Trient

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Trient (Begriffsklärung) aufgeführt.
Trient
Wappen
Trient (Italien)
Trient
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Trient (TN)
Koordinaten: 46° 4′ N, 11° 7′ O46.06666666666711.116666666667194Koordinaten: 46° 4′ 0″ N, 11° 7′ 0″ O
Höhe: 194 m s.l.m.
Fläche: 157,92 km²
Einwohner: 117.285 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 743 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Albiano, Aldeno, Besenello, Calavino, Cavedine, Cimone, Civezzano, Garniga Terme, Giovo, Lasino, Lavis, Padergnone, Pergine Valsugana, Terlago, Vezzano, Vigolo Vattaro
Postleitzahl: 38121-38123
Vorwahl: 0461
ISTAT-Nummer: 022205
Volksbezeichnung: Trentini oder Tridentini
Schutzpatron: San Vigilio
Website: www.comune.trento.it

Trient (italienisch Trento, trentinisch Trènt, ladinisch Trënt) ist die Hauptstadt des Trentino und der autonomen Region Trentino-Südtirol, der am nördlichsten gelegenen Verwaltungsregion Italiens. Die Stadt zählt 117.285 Einwohner[2], ihr Zentrum befindet sich auf einer Höhe von 194 m. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Fläche von 158 km². Die Stadt ist Sitz des Erzbistums Trient und der Universität Trient mit etwa 15.000 Studenten.

Geografie[Bearbeiten]

Panorama von Trient

Trient liegt, umgeben von Bergen, im Flusstal der Etsch (Adige), 55 km südlich von Bozen und 100 km nördlich von Verona.

Im Westen liegt der Monte Bondone (2091 m), im Nordwesten die Paganella (2125 m), im Nordosten der Monte Calisio (1096 m), im Osten der Marzola (1738 m) und im Südwesten der Becco di Filadonna (2150 m).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind Albiano, Aldeno, Besenello, Calavino, Cavedine, Cimone, Civezzano, Garniga Terme, Giovo, Lasino, Lavis, Padergnone, Pergine Valsugana, Terlago, Vezzano und Vigolo Vattaro.

Verwaltungsgliederung der Gemeinde[Bearbeiten]

Trient ist in zwölf Bezirke gegliedert: Drei Bezirke bilden die Stadt und sind ihrerseits in Stadtviertel unterteilt, die übrigen sind Dörfer.

Geschichte[Bearbeiten]

Trient mit der Paganella (2125 m) und der Brentagruppe
Der Campanile (Glockenturm)

Das Etschtal war schon in der Vorgeschichte besiedelt und bildete eine wichtige Verkehrsroute. Bereits zur rätischen Zeit bestand ein System von Wegen. Die Römer verwandelten die rätischen Routen teilweise in befestigte Straßen, die bei der Eroberung und Erschließung der alpinen Regionen hilfreich waren.

Trient wurde von Kelten gegründet und später von den Römern erobert (Tridentum) wegen den alten keltischen Namen (Trent). Nach dem Fall des Weströmischen Reiches im Jahre 476 fiel die Stadt unter verschiedene Herrschaften, bis Heinrich II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, im Jahre 1004 beschloss, den Bischöfen die weltliche Gewalt zu übertragen (Hochstift Trient). Das 1027 von Konrad dem Salier gesetzte Siegel eröffnete ein neues Kapitel der Trienter Geschichte, in dem sich die Stadt über acht Jahrhunderte behaupten sollte.

Seither gehörte der weitaus größte Teil Tirols zum Herzogtum Bayern. Die bayerisch-langobardische Grenze lag unmittelbar südwestlich von Bozen. Salurn und das Gebiet rechts der Etsch, darunter auch Eppan, und Kaltern bis zur Falschauer in Lana wurden langobardisch. Das Gebiet links der Etsch und das Fassatal wurden bayerisch. Die Christianisierung erfolgte durch die Bischöfe von Brixen und Trient. Der Grenzverlauf blieb auch während der Karolingerzeit und der Ottonenzeit unverändert, während gleichzeitig auch im langobardischen Teil bis Salurn die bajuwarische Besiedlung vordrang.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts gelang es den Grafen von Tirol, einem bayerischen Adelsgeschlecht, im südlichen Teil des Herzogtums ausgehend von Schloss Tirol bei Meran und dem Vinschgau mit der Grafschaft Tirol ein eigenes Territorium mit Trient und Brixen zu schaffen und im 13. Jahrhundert während der kaiserlosen Zeit anerkennen zu lassen.

1407 kam es in Trient zu einer Revolution. Adelige und Bürger der Stadt erhoben sich gegen den Bischof Georg von Lichtenstein (1390–1419). Zeitgleich kam es zu Bauernaufständen in anderen Teilen Welschtirols, so dass sich Herzog Friedrich mit der leeren Tasche gegen den Bischof wandte und diesen aus Trient vertrieb.

Die historische Bedeutung der Stadt ist vor allem begründet in dem Konzil von Trient von 15451563, das der Gegenreformation zu ihrem Auftrieb verhalf und ihren geistigen Rahmen bestimmte. In diese Zeit fiel auch die Neugestaltung von Teilen der Stadt im Renaissancestil. Trient war Sitz der Fürstbischöfe, die auch weltliche Macht ausübten. Ab etwa 1700 kam eine neue architektonische Prägung durch den Barockstil hinzu.

Die Existenz des Fürstbistums endete 1796 durch den Einmarsch napoleonischer Truppen. Durch den Frieden von Pressburg wurde Trient Ende 1805 bayrisch; zum 1806 gegründeten Königreich Bayern gehörte es bis 1810 und war ab 1808 Hauptstadt des bayerischen Etschkreises. Der 1809 geschlossene Friede von Schönbrunn brachte Trient 1810 an das bis 1814 bestehende Königreich Italien. Danach wurde das Gebiet Teil des Kaisertums Österreich, später Österreich-Ungarns. Trient wurde Sitz der Statthalterabteilung für Welschtirol. Im 19. Jahrhundert setzte mit der Verwirklichung technischer Werke wie der Verlegung der Etsch 1858 und dem Bau der Brennerbahn 1859 eine moderne Stadtentwicklung ein, es entstanden Palazzi der Staatsverwaltung und große Hotels. Vor ihrer Begradigung durchzog die Etsch in vielen Windungen den gesamten Nordteil der damaligen Stadt.

Nach dem Verlust der Lombardei und Veneziens und dem darin liegenden Festungsviereck Mantua-Peschiera-Verona-Legnano war die österreichisch-ungarische Südgrenze ungeschützt. Daher begann man in den frühen 1870er-Jahren mit dem Ausbau der Stadt zur Festung. In Erwartung eines möglichen italienischen militärischen Angriffes, der im Ersten Weltkrieg 1915–1918 auch erfolgte, verstärkte und erweiterte Österreich-Ungarn ab 1914 noch einmal massiv die Anlagen der Festung Trient in Stadt und Umland: Festungswerke mit Panzertürmen, Höhlenfestungen und ausgedehnten Schützengrabensystemen. Trient selbst fand sich jedoch zu keiner Zeit im Bereich von Kampfhandlungen wieder.

Nach dem Ersten Weltkrieg fielen die Stadt und das Trentino durch den Vertrag von Saint-Germain an das Königreich Italien. Nach der Absetzung und Befreiung von Mussolini im Jahre 1943 wurde die Provinz Trient zusammen mit den benachbarten Provinzen Südtirol und Belluno Teil der Faschistischen Republik von Salo, militärisch bis Anfang Mai 1945 der deutschen Operationszone Alpenvorland. Noch am Tag der Bekanntgabe der Kapitulation der Wehrmacht in Oberitalien, am 2. Mai 1945, erlebte Trient einen Bombenangriff der Alliierten.

Seit den 1950er-Jahren erfreuen sich sowohl die Stadt als auch die ganze Region eines beständigen wirtschaftlichen Wachstums. Das Trentino gehört heute zu den wohlhabendsten Regionen Italiens. Die Provinz Trient genießt wie Südtirol eine weitgehende Autonomie.

In der Stadt befindet sich auch das Italienisch-deutsche Historische Institut.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Im 20. Jahrhundert hat sich die Einwohnerzahl von Trient vervierfacht (1910: 25.000 Einwohner)

Jahr 1921 1931 1936 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2005
Einwohner 51.174 55.054 56.656 62.887 75.753 91.768 99.179 101.545 104.946 112.142

Quelle: ISTAT

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Trient selbst und auch einzelne Bezirke der Stadt unterhalten zum europäischen Ausland zahlreiche Städtepartnerschaften. Trient besitzt als Partner:

Einzelne Bezirke Trients unterhalten Partnerschaften mit Ergolding, Neufahrn bei Freising, Fließ, Herrsching am Ammersee, Schwaz und Znaim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Domplatz mit der Kathedrale San Vigilio und dem Neptunbrunnen
Westfassade der Kathedrale
Kirche S. Apollinare

An kulturellen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten sind in Trient vor allem zu nennen:

Auf der anderen (rechten) Etschseite:

  • Seilbahn nach Sardagna (bietet einen Ausblick auf die Stadt)
  • Kirche S. Apollinare, 14. Jahrhundert
  • Kirche San Lorenzo, 12. Jahrhundert

Museen[Bearbeiten]

  • Landeskunstmuseum im Castello del Buonconsiglio, dem früheren Sitz der Fürstbischöfe von Trient
  • Historisches Museum von Trient im Schloss Buonconsiglio
  • Tridentinisches Diözesanmuseum und urchristliche Basilika, am Domplatz im Palazzo Pretorio, dem ursprünglichen Sitz der Fürstbischöfe
  • Unterirdisches Archäologisches Gelände des früheren Stadtteils Sas (S.A.S.S.: Spazio Archeologico Sotterraneo del Sas): Ausgrabungen von 1990-2000 von der Römerzeit bis ins 19. Jahrhundert, römische Stadtmauer, Turmfundamente, Straßenteile, Wasserversorgung, Heizungssysteme, Kanalisation, Wohnhausreste mit Mosaiken
  • Tridentinisches Naturkundemuseum „MUSE“
  • Museum des Trentiner Alpenvereins
  • Städtische Galerie zeitgenössischer Kunst
  • Museum Moderner und Zeitgenössischer Kunst (gemeinsam mit der Stadt Rovereto)
  • Historisches Museum der Gebirgstruppen
  • Museum „Museo dell’aeronautica Gianni Caproni“ – Luftfahrt, Wissenschaft und Innovation
  • Museum der Wissenschaft (Muse) im neuen Wohn- und Geschäftsviertel "Le Albere", geplant von Renzo Piano, eröffnet am 27. Juli 2013[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Trient liegt an der Brennerautobahn (A22), die Verona, Bozen, Innsbruck und München verbindet, sowie an der Brennerbahn. Trient ist auch Ausgangspunkt der Nonstalbahn und der Bahnlinie über das Valsugana nach Venedig. In Zukunft soll die A31 (Autostrada della Val d'Astico) Trient direkt mit Vicenza verbinden. Bei Mattarello, rund fünf Kilometer südlich der Innenstadt, befindet sich der Flugplatz Trient, welcher der Allgemeinen Luftfahrt dient.

Der Etsch-Radweg führt durch Trient.

Sport[Bearbeiten]

Der Volleyballverein Trentino Volley spielt in der Serie A1 und wurde seit 2008 je dreimal Italienischer Meister und Pokalsieger sowie dreimal Champions League Sieger und viermal Vereinsweltmeister. Trient ist auch die Heimat des Fußball-Clubs Trento Calcio 1921 in der Serie D.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Referenz[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. ISTAT, Stand am 31. Dezember 2013
  3. derStandard.at Wissenschaft – Welt vom 15. Juni 2013: Trient gönnt sich modernes Wissenschaftsmuseum (apa), abgerufen am 31. Juli 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Iginio Rogger: Storia della Chiesa di Trento. Da Vigilio al XIX secolo. Il Margine, Trient 2009, ISBN 978-88-6089-049-8.
  • Giuseppe Gullino (Hrsg.): Storia di Trento. Dall'antichità all'età contemporanea. Cierre, Verona 2011, ISBN 978-88-8314-609-1.
  • Christine Monika Richter: Trient. Das Tor zum Süden. Styria Regional, Wien 2013, ISBN 978-37-0120-144-0. Auch als eBook verfügbar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trient – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien