Triumphwagen

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Der Triumphwagen (auch Ehrenwagen oder Siegeswagen, lat. currus triumphalis) ist ein vorwiegend mittelalterliches Motiv mit dem historischen Hintergrund der griechisch-römischen Quadriga, einem vom offenen Streit-, Renn- oder Triumph-Wagen aus gelenktes Viergespann.

Das Motiv in der Antike[Bearbeiten]

Aus diesem Wagen wurde schon in der vorchristlichen Antike ein Triumphwagen verschiedener Götter, beginnend mit dem Sonnengott Helios, dessen Triumphwagen daher auch Sonnenwagen genannt wird. In der Spätantike fand sich dieses Motiv zum Beispiel in der römischen Provinz Africa (Tunesien) auf einem Mosaik - mit Dionysos als Lenker.[1] Auf einem Sarkophag aus dem 2. Jh. v. Chr. wurde der Triumphzug von Bacchus und Ariadne dargestellt.[2] Auch für nahezu alle anderen römischen Götter findet sich eine Darstellung, insbesondere bei Apollon, Amor, Jupiter und Minerva.

Das Motiv des Fahrzeuges wurde schließlich auch auf die triumphierenden Kaiser angewendet, unter anderem bei Tiberius auf dem "Becher von Boscoreale" aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts und bei Titus auf dem Titusbogen in Rom.

Das Motiv im Mittelalter[Bearbeiten]

Das Motiv bei Dante Alighieri
Sandro Botticelli: Purgatorio XXX, Beatrice

Im irdischen Paradies auf dem Gipfel des Läuterungsbergs trifft Dante auf die Seelen, die ihre Sühne vollendet haben und auf den Eintritt in das Paradies warten. Er sieht einen Siegeszug, dessen Mittelpunkt ein von einem Greifen gezogener carro trionfale ist, welcher die Kirche symbolisieren soll. Im Verlauf dieser Prozession trifft er auf Beatrice, seine große Liebe aus der Vita Nuova. Der Karren der Kirche verwandelt sich durch die verschiedensten äußeren Einflüsse in ein abscheuliches Ungetüm, auf welchem die Hure Babylon Platz nimmt.

Das Motiv bei Francesco Petrarca

Auch die Triumphschilderungen des Francesco Petrarca (1304-1374) in seiner Versdichtung Trionfi wurden vorwiegend antikisierend als Triumphwagen gemalt und gestochen, unter anderem von Philipp Galle († 1612) nach Inventionen von Maarten van Heemskerck († 1574) und von Georg Pencz († 1550),[3] und das obwohl Petrarca selbst den Wagen in seiner Schrift Trionfi nur für die Liebe erwähnt.[4]

Das Motiv in Renaissance und Barock[Bearbeiten]

Diese ambivalente mythologische Allegorie wurde über das Mittelalter hinaus beibehalten.

Triumph der Planetengötter

Unter anderem Francesco del Cossa und Cosmè Tura malten um 1469/1470 im salone dei mesi im Palazzo Schifanoia in Ferrara die Planetengötter als Lenker von Triumphwägen. Später stach Crispin de Passe der Ältere († 1637) wiederum die Planeten als Lenker von Triumphwägen.[5]

Das Motiv bei Albrecht Dürer

Albrecht Dürer († 1528) malte mehrere Triumphwägen für Kaiser Maximilian I. († 1519), zuletzt den Großen Triumphwagen von 1518[6] Dürer kennt aber auch schon die rein allegorische Verwendung des Motivs.[7]

Reuchlin und Pythagoras auf dem Triumphwagen

Auf einem Holzschnitt zu Huttens Schrift "Triumphus Doc. Reuchlini" (1519) ist der Pforzheimer Humanist Johannes Reuchlin (1455-1522) auf dem Lebenswagen dargestellt. 1540 wurde auf einer Randleiste eines fliegenden Blattes mit Melanchthons Lobgedicht auf Wittenberg der "Triumphwagen des Pythagoras" gemalt.[8]

Die Triumphwägen der Elemente

Der flämische Künstler Anton Wierix stach Mitte des 16. Jahrhunderts Triumphwägen der Elemente Erde [1], Luft [2], Wasser und Feuer.

Der Triumphwagen des Antimon von Basilius Valentinus

Und Basilius Valentinus schrieb Anfang des 17. Jahrhunderts einen alchemistischen Klassiker mit dem Titel "Der Triumphwagen des Antimon",[9] der bildlich von den Planetenkräften gezogen wird.[10]

Der Triumph der Kirche bei Peter Paul Rubens
Rubens:Triumph der Kirche über den Götzendienst.

1626 malte Peter Paul Rubens sein bekanntes Bild Triumph der Kirche über den Götzendienst und verwendet dabei das Motiv des Triumphwagens.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Triumphwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bild des Wagens im Bardo National Museum, Tunis
  2. Bild des Wagens auf online-media.uni-marburg.de
  3. Oliver Nagler: Sechs Triumphe nach Petrarca (nach 1539) von Georg Pencz. In: Zwischen Dürer und Raffael. Graphikserien Nürnberger Kleinmeister. Hrsg. v. Karl Möseneder. Petersberg 2010, S. 61–84.
  4. Online-Katalog über den Triumphwagen der Welt auf kgi.ruhr-uni-bochum.de
  5. Siehe auf kgi.ruhr-uni-bochum.de: Jupiter, Saturn, Mars, Venus, Sonne, Mond und Merkur
  6. Großer Triumphwagen für Kaiser Maximilian I. auf bildindex.de, 1518.
  7. Siehe die Bilder auf deutschlandsberg.at: Der Große Triumphwagen, Der Große Triumphwagen, Der Große Triumphwagen
  8. Der Triumphwagen des Pythagoras. Randleiste eines fliegenden Blattes mit Melanchthons Lobgedicht auf Wittenberg (1540) Abbildung, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 1927, Bd. 5
  9. Hans G. Lenz (Hrsg.): Basilius Valentinus: Triumphwagen des Antimons. Text - Kommentare - Studien. 2004
  10. Titelkupfer des Werks, 1727