Trivialität

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Als trivial (lat. trivialis „gewöhnlich“) gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann leicht ersichtlich oder erfassbar angesehen wird.

Ob ein Umstand trivial ist oder nicht, kann allerdings nicht unbedingt verallgemeinert werden: So ist zum Beispiel die Erkenntnis, dass flüssiges Wasser bei sinkenden Temperaturen irgendwann fest wird, für die Angehörigen isolierter Völker der Tropen sicherlich nicht trivial, da Gefrieren unter diesen klimatischen und kulturellen Bedingungen nicht beobachtet werden kann. Die Beurteilung, ob etwas trivial ist, hängt also immer auch von den eigenen Erkenntnismöglichkeiten und vom kulturellen Hintergrund ab.

Daneben kann trivial im Sinne von „alltäglich“ oder „unbedeutend“ auch eine Bewertung oder ein Geschmacksurteil ausdrücken, zum Beispiel bei der Beurteilung von Literatur, die nur der Unterhaltung dient.

Etymologie[Bearbeiten]

Das Adjektiv trivial geht über frz. trivial zurück auf lateinisch trivialis. Dies ist abgeleitet von lat. trivium „Kreuzung dreier Wege“ (wörtlich „Dreiweg“, zu tri- „drei-“ und via „Weg“). Weil sich an solchen Straßenkreuzungen das Volk traf, entwickelte das Wort trivialis die Bedeutungen „gewöhnlich“ und „jedermann zugänglich, allgemein bekannt“.[1]

An den Universitäten des Mittelalters bestand das Grundstudium aus den drei Fächern (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und wurde Trivium genannt. Diese Bezeichnung greift auf die ursprüngliche Bedeutung „drei Wege“ zurück. Zugleich stand das Trivium als einfaches Studium dem anspruchsvolleren Quadrivium gegenüber (Studium der vier Fächer Geometrie, Arithmetik, Astronomie/Astrologie und Musik). Dieser Zusammenhang hat ebenfalls auf die Bedeutung von trivial eingewirkt, denn die Disziplinen des Triviums waren der triviale Zweig des Fächerkanons (siehe auch Trivialschule).[2]

Fachsprachliche Verwendung[Bearbeiten]

In einigen Fachsprachen wird leicht Nachvollziehbares als trivial bezeichnet.

Komplexität (Theoretische Informatik)[Bearbeiten]

Triviale Probleme werden im Zusammenhang mit der Turing-Reduktion in der Komplexitätsklasse P erwähnt. In dieser sind es die beiden Probleme, auf die sich die anderen der Klasse P nicht Turing-reduzieren lassen. Es handelt sich um das Problem „Immer akzeptieren“ und dessen Komplement „Immer verwerfen“. Bei der Turing-Reduktion werden alle Ja-Instanzen bzw. Nein-Instanzen des Ursprungsproblems jeweils auf Ja-Instanzen bzw. Nein-Instanzen im Zielproblem injektiv abgebildet. Die trivialen Probleme weisen jedoch nur einen der beiden Instanzentypen auf, sodass die Instanzen des anderen nicht abgebildet werden können.

Softwaretechnik[Bearbeiten]

Methoden oder andere Dienste mit der Aufgabe, etwas zu suchen beziehungsweise zu finden, können als trivial oder nicht-trivial bezeichnet werden.

  • Trivial sind solche, die eine Variable oder einen anderen einfachen Wert, auf den sie zugreifen können, zurückgeben.
  • Nicht-trivial sind solche, die den gesuchten Wert zuerst finden müssen. Dabei wird meistens eine bestimmte Eigenschaft referenziert. Diese wird dann in einer Sammlung oder einem listenähnlichen Konstrukt nach diversen Kriterien gesucht und danach zurückgegeben.

Mathematik[Bearbeiten]

Mathematische Objekte, Aussagen oder Eigenschaften heißen trivial, wenn sie besonders einfach angegeben werden können, d. h. sich ohne jedes Zutun aus einer Definition oder einem Satz ergeben.[3]

  • 1 und n sind die trivialen Teiler einer natürlichen Zahl n. Man kann sie angeben, ohne Genaueres (wie beispielsweise die Primfaktorzerlegung) über n zu wissen.
  • Da die Nulllösung x=0 eines homogenen linearen Gleichungssystems Ax=0 direkt angegeben werden kann, wird sie dessen triviale Lösung genannt.
  • Jede Menge hat als Teilmengen die leere Menge und sich selbst, die sogenannten trivialen Teilmengen.

Allgemeinsprachliche Bedeutungen[Bearbeiten]

Neben der Bedeutung „einfach, leicht nachvollziehbar“ hat trivial in der Allgemeinsprache weitere Bedeutungen, etwa im Sinne von „unbedeutend, uninteressant“ oder „ohne besonderen künstlerischen Wert“.[1] Als Trivia werden vermischte Informationen bezeichnet, die allgemein keinen besonderen Wert haben oder für ein bestimmtes Thema belanglos sind.

Trivialität in diesem Sinn überschneidet sich mit verwandten Wertungsbegriffen. Während Trivialität sich im Kern auf leicht verständliche Informationen bezieht, kommen bei Banalität leichte soziale Zugangsbedingungen hinzu (z. B. hohe Auflagenzahl, niedriger Preis). Bei Kitsch steht die reflexartig wirkende emotionale Zugänglichkeit im Vordergrund. Diese Phänomene können auch kombiniert auftreten. So gilt Trivialliteratur als wenig komplex, ist überall preisgünstig erhältlich (z. B. Heftchenliteratur) und wird oft als kitschig empfunden.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: trivial – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. trivial bei Duden online.
  2. Vgl. Trivium bei Duden online.
  3. Albrecht Beutelspacher: Das ist o. B. d. A. trivial! Vieweg, Wiesbaden 2004, ISBN 3-528-66442-8, S. 41.
  4. Julia Genz: Diskurse der Wertung. Banalität, Trivialität und Kitsch. Wilhelm Fink, München 2011, ISBN 978-3-7705-5055-5, S. 62, 89 f.