Tresor (Club)

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Tresorfassade mit Neonschriftzug und der typischen mit Plakaten beklebten Fassade (2004)

Der Tresor in Berlin zählt zu den bekanntesten Techno-Clubs der Welt. Seit der Eröffnung im Jahr 1991, zunächst in der Leipziger Straße 126–128 in Berlin, ab 2007 im ehemaligen Heizkraftwerk Berlin-Mitte, haben im Tresor zahlreiche DJs aufgelegt und zum Teil ihre Karriere hier begonnen. Mit den Veranstaltungen und dem hauseigenen Plattenlabel Tresor Records hatte der Club Einfluss auf die Entwicklung der Techno-Szene in Deutschland und Europa.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang 1991 entdeckte einer der Chefs des West-Berliner Acidhouseclubs Ufo zusammen mit einem Veranstalter der Tekknozid-Partys auf der Suche nach einer Location für einen Techno-Club den 1926 erbauten Tresorraum des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses, nahe dem Leipziger Platz. Der Tresor eröffnete drei Monate später im März 1991 als erster Techno-Club Berlins. Seine rustikale, dekorationsfreie Einrichtung im ehemaligen Tresor des Kaufhauses an der Leipziger Straße, mit hunderten von aufgebrochenen Schließfächern, sowie die harte, maschinelle Musik, fanden Anklang in Berlin. Der Tresor wurde international berühmt und zum Inbegriff eines typischen Technoclubs.

Während der Love Parade fand die Veranstaltung „Tresor-Park“ mit Sven Väth statt. Im September 1991 wurde das gleichnamige Plattenlabel Tresor Records – von Dimitri Hegemann – ins Leben gerufen.

Die wichtigsten Resident DJs waren unter anderem Tanith, Jonzon, Rok, Roland 138 BPM, Terrible, DJ Clé, Mitja Prinz, Wolle XDP, Dash, Dry, Wimpy, Zky und Djoker Daan. Der Tresor wurde zur Plattform für die internationale Techno-Bewegung. Besonders oft spielten DJs und Live Acts aus Detroit wie Jeff Mills, Juan Atkins, Blake Baxter, Robert Hood, Kevin Saunderson, DJ Rolando und Kenny Larkin im Tresor. Dadurch entwickelte sich im unteren Stockwerk, dem eigentlichen Tresor (auch Die Kammer), der typische Tresorsound mit sehr starken Einflüssen des Detroit Techno. Auch andere internationale Acts trugen zum prägenden Sound bei. Hierzu gehörten insbesondere Cristian Vogel, Joey Beltram, Neil Landstrumm und Dave Tarrida.

Mitte der 1990er existierten die Pläne, im Ruhrgebiet einen Tresor West aufzubauen, was jedoch seitens der CDU verhindert wurde.[1]

Wiederholt stand der Tresor-Club vor der Schließung, und es kursierten viele Gerüchte. Das Gelände in der Nähe des Potsdamer Platzes war zu DDR-Zeiten in Mauernähe geräumt worden, wurde aber nach der Wende wieder für eine Bebauung attraktiv. So bekamen die Club-Betreiber von Anfang an nur sehr kurzfristige Verträge. Die letzte Party im alten Tresor fand am 16. April 2005 statt. Die Betreiber planten anfangs, den gesamten Tresorraum an eine andere Stelle verschieben zu lassen und dort wiederzueröffnen. Diese Idee wurde jedoch nicht verwirklicht. Der Abriss des Tresors mit dem restlichen Gebäude des Wertheim-Kaufhauses erfolgte Ende Mai 2005. Auf dem Gelände entstand dann ein Bürogebäude.

Ab Juli 2005 fanden Tresor-Partys unter dem Motto „Tresor im Exil“ in den Räumlichkeiten der Maria am Ostbahnhof oder im SO36 statt.

Aufbau des Clubs[Bearbeiten]

Tresor Club im September 2003

Der Club hatte mehrere Räume. Im Erdgeschoss befand sich ein großer länglicher Floor, genannt Globus. Dort wurde meist houseorientierte Musik gespielt. Die Lichtinstallation wirkte sehr warm und diskotypisch. Im Erdgeschoss befand sich auch die Aurora Bar, ein kleiner Raum mit eigener Bar, es gab dort eigene DJs, die den Raum beschallten.

Das untere Stockwerk erreichte man vom Globus aus über eine alte rustikale Treppe. Unten befand sich ein flacher Gewölbekeller, in dem sich ein langgezogener schmaler Raum mit einer langen Theke befand. In den Wänden auf beiden Seiten befanden sich noch die alten Schließfächer des Kaufhauses Wertheim. Von der Treppe aus nach rechts endete das Gewölbe im eigentlichen Tresorraum, der von der Bar durch eine Stahlgittertür abgetrennt war. Der Musikstil hier war ein völlig eigener mit sehr starken Einflüssen aus dem Detroit Techno. Oft fanden dort auch Gabberveranstaltungen statt. Die Lichtinstallation hier war minimal und düster wirkend: es gab nur Stroboskope und ein Blaulicht. Dazu wurde viel Nebel eingesetzt.

Entgegengesetzt vom Tresorraum endete die Bar an einer weiteren Treppe, die nach draußen führte. Dort befand sich der Tuna Garden, ein kleiner Garten mit viel Bepflanzung, Bäumen und Sitzmöglichkeiten. Der Bereich war beleuchtet und bot im Sommer Platz für einen Chill Out-Zone oder einen weiteren Ort für Musik von DJs oder Live Acts. Den Tuna Garden erreichte man auch aus dem Erdgeschoss. Im Winter waren der Garten und die Treppe geschlossen.

Mitte 2001 wurde der Globus vergrößert und umgebaut. Es wurden auch Videoinstallationen hinzugefügt. Bekannte Dekorationen waren u.a. die riesige Plasmalampe im Eingang des Globus, die alten kerkerartigen Gittertüren und aufgebrochenen Schließfächer unten im Tresorraum sowie die Holzbühne im Globus, worauf entweder Live Acts spielten oder getanzt wurde.

Medien[Bearbeiten]

Logo des „Tresors“

Im Jahr 2004 erschien von Mike Andrawis die Dokumentation „The Vault And The Electronic Frontier“ über die Geschichte des Tresors.[2] Die Premiere fand am 16. April 2005 während des Filmfestivals Achtung Berlin! statt.[3][4]

Ebenfalls im Rahmen dieses Filmfestivals wurde am 17. April 2009 die Dokumentation Sub Berlin – Underground United im Kino Babylon uraufgeführt.[5] Die Dokumentation wurde auf dem Portobello Filmfestival in London nach der Welturaufführung als Bester Musikfilm ausgezeichnet.[6] Der Film von Tilmann Künzel erzählt sowohl die Geschichte des Tresors, als auch den Übergang des Technos aus dem Underground in die Öffentlichkeit. Gezeigt werden Originalaufnahmen aus dem Club sowie Interviews mit DJs, dem Team um Dimitri Hegemann sowie Patrick Reich, dem Geschäftsführer des Unternehmens, das das Gelände zur Errichtung eines Bürogebäudes erwarb. In dem Dokumentarfilm und gleichnamigen Buch "Wir werden immer weitergehen" von George Lindt wird die Geschichte des Tresors und der Lebensweg des Kulturmanagers und Gründers Dimitri Hegemann erzählt. Im Buch zum Dokumentarfilm finden sich bisher unveröffentlichte Photos aus den Gründungszeit des Clubs sowie den diversen Vorläufern.

Im Internet findet man zudem auf diversen Videoplattformen und in Foren viele mitgeschnittene Videos und DJ-Sets in MP3-Form, darunter eine Reportage von einem japanischen TV-Sender über die Schließung im Jahr 2005.

Tresor 2[Bearbeiten]

Am 25. Mai 2007 hat der Club seine neuen Räume im ehemaligen Heizkraftwerk Berlin-Mitte in der Köpenicker Straße geöffnet. Seitdem finden montags, mittwochs, donnerstags, freitags und samstags Veranstaltungen statt. Ein Teil der originalen Schließfächer aus dem alten Wertheim-Kaufhaus wurde in die neuen Räume mitgenommen und in deren unteren Veranstaltungsraum eingebaut, wodurch die Erinnerung an den alten Club erhalten werden soll.

Das Filmporträt Joschka und Herr Fischer wurde teilweise in den Räumlichkeiten aufgenommen.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Tresor Berlin ist Mitglied des Kooperationsnetzwerkes der Berliner Musikwirtschaft Berlin Music Commission.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tresor Berlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dimitri Hegemann – Past, Present, Future Raveline vom 28. Oktober 2009
  2. Tresor Berlin: The Vault and the Electronic Frontier (2004) auf movies.nytimes.com, abgerufen am 10. Dezember 2009
  3. Tresor R.I.P. – Balance of an attendant auf 3headz.org, abgerufen am 10. Dezember 2009
  4. Artikel in "die tageszeitung" am 15. April 2005. Online abrufbar unter www.signandsight.com
  5. achtungberlin.de. Abgerufen am 19. April 2009.
  6. portobellofilmfestival.com. Abgerufen am 19. April 2009
  7. Website der Berlin Music Commission – Tresor Berlin. Abgerufen am 15. Februar 2011 (deutsch).

52.5113.382777777778Koordinaten: 52° 30′ 36″ N, 13° 22′ 58″ O