Traunstein (Berg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Traunstein
Der Traunstein von Traunkirchen

Der Traunstein von Traunkirchen

Höhe 1691 m ü. A.
Lage Oberösterreich, Österreich
Gebirge Oberösterreichische Voralpen
Dominanz 11,8 km → Alberfeldkogel
Schartenhöhe 694 m ↓ Magdalena
Koordinaten 47° 52′ 25″ N, 13° 50′ 26″ O47.87361111111113.8405555555561691Koordinaten: 47° 52′ 25″ N, 13° 50′ 26″ O
Traunstein (Berg) (Oberösterreich)
Traunstein (Berg)
Typ Wettersteinkalk
Normalweg Wanderung
Westseite mit Traunsee

Westseite mit Traunsee

Der Traunstein ist ein schroffer, 1.691 m hoher Berg am Ostufer des Traunsees im Bezirk Gmunden. Wegen seiner isolierten, ins Alpenvorland vorgeschobenen Position und der direkt in den See abfallenden Wände wirkt er wie ein Felsbrocken in der Landschaft und ist daher ein beliebtes Fotomotiv. Seine markante Silhouette ist weithin sichtbar, bei klarer Luft bis zu 150 km. Deswegen wird er oft als Landeswarte oder Wächter des Salzkammergutes bezeichnet.

Geografie[Bearbeiten]

Im Norden ist der gewaltige Kalkklotz vom Gschliefgraben und im Süden vom Lainautal begrenzt. Im Westen fallen die Wände steil in den Traunsee ab. Im Osten befindet sich der Laudachsee. Hier ist der Traunstein durch die Hohe Scharte vom Katzenstein getrennt. Das gesamte Gebiet inklusive des Laudachsees umfasst 145 Hektar und steht seit 1963 unter Naturschutz. Es reicht von 480 m bis 1691 m ü. A.

Der Traunstein gipfelt in einem kleinen Plateau zwischen Fahnenkogel, Traunkirchner Kogel und Pyramidenkogel. Auf dem Pyramidenkogel befindet sich das Gipfelkreuz.

Geologie[Bearbeiten]

Die Ostseite des Traunsteins, vom Zwillingskogel aus gesehen.

Der Traunstein besteht als Teil der Höllengebirgsdecke aus Wettersteinkalk. Seine Nordabstürze bilden die Deckenstirn. Zwei Bänder aus Gutensteiner Kalk ziehen vom Seeufer bis zur Gipfelregion durch den Fels. Diese treten im Brand- und im Peckgraben zutage. Nach Norden schließt sich im Zierlerberg und der Kaltenbachwildnis die Langbathscholle an. Diese besteht aus Hauptdolomit, der zu feinem Grus verwittert. Durch den Gschliefgraben vom Traunstein getrennt, schließt sich mit dem Grünberg die Flyschzone an.

Im Kalkstein gibt es Karsterscheinungen, so etwa eine große Doline auf dem Gipfelplateau.

Die vorgelagerte Position des Traunsteins wurde von einer tektonischen Störung, der sogenannten Traunstörung, verursacht. Diese verläuft in Nord-Süd-Richtung durch den Traunsee. Die Höllengebirgsdecke wurde hierbei um gut fünf Kilometer nach Norden verschoben und findet nach Süden im Traunkirchner Sonnstein die Fortsetzung.

Seit Anfang Dezember 2007 haben sich im Bereich des Gschliefgrabens große Mengen von Erd- und Geröllmassen in Bewegung gesetzt. Wegen der drohenden Gefahr mussten 55 Häuser evakuiert und die Traunsteinstraße gesperrt werden. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen konnten ein weiteres Abgleiten bisher verhindern (Stand 2010).[1]

Flora[Bearbeiten]

Gipfelplateau mit Fichten und Latschenbestand. Links der Fahnenkogel, rechts der Pyramidenkogel

Infolge der Höhe und der Exposition zeigt sich am Traunstein eine sehr unterschiedliche Vegetation.

Im Westen und Norden befinden sich buchendominierte Fichten-Tannen-Buchen-Wälder, die hier nur einen schmalen Gürtel einnehmen und bereits in geringer Höhe von Nadelwäldern abgelöst werden. An unzugänglichen Stellen haben sich große Eiben erhalten. Auf trockenen und felsigen Oberflächen gibt es Bestände von Schneeheiden-Rotföhren-Wäldern. Im Lainautal dominiert ein Schluchtwald aus Gemeiner Esche, Bergahorn, Rotbuche und Bergulme die Vegetation. Im Bereich des nach 40-jähriger Unterbrechung wieder begehbaren Zierlersteigs (auch Zirlasteig, Kletteranstieg bis zum Schwierigkeitsgrad II+ nach UIAA) gibt es Knabenkräuter und den Frauenschuh.

Am steilen Seeufer der Westseite schaffen Föhn und Wasser ein begünstigtes Mikroklima mit einer Reduktion der Frosttage um 19 Prozent. Hier gedeihen wärmeliebende Arten wie Sommerlinde, Wolliger Schneeball, Echte Mehlbeere und Felsenbirne.

Im Gipfelbereich befinden sich ein Polsterrasen und ein sogenannter Fichten-Kampfwald mit Bergkiefern.

Fauna[Bearbeiten]

An Großtieren sind in den Wäldern Rotwild und bis zum Gipfel Gämsen verbreitet. Um den Laudachsee finden Feuersalamander und Alpensalamander ihren Lebensraum. Im Laudachsee und in nahen kleinen Bachläufen finden sich Flusskrebse. Die Raupen des Apollofalters ernähren sich von der Weißen Fetthenne (Sedum album) die recht häufig vorkommt.

Der Steinadler kreist oft über dem Traunsteingebiet. Seltener zu beobachten sind Zwergschnäpper, Haselhuhn und Sperlingskauz.

Im Nordwesten befindet sich in der Kaltenbachwildnis ein Pfeiler aus Wettersteinkalk, der bis heute Adlerhorst genannt wird. Bis 1882 waren hier sechs Horste des Fischadlers bekannt, der in den höchsten Wipfeln schirmförmiger Rotföhren seine Horste errichtet. Vom k. k. Forstpersonal wurden die Vögel jedoch als Fischräuber betrachtet und sämtliche Horste wurden mit den Jungen in die Tiefe gestürzt. Wenige Jahre später war der Fischadler vom Traunstein verschwunden. Inzwischen kommen einzelne Exemplare wieder nach Oberösterreich, sodass eine Wiederbesiedlung möglich erscheint. In diesem Teil des Gebiets ist auch die Kreuzotter heimisch.

Wege[Bearbeiten]

Der unterer Einstieg des Hernlersteiges

Auf den Berg führen drei markierte und gesicherte Wege sowie etliche nur klettertechnisch versierten und erfahrenen Bergsteigern vorbehaltene Aufstiege.

  • Der Hernler-Steig führt westseitig direkt auf den Traunstein und wurde 1905 eröffnet. Er ist nach dem Gmundner Alpinisten Hans Hernler († 1933) benannt.
  • Der Naturfreundesteig führt über den Südwest-Grat und wurde 1929 eröffnet. Der Einstieg befindet sich direkt am Ende des zweiten Mairalm-Forststraßentunnels beziehungsweise bei der Brücke über den Lainaubach. Der Ausstieg befindet sich direkt beim Traunstein(Naturfreunde)haus auf dem Traunkirchnerkogel. Wegen hoher Steinschlaggefahr erfolgte 2001 eine teilweise neue Trassierung.
  • Der Mairalmsteig von Süden ist der älteste und leichteste Weg auf das Plateau.
  • 2005 wurde der Traunsee-Klettersteig (Schwierigkeitsgrad D) errichtet, der, beginnend am Hernler-Steig, die letzten 150 Höhenmeter zur Gmundner Hütte direkt überwindet. Für die Begehung ist eine Klettersteig-Ausrüstung erforderlich.

Ungesicherte schwierige Aufstiege:

  • Zierlersteig
Inzwischen wieder bei Kundigen und erfahrenen Bergsteigern sehr beliebt ist der Zierlersteig, der über die Kaltenbachwildnis und den Adlerhorst über einige leichte Kletterstellen (mit „Steinmandln“ markiert), auf den Zierlerberg und durch die Zierlerschlucht (leichte bis mäßig schwierige Kletterei I-II, eine schwierige Einstiegsstelle (II+); es gab schon etliche tödlich verunglückte Bergsteiger) zur Gmundner Hütte führt. Auf den letzten 70 Höhenmetern zur Gmundner Hütte vereinigt sich der Zierlersteig mit dem Normalaufstieg des Hernler-Steigs. Insbesondere Winterbegehungen hatten in der Geschichte der Besteigungen des Traunsteins zu tödlichen Abstürzen geführt.
  • Ostgrat (I-II)
Aus der Hohen Scharte, dem tiefsten Einschnitt zwischen Katzenstein und Traunstein, führt der Weg zunächst steil durch Geröll und Grashänge aufwärts bis zu einer kleinen Scharte, wo der Grat beginnt. Der Anstieg folgt, bis auf wenige Ausnahmen, wo man nach links (südseitig) ausweicht, immer dem teilweise ausgesetzten Grat. Kurz vor dem Gipfel quert man unterhalb der steilen Gipfelabbrüche auf die Nordseite in die „Grüne Gasse“. Diese klettert man empor und über einen letzten steilen Wandaufschwung gelangt man schließlich auf den Gipfel.
  • Hochkamp
Direkt vom Laudachsee durch die Nordwestabstürze des Traunsteins zum Vorgipfel des Traunstein-Gipfelkreuzes.

Einige der Normalanstiege sind sehr steil und mit Drahtseilen gesichert. Der relativ hohe Schwierigkeitsgrad und die Beliebtheit des Berges, aber auch Selbstüberschätzung und schlechte Ausrüstung mancher Wanderer (Halbschuhtouristen) erklären die große Zahl tödlicher Unfälle. 127 Menschen haben seit Beginn der Zählung 1897 ihr Leben auf dem Traunstein verloren (Stand 2. September 2008). Deswegen sind auf allen markierten Anstiegen Warnungstafeln aufgestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Traunkirchen mit Traunstein um 1900
Gmundner Hütte am Fahnenkogel auf 1.660 m
Die Naturfreundehütte am Traunkirchner Kogel (2010); links der Pyramidenkogel mit dem Gipfelkreuz

Die ehemals Gmundner Kogel genannte Erhebung wurde am 2. August 1837 zu Ehren des Erzherzogs Maximilian d'Este mit einer Weißblechfahne versehen und wird seither Fahnenkogel genannt.

Am Scharnsteiner Kogel wurde 1858 für Vermessungszwecke eine Holzpyramide errichtet, er heißt seither Pyramidenkogel.

Gipfelkreuz[Bearbeiten]

Das zehn Meter hohe Gipfelkreuz der Kriegsheimkehrer befindet sich auf dem Pyramidenkogel und ist den gefallenen Soldaten beider Weltkriege gewidmet. 520 Männer und 80 Frauen transportierten 1950 in nur zwei Tagen die rund 4.000 Einzelteile auf den Gipfel. Zur Weihe des Kreuzes am 20. August 1950 versammelten sich an die 3.000 Menschen auf dem Plateau.

Hütten[Bearbeiten]

Auf dem Gipfelplateau befinden sich zwei Hütten, die Gmundner Hütte und das Traunsteinhaus.

Die Gmundner Hütte steht auf dem Fahnenkogel (1.660 m) und wurde bereits 1907 vom Gmundner Touristenklub erbaut. Sie durfte bis 1913 mit keiner Tür und keinem Ofen ausgestattet sein, um Wilderern keinen Unterschlupf zu bieten. Seit 1954 wird die Hütte von der Alpenvereinsektion Gmunden betreut. Die Gmundner Hütte bietet Schlafplätze für etwa 45 Personen.

Das Traunsteinhaus befindet sich auf dem Traunkirchner Kogel (1.580 m) und wurde 1925 bis 1927 erbaut. Nach der Auflösung der Naturfreunde (1934–1945) konfisziert, gelangte es erst wieder 1952 in deren Besitz. Das Traunsteinhaus bietet Schlafplätze für etwa 30 Personen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am Beginn des Mairalmsteigs befindet sich der sogenannte Kaisertisch. Hier pflegte Kaiser Franz Josef bei der Gämsenjagd eine Pause einzulegen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mayer Gerald: Natur für alle. Teil 1. Linz, 1979.
  • Adler, Mrkvicka: Natur-Wanderführer Salzkammergut. Wien, 2005. ISBN 3-902421-11-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Traunstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katastrophentourismus im Gschliefgraben auf orf.at vom 28. April 2010, abgerufen am 31. Oktober 2010