Trauerbeflaggung

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Flaggen auf halbmast vor dem Wiener Parlament

Bei der Trauerbeflaggung werden Flaggen nicht vollständig gesetzt, um Trauer auszudrücken. In Deutschland wird sie von den Innenministern des Bundes oder der Länder angeordnet. In Österreich kann sie vom Bundeskanzler bundesweit oder vom Landeshauptmann landesweit verordnet werden. Sie kann aber auch auf einzelne Gemeinden oder Gebäude beschränkt sein. Trauerbeflaggung kann zum Beispiel beim Tod eines wichtigen Staatsmannes oder auch zur Erinnerung an vielbeachtete tödliche Ereignisse, wie z. B. die Terroranschläge des 11. September 2001, angeordnet werden. In der Bundesrepublik werden am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sowie am Volkstrauertag die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Durchführung[Bearbeiten]

Flaggen mit Trauerflor in Münster

Die Trauerbeflaggung wird in der Regel in Form der Halbmastbeflaggung oder Halbstockbeflaggung ("Flagge halbstock"[1][2]) / ("Halbstocks die Flagge!"[3]) durchgeführt. Bei dieser sind die jeweiligen Flaggen – nicht jedoch die Banner – an öffentlichen Gebäuden nicht oben am Fahnenmast, sondern (je nach Länge der Flagge) etwas oberhalb der Mitte des Mastes postiert. Das korrekte Hissen der Flagge auf halbmast erfolgt dergestalt, dass sie zunächst bis zur Spitze des Mastes gezogen, und erst dann auf Halbmastposition heruntergelassen wird. Umgekehrt erfolgt die Abnahme so, dass die Flagge zunächst auch wieder erst ganz nach oben gezogen und erst dann abgenommen wird.

Ist das Flaggen auf halbmast nicht möglich, so ist an der Flagge Trauerflor anzubringen und die Flagge oben am Mast zu flaggen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung der Halbmastbeflaggung liegt in den Seeschlachten mit Segelschiffen. Es war nicht nur die Flagge des besiegten Schiffes, die niedergeholt wurde, sondern auch zuerst das oberste Segel. Der Feind hatte zudem später seine eigene Flagge halb einzuholen und an ihre Stelle wurde die Fahne des Siegers, zum sichtbaren Zeichen für alle, gesetzt.

Aus diesem Ritual entstand dann später die Sitte, eine Flagge als Zeichen des Respekts vor höhergestellten Persönlichkeiten einzuholen. Auch grüßten sich Schiffe untereinander durch Senken (Dippen) der Flagge. Der ursprüngliche Zweck, dadurch den Platz für eine andere Fahne freizumachen, geriet in Vergessenheit. Heute ist die Halbmastbeflaggung ein Zeichen der Achtung gegenüber Toten.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Flagge Spaniens mit Trauerschleife
Trauerbeflaggung für die Opfer des Erdbebens in Sichuan 2008 in Hongkong. Die Flagge Saudi-Arabiens bleibt auf voller Höhe.

Die einzigen Flaggen, die niemals halbmast geflaggt werden, sind die Flagge Saudi-Arabiens, die Flagge Irans, die Flagge Somalilands und die Royal Standard.

Bei den Flaggen Saudi-Arabiens, Irans und Somalilands wird dies nicht gemacht, weil auf der Flagge mit der Schahāda (Saudi-Arabien) und dem Takbīr (Iran) islamische Glaubensbekenntnisse zu sehen sind.

Bei der Royal Standard geschieht dies nicht, weil der König oder die Königin streng gesehen nie tot sind. Stirbt das Oberhaupt, tritt sofort der rechtmäßige Thronfolger an dessen Stelle („Der König ist tot, es lebe der König“).

In Spanien wird alternativ zur Halbmastbeflaggung die Nationalflagge mit einer schwarzen Schleife versehen.

In Österreich ist bei nichtstaatlichen Anlässen auch das Aufziehen einfarbiger schwarzer Flaggen bis zur Mastspitze verbreitet, etwa für einen Tag bis eine Woche beim Tod eines Schul- oder Betriebsangehörigen.

Die Flagge der Einheit der Bundesrepublik Deutschland auf dem Platz der Republik in Berlin wird, mit seltenen Ausnahmen, nicht auf halbmast gesetzt.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flaggen auf halbmast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Rüdenberg, Hans O. H. Stange: Chinesisch-deutsches Wörterbuch. Cram, DeGruyter & Co., Hamburg 1963, ISBN 3-11-003548-0, S. 319, unten rechts (半旗)
  2. Werner Rüdenberg, Hans O. H. Stange: Chinesisch-deutsches Wörterbuch. Cram, DeGruyter & Co., Hamburg 1963, ISBN 3-11-003548-0, S. 319, rechte Spalte, letzte Zeichenkombination
  3. [1]
  4. http://www.protokoll-inland.de/PI/DE/Beflaggung/BesBeflaggungssituationen/beflaggungssituationen_node.html