Trappen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Trappen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Trappen
Rüppelltrappen (Eupodotis rueppellii)

Rüppelltrappen (Eupodotis rueppellii)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Familie: Trappen
Wissenschaftlicher Name
Otididae
Rafinesque, 1815

Die Trappen (Otididae) sind eine Familie der Vögel aus der Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes). Die Familie umfasst kleine bis sehr große, bodenlebende, aber flugfähige Vögel. Die meisten Arten leben in Afrika, zwei Arten kommen auch in Europa vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Trappen sind kleine bis sehr große, flugfähige Vögel. Der Rumpf ist kräftig, Hals und Beine sind lang, der Schwanz und der Schnabel recht kurz. Die größten Arten stehen 1 m hoch und erreichen ein Gewicht von 10 kg, in Ausnahmefällen sogar 19 kg, womit sie die schwersten flugfähigen Vögel der Welt sind. Die Weibchen sind bei den großen Arten erheblich leichter und kleiner; sie erreichen nur zwei Drittel der Höhe und ein Drittel des Gewichts eines durchschnittlichen Männchens. Bei kleineren Arten gibt es dagegen keine nennenswerten Größenunterschiede. Die kleinste Art ist die Flaggentrappe mit einer Länge von 46 cm und einem Gewicht von 450 g.

Die Riesentrappe ist der schwerste flugfähige Vogel der Welt

Das Gefieder ist überwiegend wenig auffällig braun oder grau mit weißen und schwarzen Zeichnungen. Die Anzahl der Steuerfedern beträgt zwischen 16 und 20. Alle Arten zeigen einen mehr oder weniger deutlichen Geschlechtsdimorphismus in der Färbung. Die Männchen haben in der Regel hellere Gefiederfarben und oft Schmuckfedern an Scheitel, Nacken, Wangen, Kehle oder Hals. Bei den Hähnen einer Reihe von Arten ist der Hals während der Fortpflanzungszeit verdickt oder wird zumindest bei der Balz durch Aufpumpen eines Teils der Speiseröhre oder zusätzlich noch eines Kehlsacks vergrößert.

Die Beine sind ab der Mitte des Tibiotarsus nach unten unbefiedert. Die Tiere haben nur drei Zehen mit unten ausgehöhlten, breiten Krallen, die Hinterzehe fehlt (Tridaktylie). Die Tridaktylie bewirkt, dass Trappen auf Bäumen keinen Halt fänden und ausschließlich am Boden leben. Meistens schreiten Trappen in langsamem Tempo. Schnelles Laufen ist wegen der relativ kleinen Füße kaum möglich.

Die großen Flügel werden nur selten genutzt - vor allem die größeren Arten verbringen oft mehrere Wochen am Boden, ohne sich einmal in die Luft zu erheben. Trappen sind jedoch ausdauernde Flieger - manche Arten vollführen jahreszeitliche Züge mit beachtlichen Distanzen. Die kleinen Trappenarten haben einen schnellen, entenartigen Flug, während große Trappen mit langsameren Flügelschlägen fliegen.

Die Arten der Familie haben keine Bürzeldrüse, verfügen jedoch über rosa gefärbte Puderdunen; auch die Basen und Fahnen der Konturfedern sind rosa und sondern Puder ab. Ein Penis ist rudimentär ausgebildet. Die Blinddärme sind sehr lang und dienen zum Aufschluss von Zellulose.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Großtrappe ist eine von zwei europäischen Arten

Hauptverbreitungsgebiet der Familie ist Afrika mit 16 von 27 Arten, weitere Arten leben in Europa und Asien, eine in Australien. In Europa kommen zwei Arten vor, die Großtrappe und die Zwergtrappe. Als überwiegend wärmeliebende Bodenvögel leben Trappen in offenen Landschaften mit reicher Bodenvegetation wie Steppen, Halbwüsten und Kultursteppen.

Bei vier Arten sind zumindest Teilpopulationen Zugvögel. Dies gilt für die paläarktischen Arten (Großtrappe, Zwergtrappe, Kragentrappe), die vor allem aus den russischen Kältesteppen in subtropische Regionen ziehen. Die vierte Art ist die Flaggentrappe, die in Gujarat brütet und im Süden Indiens überwintert.

Lebensweise[Bearbeiten]

Aktivität[Bearbeiten]

Trappen sind tagaktive Vögel, die morgens und abends die größte Aktivität zeigen. Nachts ruhen sie, meistens im Stehen, gelegentlich aber auch mit dem Bauch auf dem Boden.

Viele Trappenarten leben zumindest außerhalb der Brutzeit in lockeren Verbänden, die meistens nur einige Individuen umfassen. Es gibt in diesen Verbänden wenig soziale Interaktion, die Vögel trennen sich immer wieder und finden sich in neuen Zusammenstellungen zusammen. Bei allen Arten außer der Zwergtrappe gibt es reine Männchenverbände und reine Weibchenverbände. Weibchen sind generell einzelgängerischer als Männchen. Oft schließen sich Trappenverbände herdenlebenden Säugetieren an. Die Gruppe bietet Schutz vor Raubtieren. Eine Besonderheit sind die Verbände der Zwergtrappe, die in den Steppen Südrusslands mehrere tausend Tiere umfassen können.

Zu den Feinden kleiner Trappenarten gehören große Greifvögel (in Afrika vor allem Kampfadler, Kaffernadler, Raubadler), Paviane, Mangusten und Warane. Die großen Trappen haben naturgemäß weniger Feinde. Im Falle einer Bedrohung nehmen Trappen eine Haltung ein, bei der sie den Körper vorstrecken, die Flügel ausbreiten und den Schwanz fächerartig ausklappen.

Ernährung[Bearbeiten]

Als Allesfresser nehmen Trappen pflanzliche wie tierische Nahrung auf. Dabei gibt es auch innerhalb der Arten große Unterschiede je nach Lebensraum und Jahreszeit.

Die pflanzliche Nahrung machen vor allem grüne Pflanzenteile wie frische Blätter aus, daneben auch Blüten, Früchte und Knollen. Letztere werden mit dem Schnabel ausgegraben.

Bei Tieren machen Wirbellose den Hauptanteil aus. Dies sind Heuschrecken, Käfer, Termiten, Ameisen, Raupen, Spinnen, Tausendfüßer, Skorpione und Schnecken. Die kleinen Trappen nehmen ausnahmsweise, die großen hingegen regelmäßig auch kleine Wirbeltiere wie Schlangen, Eidechsen, Eier, Jungvögel und Nagetiere. Auch Aas wird nicht verschmäht.

Trappen beziehen ihren Flüssigkeitsbedarf hauptsächlich aus der Nahrung und können lange Zeit ohne Wasser auskommen. Wenn Wasser vorhanden ist, trinken sie aber auch.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Arten hat ein polygynes Fortpflanzungssystem: Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen und hilft selbst nicht bei Brut und Jungenaufzucht. Ausnahme von dieser Regel sind die kleinen afrikanischen Trappen der Gattung Eupodotis, die saisonal monogam sind und bei denen ein Paar gemeinsam die Jungenaufzucht übernimmt, oft unterstützt von einem männlichen Nachkommen des Vorjahrs.

Die Brutzeit beginnt in der gemäßigten Zone im Frühling, in den subtropischen und tropischen Regionen richtet sie sich nach den jeweiligen Regenzeiten; beispielsweise liegt sie in der Sahelzone im Juli. Regenreiche Perioden bürgen für ausreichende Verfügbarkeit pflanzlicher Nahrung und Insektenreichtum, so dass sie für die Jungenaufzucht geeignet sind.

Die Balz verläuft von Art zu Art sehr unterschiedlich. Bekannt geworden ist die Balz der Großtrappe, bei der sich mehrere Männchen in einem Lek sammeln und um die darum stehenden Weibchen werben. Dabei wird der Kehlsack ballonartig aufgeblasen, die Bartfedern werden aufgerichtet, der Schwanz fächerartig ausgebreitet und die Flügel hängen gelassen. Der Großtrappenhahn präsentiert somit alle leuchtenden Gefiederteile, die für gewöhnlich verborgen bleibt. Ein Lek-System findet sich auch bei anderen Arten, üblicherweise unterhält ein Männchen aber ein Revier, in dem es keine anderen Männchen duldet und allein balzt. Die Balz verläuft bei den großen Arten ganz und gar am Boden. Manche kleinere Arten balzen im Flug. Hier steigen die Männchen auf etwa 20 m Höhe auf und lassen sich in Gleitflügen sinken; dazwischen stehen sie auf erhöhten Positionen, zum Beispiel Termitenhügeln.

Abgesehen von den Eupodotis-Arten, verlassen nach der Kopulation die Weibchen die Männchen, die mit dem weiteren Brutgeschäft nichts mehr zu tun haben. Sie wählen einen Nistplatz, der sich stets auf dem Boden befindet - oft im Schutz nahestehender Sträucher oder Felsen, manchmal aber auch völlig offen. Ein Nest wird nicht gebaut, höchstens wird die Vegetation ein wenig beiseite gescharrt.

Die allermeisten Arten legen ein bis zwei Eier. Bei den europäischen Arten, der Groß- und der Zwergtrappe, beträgt die Gelegegröße zwei bis drei. Das größte Gelege hat die Flaggentrappe mit drei bis fünf Eiern. Die Eier sind grau oder oliv gefärbt und unregelmäßig gefleckt. Die Brut dauert 20 bis 25 Tage. Anschließend schlüpfen die Jungen, die bereits wenige Stunden später lauffähig sind. Sobald alle dazu befähigt sind, verlassen das Weibchen und seine Jungen das Nest. Die Jungen sind schnell in der Lage, selbständig zu fressen.

Vier bis fünf Wochen nach dem Schlüpfen sind die Jungen flugfähig, oft nutzen sie diese Fähigkeit aber für viele weitere Wochen nicht. Bis sie von den Elterntieren unabhängig sind, vergehen einige Monate. Bei den Jungen der Gattung Eupodotis verbleiben männliche Junge oft länger als ein Jahr bei den Eltern und helfen bei der Aufzucht der nachfolgenden Brut. Geschlechtsreif werden weibliche Trappen im Alter von etwa zwei Jahren, Männchen hingegen erst mit sechs Jahren.

Systematik[Bearbeiten]

In der Vergangenheit wurden Trappen auch den Laufvögeln und Hühnervögeln zugeordnet, ehe man sie bei den Kranichvögeln einordnete. Die Zusammensetzung der Kranichvögel ist heute umstritten, und einige ursprünglich dort eingeordnete Vogelfamilien sind mit den anderen wahrscheinlich nicht verwandt. Trappen sind aber wohl tatsächlich entfernte Verwandte der Rallen und Kraniche. Houde & al. sehen Trappen als Schwestergruppe der Seriemas an und setzen beide in ein Schwestergruppenverhältnis einer großen Klade aus Kranichen, Rallen und weiteren Familien[1]. Es gibt jedoch auch andere Ansätze, und manche Autoren stellen Trappen ganz außerhalb der Kranichvögel, beispielsweise als Schwestergruppe zu einem gemeinsamen Taxon aus den restlichen Kranichvögeln und den Kuckucken[2].

Die molekulare Uhr legt nahe, dass der letzte gemeinsame Vorfahr der rezenten Trappen im Miozän gelebt haben könnte. Wahrscheinlich hat die Familie der Trappen ihren Ursprung in Afrika, wo auch heute noch der größte Artenreichtum herrscht[3].

Die innere Systematik der Familie wird seit langem kontrovers diskutiert, die folgende Liste mit 11 Gattungen und 27 Arten folgt Avibase.[4]

Menschen und Trappen[Bearbeiten]

Ludwigtrappe

Dass Trappen den Menschen schon lange vertraut sind, zeigen prähistorische Höhlenzeichnungen, auf denen Großtrappen schon zu sehen sind. Im Verlauf der letzten Jahrhunderte haben die beiden europäischen Arten vom Kahlschlag der Wälder und der Schaffung von Kulturlandschaften profitiert. Beide Arten galten als Schädlinge, da sie die angebauten Feldfrüchte fraßen. Im 18. Jahrhundert war die Großtrappe in ganz Mitteleuropa ein sehr häufiger Vogel, der sogar als Plage angesehen wurde. Der dramatische Rückgang, der später erfolgte, ist vor allem dem Einsatz von Pestiziden, der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Jagd geschuldet. Bis 1990 sank die Zahl der Großtrappen in Deutschland auf 50 Tiere; heute hat sich diese Zahl aber dank intensiver Schutzbemühungen wieder erhöht[5]. Europaweit gehen die Bestände aber immer noch zurück; ganz ausgestorben ist die Großtrappe mittlerweile in der Schweiz, in Polen, in Schweden und in Großbritannien[6].

Trappen wurden früher ebenso wie ihre Eier auch in Europa gegessen. Heute wird Trappenfleisch nur noch in wenigen Teilen der Erde verzehrt, zum Beispiel im Tschad. Als Schädling gelten Zwergtrappen heute noch in manchen Gegenden Russlands. Hingegen werden viele Arten in Afrika sehr gerne gesehen, da sie Schwärmen von Wanderheuschrecken folgen und diese vertilgen.

Auf der arabischen Halbinsel hat die Trappenjagd mit Falken Tradition. Durch diesen Brauch wurde die Kragentrappe dort beinahe ausgerottet. Touristen aus arabischen Ländern gehen heute auch in Afrika und Asien der Trappenjagd nach und üben damit einen starken Druck auf die Populationen aus.

Die IUCN stuft derzeit zwei Arten als gefährdet ein (Großtrappe, Kragentrappe), zwei als stark gefährdet (Hindutrappe, Barttrappe) und eine als vom Aussterben bedroht (Flaggentrappe)[7].

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Zitierte Quellen[Bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil der unter Literatur angegebenen Quelle, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

  1. P. Houde &al.: Phylogeny and evolution of 12S rDNA in Gruiformes (Aves). In: David P. Mindell (Hrsg.): Avian Molecular Evolution and Systematics. San Diego: Academic Press, 1997, ISBN 0-12-498315-4
  2. Tree of Life Project: Neoaves, abgerufen 29. April 2009
  3. Christian Pitraa & al.: Phylogenetic Relationships and Ancestral Areas of the Bustards (Gruiformes: Otididae), Inferred from Mitochondrial DNA and Nuclear Intron Sequences. In: Molecular Phylogenetics and Evolution 2002, Bd. 23, Nr. 1, S. 63-74
  4. Die Familie Otididae auf Avibase, abgerufen am 20. November 2008
  5. Nabu: Großtrappenbestände haben sich stabilisiert, abgerufen 29. April 2009
  6. Otis tarda in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Abgerufen am 29. April 2009
  7. Suche nach „Otididae“ in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Abgerufen am 16. November 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Josep del Hoyo et al.: Handbook of the Birds of the World, Band 3 (Hoatzins to Auks). Lynx Edicions, 1996, ISBN 84-87334-20-2
  • Urs N. Glutz von Blotzheim, Kurt M. Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 5, Galliformes – Gruiformes. Aula, Wiesbaden, 2. Auflage 1994: S. 616-617, ISBN 3-923527-00-4

Weblinks[Bearbeiten]