Treasury

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Treasury. Treasury als Regierungsinstitution ist in Großbritannien 'Her Majesty's Treasury' (informell "The Treasury"); das US Department of the Treasury ist das US-Finanzministerium.

Treasury bedeutet entweder das Schatzamt eines Landes oder – auf ein Unternehmen bezogen – die Bereiche oder Abteilungen, die mit dem Disponieren und Anlegen der vorhandenen oder zufließenden finanziellen Mittel befasst sind. Zugleich sind diese Abteilungen mit der Sicherung finanzieller Risiken betraut, die heute weit über die Absicherung von Zinsänderungsrisiken oder Wechselkursrisiken hinausgehen können. Die Treasury-Abteilung kann auch Rohstoffrisiken absichern oder sich mit Wetterderivaten beschäftigen, sei es um Unternehmensrisiken zu verkleinern oder um zu spekulieren.

Herkunft[Bearbeiten]

Der Begriff Treasury (von englisch treasure: Schatz) hat sich – zunächst in der Betriebswirtschaftslehre – aus der rechtlichen Verfassung amerikanischer Unternehmen in Deutschland eingebürgert. Die Anteilseigner von US-Kapitalunternehmen bestimmen das Board of Directors (siehe auch Monistisches System), welches die Tätigkeit der Officers (einer Sonderposition in einer Konzernleitung / im Vorstand) überwacht. Einer dieser Officer ist der Treasurer; seine Aufgaben ähneln denen eines Finanzchefs (= "CFO")/Schatzmeisters/Kassenverwalters.

Treasury im Bankwesen[Bearbeiten]

In Kreditinstituten ist Treasury im Rahmen der Gesamtbanksteuerung neben der Steuerung des Marktergebnisses (Geschäfte im Kundenbereich) ein sehr wichtiges Element. Es wird vom Treasury Management wahrgenommen. Der Vorstand ist darin selbst vertreten oder gibt dem Fachbereich die Leitlinien für das Aktiv-Passiv-Management der Bilanz vor. Treasury zielt auf eine Verbesserung der Vermögensallokation ab und darauf, den Fortbestand des Kreditinstituts zu sichern.

Gegenstand des Treasury sind:

  • jedwede Liquiditäts- und Finanzplanung (kurz-, mittel- oder langfristig)
  • die Zins- und Währungsrisiken der eigenen Geldanlagen
  • erkannte Veränderungen im Risikobereich, insbesondere Ausfallrisiken bei Kreditnehmern, um etwaigen finanziellen Nachteilen rechtzeitig vorzubeugen oder ihr Eintreten zu antizipieren
  • Verbesserungen in der Bankbilanzstruktur.

Das Treasury untersucht permanent die Zahlungsströme, berechnet deren Barwert und versucht, Optimierungen aufzuspüren, die im Zeitablauf den Gewinn erhöhen oder den Verlust vermindern. Dazu kann gehören, dass der Treasurer auch außerbilanzielle Geschäfte in Derivaten tätigt.

Den Kreditinstituten sind in § 25a des Kreditwesengesetzes (KWG) besondere organisatorische Pflichten auferlegt, welche auch für den Bereich Treasury das Vorhandensein prüffähiger Dokumentationen zu Aufbau- und Ablauforganisation erfordern. In den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA), abgekürzt MaRisk (BA), sind die Bestimmungen zur Ausgestaltung des Risikomanagements in deutschen Kreditinstituten von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konkretisiert.

Treasury in Unternehmen[Bearbeiten]

Treasury hat auch außerhalb des Kreditgewerbes eine große Bedeutung. Je größer und globaler ein Unternehmen ausgerichtet ist, umso eher ist hier ein spezielles Treasury Management anzutreffen. In Wirtschaftsunternehmen soll das Treasury die Vertriebs- bzw. Einkaufsaktivitäten durch eine Sicherung finanzieller Risiken sinnvoll ergänzen. Die Aufgabenbereiche, für die ein Treasury zuständig ist, sind abhängig von der jeweiligen Ablauforganisation eines Unternehmens. Sie kann übergreifend alle Bereiche bezeichnen, die mit dem Finanz- und dem Finanzrisikomanagement zu tun haben. Bei sehr großen Unternehmen wird der Begriff Treasury oder Treasury-Abteilung nur auf das sogenannte Frontoffice verwendet, die Finanztransaktionen abschließen. Getrennt davon ist die für die Transaktionen zuständige Abwicklung (backoffice) zu sehen sowie gegebenenfalls das Finanzrisikocontrolling. In kleinen Unternehmen liegt der Tätigkeitsschwerpunkt des Treasury auf dem Cash Management. Hierzu zählen

  • die Planung, Optimierung und Abwicklung von ein- und ausgehenden Zahlungen
  • organisatorische Gestaltungen (Bankverbindungen, Kontokonzentration/Cash-Pooling, Bankenclearing, Electronic Banking)
  • Steuerung in der Beanspruchung von Kreditlinien
  • Verbesserung der Zinspositionen (durch mehr Ertrag, weniger Aufwand)

Das Treasury liefert dann außerdem Informationen zum Finanzstatus des Unternehmens.

Wie bei einer Bank werden auch hier vom Treasurer Zins- und Währungsrisiken untersucht und bei Bedarf mit Hilfe derivativer Finanzinstrumente minimiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bartetzky, Walter Gruber, Carsten S. Wehn: Handbuch Liquiditätsrisiko. Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7910-2747-0

Weblinks[Bearbeiten]