern Hatreds: The Symbolic Politics of Ethnic War. Cornell University Press, 2001, ISBN 0-8014-8736-6, S. 143.
  16. The painful past retold Social memory in Azerbaijan and Gagauzia, Hülya Demirdirek, Postkommunismens Antropologi, University of Copenhagen, 12–14 April 1996.
  17. http://www.olvia.idknet.com/ol63-09-06.htm
  18. Arms and Ethnic Conflict, John Sislin, Frederic S. Pearson (Rowman & Littlefield, 2001), S. 99, ISBN 0-8476-8855-0
  19. RIA Novosti, 3. April 2012: Transnistrien-Gespräche: Tiraspol um Gleichberechtigung mit Chisinau bemüht
  20. OSZE-Dokument Istanbul 1999 IV, Punkt 19
  21. a b NATO-Resolution vom 18. November. Punkt 11. b.
  22. dw.de: Deutschlands stille Transnistrien-Diplomatie
  23. http://www.kas.de/wf/doc/kas_10097-544-1-30.pdf?070208170425
  24. Lenins letzter Landstrich auf taz.de. Abgerufen am 7. Juni 2012.
  25. Karte des EUBAM
  26. RIA Novosti, 27. September 2012: EU hebt Visa-Sanktionen gegen Transnistrien-Beamte auf
  27. Nach Krim-Referendum: Auch Transnistrien will Russland beitreten. RIANOVOSTI, 18. März 2014, abgerufen am 19. März 2014 (deutsch).
  28. Transnistria wants to merge with Russia. Vestnik Kavkaza, 18. März 2014, abgerufen am 18. März 2014 (englisch).
  29. Russische Truppen starten Manöver in Transnistrien.
  30. NATO warnt vor Ausweitung der Krim-Krise, heute am 23. März 2014
  31. Putin will über Transnistrien reden, n-tv am 29. März 2014
  32. Transnistrien bittet Putin um Angliederung an Russland. RIANOVOSTI, 17. April 2014, abgerufen am 17. April 2014 (deutsch).
  33. http://mfa-pmr.org/index.php?newsid=2840
  34. http://eastbook.eu/en/2013/06/country-en/moldova-en/transnistria-a-soviet-antique-replica-playing-a-strategic-role-in-the-eap-future/
  35. Café Tiraspol – taz.de
  36. [1]
  37. Beitrittswunsch: Ukraine will Nato-Schutz, Focus Online, 24. August 2008.
  38. Vgl. Herdegen: Völkerrecht. 6. Auflage. § 45; Ipsen: Völkerrecht. 5. Auflage. § 34, Rn 16.
  39. [2]
  40. [3]
  41. [4]
  42. [5](en)
  43. a b http://www.freedomhouse.org/report/freedom-world/2012/transnistria
  44. Dirk Schümer: Flaschenpost im Meer der Vernichtung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. November 2013.
  45. Europäisches Parlament: Ad-hoc-Delegation für Moldawien, 5. und 6. Juni 2002 (PDF; 182 kB)
  46. Ahto Lobjakas auf Radio Free Europe/Radio Liberty: Moldova: Western Diplomats Say Reports Of Smuggling From Transdniester Likely Exaggerated, 11. Oktober 2005.
  47. http://internacional.elpais.com/internacional/2013/06/04/actualidad/1370334170_344660.html
  48. Im Transnistrien-Konflikt wäre ein Kompromiss in sechs bis zwölf Monaten möglich, aus Eurasisches Magazin (5. März 2008), abgerufen am 5. Januar 2014
  49. International Religious Freedom Report 2003 (Moldova)
  50. Bericht des Repräsentanten der OSZE für Freiheit der Medien, Miklós Haraszti, über Transnistrien, 2005, S. 2,5. (PDF; 69 kB)
  51. Bericht über den Übergriff im wöchentlichen Bulletin des Center for Journalism in Extreme Situations (Unterorganisation der Russischen Journalisten-Union), 50/2004
  52. Transnistria, The Forgotten Conflict. brain-storming.info. Archiviert vom Original am 20. Februar 2009. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  53. Moldovan Schools in Transdniestria – OSCE Magazine (in Englisch)
  54. http://www.coe.int/t/commissioner/News/2012/120118Moldova_en.asp
  55. http://www.un.md/key_doc_pub/Senior_Expert_Hammarberg_Report_TN_Human_Rights.pdf
  56. Bericht des Repräsentanten der OSZE für Freiheit der Medien, Miklós Haraszti, über Transnistrien, 2005, S. 5 (PDF; 69 kB).
  57. kvinz.biz – About Kvint
  58. http://www.tirotex.com/navg.php?l=de
  59. SZ-Magazin 38/2006: Land des schadhaften Lächelns
  60. http://transnistria-tour.com/de/
  61. International Crisis Group, Moldova: Regional tensions over Transdniestria (PDF; 483 kB)
  62. Historische Übersicht der Zentralbank Transnistrien
  63. http://eastbook.eu/en/2012/02/country-en/moldova-en/moldova-russian-ruble-in-transnistria/
  64. http://german.ruvr.ru/2013_02_12/Transnistrien-will-russischen-Rubel-einfuhren/
  65. Bericht des Repräsentanten der OSZE für Freiheit der Medien, Miklós Haraszti, über Transnistrien, 2005, S. 3,5. (PDF; 69 kB)

46.81666666666729.6Koordinaten: 47° N, 30° O