Trimeter

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Der Trimeter (griechisch) ist das gewöhnliche Versmaß der griechischen und einiger römischer Dramatiker, bestehend aus drei Metren – gewöhnlich als jambischer Trimeter aus drei Doppeljamben (Dipodien) – mit einer Zäsur, die, gewöhnlich nach der fünften, seltener nach der siebenten Silbe eintretend, den Vers in zwei ungleiche Hälften teilt.

Im ersten, dritten und fünften Versfuß, d. h. zu Anfang jeder Dipodie, kann statt des Jambus auch ein Spondeus stehen, so dass folgendes Schema entsteht [s. Bildansicht]:

Trimeter

Bewundert viel und | viel gescholten, Helena.

In der lateinischen Dichtung gibt es den Senarius noch in einer freieren Form, die in jedem der ersten fünf Füße, also auch im zweiten und vierten, einen Spondeus anstelle des Jambus gestattet, nicht aber im sechsten, dem letzten Versfuß. Da sich in dieser lateinischen Variante des Senarius die Regeln hinsichtlich der ersten fünf Füße nicht unterscheiden, ist es sinnvoll, ihn anstatt nach den drei Metren (Trimeter) der griechischen Dichtung nach seinen sechs Füßen (Senarius) zu benennen.

Der Trimeter zeichnet sich durch Ernst und feierlichen Gang aus, der durch die erlaubten Spondeen noch würdevoller gemacht wird. Die Komödiendichter behandeln ihn übrigens viel freier als die Tragiker, namentlich geben sie ihm durch Einführung von Anapästen an Stelle der Spondeen einen leichteren Charakter.

Von den deutschen Dichtern haben den Trimeter Goethe in der „Helena“, Schiller in einigen Szenen der „Jungfrau“, Platen in seinen Literaturkomödien in Anwendung gebracht.

Ein weiteres Beispiel (von Eduard Mörike, jambischer Trimeter):
Auf eine Lampe
Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
an leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
die Decke des nun fast vergeßnen Lustgemachs.
Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand
der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht,
schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn.
Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist
des Ernstes doch ergossen um die ganze Form
ein Kunstgebild’ der echten Art. Wer achtet sein?
Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.

Literatur[Bearbeiten]

  • W.J. Emmerig: Anleitung zur lateinischen Verskunst. 4. A. Regensburg: J.M. Daisenberger 1825.
  • dtv-Lexikon der Antike. Philosophie, Literatur, Wissenschaft. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.