Transposition (Musik)

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Unter Transposition versteht man in der Musik das proportionale Verändern der Höhe von Tönen um ein bestimmtes Intervall.

Die einfachste Art der Transposition ist die Oktavierung, bei der die Töne namensgleich bleiben, aber um eine Oktave nach oben oder unten versetzt werden. Bei Transpositionen mit anderen Intervallen müssen in den meisten Fällen auch die Tonart und somit die Generalvorzeichen verändert werden. Wird beispielsweise von D-Dur nach F-Dur transponiert, tauscht man die vorgezeichneten zwei Kreuze (für „fis“ und „cis“) gegen ein b (statt „h“) und setzt dann alle Töne um eine kleine Terz hinauf oder große Sexte herab.

Historische Bauformen[Bearbeiten]

Bei historischen Blechblasinstrumenten (beispielsweise Naturtrompete oder Naturhorn) war es durch das Fehlen chromatischer Spielfähigkeit nicht möglich, entfernte Tonarten von der Grundstimmung aus zu spielen (siehe auch Naturtonreihe). Also setzten die Musiker Stimm- oder Wechselbögen verschiedener Längen ein (z. B. bei der Trompete A-Bogen, C-Bogen, Es-Bogen, F-Bogen), um so die Grundstimmung zu verändern. Damit man nicht die neuen Tonreihen für die veränderte Grundstimmung lesen muss, berücksichtigten die Komponisten dies und setzten die C-Notation so, dass die Instrumentalisten nur den Bogen wechseln und wie gewohnt weiterspielen konnten. Diese Stellen zum Wechseln der Bögen markierten die Komponisten mit den Transpositionsvorschriften (z. B. „Trompete in F“).

Bei den modernen, chromatisch spielfähigen Instrumenten fällt dieses Problem weg, sodass die Musiker gezwungen sind, diese Veränderung der Notation „im Kopf“ wieder rückgängig zu machen und jede Note wieder ins „klingende“ umzurechnen. Ansonsten müsste man die gesamte Literatur umschreiben, darauf konnte man sich bis heute nicht verständigen.

Ändern der Stimmlage[Bearbeiten]

Oftmals sind Lieder oder andere Stücke zu hoch für eine Stimmlage (Franz Schubert schrieb seine Lieder für hohe Stimme). Hier kann das Transponieren in eine geeignetere Lage eine große Hilfe sein. Diese Tradition wurde von Musikern bis heute gepflegt: Von den meisten Liederzyklen der großen Komponisten existieren eigene Ausgaben für die verschiedenen Stimmlagen, die in entsprechende Tonarten transponiert wurden. Auch Arrangements für (Big)band mit Gesang werden traditionell an die optimale Stimmlage des Sängers oder der Sängerin angepasst. Dasselbe gilt für den Musikunterricht in der Schule.

Die Möglichkeit der Transposition verführt allerdings vor allem Anfänger dazu, technischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, die mit etwas Übung und Anleitung zu bewältigen wären und den Weg für eine allmähliche Erweiterung des Stimmumfangs öffnen könnten.

Bei Instrumentalmusik kann es ebenso sein, dass ein Stück, das beispielsweise auf der Flöte angenehm „liegt“, für einen Oboisten unbequem und zu hoch ist und von ihm besser in einer tieferen Lage gespielt wird. Johann Sebastian Bach, der oft eigene Melodien oder ganze Stücke für andere Instrumente umgearbeitet hat, hat diese Praxis immer wieder angewendet.

Technische Erleichterung[Bearbeiten]

Wenn Musikstücke in schwierigen Tonarten stehen, ist es für Anfänger oft schwer, die Fülle an Vorzeichen zu bewältigen. Das berühmte Englischhorn-Solo aus Antonín Dvořáks Sinfonie Aus der Neuen Welt, das im Original in Des-Dur steht, könnte man in einem Klavieralbum für Kinder etwa nach C-Dur transponieren, sodass es ausschließlich mit weißen Tasten gespielt werden kann:

(a) Dvořáks Neue Welt im Original, (b) in einer leichteren Fassung

Aber auch für professionelle Instrumentalisten kann es sinnvoll sein, ein Musikstück zu transponieren: Werke für Bläser sind oft in B-Tonarten und jene für Streicher in Kreuz-Tonarten, weil das dem Klang und der Technik der Instrumente entgegenkommt. Spielt nun etwa ein Cellist ein Fagott-Stück in As-Dur, kann es brillanter und selbstverständlicher klingen, wenn er es in eine am Cello angenehmere Tonart, etwa A-Dur transponiert.

Transponierende Instrumente[Bearbeiten]

Transponierende Instrumente haben normalerweise Einzelstimmen, die bereits transponiert notiert sind, der Musiker muss sich also nicht darum kümmern, sondern spielt, was in den Noten steht, und es klingt die richtige Tonhöhe. Im folgenden Ausschnitt aus Beethovens 5.Symphonie (Beginn) ist die Stimme der B-Klarinetten abgebildet, die einen Ganzton tiefer klingt, als man sie notiert. (a) ist die (hinauftransponierte) Orchesterstimme, (b) ist der erwünschte und erzielte Klang, einen Ganzton tiefer:

Transposition bei der B-Klarinette

Zuweilen muss ein Musiker aber auf seinem transponierenden Instrument aus einer nicht transponierten, sogenannten C-Stimme spielen, wenn ein Klarinettist zum Beispiel den Part der Flöte oder Geige übernimmt. In diesem Fall muss die Transposition in Echtzeit im Kopf des Musikers erfolgen.

In der Orchesterliteratur findet man manchmal auch C-Klarinettenstimmen, so zum Beispiel in den Symphonien Beethovens oder Schuberts, oder dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini, dessen bisweilen rasend schnelle Passagen auf den heute kaum mehr gebräuchlichen C-Klarinetten um einiges leichter zu bewältigen wären. In einigen Werken von Richard Strauss und Richard Wagner finden sich sogar Stimmen für eine Bassklarinette in A, die in Ermangelung solcher Instrumente mit einer Bassklarinette in B um einen Halbton tiefer als notiert gespielt werden müssen.

Besonders aufwendig kann das bei Hornisten sein, die bei Naturhornstimmen die verschiedensten Transpositionen bewältigen müssen. Die untenstehende Abbildung zeigt einen weiteren Ausschnitt aus der Beethoven-Symphonie: In den Noten steht (a), klingen soll (b), wofür auf dem F-Horn (c) gegriffen werden muss:

Das doppelte Transponieren aus alten Hornstimmen

Elektronische Transposition (Sampling)[Bearbeiten]

Transposition prozentual

Bei einem Sampler können die von den Originalinstrumenten abgetasteten Töne transponiert werden.

  • Wird gleichzeitig die Abspielgeschwindigkeit verändert, ändert sich auch die Tonhöhe (ähnlich wie bei einer Schallplatte). Dadurch ändert sich jedoch auch der zeitliche Verlauf des Klanges, was das Ergebnis verschlechtert. Anschauliches Beispiel ist die sogenannte „Mickey-Maus-Stimme“ bei elektronisch hochtransponierten Aufnahmen.
  • Anders die rechnerisch aufwendigere „scheibchenweise“ Bearbeitung des Samples, bei dem extrem kurze zeitliche Abschnitte der Tonschwingung schneller abgespielt und anschließend so dupliziert werden, dass die Länge des Klanges sich nicht verändert. Als Problem bleibt jedoch auch bei diesem Verfahren die Verschiebung der Formanten, denn ein höher / tiefer gespielter oder gesungener Ton hat in der Regel auch eine andere Klangcharakteristik als ein elektronisch transponierter.
Transpositionstabelle (in Prozent):
-8    158,74
-7    149,83
-6    141,42
-5    133,48
-4    126,00
-3    118,92
-2    112,25
-1    105,95
keine 100,00
 1     94,39
 2     89,09
 3     84,09
 4     79,37
 5     74,92
 6     70,71
 7     66,74
 8     63,00

Damit folgt sie der Exponentiellen Funktion 
f(x) = 100 \cdot 0,9439^x \,
.

Doppelte oder halbe Tonhöhe ist bei einer Transposition von zwölf Tönen erreicht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Transposition – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen