Treffurt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Treffurt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Treffurt
Treffurt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Treffurt hervorgehoben
51.13666666666710.2375190Koordinaten: 51° 8′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 190 m ü. NHN
Fläche: 54,76 km²
Einwohner: 5218 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 95 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99830
Vorwahlen: 036923, 036926 (Schnellmannshausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WAK, SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 076
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstr. 12
99830 Treffurt
Webpräsenz: www.treffurt.de
Bürgermeister: Michael Reinz (parteilos)
Lage der Stadt Treffurt im Wartburgkreis
Kaltennordheim Bad Liebenstein Bad Salzungen Barchfeld-Immelborn Berka/Werra Berka vor dem Hainich Bischofroda Brunnhartshausen Buttlar Creuzburg Dankmarshausen Dermbach Diedorf Dippach Krayenberggemeinde Ebenshausen Empfertshausen Ettenhausen an der Suhl Kaltennordheim Frankenroda Frauensee Geisa Gerstengrund Gerstungen Großensee Hallungen Hörselberg-Hainich Ifta Barchfeld-Immelborn Kaltennordheim Kaltennordheim Kaltennordheim Krauthausen Lauterbach Leimbach Marksuhl Vacha Krayenberggemeinde Mihla Moorgrund Nazza Neidhartshausen Oechsen Ruhla Schleid Bad Liebenstein Seebach Stadtlengsfeld Bad Liebenstein Tiefenort Treffurt Unterbreizbach Urnshausen Vacha Vacha Weilar Wiesenthal Vacha Wolfsburg-Unkeroda Wutha-Farnroda Zella ThüringenKarte
Über dieses Bild

Treffurt ist eine Stadt im Wartburgkreis in Thüringen. Sie liegt im Tal der Werra im äußersten Westen des Bundeslandes unmittelbar an der Grenze zu Hessen. Bekannt ist Treffurt für seinen historischen Altstadtkern mit vielen restaurierten Fachwerkbauten, darunter befindet sich mit dem Rathaus auch eines der bedeutendsten Fachwerkgebäude Thüringens. Überragt wird die Stadt von der Burg Normannstein, die ihr weithin sichtbares Wahrzeichen ist. Von Bedeutung ist außerdem die spätromanische Stadtkirche.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Treffurt liegt im nordwestlichen Wartburgkreis direkt an der Grenze zu Hessen. Durch die Stadt fließt die Werra, durch die hier einst drei Furten führten, woher sich der Name Treffurt ableitet. Treffurt liegt größtenteils nördlich der Werra, wobei sich die Altstadt am Hang hinauf bis unmittelbar unter die Burg zieht. Die Umgebung Treffurts hat die Prägung einer Mittelgebirgslandschaft mit dem Tal der Werra in knapp 200 Metern Höhe. Das Landschaftsbild wird auch durch markante Berge bestimmt, zu ihnen zählen: Adolfsburg, Breitenberg (mit Iberg), Töpferberg, Sülzenberg, Sandberg, Kahn und Lindenberg, die teilweise über 400 Höhenmeter erreichen. Sie werden noch übertroffen vom 503 Meter hohen Heldrastein mit dem Turm der Einheit südlich der Stadt.

Vorherrschende Gesteinsart ist Muschelkalk, in den sich das landschaftsprägende Werratal tief eingefressen hat. Nördlich von Treffurt beginnt das Eichsfeld, östlich erstreckt sich der Hainich, westlich der Schlierbachswald und im Süden der Ringgau. In der Umgebung wechseln Wälder und offene Flächen einander ab, wobei die breiten Talflächen landwirtschaftlich geeignet sind und auf den Höhen der Wald dominiert. Die nächstgelegenen größeren Orte im Werratal sind flussaufwärts Mihla und Creuzburg und flussabwärts Wanfried und Eschwege in Hessen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtgliederung

Zur Stadt Treffurt gehören die drei größeren Dörfer Falken, Großburschla und Schnellmannshausen sowie die nur wenige Häuser umfassenden Siedlungen Hattengehau, Schrapfendorf und Volteroda. Alle Orte wurden 1994 eingemeindet.

Geschichte[Bearbeiten]

768 wurde von Karl dem Großen der Bau des Klosters Homburg bei Bad Langensalza beauftragt. Er setzte die Herren „von Driefurt“ als Vögte über das Kloster ein. Treffurt wurde 1104 erstmals auf einer Urkunde des Erzbischofs Ruthard von Mainz erwähnt. Darin wird beschrieben, dass der Bischof in der „Zelle“ bei Falken einen Altar weiht, wobei ein „Pilgrim de Trifurte“ als Zeuge erwähnt wird. Friedrich von Treffurt wurde als Berater von Heinrich Raspe IV. verpflichtet.[2]

Durch die Lage an der Kreuzung zweier Handelsstraßen erlangte Treffurt bereits im Mittelalter regionale Bedeutung. Zum Schutze der Furten wurde bereits im 11. Jahrhundert mit der Anlage der Burg Normannstein begonnen. In der Folgezeit entwickelte sich Treffurt rasch zum bedeutenden regionalen Handelsplatz. Dem wurde 1333 durch die Verleihung des Stadtrechts Rechnung getragen. 1532 erhielt Treffurt durch Kaiser Karl V. das Recht, „einen Wochenmarkt auf jeden Sonnabend und zwey Jahrmärkte auf St. Georgi und St. Simon abzuhalten“.

Treffurt war ab 1336 über Jahrhunderte eine Ganerbschaft im Besitz von Kursachsen, Kurmainz und Hessen-Kassel,[3] bis im 18. Jahrhundert Kurmainz die Landeshoheitsrechte der Ganerbschaft Treffurt allein übernahm.

Treffurt war zwischen 1585 und 1587 von Hexenverfolgungen betroffen. Fünf Frauen und zwei Männer gerieten in Hexenprozesse. Eine 80-jährige Frau wurde hingerichtet, eine Frau starb in der Haft.[4]

1807 kam Treffurt zum Königreich Westphalen und im Jahr 1815 zu Preußen, wo es zum Landkreis Mühlhausen gehörte. 1945 wurden die preußischen Gebiete in Nordthüringen dann dem Land Thüringen zugeordnet. 1950 wechselte Treffurt in den Landkreis Eisenach, ab 1952 mit neuen Grenzen als Kreis Eisenach im Bezirk Erfurt, dem es bis 1994 angehörte. Danach schloss sich die Stadt dem neu gegründeten Wartburgkreis an.

Hemmend wirkte sich die deutsche Teilung auf die Stadt aus, da sie nun direkt an der Innerdeutschen Grenze lag. In dieser Zeit gingen auch die isoliert liegenden Ortsteile Kleintöpfer und Karnberg verloren, sie mussten 1964 als grenznahe Kleinsiedlungen aufgegeben werden. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 setzte jedoch ein rasches Wachstum ein, es siedelten sich wieder Unternehmen in der Stadt an und der Tourismus begann.

Entwicklung der Einwohnerzahl
  • 1825 – 1.963
  • 1885 – 1.814
  • 1910 – 2.406
  • 1925 – 2.869
  • 1933 – 3.103
  • 1939 – 3.148
  • 1971 – 3.265
  • 1994 – 6.660
  • 1995 – 6.596
  • 1996 – 6.563
  • 1997 – 6.571
  • 1998 – 6.499
  • 1999 – 6.437
  • 2000 – 6.433
  • 2001 – 6.357
  • 2002 – 6.278
  • 2003 – 6.243
  • 2004 – 6.085
  • 2005 – 6.040
  • 2006 – 5.954
  • 2007 – 5.848
  • 2008 – 5.765
  • 2009 – 5.666
  • 2010 – 5.580
  • 2011 – 5.342
  • 2012 – 5.265
  • 2013 – 5.218
  • 2014 –
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Treffurt setzt sich aus 20 Ratsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[5]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) wurde am 8. Mai 2011 gewählt.[6]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Seit der Wiedervereinigung besteht eine, zur Zeit ruhende, Partnerschaft mit der Stadt Spangenberg aus Hessen.[7] Diese beiden Städte verbindet geschichtlich gesehen einiges. Die Stadtrechte der Stadt Spangenberg wurden 1309 durch die Herren von Treffurt verliehen, die sich dann später Herren von Treffurt-Spangenberg nannten. Diese Herren von Treffurt-Spangenberg hatten lange Zeit ihren Sitz auf Schloss Spangenberg, welches sie maßgeblich mit aufbauten.

Es besteht ebenfalls eine Partnerschaft mit dem in Bayern gelegenen Nüdlingen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Treffurt ist als „Fachwerkstadt“ bekannt und stellt eine Mischung von thüringischen und hessischen Kultureinflüssen dar. Bedeutendste Sehenswürdigkeiten sind das Rathaus, ein großer Fachwerkbau aus der Zeit der Renaissance von 1549 mit einem hohen Turm sowie die Burg Normannstein aus der Zeit um 1200 oberhalb der Stadt.

Sehenswert sind darüber hinaus die spätromanische Stadtkirche St. Bonifatius aus dem 13. Jahrhundert, die teilweise erhaltene Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, die neogotische katholische Kirche St. Marien (1863–1867 erbaut), sowie einige besondere, meist aufwändig restaurierte Fachwerkbauten wie das „Ohrfeigenhaus“ von 1608, der Trottsche Hof, der Sächsische, der Hessische und der Mainzer Hof, die während der Phase der Ganerbschaft zur Verwaltung der Stadt dienten, das Falkenstein-Gefangenenhaus sowie das Fachwerkhaus in der Kirchstraße 31, ältestes Wohnhaus Treffurts von 1546.

Am Stadtrand befindet sich die Normannsteinquelle, die in einem Denkmal eingefasst wurde. Der frühere Bahnhof Treffurt und sein ehemaliger Wasserturm stehen unter Denkmalschutz.

Touristisch erschlossen wird die Stadt durch die Deutsche Fachwerkstraße, den Werra-Radweg und den Barbarossaweg.

Mundartprobe[Bearbeiten]

Das folgende Beispiel wurde um 1800 in Treffurter Mundart notiert:

Vater Unser

Voeter uinse (oinse), dähr de bist (best) im Himml,
Gehilligt währe dinn Noemen,
Dinn Rich gekohm,
Dinn Wille geschieh, wie in Himml, oelsu au uf Ähren,
Uinse täjelich Bruäd gep uins hitt,
Un vergepp uins uinse Schuild (Schoild), wie mei
vergänn uinsen Schuildnährn,
Un feür uins nich in Verseüchung,
Sonder erlües uins von dän Eübel,
Denn denn is däs Rich, un de Kroäft,
un de Hährlichkeit in Eüwikeit.
Oemen.

Ulrich Kaspar Seetzen[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wichtiger Wirtschaftszweig in Treffurt ist der Tourismus, daneben bestehen aber auch noch kleinere Unternehmen wie beispielsweise die Hetek Hebetechnik GmbH mit 70 Mitarbeitern. Zu DDR-Zeiten wurde in Treffurt die Zigarrenmarke Sprachlos produziert. Das bekannteste Unternehmen ist die Carl Warrlich GmbH, welche unter dem Markennamen FLAMMAT Kohlenanzünder und Grillanzünder herstellt.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Das Gewerbegebiet Ziddelrasen befindet sich am westlichen Stadtrand von Treffurt gegenüber dem ehemaligen Bahnhof. Es verfügt über eine Gesamtfläche von 1,2 ha (Stand 2009).[9] Ein zweites Gewerbegebiet befindet sich am jenseitigen Werraufer am Schützenplatz.

Verkehr[Bearbeiten]

Der ehemalige Bahnhof; die ehemalige Gleisseite ist heute mit einem Einkaufsmarkt bebaut

Treffurt liegt an der Bundesstraße 250, die Eisenach im Südosten mit Eschwege im Nordwesten verbindet. Eine Landstraße besteht zusätzlich nach Nazza am Hainich.

Die im Jahr 1902 in Betrieb genommene Bahnstrecke Schwebda–Wartha verband Treffurt mit Wanfried und Eschwege im Westen sowie ab 1907 mit Creuzburg und Eisenach im Süden. Im Jahr 1911 folgte die Eröffnung der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt, die die Stadt mit Heyerode und Mühlhausen im Osten verband. Wegen der Sprengung der Werrabrücken am Ende des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Grenzziehung war der Eisenbahnverkehr nach Treffurt ab 1945 nur noch nach Mühlhausen möglich. 1952 wurde der Bahnbetrieb ganz eingestellt, da die Strecke westlich von Treffurt ein Stück über westdeutsches Territorium führte.

Bildung[Bearbeiten]

In Treffurt befinden sich die Staatliche Regelschule Treffurt, eine Grundschule sowie eine Außenstelle der Volkshochschule Wartburgkreis.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Dr. Klemm, Geheimer Regierungs- und Landrat in Mühlhausen, verliehen am 30. Mai 1913 anlässlich des 25-jährigen Amtsjubiläums
  • Karl Becker, verliehen am 23. September 1919 in Anbetracht seiner langjährigen treuen Dienste als Stadtverordneter und Ratmann
  • Hermann Ritter, Inhaber der Firma Martin Brinkmann, verliehen am 6. Mai 1925 anlässlich des 25-jährigen Geschäftsjubiläums
  • Paul Pfuhl, langjähriger zweiter Bürgermeister, Mitglied des Kreistages und Kreisausschusses, veröffentlicht am 4. November 1925
  • Pfarrer August Höppner wurde 1928 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Treffurt für seine Verdienste als Seelsorger und Heimatforscher erteilt.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen Verlag Dr. Bussert & Stadler, 2004 ISBN 3-932906-22-5, S. 202
  3. Alexander Jendorff, Kondominatorische Herrschaftsbeziehungen im Konfessionellen Zeitalter: die Ganerbschaft Treffurt 1555-1630, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte (ZHG) Band 107 (2002), S. 163-180 (PDF; 73 kB)
  4. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 255.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 25. Mai 2014. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 27. Mai 2014.
  6. Artikel in der Thüringer Allgemeine aufgerufen am 9. Mai 2011
  7. Partnerschaftsvereinbarung zwischen Spangenberg und Treffurt
  8. Ulrich Kaspar Seetzen "Vater Unser" nach Deutschen Mundarten In: Proben deutscher Volksmundarten Leipzig 1816. S. 25
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGewerbegebiete in der Wartburgregion. In: Wartburgkreis-Online. Abgerufen am 18. Februar 2010.
  10. N.N. (Kurznachrichten) aus dem Werratal In: Das Werratal. Illustrierte Monatsblätter für Heimat/Kunst/Dichtung. Eschwege 1928, S. 12

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Runzheimer: Treffurt und Burg Normannstein. Von den Anfängen bis zum Ende des Condominiums im 19. Jahrhundert. 24 Aufsätze zur Geschichte. 2. Auflage. Selbstverlag, Gladenbach-Runzhausen 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Treffurt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Treffurt – Reiseführer