Triadisches Ballett

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Das Triadische Ballett ist ein experimentelles Ballett von Oskar Schlemmer. Es entstand ab 1919 in Stuttgart und ab Anfang der 1920er Jahre am Bauhaus in Weimar und wurde am 30. September 1922 in Stuttgart erstmals aufgeführt, 1923 am Bauhaus in Weimar, sowie in Dresden, 1926 zu den Festtagen Neuer Tonkunst in Donaueschingen und im Metropol in Berlin, in Paris 1932.[1]

Charakteristik[Bearbeiten]

Schlemmer beschäftigte sich mit der korrespondierenden Beziehung zwischen Figur und Raum. Da er die Fixierung der Bewegungen in plastischen Werken als einschränkend empfand, wählte er den Tanz als darstellerische Alternative. Das Triadische Ballett besteht aus Raumtanz, Formentanz und Gestentanz. Drei Tänzer (eine Tänzerin und zwei Tänzer) tanzen zwölf Tänze in insgesamt achtzehn Kostümen. Es entstehen außerdem Metalltanz, Glastanz, Reifentanz und Kulissentanz.

Triadisch ist abgeleitet von griechisch Dreiklang, und bezeichnet die mehrschichtige, dreifache Ordnung, die diesen Tänzen zugrunde liegt: der choreographische Komplex Kostüm – Bewegung – Musik, die physischen Attribute Raum – Form – Farbe, die drei Raumdimensionen Höhe – Breite – Tiefe, die drei geometrischen Grundformen Kreis – Quadrat – Dreieck, die Grundfarben Rot – Gelb – Blau; Akteure sind drei Figuren.

Tagebucheintrag Schlemmers aus dem September 1922:

(…) Das Triadische Ballett, das mit dem Heiteren kokettiert, ohne der Groteske zu verfallen, das Konventionelle streift, ohne mit dessen Niederungen zu buhlen, zuletzt Entmaterialisierung der Körper erstrebt, ohne sich okkultisch zu sanieren, soll die Anfänge zeigen, daraus sich ein deutsches Ballett entwickeln könnte, das in Stil und Eigenart so verankert wäre, um sich gegenüber vielleicht bewundernswerten, doch wesensfremden Analogien zu behaupten (schwedisches, russisches Ballett).[2]

Das Triadische Ballett ist in erster Linie durch die Gestaltung seiner Figuren, durch die Kostüme gekennzeichnet und einmalig. Die einfache, klare Gestaltung unter Verwendung geometrischer Formen entspricht seiner aus seinen Studien und Bildern bekannten Formensprache. Die Abstraktion des menschlichen Körpers verleugnet diesen jedoch keineswegs, sondern überhöht und akzentuiert dessen allgemeine Eigenschaften, dessen Geometrie. Die Kostüme geben den Figuren aber auch Individualität und schaffen Eigenarten, die sowohl formalen Genuss bieten, als auch Komik verleihen.

Übrigens wird dem Theater auch am Bauhaus langsam ein Tor geöffnet. Durch eines ist Schreyer eingezogen, Dichter und Maler zugleich, aber im 'Sakralen'. Mir bliebe ergänzend der Tanz und das Komische, zu dem ich mich gern, d.h. neidlos bekenne.[3]

Die Figurinen tragen Titel wie "Spirale" oder "Drahtfigur". Einige der Kostüme des Triadischen Balletts sind erhalten und in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Wesentliche Texte zur Theorie, zusätzlich auch von seiner Frau Tut Schlemmer als der Kostümbildnerin, sind an etwas abgelegener Stelle 1998 in einem Lehrer-Schüler-Heft zusammengestellt worden. Zudem sind seit dem Herbst 2009 mehrere Originalkostüme als Neuerwerbung im Museo Reina Sofia in Madrid ausgestellt.

Aufführungen[Bearbeiten]

  • 30. September 1922 in Stuttgart, Uraufführung
  • 1923 am Bauhaus in Weimar, sowie in Dresden,
  • 1926 zu den Festtagen Neuer Tonkunst in Donaueschingen
  • 1926 innerhalb der Revue "Wieder Metropol" im Metropoltheater Berlin
  • 1932 in Paris unter Mitarbeit von Alf Bayrle
  • 2014 in Berlin, Akademie der Künste Hanseatenweg

Musik[Bearbeiten]

Anfänglich wurden die Tänze mit verschiedenen üblichen Ballettmusiken begleitet. In Donaueschingen mit einer Neukomposition von Paul Hindemith für Mechanische Orgel, aufgeführt von Hermann Scherchen.

Fotografie[Bearbeiten]

Eine Serie berühmter Szenen- u. Einzelaufnahmen der Tänze und Figuren entstanden 1926 durch den Bauhausfotographen Karl Grill in Donaueschingen. Ernst Schneider fertigte 1927 gestellte Gruppenfotos "Gesamtübersicht" für das "Regieheft Hermann Scherchen" in Berlin auf der Grundlage der Metropolaufführung an.[4][5][6].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Paret: Study for the Triadic Ballett 1924. In: Barry Bergdoll: Bauhaus 1919-33. Workshop formodernity. Museum of Modern Art, New York 2009. ISBN 0-87070-758-2
  2. Tagebucheintrag, September 1922, in: Briefe. Tagebücher. Schriften.
  3. Aus einem Brief Schlemmers an Otto Meyer-Amden, vom 13. März 1922; aus Briefe. Tagebücher. Schriften, siehe Literatur
  4. Theaterblog.org
  5. cool2re.gr
  6. "Regieheft Hermann Scherchen", siehe Jeannine Fiedler, Peter Feierabend: Bauhaus. Könemann, Köln 1999. ISBN 3-89508-600-2

Literatur[Bearbeiten]

  • Friederike Zimmermann: Mensch und Kunstfigur. Oskar Schlemmers intermediale Programmatik. Phil.Diss., Freiburg i.Br. 2007
  • Dirk Scheper: Oskar Schlemmer - Das Triadische Ballett und die Bauhausbühne. Phil.Diss., Universität Wien 1970
  • Oskar Schlemmer: Das triadische Ballett. Akademie der Künste, Berlin 1977
  • Dirk Scheper: Oskar Schlemmer. Das Triadische Ballett und die Bauhausbühne. Akademie der Künste, Berlin 1988. ISBN 3-88331-955-4
  • Andreas Hüneke (Hrsg.): Oskar Schlemmer. Idealist der Form. Briefe, Tagebücher, Schriften 1912 - 1943. Reclam Bibliothek Kunstwissenschaften (RUB). Bd 1312. Reclam, Leipzig 1990. ISBN 3-379-00473-1
  • Peter Beye, Gunther Thiem: Die Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung. Stuttgart 1991 (Deutsch-Engl.). ISBN 3-7757-0346-2
  • Oskar und Tut Schlemmer: Werkbiografie O. S. mit Briefauszügen und Originaltexten. In: Lebensdaten und Selbstzeugnisse. Beispiele: Kunst in der Verfolgung. Entartete Kunst (Ausstellung) 1937 in München. Beiheft. Hrsg. v. Landesinstitut für Erziehung & Unterricht Stuttgart. Neckar. Villingen-Schwenningen 1998; darin:
    • O. S.: Kostüme? Mit den Teilen:
      • Tut Schlemmer: Die Kostüme
      • O. S. Warum Ballett? und Mißverständnisse. S. 68 - 70
    • O. S.: Mensch und Kunstfigur. S. 71 - 74 mit mehreren Abb.
    • dsb.: Analyse eines Bildes und anderer Dinge. S. 74 - 78 mit mehreren Abb.

Weblinks[Bearbeiten]