Traute Lafrenz

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Traute Lafrenz (* 3. Mai 1919 in Hamburg), verheiratete Page, ist eine in South Carolina lebende Ärztin. Sie war im Widerstand gegen den Nationalsozialismus an den Aktivitäten der Hamburger und der Münchener Weißen Rose beteiligt. Ihr kam als Verbindungsglied der getrennt agierenden Gruppen eine zentrale Rolle zu.

Leben[Bearbeiten]

Traute Lafrenz wechselte mit 14 Jahren von der Hamburger Klosterschule an die Lichtwarkschule. Sie gehörte zur Klasse der Lehrerin Erna Stahl, die auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 noch im Sinne der freiheitlichen und musischen Tradition der Reformschule unterrichtete, bis sie Ostern 1935 strafversetzt wurde. Deren Unterricht bezeichnete Traute Lafrenz rückblickend als "ein Geschenk fürs ganze Leben".[1] Als an der Lichtwarkschule 1937 die Koedukation aufgehoben wurde, kehrte Traute Lafrenz an die Klosterschule zurück, wo sie Ostern 1938 die Reifeprüfung ablegte. Nach dem Reichsarbeitsdienst (RAD) begann sie, zusammen mir ihrer Klassenkameradin Margaretha Rothe, im Sommersemester 1939 das Studium der Humanmedizin an der Hamburger Universität. Nach dem Semesterende wurde sie im Rahmen des Reichsarbeitsdiensts zur Erntehilfe in Ostpommern eingesetzt. Dort lernte sie Alexander Schmorell kennen, den sie im Sommersemester 1939 an der Hamburger Universität wiedertraf, wo er für dieses Semester für Medizin eingeschrieben war.[2]

Im Mai 1941 wechselte Traute Lafrenz an die Universität München und lernte dort Hans Scholl und Christoph Probst kennen. Sie nahm an vielen Gesprächen und Diskussionen der Weißen Rose, auch bei Kurt Huber, teil. Im Spätherbst 1942 brachte Traute Lafrenz das dritte Flugblatt der Weißen Rose mit nach Hamburg und gab es ihrem früheren Schulkameraden Heinz Kucharski, der es weiterverbreitete. Als am 18. Februar 1943 Hans und Sophie Scholl in der Münchener Universität das sechste Flugblatt der Weißen Rose auslegten und dabei verhaftet wurden, geriet auch Traute Lafrenz in die Ermittlungen der Gestapo. Sie wurde am 15. März 1943 festgenommen, kurz darauf gemeinsam mit Alexander Schmorell und Kurt Huber vom Volksgerichtshof angeklagt und am 19. April 1943 wegen „Mitwisserschaft“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Traute Lafrenz war es gelungen, in den Vernehmungen durch die Gestapo ihre tatsächliche Beteiligung an den Aktivitäten der Gruppe zu verschleiern. Nach ihrer Entlassung aus der Haft am 14. März 1944 wurde sie im Zuge der Ermittlungen gegen den „Hamburger Zweig der Weißen Rose“ bereits zwei Wochen später erneut verhaftet und in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in Hamburg gebracht. Im November 1944 überstellte man sie an das Gefängnis Cottbus, ab Februar 1945 wurde sie von dort über das Frauengefängnis Leipzig-Meusdorf nach Bayreuth transportiert, wo sie am 14. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde.[3]

1947 emigrierte sie in die USA. An der Universität von Berkeley (Kalifornien) und am Joseph’s Hospital in San Francisco schloss sie ihr Medizinstudium ab. Am 2. März 1949 heiratete sie den Arzt Vernon Page. Von 1972 bis 1994 war sie Leiterin der heilpädagogischen Esperanza School für geistig behinderte Kinder in Chicago. Nach ihrer Pensionierung zogen sie und ihr Mann nach South Carolina. Vernon Page starb 1995, seither lebt Traute Lafrenz-Page in ihrem ehemaligen Sommerhaus auf Yonges Island.[4]

Ehrungen[Bearbeiten]

Am 26. November 2007 wurde für Traute Lafrenz in der Münchener DenkStätte Weiße Rose eine mehrmonatige Ausstellung (mit ausleihbaren Tafeln) eröffnet.

2009 wurde ihr von der jüdischen Gemeinde in Hamburg die Herbert-Weichmann-Medaille verliehen. Preisträgerin neben ihr war die zu diesem Zeitpunkt 98-jährige Elsa Werner. Traute Lafrenz erhielt die Ehrung stellvertretend für alle Mitglieder und Unterstützer der Weißen Rose.[5]

Im ehemaligen Zuchthaus Cottbus wurde am 10. Dezember 2013 vom Menschenrechtszentrum Cottbus eine Dauerausstellung eröffnet, bei der in einem Abschnitt die neun Frauen der Hamburger Weißen Rose, insbesondere Traute Lafrenz, Margaretha Rothe und Erna Stahl, gewürdigt werden.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Traute Lafrenz: Augenzeugenbericht; in: Inge Scholl, Die Weiße Rose (erweiterte Neuausgabe), Frankfurt am Main 1993, S. 131-138.
  • Susan Benedict, Arthur Caplan, Traute Lafrenz-Page: Duty and 'euthanasia': the nurses of Meseritz-Obrawalde; in: Nursing Ethics, November 2007, 14 (6) S. 781-794

Literatur[Bearbeiten]

  • Sibylle Bassler: Die Weiße Rose. Zeitzeugen erinnern sich. Reinbek 2006, ISBN 3-498-00648-7.
  • Angela Bottin: Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Audimax der Universität Hamburg vom 22. Februar bis 17. Mai 1991. Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte Band 11, Hamburg 1992, ISBN 3-496-00419-3.
  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt. Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933–1945. Texte, Fotos und Dokumente. Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Rathaus vom 22. Januar bis 14. Februar 2010
  • Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933–1945. Zweite Auflage. Röderberg-Verlag, Frankfurt 1980, ISBN 3-87682-036-7.
  • Peter Normann Waage: Es lebe die Freiheit! Traute Lafrenz und die Weiße Rose. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8251-7809-3. [1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Ursula Meier (Hrsg.): Erna Stahl – Zeugnisse ihres Wirkens im Hamburger Schulwesen nach 1945 und Betrachtungen aus ihrer späteren Lebenszeit. Mit einem Beitrag: Erna Stahls Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8300-5473-3. S. 408 (Brief an die Hrsg.)
  2. Angela Bottin: Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Audimax der Universität Hamburg vom 22. Februar bis 17. Mai 1991. Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte Band 11, Hamburg 1992, ISBN 3-496-00419-3, S. 69
  3. Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933–1945. Berichte und Dokumente, Zweite Auflage, Frankfurt 1980, ISBN 3-87682-036-7, S. 420
  4. Sibylle Bassler: Die Weiße Rose. Zeitzeugen erinnern sich. Reinbek 2006, ISBN 3-498-00648-7, S. 40
  5. Zentralrat der Juden in Deutschland: Herbert-Weichmann-Medaille verliehen; 14. September 2009