Traugott von Jagow

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Traugott Achaz von Jagow (* 18. Mai 1865 in Perleberg, Brandenburg; † 15. Juni 1941 in Berlin) war ein deutscher Verwaltungsbeamter und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Jagow wurde als Sohn des preußischen Landrats und Politikers Julius von Jagow und dessen Ehefrau Thekla Marie geb. Gräfin Wilamowitz-Möllendorf geboren. Nach häufigem Schulwechsel legte er schließlich zu Ostern 1885 am Gymnasium zu Stendal das Abitur ab. Nach dem Schulbesuch studierte er an der Georg-August-Universität Göttingen, in Halle und in Lausanne Rechts- und Staatswissenschaften. In Göttingen promovierte Traugott von Jagow Anfang 1889 zum Dr. jur. Ab 1885 war er Angehöriger, ab 1935 Ehrenmitglied des Corps Saxonia Göttingen.[1] Seinen Militärdienst leistete Traugott von Jagow als Einjährigfreiwilliger und war anschließend Reserveoffizier in verschiedenen preußischen Kavallerieregimentern, zuletzt Major d. R. im Garde-Kürassier-Regiment in Berlin. Traugott von Jagow trat zuerst in den preußischen Justizdienst ein, wechselte aber wenig später in den preußischen Verwaltungsdienst zwecks Ausbildung zum höheren Verwaltungsbeamten über. Nachdem er wegen der schweren Erkrankung seines Vaters, er war Landrat des Kreises Westprignitz mit Amtssitz in Perleberg, diesen als Hilfskraft unterstützt hatte, wurde er 1895 nach dessen krankheitsbedingten Pensionierung selbst Landrat des heimatlichen Kreises Westprignitz. Hier erwies sich Traugott von Jagow als befähigter, zupackender und sehr initiativreicher Verwaltungsbeamter. Deshalb versetzte man ihn im Jahr 1906 unter Überspringung des Ranges als Regierungsrat sogleich als Oberregierungsrat zur Regierung Potsdam. Da sich der politische, stockkonservativ gesinnte Traugott von Jagow auch in Potsdam als befähigter Beamter hervorragend bewährte, erhielt er zum 27. Oktober 1909 seine Ernennung zum Kgl. Polizeipräsidenten von Berlin, ein Amt, welches damals dem des Regierungspräsidenten eines Regierungsbezirkes als gleichwertig erachtet wurde.

Von 1909 bis 1916 war er Polizeipräsident von Berlin. Zum geflügelten Wort wurde sein Kommentar zur Anmeldung einer linken Demonstration: „Die Straße gehört dem Verkehr. Ich warne Neugierige.“ Bereits 1902 war in Berlin eine Straße nach ihm benannt worden.[2] Wegen des verstärkten Verkehrsaufkommens ließ von Jagow in Berlin-Mitte die weltweit erste Einbahnstraße für Automobile einrichten: Die Friedrichstraße durfte zwischen Unter den Linden und Behrenstraße nur in südliche Richtung befahren werden. Doch sorgte Traugott von Jagow gleichfalls für eine moderne Ausbildung und Ausrüstung der Berliner Polizei.

1911 griff der Journalist Alfred Kerr in der Zeitschrift Pan Jagow in einer Retourkutsche für die diesem amtlich obliegende Zensur der Zeitschrift an: Er machte öffentlich, dass Jagow die Gattin von Kerrs Verleger Paul Cassirer, Tilla Durieux, bedrängt hatte. Nach anderen Angaben hatte der zeitlebens ledige Traugott von Jagow mit der stets koketten Tilla Durieux ein kleines Techtelmechtel, hinter dass leider deren eifersüchtiger Gatte auf Grund eines abgefangenen Billets kam. Diese private Affäre wurde von allen Beteiligten gütlich beigelegt, und es hätte keine Notwendigkeit bestanden, öffentlich daran zu rühren. Doch Kerr machte aus einer rein privaten eine vielbesprochene politische Affäre im Kaiserreich. Doch Jagows weiterer dienstlicher Karriere tat der Vorfall keinen Abbruch.

Vom 2. Juni 1916 bis zum November 1918 war Jagow, allerdings nur rein nominell, Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Breslau, denn er trat seinen neuen Dienstposten infolge der Einberufung zum Militärdienst nie an. Nach seiner Pensionierung 1918 war er Direktor des Pommerschen Landbunds.[3]

Als Major d. R. zählte Traugott von Jagow 1920 zu den Initiatoren des Kapp-Putsches. In der kurzlebigen „Regierung der Ordnung, der Freiheit und der Tat“, die von Wolfgang Kapp während des nach ihm benannten Putsches gebildet wurde (13. bis 17. März 1920), war er „Minister des Innern“. Nach dem Scheitern des Putsches stellte sich Traugott von Jagow als einziger führender Putschist den Behörden und rechnete zeitweise damit, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt zu werden. Trotz seiner führenden Teilnahme am Kapp-Putsch berücksichtigte das Gericht jedoch die „selbstlose Vaterlandsliebe“ Traugotts von Jagows und verurteilte ihn am 21. Dezember 1921 nicht wegen Hochverrat, sondern nur wegen Beihilfe zum Hochverrat zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft, die er im pommerschen Gollnow verbüßte. In diesem Urteil hieß es einerseits sinngemäß, dass § 81 Abs. I Nr. 2 StGB (Hochverrat) die jeweils gültige Verfassung des Deutschen Reichs und damit auch die neue Weimarer Verfassung schützen solle. Auf der anderen Seite hieß es: „Bei der Strafzumessung sind dem Angeklagten [gemeint ist Traugott von Jagow], der unter dem Bann selbstloser Vaterlandsliebe und eines verführerischen Augenblicks dem Rufe von Kapp gefolgt ist, mildernde Umstände zugebilligt worden.“ Ende 1924 wurde er begnadigt und vorzeitig aus der Haft entlassen. Nach der Haftentlassung klagte Jagow vor dem Reichsgericht erfolgreich rückwirkend seine Pension ein, selbst für die Zeit seiner hochverräterischen Betätigung. Nach der Haftverbüßung lebte Traugott von Jagow, den selbst politische Gegner stets als „alten Kavalier“ bezeichneten, im Stillen der Aufrechterhaltung des monarchischen Gedankens in Deutschland, weshalb er im „Bund der Aufrechten“ mitwirkte. Im Dritten Reich unterlag Traugott von Jagow zwar keiner politischen Verfolgung, doch wurde er nicht, wie von ihm eigentlich gewünscht, offiziell rehabilitiert und zudem wegen seiner Vergangenheit als politischer Reaktionär betrachtet. Still und ohne jedwede politische Funktion oder amtliche Wiederverwendung verstarb er 1941 in Berlin und wurde auf eigenen Wunsch in seiner Geburtsstadt Perleberg beigesetzt. Sein Bruder war der Reichswehrgeneral Walter von Jagow, der 1927 als General der Kavallerie a. D. aus der Reichswehr ausschied.

Literatur[Bearbeiten]

Jürgen W. Schmidt: Die Landräte des Kreises Westprignitz von 1860-1920. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz Bd.12 Perleberg 2012 S.5-60 (Zu Traugott von Jagow speziell S.12-26)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten, 45, 365
  2. Jagowstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  3. Wolfgang von der Groeben: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006. Düsseldorf 2006